Mittwoch, 27. Juni 2007 12:24
Hallo aus dem stürmischen Bremen,
im Fußball herrscht immer noch Sommerpause, die erste Vereine beginnen wieder mit den Saisonvorbereitungen, die ersten Trainingslager und Testspiele stehen demnächst bevor. Abseits des rollenden Balles wird derzeit aber auf einem anderen Platz hart zur Sache gegangen. Die Beteiligten sind Arena, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und PREMIERE. Wenn man die vergangenen Monate in Bezug auf die Medienberichterstattung zur Rechte-Vergabe verfolgt hat, konnte man immer noch vor sich hin sagen, dass es im Prinzip viel Lärm um Nichts ist und irgendwie nur zum Austesten möglicher Positionen diente. Nun wird aber seit ein paar Tagen die Gangart etwas verschärft.
Kurzer Rückblick: Seit dieser Saison überträgt der Pay-TV Sender Arena die 1. und 2. Liga und hatte im Dezember 2005 PREMIERE die Rechte vor der Nase weggeschnappt. Man schaffte nach großen anfänglichen Schwierigkeiten ein halbwegs anschaubares Produkt und sendete – entgegen der Prognosen einiger – immerhin die erste Saison noch bis zum Ende. Das große Problem für Arena: Überspitzt formuliert ist man (bzw. der Tochterkonzern Unity Media) pleite. Allein in dieser Saison soll Arena einen Verlust von 200 Millionen Euro erwirtschaftet haben.
Zur Gegenwart: Vor einigen Monaten tauchten erste Gerüchte auf, dass man eine mögliche Rechtevergabe vorziehen würde und die Rechte ab 2009 noch in diesem Jahr oder Anfang 2008 vergeben werde. Mit dieser Aussage erhöhte man den Druck auf Arena und brachte gleichzeitig PREMIERE wieder mit ins Spiel. Denn eines ist klar: Pay-TV kann wohl nur überleben bei größerer Exklusivität. Mit diesem Vorschlag war PREMIERE 2005 gescheitert – und schaut jetzt mit einem Lächeln zu, wie die DFL zurückrudert und den nassen Pudel Arena noch mehr im Regen stehen lässt.
Am vergangenen Sonntag erklärte ein PREMIERE – Verantwortlicher in der WELT am Sonntag, dass man wieder für die Bundesliga-Rechte bieten werde und medienwirksam auf die Pauke hauend, dass man aber mehr Exklusivität fordere. Gesagt getan sprang die DFL mit auf den Zug. DFL Chef Christian Seifert – bei mir übrigens so geschätzt wie Grünkohl -stellte nun im Wirtschaftsmagazin “Sponsors” klar: “Die Entwicklung der Abonnentenzahlen ist natürlich beeinflusst durch einige Faktoren, die Arena in letzter Konsequenz selbst zu verantworten hat“. Unter anderem sei Arena mit der eigenen Satellitenplattform gescheitert und müsse noch zahlreiche Hausaufgaben erledigen, um erfolgreicher zu sein. Wirkungsvoller, aber auch hinterlistiger, kann man Arena das Scheitern nicht mehr bescheinigen.
Die DFL wendet sich also von der Politik und der Vorgehensweise von Arena ab, wobei man feststellen muss, dass es man den Namen PREMIERE, wohl auch mit Bedacht, noch nicht in den Mund genommen hat. PREMIERE und die DFL haben ihre Positionen also schon mal effektiv abgesteckt – nur von Arena hört man nichts, was eigentlich auch nicht verwunderlich ist. Das Ziel von 6 Millionen Abonnenten bis 2009 ist so realistisch wie der Meistertitel für Kickers Emden. Arena steht so ziemlich alleine da in der Medienlandschaft. Viel hängt auch vom Kartellamtverfahren ab, bei dem Arena nun hoffen muss, dass es mit PREMIERE für die Verbreitung via Satellit eine Einigung gibt. Ansonten gehen für Arena ganz ganz schnell die Lichter aus. 200 Millionen Euro Verlust, diverse Bankbürgschaften, die zu begleichen sein werden und einen Kundenstamm v0n 1,1 Millionen. Das sind die Eckdaten, die alles andere als rosig sind. Ganz ganz langsam begreift endlich auch die DFL, dass man mit Arena ein zu hohes Risiko eingegangen ist. Es bleibt abzuwarten, inwieweit man noch deutlicher Stellung contra Arena beziehen wird. Der Anfang ist aber gemacht worden.
Felix