Einfach nur Mallorca

Hach, Fußballprofi der deutschen Nationalmannschaft müsste man sein, 25 Grad und strahlender Sonnenschein, das tiefblaue Mittelmeer um sich herum, Zeit für Beach-Volleyball, Tennis oder sogar Ausruhen und Relaxen. Man könnte meinen die 26 Spieler und der Trainerstab sind auf Klassenabschlussfahrt nach der Bundesliga-Saison, allerdings mit der Einschränkung, dass der Ballermann 6 nur aus großzügiger Entfernung betrachtet werden darf.

Ist dann irgendwie doch nicht so. Aber nach der ganzen Aufregung der vergangenen Tage um Nominierungen, Bergtouren, schmerzliche Absagen und Zukunftsperspektiven hat man endlich mal seine Ruhe. Das war schon eine putzige Veranstaltung auf der Zugspitze, schade, dass Berge nicht schreien können, dann wären einige Leute vielleicht da gar nicht hochgekraxelt, Leute, die da oben nichts verloren hatten. Und was wurde danach nicht alles geschrieben, von einem Löw-Casting war die Rede mit der kompetenten Juroren Andreas Köpcke und Hans-Dieter Flick. Nur die Mittermeiers konnten leider nicht per SMS abstimmen, wen sie dabeihaben wollten. So viel Trubel um 52 Fußballerfüße gab es selten, wobei das größte Drama gab es ja auch um ein Paar Schuhe, die des Valencia-vor-dem-Abstieg-Bewahrer Timo Hildebrandt, der so mir nichts, dir nichts seine Karriere in der Nationalmannschaft begraben musste. Valenica vor dem Abstieg retten ist eben nicht so hochwertig wie Hannover 96 die beste Saisonplatzierung zu bescheren.

Zum Glück war die Diskussion um die Nominierten recht schnell verflogen, mit den meisten Spielern konnte man sich arrangieren. Und zum Glück vermied es Bundestrainer Joachim Löw von vorneherein drei Spieler aus dem 26-Mann-Kader auf die Liste der bedrohten Spieler zu setzten. Alle haben theoretisch die gleichen Chancen, wobei man sich gleich ausrechnen kann, dass es einen engen Kandidatenkreis gibt, aus dem dann aussortiert wird. Aber wenigstens haben da alle die gleichen Chancen. Und da wird jetzt auf der Ferieninsel fließig dran gearbeitet, eben beim Beach-Volleyball, beim Dart oder beim Tennis. “Tut uns Leid, Herr Marin, aber ihre Vorhand war nicht optimal genug, und beim Volley schauen sie den Ball nicht lang genug an. Sie müssen gehen.” So wird es dann hoffentlich nicht laufen. Man übe sich jetzt erstmal an polysportiven Aktivitäten, so Oliver Bierhoff. Vor allem einem stößt das übel auf, Jens Lehmann will gleich mit dem Fußballspielen beginnen. Tja, wenn man dazu fast die ganze Saison keine Gelegenheit hatte, ist das nur mehr als verständlich.

Und die Trainingssitzungen der Nationalmannschaft sind nicht öffentlich. Tja, solche Castings müssen ja auch geheim bleiben. Aber immerhin haben Jogis Jungs jetzt weitesgehend ihre Ruhe und können sich akribisch auf die Europameisterschaft vorbereiten. Ich sehe durchaus gute Chancen für die Nationalelf bei der EM, auch wenngleich es spielstärkere Mannschaften gibt, aber eben gerade durch die Taktik und die Fitness können wir diese Defizite wieder ausgleichen. Und dafür muss jetzt der Grundstein gelegt werden. Und so wichtig ist das ja nun auch nicht, dass man dafür jeden Mallorca-Touristen mit Hawaii-Hemd, Birkenstöckern und Socken, sowie der angetrunkenen Sangria-Wampe zuschauen lassen muss. Weiter so, Herr Bierhoff setzen sie sich durch. Dann kann nichts mehr schiefgehen und Mallorca wird ein erfolgreicher Abschnitt in den Vorbereitungen zur EM. Michael Ballack merkt übrigens gar nichts von den Tagen auf den Balearen, er bekommt länger frei. Wer will den auch schon einen enttäuschten und nervenden Chelsea-Spieler nach der Final-Niederlage dabei haben, der die ganze Urlaubsidylle zerstört. Auch wenn Chelsea Manchester United besiegen sollte, kommt der Micha übrigens später.

So, damit wäre ja alles gesagt. Läuft doch bisher alles rund auf Mallorca. Und, ja, ach so, Oliver Bierhoff war sich heute nicht zu schade herauszustellen, dass die Spielerfrauen ihren Aufenthalt selbst bezahlen, das Geld kommt nicht aus dem Etat des DFB. Also da habe ich dann doch schon etwas verwundert geschaut. Ich hätte erwartet, dass wenigstens die Männer das übernehmen, verdienen doch genug. Aber jetzt dürfte auch klar sein, warum die Spielerfrauen keine Trinkabende am Ballermann veranstalten. Das Geld reicht nicht mehr. Hat der DFB also auch noch für familiäre Nähe gesorgt. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Espero que hayas disfrutado tus vacaciones, Herr Lehmann.

Autor: medispolis
Datum: Dienstag, 20. Mai 2008 22:27
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