Sky Sports Premier League Montage 2012/2013 (Direktlink)
Die Saison ist vorbei. Die letzten beiden Entscheidungen sind dann auch getroffen worden. Chelsea qualifiziert sich direkt für die Champions League, Arsenal wird Vierter vor den Tottenham Hotspur. Damit wären wir soweit:
Meister: Manchester United
Champions League: Manchester City, FC Chelsea, FC Arsenal (Quali)
Europa League: Tottenham Hotspur, Wigan Athletic, Swansea City
Absteiger: Queens Park Rangers, FC Reading, Wigan Athletic
Aufsteiger: Cardiff City, Hull City, Crystal Palace/Watford
An dieser Stelle also wie immer mein kleiner persönlicher Rückblick auf die vergangene Premier League Saison. Die neue Premier League Saison startet am Samstag, 17. August. Der Spielplan wird am Mittwoch, 19. Juni veröffentlicht. Nun aber erstmal der Rückblick.
Mannschaft der Saison: Manchester United
Sorry, Tottenham, vielleicht die beste Saison der Premier League Geschichte gespielt und mit Gareth Bale den überragenden Akteur der Liga gehabt, aber an Manchester United als Mannschaft der Saison führen wenige Wege vorbei. Nicht weil sie überragend und gut gespielt haben, sondern weil sie im Unterschied zur Konkurrenz ihre Spiele gewannen, abgezockt, manchmal glücklich. Aber das gehört ja dazu.
Spieler der Saison: Christian Benteke, Aston Villa
Seine erste Saison in der Premier League. Hatte maßgeblichen Anteil, dass Aston Villa den Klassenerhalt geschafft hat. Die wenigsten Experten haben damit gerechnet, dass der ehemalige Spieler des KRC Genk in der Premier League so toll einschlagen würde. Die 19 Treffer sind Ausdruck davon, bildete mit Weinmann und Agbonlahor das vielleicht beste und gefährlichste Sturmtrio dieser Premier League Saison. Kein Wunder, dass andere Mannschaften aus Europa Benteke gerne verpflichten würden.
Trainer der Saison: Sir Alex Ferguson, Manchester United
Es war eine große Demütigung für Sir Alex, als vergangene Saison ausgerechnet Manchester City die Meisterschaft gewann, noch dazu die beiden Niederlagen der Red Devils, insbesondere das peinliche 1:6 vor eigenem Publikum. Es war einerseits die große Herzensangelegenheit, andererseits der unbedingte Wille und die Pflicht für Manchester United, diesen Zustand wieder ganz schnell gerade zu rücken. Das wurde in der Saison 2012/2013 eindrucksvoll bewiesen. Nicht unbedingt durch die spielerische Leistung, aber durch die Punkteausbeute. Und letzlich zählt ja das. Den Zustand zu bewahren ist jetzt nicht länger die Aufgabe von Sir Alex, der bekanntlich seinen Rücktritt angekündigt hat, nach 1500 Pflichtspielen auf der Bank der Red Devils, garniert mit 38 Titeln. Was für eine Legende!
Überraschung der Saison: West Bromwich Albion
Eine richtig tolle Hinserie gespielt, leider die gute Form nicht mit in die zweite Saisonhälfte nehmen können. Als viele Baggies-Fans schon von der Europa League träumten, wurden die Ergebnisse schlechter. Trotzdem eine ganz positive Erscheinung der Saison 2012/2013. Denn mit dem eher kleinen Stadion und den geringeren finanziellen Mitteln ist es für Mannschaften wie West Bromwich nicht selbstverständlich dauerhaft in der oberen Tabellenhälfte mitzuspielen.
Enttäuschung der Saison: Newcastle United
In der vergangenen Spielzeit noch die Cinderella-Story und der Einzug in die Europa League konnten die Magpies diese Saison die hohen Erwartungen und guten Leistungen der jüngeren Vergangenheit nicht bestätigen. Alan Pardew, mit einem 8-Jahres-Vertrag ausgestattet, ist umstrittener denn je. Es ist nicht sicher, ob Pardew im Sommer noch auf der Bank in Newcastle sitzt. Die Doppelbelastung aus Premier League und Europa League wirkte wie eine große Bremse. Natürlich gab es auch längere Verletztenlisten, darunter zahlreiche Stammkräfte, wie Cissé, Ben Arfa oder Tiote. The French Revolution sollte es werden. Immerhin hat es jetzt zum Klassenerhalt gereicht. Ansprüche und Erwartungen sind in Newcastle größer geworden. Es bleibt interessant zu beobachten, ob diese 2013/2014 erfüllt werden.
Spiel der Saison: Manchester United – Newcastle United 4:3, 26.12.2012
Es gab diese Saison gar nicht so viele spektakuläre Spiele, die länger in Erinnerung blieben. Meist waren es Spiele mit Beteiligung von Newcastle United. Zwei Tage vor dem 3:7 der Magpies im Emirates Stadium gab es aber den Thriller im Old Trafford, mein Spiel der Saison. Newcastle ging in der ersten Halbzeit zweimal in Führung, durch Perch und ein Eigentor von Evans, jener sorgte auch für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Evra stellte nach einer Stunde auf 2:2, bevor Cissé auf 3:2 für Newcastle erhöhte, ehe Robin van Persie für den abermaligen Ausgleich sorgte. Als alle Zeichen schon auf Remis standen, schlug Javier Hernandez, in der 90. Minute. Kurz vor der Fergie Time. Da Man City mit 0:1 bei Sunderland verlor, bauten die Red Devils am Boxing Day ihren Vorsprung auf die Citizens auf sieben Punkte aus. Der kleine, aber feine Unterschied, warum Manchester United wurde, wunderbar abgebildet in diesen 90 Minuten.
Tor der Saison: Matthew Lawton, Aston Villa
Es gab ja mal wieder richtig viele schöne Tore in dieser Saison. Das 3:2 von Gareth Bale beim Sieg gegen West Ham United in der Nachspielzeit, Leighton Baines’ Freistoß beim Sieg von Everton in Newcastle, Dimitar Berbatoves Siegtreffer gegen Stoke, oder der fantastische Ausgleich von Cameron Jerome zum 3:3 gegen den FC Southampton. Und nicht zu vergessen: Das 2:0 von Robin van Persie gegen Aston Villa, das 3:1 von Papiss Demba Cissé gegen Southampton oder das unfassbar gute 7:3 von Theo Walcott gegen Newcastle United. Und nah an meinem Favoriten: Das Tor von Loic Remy gegen Wigan. Aber mein Sieger kommt aus Birmingham. Matthew Lowton beim Sieg von Aston Villa bei Stoke City. Ein großartiges Tor!
Beste Verpflichtung der Saison: Robin van Persie, Manchester United
Aus Sicht eines Arsenal-Fan war es schon bitter, dass Robin van Persie den Verein verließ. Er wollte endlich Titel gewinnen. Und die Meisterschaft hat er ja jetzt auch. Und er hatte mit seinen Toren großen Anteil daran. Mehr ist auch eigentlich gar nicht zu sagen. Der Niederländer hatte wieder das Glück ohne Verletzungen durch die Saison zu kommen. Und die schönsten Tore der Premier League schießt er weiterhin. “Was so schmerzhaft ist, dass Manchester United so weit vor uns in der Tabelle ist. Wir hatten das schon befürchtet, als wir Robin van Persie zu United transferiert haben”, so Arsène Wenger. Wie Recht er doch hat.
Schlechteste Verpflichtung der Saison: Christopher Samba, Queens Park Rangers
Was macht ein Trainer und Vereinsbesitzer, wenn sie viel Geld haben, sportlich mit dem Rücken zur Wand stehen und irgendeinen Impuls für die Mannschaft und Fans geben müssen. Sie verpflichten in der Winterpause Christopher Samba, mittlerweile bei den Neureichen Anzhi Makhachkala unter Vertrag. Im Januar verpflichtet QPR Samba, ein Vertrag über 4,5 Jahre für rund 12 Millionen Pfund Ablöse. Samba kommt zu neun Einsätzen in der Rückserie, kein Tor. QPR steigt sang- und klanglos ab. Dabei war Harry Redknapp nach der Verpflichtung doch so optimistisch: “Chris is just what we need. He’s a monster. Great in the air, quick, a leader, strong, fantastic in both boxes, hard as nails. He’s a proper centre-half. He was willing to take a massive pay cut.” A massive pay cut. Herzlichen Glückwunsch dafür!
Schönster Moment der Saison: Jubeln mit Paolo di Canio
Seine Verpflichtung als Trainer der Black Cats war – vorsichtig formuliert – umstritten, seine Erfahrung als Trainer in der Premier League und vor allem im Abstiegskampf nicht vorhanden. Und dennoch di Canio Sunderland zum Klassenerhalt, jenes Team, das eigentlich schon begraben schien und nicht aus der Negativspirale herauskommen wollte. Eines seiner ersten Spiele führte di Canio nach Newcastle, zum Tyne-Wear-Derby, das Sunderland überraschend deutlich mit 3:0 gewann. Und so engagiert sein Team auf dem Rasen agierte, so phänomenal bescheiden und ruhig jubelte di Canio an der Seitenlinie. Kreidespuren auf seiner Anzugshose waren nur ein Puzzleteil davon.
Peinlichster Moment der Saison: Rassismus und Antisemitismus
Das Thema Rassismus stand diese Saison leider viel zu häufig in den Schlagzeilen. Die Premier League ist eine großartige Liga. Aber es ist nicht alles Gold was glänzt. Und diese Problematik ist weiterhin nicht gelöst. Die Verein verhängen drastische Strafen, die Liga sanktioniert die Vereine. Trotzdem passieren solche Vorfälle noch viel zu häufig. Die Liga ist ein globales Produkt, es gibt viele Rivalitäten, teilweise durch Stadtteile hinweg. Trotzdem kann es doch nicht so schwierig sein, alle Spieler gleichermaßen zu respektieren. Das gilt für die Fans, aber auch für die Spieler. Siehe die haltlosen Anschuldigungen von John Obi Mikel und dem FC Chelsea gegenüber Schiedsrichter Mark Clattenburg. Trauriger Höhepunkt waren aber die West Ham Fans, die beim Auswärtsspiel an der White Hart Lane, wenige Tage nachdem ein Spurs-Fan in Rom mit einer Messerattacke schwer verletzt wurde, “Viva Lazio! Can we stab you every week?” sangen. So was möchte ich bitte nicht mehr sehen und hören. Trotz aller Rivalität.
Überschätzt: Joe Allen, FC Liverpool
Was wurde nicht für ein Theater und Drama um die Verpflichtung von Joe Allen gemacht. Immerhin hat der ehemalige Spieler von Swansea City dem FC Liverpool fast 20 Millionen Euro Ablöse gekostet. Ligatore war dieser Haufen Geldscheine noch nicht wert. Wie hat es The Sun so schön formuliert: “Considering the hype that surrounded his move — and his manager’s faith in him — Allen has to go down as one of the most disappointing moves of the season.
Unterschätzt: Michael Carrick, Manchester United
Als Michael Carrick plötzlich auf der Liste für den Spieler der Saison stand, kamen von vielen die Gegenargumente: Wie Carrick? Wie kann der denn auf so eine Liste kommen, und zum Beispiel Santi Cazorla vom FC Arsenal nicht? Ausgerechnet Arsène Wenger stimmte dann als Erster das Loblied auf den Mittelfeldspieler von Manchester United ein. Zwar hat Carrick nur ein Saisontor erzielt (aber offensiv war noch nie seine große Stärke). Eher durch seine defensive Präsenz trug Carrick maßgeblich zur Meisterschaft von Manchester United bei.
Comeback der Saison: Jack Wilshere, FC Arsenal
Es gibt ja Spieler, die sich nicht von ihrer Karriere trennen können oder nur sehr spät, wie Ryan Giggs oder Paul Scholes zum Beispiel, oder Brad Friedel von den Tottenham Hotspur. Und es gibt Spieler, die nach sehr langer Verletzung wieder häufiger auf dem Platz stehen. Jack Wilshere ist einer davon. Fast zwei Jahre verletzt gewesen kam er diese Saison wieder häufiger zum Einsatz bei den Gunners. Und er zeigte, wie wichtig er für das Team ist und was für herausragende Qualitäten er als Fußballspieler hat. Bleibt zu hoffen, dass Wilshere sich in der Sommerpause gut erholen kann und dann 2013/2014 voll angreift.
Besondere Auszeichung für: Gareth Bale
Ja, der Waliser war der überragende Akteur in dieser Saison (aber als Arsenal-Fan kann ich einen Tottenham-Akteur doch nicht zum Spieler der Saison ernennen). Aber Bale hätte es verdient, auch wenn gerne mal der Vorwurf erhoben wurde, die Spurs seien eine One-Man-Show. Man kann sich doch eher glücklich schätzen einen solchen Spieler in seinem Team zu haben. Bale hat schöne Tore erzielt, wichtige Tore erzielt, für die Wenden in Spielen gesorgt. Er war omnipräsent. Die ganze White Hart Lane wurde blass, als Bale sich für einige Wochen verletzte. Denn Bale ist für Tottenham dauerhaft nicht zu ersetzen. Irgendwann wird das aber passieren. Vorher ziehe ich als Arsenal-Fan den Hut vor dieser Saison. Chapeau, Gareth Bale!
Das ging viel zu langsam: Bacary Sagna, FC Arsenal
Umd die gesamte Saison von Sagna in 25 Sekunden zusammenfassen, muss der Arsenal-Fan sich eigentlich nur die Sequenz kurz vor dem Halbzeitpfiff im Spiel gegen Manchester United Ende April anschauen. Sagna vertendelt den Ball, verliert den Zweikampf, das Laufduell, doch stattdessen kein zu großes Risiko einzugehen, weil genügend Mitspieler noch das Gegentor verhindern könnten, grätscht Sagna Robin van Persie elfmeterreif um. Der Niederländer besorgt den schmeichelhaften Ausgleich. Sagna, auch zurückgeworfen durch viele Verletzungen, ist weit entfernt von der Form seiner besten Jahre. Er hat sich außerdem kein Gefallen getan, frühzeitig anzukündigen, dass er Arsenal verlassen möchte. Dass er jetzt wieder durchblicken ließ, dass er sich einen Verbleib auch vorstellen könnte, zeigt nur, wie innerlich zerrissen Sagna derzeit scheint. Leider einer der Absteiger in dieser Saison. Es ist kein großes Geheimnis, dass Arsenal nach prominenten Ersatz auf der Rechtsverteidigerposition sucht. Zurecht.
Das ging viel zu schnell: Roberto Mancini bei Manchester City
Fast genau ein Jahr nach Gewinn der Meisterschaft darf sich Roberto Mancini einen neuen Job suchen. Niederlage im FA-Cup, das erneute Erreichen der Champions League, bei deren Premiere es nicht zum Einzug ins Achtelfinale gereicht hat – das war halt trotz der Meisterschaft zu wenig. Obwohl Mancini schon mit der Kaderplanung für die neue Saison vertraut und beauftragt war, wenige Tage vor der Entlassung noch mit den Besitzern von Manchester City Abendessen war und es dort überhaupt keine Anzeichen für eine Entlassung gab, ist Mancini seinen Job los. Was wieder einmal die Frage nach der Nachhaltigkeit und Kontinutität bei Vereinen mit ausländischen Besitzern aufwirft. Chelsea kann ein Lied davon singen.
Das war schon richtig gut: Leighton Baines, FC Everton
Der, legt man die statistischen Werte zu Grunde, beste Verteidiger der Premier League. Kein Saisonspiel 2012/2013 verpasst Seit 2007 bei den Toffees, trotz vier Angebote dem FC Everton treu geblieben, hat noch einen mehrjährigen Vertrag. Schießt wunderbare Freistöße. Schade, dass ihm bisher noch nicht die große Bühne Champions League vergönnt war. Vielleicht am Ende der nächsten Saison.
Was ich mir für die neue Saison 2013/2014 wünsche:
Weniger Rassismus und Antisemitismus in der Stadien, weiterhin eine üppige Nachspielzeit. Suarez mit Biss im Spiel, aber ohne zu beißen, eine strengere Ahndung von bösen Fouls, viel Erfolg und Glück David Moyes bei Manchester United, einen 20-Tore-Stürmer für den FC Arsenal, einen neuen Investor für den FC Everton, irrsinnige Transfer Deadline Days, einen automatischen Fensterkurbler für Harry Redknapp, Premier League Spiele mit Wolff Fuss am Mikro, Tore am Fließband für Fernando Torres (wird ehe nicht passieren!), zwei spannende walisische Derbys zwischen Cardiff und Swansea, eine bessere Saison des FC Liverpool (eher unwahrscheinlich), ein Titel für den FC Arsenal (wird garantiert passieren in der letzten Saison von Wenger!), keine technischen Probleme der Goal Line Technology und natürlich einen Happy St. Totteringham’s Day im Mai 2014.
Ein vorletztes Wort: Alan Pardew, Newcastle United
“I don’t really care if Arsenal win 4-0 next weekend, if I’m honest. I’m sure Spurs will, but I only care that our fans enjoy themselves.” Zur Ausgangslage vor dem letzten Spieltag, nachdem die Magpies mit dem Sieg gegen QPR den Klassenerhalt geschafft haben
Ein letztes Wort: Arsène Wenger, FC Arsenal
“We have no players on £200,000 a week and I think other clubs will come down to us with financial fair play. We have a more socialist model.” Zu den finanziellen Voraussetzungen der Gunners, um im Januar-Transferfenster teuere Neuverpflichtungen zu übernehmen. Was Wenger verschweigt: Arsenal gibt pro Jahr 143 Millionen Pfund für Gehälter aus, Platz vier in der Premier League.
Ein allerletztes Wort: Sir Alex Ferguson, Manchester United
“I’d like to remind you that even during the bad times, the club stood by me. Your job now is to stand by the new manager.” Sir Alex Ferguson in seiner Abschiedsrede im Old Trafford mit einer klaren Botschaft an die Fans
Das war also die Premier League Saison 2012/2013. Hat wie immer richtig viel Spaß gemacht. Auf ein neues ab August. Danke für die Treue und das Lesen an dieser Stelle.