NBA Playoffs 2008 Eastern Conference Final Spiel 6, Detroit Pistons – Boston Celtics 81:89

Nachdem vergangene Nacht die LA Lakers dank einer überragenden Veranstaltung von Kobe Bryant die NBA Finals 2008 erreicht haben, wartet das Team von Trainer Phil Jackson jetzt auf den Gegner aus der Eastern Conference. Boston führt die Serie mit 3:2, braucht also einen Auswärtssieg um die Serie zu einem Ende zu bringen. Das gelang in den Playoffs 2008 bisher nur einmal – ausgerechnet in Detroit. Aber die Pistons versuchen ihre Heimstärke dagegen zu setzen.

Es war eine gespannte Atmosphäre vor Spiel 6 in Palace of Auburn Hills in Detroit. Die Pistons standen unter Druck, mussten Spiel 6 gewinnen um weiter Chancen auf das NBA Final zu haben, Boston konnte etwas beruhigter in dieses Spiel gehen auch wohlwissend, dass man schonmal auswärts in dieser Serie bei den Pistons gewonnen hatten. Die Celtics in der Starting Five wieder mit den Großen Drei, Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen wurden von Kendrik Perkins und Rajon Rondo unterstützt. Auch die Pistons konnten ihre beste Mannschaft aufs Parkett schicken mit Tayshaun Prince, Antonio McDyess, Rasheed Wallace, Richard Hamilton und Chanuncey Billups. Für Detroit kam es vor allem darauf an die Kreise von Kevin Garnett halbwegs wieder einzugrenzen, was in Spiel 5 überhaupt nicht gelang. Wichtig auch für das Team aus Michigan die einfachen Jump Shots der Celtics wieder effektiver zu verteidigen.

Nach zwei ersten ausgeglichenen Vierteln stand es 40:37 für die Boston Celtics, keine Mannschaft konnte sich wirklich absetzen, beide Teams spielten ihren Spielstil, konnten aber die gut stehenden Defensivreihen nicht immer überwinden. Einen Leistungsunterschied gab es aber überhaupt nicht festzustellen. Beide Teams vor allem von der Dreier-Linie mit einer erschreckenden Bilanz, erst kurz vor Ende des 1. Viertels konnte Ray Allen den ersten Dreier für Boston im Korb unterbringen.

So ausgeglichen die ersten beiden Viertel waren, desto spannender und rassanter wurde die zweite Halbzeit. Zum ersten Mal hatte man das Gefühl, das Spiel könnte zu Gunsten einer Mannschaft kippen – und zwar in Richtung Detroit. Auch die ersten Minuten des dritten Viertels waren wieder ausgeglichen, drei Minuten vor Ende stand es 58:58, doch dann ein kleiner Schlüsselmoment im dritten Spielabschnitt pro Detroit. Die Pistons führen 64:58, als Paul Pierce ein Wurf von Downtown versenkt, kassiert dabei aber ein mehr als fragwürdiges Offensivfoul. Statt 61:64 aus Sicht von Boston stand es dann 66:58 für Detroit, weil Tayshaun Prince beide Free Throws verwandelte. Mit einer 68:60-Führung ging Detroit in das letzte Viertel, das Momentum klar auf der Seite. Es war spannend zu sehen, wie Boston das vierte Viertel angehen würde. Ganz ehrlich, ich hatte damit gerechnet – auch aufgrund der bisherigen Auswärtsschwäche – dass Detroit das dann souverän nach Hause schaukeln würde, aber da habe ich mich wohl getäuscht.

Denn was die Boston Celtics in den letzten 12 Minuten da für einen Basketball zelebrierten, das war absolut NBA-Champion würdig. Vielleicht war sich Detroit schon etwas zu sicher aufgrund der Führung und wurde dann vom Garnett-Pierce-Express förmlich überrollt. Richard Hamilton eröffnete das vierte Viertel per Jump Shot zum 70:60, danach folgte ein 10:0-Lauf der Celtics, 70:70 knapp sieben Minuten vor Schluss, 72:74 knapp fünf Minuten vor Schluss. Und was der Schlüsselmoment für die Pistons im dritten Moment war, war dieser für die Celtics eine glänzende Einzelvorstellung von Paul Pierce, der nach tollem Zug zum Korb das Foul von Rodney Stuckey aufnahm und per 3-Punkt-Spiel zum 75:74 traf. Erste Führung für die Boston Celtics seit Mitte des dritten Viertels. Und von dort an lief es fast von selbst, man spielte sich in einen kleinen Schlussrausch und brachte die Führung sicher und souverän nach Hause. Am Ende stand es 89:81 für die Boston Celtics. Das vierte Viertel entschied man mit 29:13 für sich.

Am Ende war es vor allem Paul Pierce, der mit 27 Punkten und 8 Rebounds Boston den Sieg ermöglichte, Kevon Garnett kam auf 16 Zähler, Ray Allen konnte 17 Punkte für sich verbuchen. Mannschaftlich waren die Celtics einfach einen Tick geschlossener und kompakter, auch die 29 Punkte von Chauncey Billups und die 21 Zähler von Richard Hamilton konnten Boston letztendlich nicht gefährden. Die Pistons mit schwacher Trefferquote von der Dreierlinie, nur 6 von 21(28,6%), zudem 16 Turnovers. Pistons Coach Flip Saunders steht nach Informationen von ESPN vor einer ungewissen Zukunft, er hat noch einen gültigen Vertrag für die kommende Saison in Detroit, es bleibt aber fraglich, ob er diesen auch erfüllt.

Damit kommt es ab kommenden Donnerstag also zum für viele Experten selbst ernannten Traumfinale zwischen den LA Lakers und den Boston Celtics, ein Spiel, das so viele Geschichten erzählt, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Zum achten Mal treffen sich beide Teams in einem NBA-Finale, zuletzt gewannen 1985 und 1987 jeweils die LA Lakers mit 4:2, aber mehr Tradition in einem NBA-Finale wie diesen gibt es nicht. Schauen wir mal, was wir erwarten können. Mehr dazu dann in den nächsten Tagen.

Ein Jahr medien-sport-politik

Nachtrag: Das EM-Blog wird überleben. Zum Glück, denn ohne es wäre das Leben, na ja….

Gestern konnte ich hier meinen kleinen Geburtstag feiern, seit einem Jahr gibt es nun medien-sport-politik. Auch wenn es in den letzten Tagen hier wieder etwas ruhiger war, habe ich mein Blog richtig lieb gewonnen. So viel will ich eigentlich hier jetzt auch gar nicht sagen.

Seit dem 29. Mai 2007 wurde dieses Blog 77.312 mal angeklickt, 491 Beiträge habe ich geschrieben, 577 Kommentare wurden hinterlassen. Der Tag mit dem höchsten Besucherverkehr war der Tag der Hessen – und Niedersachsen Wahl am 27. Januar. Den Live-Blog haben 2.651 Leute verfolgt. Der Artikel mit den höchsten Klicks war der Artikel über die Veröffentlichung des Premier League Spielplans (3.912 Klicks) und der Artikel über die Hessen- und Niedersachsenwahl (3.412 Klicks).

So, genug der Zahlen. Die vergangenen zwei Wochen waren mal wieder arbeitsintensiv, zudem haben wir intensiv an der EM-Ausgabe des “Spielmacher” gearbeitet. Die neue Ausgabe erscheint in den nächsten Tagen. Mehr wird dazu aber nicht verraten. Von daher blieb eher wenig Zeit zum Bloggen. Als ich abends um 21h30 nach Hause kam, habe ich dann eher für den “Spielmacher” gearbeitet.

Was steht in den nächsten Wochen und Monaten an hier bei medien-sport-politik? Ich werde sicherlich ein paar Spiele der EM live bloggen, nebenbei ein paar Sachen zur Berichterstattung schreiben und auch zum Sportlichen. An dieser Stelle nochmal der Hinweis auf das EM-Blog, das aber nicht mehr lange existieren wird (zu viel Traffic). Also das ganze nochmal vorher besuchen lohnt sich. Dann steht natürlich auch Wimbledon auf dem Programm, der Vorwahlkampf in den USA geht zu Ende. Und im August beginnt dann ja auch wieder die Premier League, auf die wieder besonderer Wert gelegt wird. Und mal schauen, wieviel Wahlkampf wir in Deutschland schon während der Sommerpause bekommen. Nicht dass Peter Hahne seine Sommerinterviews auf einem Marktplatz bei einer Wahlkampfveranstaltung führen muss…

P.S.: Die LA Lakers haben vergangene Nacht die NBA-Finals erreicht. Heute Nacht können die Boston Celtics im Spiel 6 gegen die Detroit Pistons nachziehen. Ich blogge live ab 02h30.

So, genug der Selbstreferenz. Bleibt noch ein Dankeschön an alle Leser des letzten Jahres.

Felix

Umständlich formuliert

Avram Grant wurde heute Abend entlassen. Für mich nichts Besonderes. Hätte er die CL gewonnen, wäre er geblieben, aber zweite Plätze sind im Westen Londons wie krachende Niederlagen. Und dann gleich zweimal Zweiter – das geht gar nicht.

Der ARD-Videotext formuliert das ganze so:

“[...]Das gab der Klub des DFB-Mannschaftskapitäns Michael Ballack bekannt[...]“

Muss man das so umständlich formulieren?

Champions League Finale 2008, Manchester United – FC Chelsea London

Zum ersten Mal treffen sich Manchester United und der FC Chelsea auf der Bühne des Europapokals – und dann gleich im Finale der Champions League in Moskau. Man kennt den anderen Gegner, seine Spielweise, seine Taktik und seine Struktuten auwendig. Mal sehen, ob Sir Alex Ferguson oder Avram Grant noch mit Geheimnissen überraschen können zu ganz später Stunde in Moskau. Es ist das erste Champions League Finale, das an zwei Tagen gespielt wird. Russlands Hauptstadt in englischer Hand, das Finale hier live mitgebloggt ab 20h00.

Die SPD gräbt sich eine tiefe Grube – wieder mal.

Bei Patje wird ausführlich darüber berichtet, dass die SPD im kommenden Jahr wieder mit einer eigenen Kandidatin für die Wahl zum Bundespräsidenten antreten wird. Wobei ja theoretisch überhaupt noch nicht klar ist, ob Horst Köhler wieder antritt. Bis zum 1. Juli soll es eine Entscheidung geben.

Ganz ehrlich, liebe SPD, ich kann es nicht verstehen. Wir haben einen überaus populären, fähigen, kompetenten, volksnahen Bundespräsidenten, der seiner Arbeit unaufgeregt, exellent und sehr harminisch nachgeht [Schön zu lesendes Porträt über den Bundespräsidenten von Stefan Braun in der Süddeutschen Zeitung] Wieso braucht es dann einen neuen Kandidaten? Nur weil Köhler bei der CDU ist? Das ist mehr als lächerlich von den Sozialdemokraten.

Und das schlimmste überhaupt ist, dass wir jetzt wieder eine Diskussion führen, die total überflüssig ist und die dringenden Probleme, die wir eigentlich zu bekämpfen haben, wieder in den Hintergrund drückt. CSU-Chef Huber spricht bei Spiegel Online Klartext. Die SPD bereite einen rot-roten Pakt mit der Linkspartei vor. “Verfassungsfeinde”, so Huber, “dürfen nicht über das höchste Staatsamt entscheiden”. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat Gesine Schwan ihre Kandidatur parteiintern bereits zugesagt.

Und in der Koalition ist das Klima momentan alles andere als freundlich. Und Thomas Oppermann von der SPD hat nichts Besseres zu tun, als der CDU dafür die Schuld zu geben. Und stattdessen diskutiert jetzt ganz Deutschland und seine Politik wieder darüber. Wer Schuld hat, wie verfassungsfeindlich die Linkspartei ist, und ob die Große Koalition überhaupt noch hält.

Und, damit wir uns hier richtig verstehen. Ich finde die Worte von Erwin Huber durchaus überzogen. Aber Verantwortung für diese ganze unsägliche Diskussion hat nur einer: Kurt Beck. Wenn man meint, ein Führungspolitiker kann nicht tiefer fallen, scheint es keine Grenze nach unten zu geben. Ich würde mir wünschen, Kurt Beck hätte einfach gesagt, dass Köhler das Vertrauen der Bevölkerung genießt und daher die SPD geschlossen eine zweite Amtszeit unterstützt. Aber der Duft der Macht hat auch die SPD benebelt. Schade. Mal wieder eine Chance verpasst etwas an Charisma zurückzugewinnen.

Einfach nur Mallorca

Hach, Fußballprofi der deutschen Nationalmannschaft müsste man sein, 25 Grad und strahlender Sonnenschein, das tiefblaue Mittelmeer um sich herum, Zeit für Beach-Volleyball, Tennis oder sogar Ausruhen und Relaxen. Man könnte meinen die 26 Spieler und der Trainerstab sind auf Klassenabschlussfahrt nach der Bundesliga-Saison, allerdings mit der Einschränkung, dass der Ballermann 6 nur aus großzügiger Entfernung betrachtet werden darf.

Ist dann irgendwie doch nicht so. Aber nach der ganzen Aufregung der vergangenen Tage um Nominierungen, Bergtouren, schmerzliche Absagen und Zukunftsperspektiven hat man endlich mal seine Ruhe. Das war schon eine putzige Veranstaltung auf der Zugspitze, schade, dass Berge nicht schreien können, dann wären einige Leute vielleicht da gar nicht hochgekraxelt, Leute, die da oben nichts verloren hatten. Und was wurde danach nicht alles geschrieben, von einem Löw-Casting war die Rede mit der kompetenten Juroren Andreas Köpcke und Hans-Dieter Flick. Nur die Mittermeiers konnten leider nicht per SMS abstimmen, wen sie dabeihaben wollten. So viel Trubel um 52 Fußballerfüße gab es selten, wobei das größte Drama gab es ja auch um ein Paar Schuhe, die des Valencia-vor-dem-Abstieg-Bewahrer Timo Hildebrandt, der so mir nichts, dir nichts seine Karriere in der Nationalmannschaft begraben musste. Valenica vor dem Abstieg retten ist eben nicht so hochwertig wie Hannover 96 die beste Saisonplatzierung zu bescheren.

Zum Glück war die Diskussion um die Nominierten recht schnell verflogen, mit den meisten Spielern konnte man sich arrangieren. Und zum Glück vermied es Bundestrainer Joachim Löw von vorneherein drei Spieler aus dem 26-Mann-Kader auf die Liste der bedrohten Spieler zu setzten. Alle haben theoretisch die gleichen Chancen, wobei man sich gleich ausrechnen kann, dass es einen engen Kandidatenkreis gibt, aus dem dann aussortiert wird. Aber wenigstens haben da alle die gleichen Chancen. Und da wird jetzt auf der Ferieninsel fließig dran gearbeitet, eben beim Beach-Volleyball, beim Dart oder beim Tennis. “Tut uns Leid, Herr Marin, aber ihre Vorhand war nicht optimal genug, und beim Volley schauen sie den Ball nicht lang genug an. Sie müssen gehen.” So wird es dann hoffentlich nicht laufen. Man übe sich jetzt erstmal an polysportiven Aktivitäten, so Oliver Bierhoff. Vor allem einem stößt das übel auf, Jens Lehmann will gleich mit dem Fußballspielen beginnen. Tja, wenn man dazu fast die ganze Saison keine Gelegenheit hatte, ist das nur mehr als verständlich.

Und die Trainingssitzungen der Nationalmannschaft sind nicht öffentlich. Tja, solche Castings müssen ja auch geheim bleiben. Aber immerhin haben Jogis Jungs jetzt weitesgehend ihre Ruhe und können sich akribisch auf die Europameisterschaft vorbereiten. Ich sehe durchaus gute Chancen für die Nationalelf bei der EM, auch wenngleich es spielstärkere Mannschaften gibt, aber eben gerade durch die Taktik und die Fitness können wir diese Defizite wieder ausgleichen. Und dafür muss jetzt der Grundstein gelegt werden. Und so wichtig ist das ja nun auch nicht, dass man dafür jeden Mallorca-Touristen mit Hawaii-Hemd, Birkenstöckern und Socken, sowie der angetrunkenen Sangria-Wampe zuschauen lassen muss. Weiter so, Herr Bierhoff setzen sie sich durch. Dann kann nichts mehr schiefgehen und Mallorca wird ein erfolgreicher Abschnitt in den Vorbereitungen zur EM. Michael Ballack merkt übrigens gar nichts von den Tagen auf den Balearen, er bekommt länger frei. Wer will den auch schon einen enttäuschten und nervenden Chelsea-Spieler nach der Final-Niederlage dabei haben, der die ganze Urlaubsidylle zerstört. Auch wenn Chelsea Manchester United besiegen sollte, kommt der Micha übrigens später.

So, damit wäre ja alles gesagt. Läuft doch bisher alles rund auf Mallorca. Und, ja, ach so, Oliver Bierhoff war sich heute nicht zu schade herauszustellen, dass die Spielerfrauen ihren Aufenthalt selbst bezahlen, das Geld kommt nicht aus dem Etat des DFB. Also da habe ich dann doch schon etwas verwundert geschaut. Ich hätte erwartet, dass wenigstens die Männer das übernehmen, verdienen doch genug. Aber jetzt dürfte auch klar sein, warum die Spielerfrauen keine Trinkabende am Ballermann veranstalten. Das Geld reicht nicht mehr. Hat der DFB also auch noch für familiäre Nähe gesorgt. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Espero que hayas disfrutado tus vacaciones, Herr Lehmann.

Zitat des Tages: Dienstag, 20. Mai 2008 – Ein Märchen wird vollendet

“Niemand hätte jemals geglaubt, dass der 46jährige schwarze Barack Obama der Kandidat sein wird. Es hat geklappt – wegen Euch. Ihr habt den Wahlkampf finanziert, ihre habt Euch organisiert, Ihr habt beschlossen, Eure Regierung wieder in Eure Hand bekommen zu wollen. Dafür werden wir bis November kämpfen.” Barack Obama auf einer Wahlveranstaltung in Portland, US-Bundesstaat Oregon

Die letzten Tage im Vorwahlkampf der Demokraten haben eine neue Dynamik bekommen. Alles begann damit, dass John Edwards sich auf die Seite von Barack Obama gestellt hat. Seitdem wird im Wahlkampfteam von Obama fleißig daran gearbeitet, Obama möglichst würdig und inszeniert zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zu küren. Geschehen soll dies heute Abend nach den Vorwahlen in Kentucky und Oregon. Denn nach letzten Umfragen sieht es so aus, dass Obama mit einem Sieg in Oregon die nötigen Delegiertenstimmen auf sich vereinen kann, damit er im Sommer auf dem Nominierungsparteitag in Denver die Mehrheit der Delegiertenstimmen besitzt. Nach der Rechnung der Demokraten sind dafür noch 16 Stimmen notwendig, die Obama durch seinen Sieg in Oregon, wo 52 Delegierte verteilt werden, definitiv zusammenbekommt. In letzten Umfragen liegt Obama hier gut 10% vor Hillary Clinton. Der Senatorin aus New York würde somit auch kein eindeutiger Sieg in Kentucky weiterhelfen. Dieser Ansicht ist sie natürlich überhaupt nicht. Wenn sie einen überzeugenden Sieg in Kentucky erringen sollte, so Clinton gestern Abend, dann werde sie weiterkämpfen. Nach letzten Umfragen führt sie teilweise bis zu 30% vor Barack Obama, 51 Delegierte werden vergeben. Demnach würde Clinton also den Rückstand an Delegiertenstimmen aufholen, wenn aber auch nur minimal, nicht ausreichend, um Obama und jetzt immer mehr auch ihre Partei davon zu überzeugen, dass sie noch Kandidatin werden kann.

Barack Obama will sich also heute Abend in Iowa zum Sieger bei den Demokraten küren, in Iowa unter freiem Himmel. Besser kann man es dann wohl nicht machen. Und das Wetter soll wohl auch halten, trocken aber kalt. Für Obama soll sich hier ein Lebensabschnitt vollenden. Am 03. Januar gewann er völlig überraschend seine erste Vorwahl in Iowa – und hier will er jetzt den nächsten Schritt zur Präsidentschaft gehen. Alles begann in Sommer 2004, als Barack Obama auf dem Nominierungsparteitag in Boston eine bewegende, viel gefeierte Rede über das Selbstverständnis der Amerikaner und seinen American Dream hielt. Anwesende Journalisten fragten damals, wer dieser Mann sei. Seitdem blieb Obama immer im Blickfeld der demokratischen Partei als Senator von Illinois. Im Februar 2007 verkündete er dann seine Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten. Im Jannaur 2008 feierte er dann gegen die haushohe Favoriten Hillary Clinton in Iowa seinen ersten Vorwahlsieg, viele weitere sollten folgen, auch am so wichtigen Super Tuesday konnte Hillary Clinton sich nicht entscheidend absetzen. Es folgten acht Vorwahlsiege in Folge, die US-Medien stimmten in die “Obamania” mit ein. Obama spüurte den Aufwind seiner Kampagne “Yes, we can.” Doch die Monate März und April zeigten auch erste Schatten auf die Person Obama, nicht immer ganz glückliche Aussagen über Bewohner auf dem Lande, Obama wirkte blass und ideenlos gegenüber den verschärften Angriffen und Attacken von Hillary Clinton und John McCain. Doch er fand aus seiner Krise zurück. Und heute Abend soll unter den Vorwahlkampf der erste Schlussstrich gezogen werden. Denn ab dann soll es nur noch heißen: Obama, Präsidentschaftsakandidat der Demokraten.

Mir fallen nur wenige politische Karrieren ein, die so harmonisch, so in sich stimmig verliefen wie die von Barack Obama. Aber vielleicht ist so eine Entwicklung auch nur in den USA möglich. Mir persönlich wäre es egal gewesen, ob nun Hillary Clinton oder Barack Obama antreten würde. Wichtig ist mir nur, dass die Republikaner so schnell nicht mehr das Präsidentenamt übernehmen. Aber ich kann eine gewisse Begeisterung für so eine Persönlichkeit und so eine politische Karriere wie die des Barack Obama nicht leugnen. Deshalb freue ich mich, dass diese Vorstellung und sein Ziel wohl gelungen ist. Now he is looking to November, wie CNN es das ausgedrückt hat. Hoffentlich hat er Erfolg. Das Märchen soll weitergehen.

NBA Playoffs 2008 Conference Semifinals Spiel 7, Boston Celtics – Cleveland Cavaliers

Showdown in Neuengland. Während die Detroit Pistons schon seit ein paar Tagen für das Finale der Eastern Conference üben können, müssen Boston und Cleveland Überstunden machen. Nachdem die Cavs Spiel 6 für sich entscheiden konnten, kommt es jetzt zum “do or die” am Sonntagmittag an der Ostküste der USA. Können die Cleveland Cavaliers mit dem ersten Auswärtssieg in dieser Serie ins Conference Final einziehen? Ab 21h15 wird hier live mitgebloggt.

Gegen Steuersenkungen und für mehr Rücksicht auf kommende Generationen

Die CDU ist dieser Tage mal wieder eine ziemlich bunte Truppe, wenn sie das ehe nicht ist, gerade in der Großen Koalition machen sich unterschiedliche Farbgebungen im tristen Politikalltag aber nicht schlecht, sorgen sie doch für wenigstens ein bisschen Unterhaltung. In der aktuellen Steuerdebatte klingt das dann so:

“Angela Merkel muss mit dem Haushalt 2009 aufzeigen, dass die Konsolidierung vor allem anderen kommt – und nur im Rahmen der damit verbundenen Möglichkeiten die übrigen Ziele umgesetzt werden. Jeder Wunsch mag für sich verständlich sein. In der Summe sind sie nicht mehr als schöne Träumerei.” CDU-Ministerpräsident Günter Oettinger

“Das kann noch nicht das letzte Wort gewesen sein. Hier müssen wir etwas tun.” Gerald Weiß, Vorsitzender des Arbeitnehmflügels der Union zum bisherigen “Nein” der Kanzlerin.

Mich nervt die jetzige Debatte ungemein, nicht weil ich Steuersenkungen für schlecht halte, sondern weil die Politik hier mit purem Populismus auf Wählerfang geht. Steuersenkungen sind schlicht nicht möglich in der jetzigen Situation, ganz einfach. Das hat die Regierung hervorragend erkannt um es jetzt wieder auszuheben? Der CDU würde es gut zu Gesicht stehen einmal eine konsequente und stringente Politik verfolgen. Das ist das eine.

Das zweite, was mich ärgert, ist die Tatsache mit welcher Selbstverständlichkeit manche Bürger und Politiker meinen sich aus einem Selbstbedienungsladen das Geld holen zu können. Finanzpolitik ist kein Wunschkonzert. Gerhard Schröder wollte 2006 einen ausgeglichenen Haushalt erreichen, die Große Koalition 2009, jetzt ist das wieder auf 2011 verschoben, wer bietet für 2014 mit? Und ausgeglichener Haushalt ist nichts, wirklich gar nichts, über das man sich wirklich freuen kann, denn es heißt nur, dass im laufenden Haushalt die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen. Unser großer Schuldenberg wird dadurch kein wenig geringer. Das wäre dann erst der nächste Schritt, aber erst muss es überhaupt mal soweit kommen, dass man darüber nachdenken kann. 2007 lag die Staatsverschuldung bei 1499 Milliarden Euro (oder 1,5 Billionen Euro), seit 2003 haben wir fast 200 Milliarden Euro für neue Kredite aufgebraucht. 2000 gab Gerhard Schröder das Ziel 2006 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Finanzpolitik ist nicht berechenbar, deswegen darf man in guten Zeiten wie jetzt Wünsche und Träume nach Steuersenkungen nicht überstrapazieren. Denn eines ist auch klar: Irgendwann müssen wir auch mal die Schulden abbauen. Und das geht nicht, wenn Bürger wie Politiker bei jeder Möglichkeit nach Steuersenkungen schreien. Oder was wollen wir in 15 oder 20 Jahren unseren Kindern und der nächsten Generation sagen, wenn sie auf den ganzen vielen Schulden sitzen bleiben? Wir hatten keine Lust für euch zu sorgen, keinen Bock verantwortungsvoll mit umserem Geld umzugehen, sondern wir wollten uns vergnügen, ihr wart uns egal?

Es wäre schön, wenn vor allem die Politik die nächsten Generationen wieder mehr in den Mittelpunkt rückt. Denn die älteren und heutigen Generationen haben schon genug verschlafen. Jetzt wäre es an der Zeit auch mal in die Zukunft zu blicken, so schwer es auch ist, aber das geht nur durch Sparen und Schulden abbauen. Steuersekungen sind populär, aber falsch und verantwortungslos. Wäre schön, wenn Angela Merkel ihre Politik durchhalten kann.

Die Leiden der Grünen als Oppositionspartei

Die Oppostionsparteien haben es dieser Tage ja nicht sehr einfach sich Gehör zu verschaffen, eine eigenständige Position in Zeiten der Großen Koalition auch nachhaltig und transparent an die Wahlbevölkerung zu bringen. Immer mehr Themen werden von der SPD und der CDU besetzt – man denke an die “Klimakanzlerin” Angela Merkel an dieser Stelle – und die programmatischen Grenzen der beiden ehemaligen Volksparteien werden immer unschärfer. 2005 hatte die CDU/CSU im Wahlkampf noch keinen Berater für ein Themenfeld Umwelt und Klimapolitik, drei Jahre später reist die Kanzlerin durch die Welt und möchte das Klima retten.

Wie kann man als Opposition da noch gegen ankämpfen? Zu all diesen Fragen nahm am vergangenen Donnerstag der Grünen-Bundeschef Reinhard Bütikofer in einem Vortrag an der Universität Bremen Stellung. “Die Rolle der Grünen im fluiden Fünf-Parteien-System” war der Titel der Veranstaltung, interessant war aber die Tatsache, dass Bütikofer es dabei nicht beließ, sondern sehr ausführlich und bildhaft über das Selbstverständnis der Grünen, ihre historischen Wurzeln und die Zeit der Rot-Grünen Regierung sprach. Ich will gar nicht auf alle einzelnen inhaltlichen Punkte eingehen, sondern mal ein paar Aussagen von Bütikofer in den Raum werfen verbunden mit ein paar Anmerkungen meinerseits. Denn eines hat dieser Vortrag wieder mal gezeigt. Metaphern können Politik immer noch am besten erklären.

  • “Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht.”

Reinhard Bütikofer zu den Aussichten möglicher Koalitionen für die Bundestagswahl 2009. Wenn man die Aussagen von Bütikofer interpretiert, dann geht es ohne klare Aussage in den Wahlkampf. Ganz interessant auch ein Aspekt: Bütikofer hat auf Nachfrage nur eine Ampel-Koalition als mögliche Koalition in Aussicht gestellt. Er könne sich nicht vorstellen, eine Jamaika-Koalition zu bilden oder Rot-Rot zur Regierungsmacht zu verhelfen. Dabei kommt den Grünen da keine ganz unwichtige Rolle zu. Wenn man mal die aktuellen Umfragewerte berücksichtigt, könnte es ja so kommen, dass weder CDU/FDP und SPD/Linke eine Mehrheit haben. Die Grünen sind dann also der Stimmenanteil, der zur Macht beitragen kann. Oder wir haben nach der Wahl 2009 “gar nichts”, wie Bütikofer es so prägnant formulierte.

  • “Grüne Themen müssen in der Gesellschaft hegemoniefähig werden.”

Ein Verdienst der Grünen, so Bütikofer, dass in den vergangenen Jahren ökologische Themen eine breite gesellschaftliche Debatte hervorgerufen haben.

  • “Wir haben nur einen gefühlten Klimaschutz.”

Nach der Logik von Reinhard Bütikofer ist das dann so: Wir reden drüber, aber wir machen nichts um die Probleme zu lösen. Bütikofer hat dabei vor allem der Kanzlerin die Schuld gegeben, ich würde dies auch ein bisschen der Opposition in die Schuhe schieben, die es zur Zeiten der Großen Koalition sicherlich nicht einfach haben, aber ihre Möglichkeiten auch nicht wirklich ausschöpfend nutzen. Rückblick: Vor zwei Wochen zitiert die ZEIT aus einer neuen Studie, wonach Deutschland seine selbst gesteckten Klimaziele weit verfehlen werde. Theoretisch wäre dies eine herbe Niederlage für Umweltminister Gabriel und Kanzlerin Merkel. Solch ein Thema muss die Opposition dann aber auch auf die Agenda bringen an so einem Tag. Doch beim Recherchieren in diversen Zeitungen und Online-Nachrichtenportals bin ich nur auf ein Interview mit Reinhard Bütikofer in der Netzzeitung gestoßen. Das ist zu wenig, liebe Opposition.

  • “Doppelspitze muss man können”

Bei der Bundestagswahl 2009 treten die Grünen aller Voraussicht nach wieder mit einer Doppelspitze an, Jürgen Trittin zusammen mit Renate Künast. Und mit diesem oben gennanten Statement hat Reinhard Bütikofer auch noch mal schnell darauf hingewisen, dass die CSU die Doppelspitze nicht kann.

Was sind also die Alternativen für Bündins 90 die Grünen? Eine unbeliebte Koalition nach 2009 antreten oder doch das kleine Oppositionsrädchen weiter fahren. Opposition muss man auch erstmal können