Man hätte ja im vergangenen Sommer meinen können, dass sich die Tarifparteien im Bahnstreik doch noch einigen würden. Man benannte mit Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf zwei prominente Vermittler zwischen den Konfliktparteien, es wurde merklich ruhiger. Man nahm die Auseinandersetzung kaum noch war. Über einen Monat später stehen die Zeichen wieder auf Streik. Was hat man denn in vier Wochen erreicht? Die Antwort ist ganz einfach. Nichts.
Und wenn man sich die derzeitigen Positionen der Verhandlungspartner anschaut, dann kann man auch nicht wirklich optimistisch sein, dass es bis Ende des Monats noch zu einer Einigung kommt. Eine kleine Auswahl aktueller Zitate belegt die verhärteten Fronten zwischen den Tarifparteien, aber auch die Verzweifelung der Politik, die einerseits mal wieder wirtschaftlichen Schaden befürchtet, zum anderen aber auch gerade mit dem Thema der Privatisierung der Bahn schon genug Ärger hat. Kurzum: Die Politiker haben die Schnauze voll, dass die Bahn die Schlagzeilen bestimmt.
“Der Eklat zwischen den Gewerkschaften ist ein schwerer Rückschlag für die Gewerkschaftsbewegung. Alle Beteiligten müssen jetzt auch das Allgemeinwohl und die Volkswirtschaft im Auge behalten.”
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee im “Tagesspiegel” (Freitagsausgabe)
Nun sollte ja hinlänglich bekannt sein, dass die Politik in einzelnen Bereichen nicht den größten Einfluss auf rein wirtschaftliche Entwicklungen hat. Deshalb ist das Zitat auch pure Verzweiflung. Und nochmal: Ich habe das Gefühl, dass vielen Politikern diese ständige Konfrontation mit einem möglichen Bahnstreik auf den Senkel geht.
“Wenn die GDL nicht mit den anderen Gewerkschaften kooperiert, dann müssen wir uns auf einen Streik einstellen.”
Bahn-Personalvorstand Margret Suckale
Das war auch schon so im August, von daher frag ich mich, wieso jetzt alle wieder so aufschreien. Nicht verhandelbare Forderung der GDL war damals ein eigener Tarifvertrag, sprich also auch keine Koorperation mit den Schaffnern und anderen Mitarbeitern. Wer hier das Ende der Gewerkschaftsbewegung sehen sollte, wie Herr Tiefensee, sieht in Niederlagen in Sport auch den Weltuntergang.
“Wir lassen uns nicht am Nasenring durch die tarifpolitische Arena ziehen.”
Transnet-Vorsitzender Nobert Hansen
Tja, und das fehlte dann auch noch. Wenn es schon nicht zwischen Bahn und GDL klappt, kracht es dann auch innerhalb der Bahn-Gewerkschaften. Ich kennem ich jetzt nicht so mit den einzelnen Strukturen bei den Gewerkschaften aus, aber für mich wirkt es unverständlich, dass die GDL nicht schon früher Gegenwind aus den eigenen Reihen bekommen hat. Das war im August nicht so extrem. Nur – und das fehlt mir immer bei der Diskussion – sieht es keiner ein, dass es ohne die Lokführer nicht geht. Also, wie wär es mit etwas Entgegekommen und Unterstützung unter den Gewerkschaften?
“Wir verhandeln nur über einen eigenständigen Tarifvertrag.”
GDL-Chef Manfred Schell
Am 30. September endet die Friedenspflicht. Ab Oktober könnte wieder gestreikt werden, wenn es zu keiner Einigung kommt. Pünktlich zu den Herbstferien in den Schulen. Wo ist Hartmut Mehdorn gerade eigentlich?
Felix