Zitat des Tages: Dienstag, 20. Mai 2008 – Ein Märchen wird vollendet
“Niemand hätte jemals geglaubt, dass der 46jährige schwarze Barack Obama der Kandidat sein wird. Es hat geklappt – wegen Euch. Ihr habt den Wahlkampf finanziert, ihre habt Euch organisiert, Ihr habt beschlossen, Eure Regierung wieder in Eure Hand bekommen zu wollen. Dafür werden wir bis November kämpfen.” Barack Obama auf einer Wahlveranstaltung in Portland, US-Bundesstaat Oregon
Die letzten Tage im Vorwahlkampf der Demokraten haben eine neue Dynamik bekommen. Alles begann damit, dass John Edwards sich auf die Seite von Barack Obama gestellt hat. Seitdem wird im Wahlkampfteam von Obama fleißig daran gearbeitet, Obama möglichst würdig und inszeniert zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zu küren. Geschehen soll dies heute Abend nach den Vorwahlen in Kentucky und Oregon. Denn nach letzten Umfragen sieht es so aus, dass Obama mit einem Sieg in Oregon die nötigen Delegiertenstimmen auf sich vereinen kann, damit er im Sommer auf dem Nominierungsparteitag in Denver die Mehrheit der Delegiertenstimmen besitzt. Nach der Rechnung der Demokraten sind dafür noch 16 Stimmen notwendig, die Obama durch seinen Sieg in Oregon, wo 52 Delegierte verteilt werden, definitiv zusammenbekommt. In letzten Umfragen liegt Obama hier gut 10% vor Hillary Clinton. Der Senatorin aus New York würde somit auch kein eindeutiger Sieg in Kentucky weiterhelfen. Dieser Ansicht ist sie natürlich überhaupt nicht. Wenn sie einen überzeugenden Sieg in Kentucky erringen sollte, so Clinton gestern Abend, dann werde sie weiterkämpfen. Nach letzten Umfragen führt sie teilweise bis zu 30% vor Barack Obama, 51 Delegierte werden vergeben. Demnach würde Clinton also den Rückstand an Delegiertenstimmen aufholen, wenn aber auch nur minimal, nicht ausreichend, um Obama und jetzt immer mehr auch ihre Partei davon zu überzeugen, dass sie noch Kandidatin werden kann.
Barack Obama will sich also heute Abend in Iowa zum Sieger bei den Demokraten küren, in Iowa unter freiem Himmel. Besser kann man es dann wohl nicht machen. Und das Wetter soll wohl auch halten, trocken aber kalt. Für Obama soll sich hier ein Lebensabschnitt vollenden. Am 03. Januar gewann er völlig überraschend seine erste Vorwahl in Iowa – und hier will er jetzt den nächsten Schritt zur Präsidentschaft gehen. Alles begann in Sommer 2004, als Barack Obama auf dem Nominierungsparteitag in Boston eine bewegende, viel gefeierte Rede über das Selbstverständnis der Amerikaner und seinen American Dream hielt. Anwesende Journalisten fragten damals, wer dieser Mann sei. Seitdem blieb Obama immer im Blickfeld der demokratischen Partei als Senator von Illinois. Im Februar 2007 verkündete er dann seine Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten. Im Jannaur 2008 feierte er dann gegen die haushohe Favoriten Hillary Clinton in Iowa seinen ersten Vorwahlsieg, viele weitere sollten folgen, auch am so wichtigen Super Tuesday konnte Hillary Clinton sich nicht entscheidend absetzen. Es folgten acht Vorwahlsiege in Folge, die US-Medien stimmten in die “Obamania” mit ein. Obama spüurte den Aufwind seiner Kampagne “Yes, we can.” Doch die Monate März und April zeigten auch erste Schatten auf die Person Obama, nicht immer ganz glückliche Aussagen über Bewohner auf dem Lande, Obama wirkte blass und ideenlos gegenüber den verschärften Angriffen und Attacken von Hillary Clinton und John McCain. Doch er fand aus seiner Krise zurück. Und heute Abend soll unter den Vorwahlkampf der erste Schlussstrich gezogen werden. Denn ab dann soll es nur noch heißen: Obama, Präsidentschaftsakandidat der Demokraten.
Mir fallen nur wenige politische Karrieren ein, die so harmonisch, so in sich stimmig verliefen wie die von Barack Obama. Aber vielleicht ist so eine Entwicklung auch nur in den USA möglich. Mir persönlich wäre es egal gewesen, ob nun Hillary Clinton oder Barack Obama antreten würde. Wichtig ist mir nur, dass die Republikaner so schnell nicht mehr das Präsidentenamt übernehmen. Aber ich kann eine gewisse Begeisterung für so eine Persönlichkeit und so eine politische Karriere wie die des Barack Obama nicht leugnen. Deshalb freue ich mich, dass diese Vorstellung und sein Ziel wohl gelungen ist. Now he is looking to November, wie CNN es das ausgedrückt hat. Hoffentlich hat er Erfolg. Das Märchen soll weitergehen.

