Der Playoff-Krieger und seine nicht vorhandene Armee

“We didn’t play well enough to win this series,” sagte ein enttäuschter Dirk Nowitzki nach dem Playoff-Aus der Dallas Mavericks. Das Team aus Texas verlor Spiel 5 im Viertelfinale der Western Conference bei den New Orleans Hornets mit 94:99. Das Ergebnis sieht enger aus als der Spielverlauf es vielleicht erwarten lässt. Die Mavericks spielten wieder eine äußerst bescheidene erste Hälfte, konnten am Ende zwar eine kleine Aufholjagd starten, am Ende kam man noch mal auf 94:97 ran, doch vertendelte bei Ballbesitz den eigenen Angriffszug. Auch diese fünfte Partie der Dallas Mavericks in den Playoffs 2008 offenbarte wieder alle spielerischen Schwächen dieser Saison. Bezogen auf Spiel 5 sprechen die Zahlen des Matches einfach nicht für ein funktionierendes und gut organisiertes Team in den Playoffs, das Chancen auf den Titelgewinn hat. Nur 40% Trefferquote aus dem Feld, lediglich 25% von Downtown. Außer Dirk Nowitzki, der wirklich alles versuchte, hat sich kein Spieler der Dallas Mavericks gegen die Niederlage gewehrt. Der Würzburger kam auf recht gute 22 Punkte und 13 Rebounds – danach kam lange nichts. Hoffnungsträger, wie Jason Kidd und Josh Howard, wirken wie Fremdkörper in einem Spielberichtsbogen, wie Neulinge, die gerade versuchen in ihrem ersten Jahr ihre persönliche Wurfstatistik aufzubessern. Dagegen zeigten die Stars der New Orleans Hornets guten, effektiven und durchdachten Basketball. Man spielte wie ein Team, das dieses Spiel von Anfang an gewinnen wollte.

Zum zweiten Mal also in Folge scheiden die Dallas Mavericks in der ersten Runde der Playoffs aus, letztes Jahr gegen die Emporkömmlinge von den Goldon State Warriors, diesmal gegen das zweitbeste Team der Western Conference in der regular Season. Im Prinzip ist ein Ausscheiden gegen die Hornets kein Beinbruch, allerdings darf dies nicht der Art und Weise wie bei den Mavs geschehen. Was wurde nicht alles geschrieben vor den Playoffs, die Mavs hätten eine reale Chance gegen die Playoff-unerfahrenen Hornets. Nur hat dabei keiner berechnet, dass auch die Mavericks ihre besten Leistung zeigen müssen. Und dies war eben nicht der Fall. Insbesondere Spiel 1 und 4 waren negative Schlüsselerlebnisse. Zum Auftakt lag man n New Orleans lange in Führung und gab dann ein sicher geglaubtes Spiel aus den Händen, in Spiel 4 vor eigenem Publikum zeigte man eine erschreckende Vorstellung. Spätestens da wurden alle Schwächen dieser Mannschaft aufgelegt. Schwächen, die auch vergangene Nacht nochmal deutlich auferlegt wurden.

Wie also weiter bei den Dallas Mavericks? Die Dallas Morning News schreiben: “There is no debate now. One early vacation is a fluke. Two is a trend nobody in the organization wants to accept. Failing to get out of the first round for the second consecutive season is a clear sign of how far the team has fallen.” Die Medien in Texas haben sich also auf die Mannschaft eingeschossen. Dass Trainer Avery Johnson eine Zukunft bei den Texaner hat, ist ausgeschlossen. Marc Cuban hat aber nicht nur die Aufgabe einen neuen Trainer zu finden, sondern auch die Pflicht ein neues Team aufzustellen. Denn in dieser Zusammensetzung gewinnen die Mavericks keinen Blumentopf mehr. Außer Dirk Nowitzki konnte kein Spieler gute Leistungen dauerhaft in den Playoffs zeigen, inbesondere in den ersten drei Spielen zeigte der Deutsche fantastische Leistungen, was lokale Medien zum Anlass nahmen, ihn als “Playoff-Krieger” zu titulieren. Die Playoffs haben aber auch gezeigt, dass ein Playoff-Krieger ohne eine vernünftige Armee keine Chance hat. Jason Kidd konnte in keiner Playoff-Partie sein in ihn gesteckten Hoffnungen erfüllen, Josh Howard war viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Und dann war dann eben auch die Komponente Avery Johnson, begann die ersten beiden Spiele mit dem erfahrenen Jarry Stackhouse in der Starting Five, was nicht den erwünschten Effekt gab. Spiel 3 in Dallas füllte dann Jason Terry diese Position aus und tat dies ganz fantastisch. Allerdings eben nur in Spiel 3. Gestern bekam Jarry Stackhouse wieder mehr Spielzeit und verabschiedete sich mit zwei technischen Fouls vorzeitig aus dieser Partie. Wenn es eines Sinnbildes brauchte, dann war es dieser Abgang stellvertretend für das ganze Team.

In der Western Conference haben neben den New Orleans Hornets die San Antonio Spurs (4-1 gegen die Phoenix Suns) das Halbfinale erreicht. Ebenso qualifiziert sind die Los Angeles Lakers. In der vierten Partie führen die Utah Jazz 3-2 gegen die Houston Rockets, die Texaner konnten aber vergangene Nacht verkürzen. In der Eastern Conference sind die Orlando Magic als bisher einziges Team qualifiziert. Cleveland führt gegen die Wizards 3-1, Detroit gewann Spiel 5 gegen die Philadelphia 76ers und führt jetzt 3:2 in der Serie. Und zwischen den Boston Celtics und den Atlanta Hawks steht es 2:2, Spiel 5 ist in der kommenden Nacht.

Nochmal kurz zurück zu den Dallas Mavericks. Dirk Nowitzki gab zu Protokoll: “We didn’t play well enough to win this series.” Aus neutraler Sicht kann man auch sagen, dass seine Mitspieler nicht gut genug waren. Die zweite Enttäuschung in Folge. The Same Procedure every year? Hoffentlich nicht. Also auf ein Neues in den Playoffs 2009, wenn sie denn erreicht werden. Schönen Urlaub.

Autor: medispolis
Datum: Mittwoch, 30. April 2008 7:43
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