Beiträge vom 20. Mai 2008

Einfach nur Mallorca

Dienstag, 20. Mai 2008 22:27

Hach, Fußballprofi der deutschen Nationalmannschaft müsste man sein, 25 Grad und strahlender Sonnenschein, das tiefblaue Mittelmeer um sich herum, Zeit für Beach-Volleyball, Tennis oder sogar Ausruhen und Relaxen. Man könnte meinen die 26 Spieler und der Trainerstab sind auf Klassenabschlussfahrt nach der Bundesliga-Saison, allerdings mit der Einschränkung, dass der Ballermann 6 nur aus großzügiger Entfernung betrachtet werden darf.

Ist dann irgendwie doch nicht so. Aber nach der ganzen Aufregung der vergangenen Tage um Nominierungen, Bergtouren, schmerzliche Absagen und Zukunftsperspektiven hat man endlich mal seine Ruhe. Das war schon eine putzige Veranstaltung auf der Zugspitze, schade, dass Berge nicht schreien können, dann wären einige Leute vielleicht da gar nicht hochgekraxelt, Leute, die da oben nichts verloren hatten. Und was wurde danach nicht alles geschrieben, von einem Löw-Casting war die Rede mit der kompetenten Juroren Andreas Köpcke und Hans-Dieter Flick. Nur die Mittermeiers konnten leider nicht per SMS abstimmen, wen sie dabeihaben wollten. So viel Trubel um 52 Fußballerfüße gab es selten, wobei das größte Drama gab es ja auch um ein Paar Schuhe, die des Valencia-vor-dem-Abstieg-Bewahrer Timo Hildebrandt, der so mir nichts, dir nichts seine Karriere in der Nationalmannschaft begraben musste. Valenica vor dem Abstieg retten ist eben nicht so hochwertig wie Hannover 96 die beste Saisonplatzierung zu bescheren.

Zum Glück war die Diskussion um die Nominierten recht schnell verflogen, mit den meisten Spielern konnte man sich arrangieren. Und zum Glück vermied es Bundestrainer Joachim Löw von vorneherein drei Spieler aus dem 26-Mann-Kader auf die Liste der bedrohten Spieler zu setzten. Alle haben theoretisch die gleichen Chancen, wobei man sich gleich ausrechnen kann, dass es einen engen Kandidatenkreis gibt, aus dem dann aussortiert wird. Aber wenigstens haben da alle die gleichen Chancen. Und da wird jetzt auf der Ferieninsel fließig dran gearbeitet, eben beim Beach-Volleyball, beim Dart oder beim Tennis. “Tut uns Leid, Herr Marin, aber ihre Vorhand war nicht optimal genug, und beim Volley schauen sie den Ball nicht lang genug an. Sie müssen gehen.” So wird es dann hoffentlich nicht laufen. Man übe sich jetzt erstmal an polysportiven Aktivitäten, so Oliver Bierhoff. Vor allem einem stößt das übel auf, Jens Lehmann will gleich mit dem Fußballspielen beginnen. Tja, wenn man dazu fast die ganze Saison keine Gelegenheit hatte, ist das nur mehr als verständlich.

Und die Trainingssitzungen der Nationalmannschaft sind nicht öffentlich. Tja, solche Castings müssen ja auch geheim bleiben. Aber immerhin haben Jogis Jungs jetzt weitesgehend ihre Ruhe und können sich akribisch auf die Europameisterschaft vorbereiten. Ich sehe durchaus gute Chancen für die Nationalelf bei der EM, auch wenngleich es spielstärkere Mannschaften gibt, aber eben gerade durch die Taktik und die Fitness können wir diese Defizite wieder ausgleichen. Und dafür muss jetzt der Grundstein gelegt werden. Und so wichtig ist das ja nun auch nicht, dass man dafür jeden Mallorca-Touristen mit Hawaii-Hemd, Birkenstöckern und Socken, sowie der angetrunkenen Sangria-Wampe zuschauen lassen muss. Weiter so, Herr Bierhoff setzen sie sich durch. Dann kann nichts mehr schiefgehen und Mallorca wird ein erfolgreicher Abschnitt in den Vorbereitungen zur EM. Michael Ballack merkt übrigens gar nichts von den Tagen auf den Balearen, er bekommt länger frei. Wer will den auch schon einen enttäuschten und nervenden Chelsea-Spieler nach der Final-Niederlage dabei haben, der die ganze Urlaubsidylle zerstört. Auch wenn Chelsea Manchester United besiegen sollte, kommt der Micha übrigens später.

So, damit wäre ja alles gesagt. Läuft doch bisher alles rund auf Mallorca. Und, ja, ach so, Oliver Bierhoff war sich heute nicht zu schade herauszustellen, dass die Spielerfrauen ihren Aufenthalt selbst bezahlen, das Geld kommt nicht aus dem Etat des DFB. Also da habe ich dann doch schon etwas verwundert geschaut. Ich hätte erwartet, dass wenigstens die Männer das übernehmen, verdienen doch genug. Aber jetzt dürfte auch klar sein, warum die Spielerfrauen keine Trinkabende am Ballermann veranstalten. Das Geld reicht nicht mehr. Hat der DFB also auch noch für familiäre Nähe gesorgt. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Espero que hayas disfrutado tus vacaciones, Herr Lehmann.

Thema: EM 2008 | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Dienstag, 20. Mai 2008 – Ein Märchen wird vollendet

Dienstag, 20. Mai 2008 11:14

“Niemand hätte jemals geglaubt, dass der 46jährige schwarze Barack Obama der Kandidat sein wird. Es hat geklappt – wegen Euch. Ihr habt den Wahlkampf finanziert, ihre habt Euch organisiert, Ihr habt beschlossen, Eure Regierung wieder in Eure Hand bekommen zu wollen. Dafür werden wir bis November kämpfen.” Barack Obama auf einer Wahlveranstaltung in Portland, US-Bundesstaat Oregon

Die letzten Tage im Vorwahlkampf der Demokraten haben eine neue Dynamik bekommen. Alles begann damit, dass John Edwards sich auf die Seite von Barack Obama gestellt hat. Seitdem wird im Wahlkampfteam von Obama fleißig daran gearbeitet, Obama möglichst würdig und inszeniert zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zu küren. Geschehen soll dies heute Abend nach den Vorwahlen in Kentucky und Oregon. Denn nach letzten Umfragen sieht es so aus, dass Obama mit einem Sieg in Oregon die nötigen Delegiertenstimmen auf sich vereinen kann, damit er im Sommer auf dem Nominierungsparteitag in Denver die Mehrheit der Delegiertenstimmen besitzt. Nach der Rechnung der Demokraten sind dafür noch 16 Stimmen notwendig, die Obama durch seinen Sieg in Oregon, wo 52 Delegierte verteilt werden, definitiv zusammenbekommt. In letzten Umfragen liegt Obama hier gut 10% vor Hillary Clinton. Der Senatorin aus New York würde somit auch kein eindeutiger Sieg in Kentucky weiterhelfen. Dieser Ansicht ist sie natürlich überhaupt nicht. Wenn sie einen überzeugenden Sieg in Kentucky erringen sollte, so Clinton gestern Abend, dann werde sie weiterkämpfen. Nach letzten Umfragen führt sie teilweise bis zu 30% vor Barack Obama, 51 Delegierte werden vergeben. Demnach würde Clinton also den Rückstand an Delegiertenstimmen aufholen, wenn aber auch nur minimal, nicht ausreichend, um Obama und jetzt immer mehr auch ihre Partei davon zu überzeugen, dass sie noch Kandidatin werden kann.

Barack Obama will sich also heute Abend in Iowa zum Sieger bei den Demokraten küren, in Iowa unter freiem Himmel. Besser kann man es dann wohl nicht machen. Und das Wetter soll wohl auch halten, trocken aber kalt. Für Obama soll sich hier ein Lebensabschnitt vollenden. Am 03. Januar gewann er völlig überraschend seine erste Vorwahl in Iowa – und hier will er jetzt den nächsten Schritt zur Präsidentschaft gehen. Alles begann in Sommer 2004, als Barack Obama auf dem Nominierungsparteitag in Boston eine bewegende, viel gefeierte Rede über das Selbstverständnis der Amerikaner und seinen American Dream hielt. Anwesende Journalisten fragten damals, wer dieser Mann sei. Seitdem blieb Obama immer im Blickfeld der demokratischen Partei als Senator von Illinois. Im Februar 2007 verkündete er dann seine Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten. Im Jannaur 2008 feierte er dann gegen die haushohe Favoriten Hillary Clinton in Iowa seinen ersten Vorwahlsieg, viele weitere sollten folgen, auch am so wichtigen Super Tuesday konnte Hillary Clinton sich nicht entscheidend absetzen. Es folgten acht Vorwahlsiege in Folge, die US-Medien stimmten in die “Obamania” mit ein. Obama spüurte den Aufwind seiner Kampagne “Yes, we can.” Doch die Monate März und April zeigten auch erste Schatten auf die Person Obama, nicht immer ganz glückliche Aussagen über Bewohner auf dem Lande, Obama wirkte blass und ideenlos gegenüber den verschärften Angriffen und Attacken von Hillary Clinton und John McCain. Doch er fand aus seiner Krise zurück. Und heute Abend soll unter den Vorwahlkampf der erste Schlussstrich gezogen werden. Denn ab dann soll es nur noch heißen: Obama, Präsidentschaftsakandidat der Demokraten.

Mir fallen nur wenige politische Karrieren ein, die so harmonisch, so in sich stimmig verliefen wie die von Barack Obama. Aber vielleicht ist so eine Entwicklung auch nur in den USA möglich. Mir persönlich wäre es egal gewesen, ob nun Hillary Clinton oder Barack Obama antreten würde. Wichtig ist mir nur, dass die Republikaner so schnell nicht mehr das Präsidentenamt übernehmen. Aber ich kann eine gewisse Begeisterung für so eine Persönlichkeit und so eine politische Karriere wie die des Barack Obama nicht leugnen. Deshalb freue ich mich, dass diese Vorstellung und sein Ziel wohl gelungen ist. Now he is looking to November, wie CNN es das ausgedrückt hat. Hoffentlich hat er Erfolg. Das Märchen soll weitergehen.

Thema: US Wahl 2008, Zitat des Tages | Kommentare (0) | Autor: medispolis