Des einen Freud, des anderen Leid – West Brom vor dem Aufstieg und Southampton immer noch am Abgrund

Erstmal möchte ich was anderes loswerden. Ich frage mich jedes Mal, was es für ein journalistischer Stil ist, wenn man schreibt, ein Team sei so gut wie aufgestiegen. Also entweder man ist aufgestiegen, oder man ist eben nicht aufgestiegen. Warum schreibt man nicht, dass ein Team kurz vor dem Aufstieg stehe. Na klar gibt es auch mal extreme Fälle, wo es nur noch theoretisch möglich ist, dass der Aufstieg oder die Meisterschaft verhindert wird. Aber die Formulierung “so gut wie” ist einfach fürchterlich, finde ich.

Jetzt zum eigentlichen Thema. Die Championship, die zweite englische Liga, bliebt weiter ein Spannungsfeld, im Kampf um den Aufstieg in die Premier League als auch im Vermeiden eines Abstieges in die League One. Kommenden Sonntag findet der letzte Spieltag der regulären Saison statt. Ich werde am Donnerstag noch einmal genauer darauf blicken. Gestern Abend fand das letzte Spiel des 45. Spieltages statt. West Brom konnte mit einem Sieg den Aufstieg in die Premier League perfekt machen, Southampton brauchte ebenfalls drei Punkte um die Abstiegsplätze zu verlassen. Am Ende hieß es nach einem guten Spiel 1:1, was zudem für Southampton etwas schmeichelhaft war, weil West Bromwich Albion die besseren Chancen hatte.

Heißt konkret, dass West Bromwich Albion kurz vor dem Aufstieg steht. Man hat ein Spiel vor Saisonende drei Punkte Vorsprung auf den dritten Platz plus das um 12 Tore bessere Torverhältnis gegenüber Hull City. Für die Baggies ist damit ein Traum fast vor der Erfüllung. Letztes Jahr musste man in die Playoff-Qualifikation, beherrschte im Finale Derby County, verlor aber mit 0:1. Damals waren das Umfeld und die Spieler am Boden zerstört, jetzt kann man wieder von der großen weltweiten Fußballbühne träumen. Und alles haben sie Chris Bunt zu verdanken, der kurz nach seiner Einwechselung das sehenswerte 1:1 erzielte. Die Fans feiern schon den Aufstieg.

Ganz anders die Stimmung an der Sudküste Englands, beim FC Southampton. Mit einem Sieg hätte man die Abstiegsplätze verlassen, jetzt steht man auf dem ersten Abstiegsplatz mit dem deutlich schlechteren Torverhältnis gegenüber Leicester City. Man braucht am Sonntag also einen Sieg, hat den Klassenerhalt aber nicht mehr in eigener Hand. Dementsprechend enttäuscht war auch der Trainer der Saints, Nigel Pearson: “We are disappointed not to have won after going in front but the point gives us more of a fighting chance than if we had lost. It drags other teams back into the equation and applies pressure on them. If we perform like that on Sunday we have a great chance of winning our last game and hopefully staying up.” Nigel Pearson hofft für den letzten Spieltag auch noch einmal auf die Unterstützung der Fans. Für die Heiligen wäre ein Abstieg so ziemlich das schlechtere was passieren könnte. Man würde immer mehr von der Bildfläche verschwinden, vor drei Jahren spielte man noch in der Premier League und war 1992 Gründungsmitglied der höchsten englischen Spielklasse. Und jetzt steht man vor dem sportlichen und finanziellen Abgrund. Und in den lokalen Medien werden schon die Abschiedsgesänge angestimmt.

We had joy we had fun
We had scummers on the run
From tonight you can see
that the Saints are in div 3

Soweit ist es dann noch nicht, aber die Hoffnung ist nicht mehr wirklich groß. Es wird also ein spannender Spieltag am kommenden Sonntag. Mehr dazu dann am Donnerstag noch und in einem Live-Blog am Sonntag.

Autor: medispolis
Datum: Dienstag, 29. April 2008 9:52
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