A wie Außenseiter – Ohne jetzt groß das Favoritensterben bedauern zu wollen, hätte ich vor der EM nicht damit gerechnet, dass die Türkei und Russland im Halbfinale stehen, bei den Türken sogar noch weniger. Aber es ist schön zu sehen, dass man sich im moderenen Profifußball immer weiter entwickeln muss. Das hat Frankreich zum Beispiel nicht geschafft, Italien und die Niederlande nur bedingt, wenngleich Oranje bis zum Viertelfinale den besten Fußball gespielt hat.
B wie BBC – Stammleser dieses Blogs wissen, wie sehr ich die BBC verehre. Auch dieses mal bei der EM wieder. Live-Bloggings von allen Spielen, vom Finale ab 16h00 deutscher Zeit, zahlreiche Blogs, Journalisten der BBC sind bei twitter angemeldet, bei BBC Five Live viele Hintergrundberichte und Schalten in die Stadien. Obwohl die englische Mannschaft gar nicht dabei war, hat die BBC eine Berichterstattung auf den Tisch serviert, der europaweit seines gleichen sucht – qualitativ wie auch von der Quantität her.
C wie Casillas – Mit 27 Jahren Europameister, vier Mal schon spanischer Meister und zweimal Champions League Sieger. Für mich der beste Torwart dieses Turniers.
D wie Deutsche Elf – Ja, man kann sicherlich zweigeteilter Meinung sein über die Leistung des Teams von Trainer Joachim Löw. Ich fand sie allenfalls durchschnittlich, aber längst nicht so schlecht, wie sie mancherots gemacht wird. Zweiter bei einer Europameisterschaft wird man nicht, wenn man nur vom Glück verfolgt ist. Und wer sechs Tore im Viertel- und Halbfinale schießt, braucht sich mal gar nicht verstecken. Klar ist nicht alles Silber was glänzt, aber da haben wir schon viel schlechtere Leistungen gesehen. Auch das sollte man mal berücksichtigen.
E wie Eigentor – In den Spielen gab es keines, dafür umso mehr neben dem Platz. Ich sage mal nur Seebühne und Stimmungsberichte von Bernd Schmelzer, die vor dem Spiel gegen Österreich mit der Filmmusik aus Armageddon unterlegt werden. So schlimm war die Situation in der Gruppe B auch nicht.
F wie Football Daily – Der Podcast des Guardian war eine Bereicherung jeden Morgen beim Frühstück. Wer mehr erfahren will, schaue bitte hier.
G wie Günter Netzer – Ich kann dem Original nicht mehr viel abgewinnen, zu vorhersehbar sind die Analysen von Günter Nezter. Viel besser ist das hier.
H wie Hellas – Als ich Ende Mai bei meinem Lieblingsgriechen in Hannover war, waren sich die Kellner sicher, dass Griechenland zumindest ins Viertelfinale kommt. Nur einer wollte nicht mitwetten – der Barkellner aus Spanien.
I wie Innovation – Bela Rethy als Radioreporter, Hansi Flick als Chefcoach und Frank-Walter Steinmeier als zukünftiger Kanzlerkandidat mit der Deutschlandkrawatte.
J wie Ja richtig – Hände hoch, wer sofort wusste, dass das 1:0 der Niederlande gegen Italien ein regulärer Treffer war? Wohl die wenigsten. Aber es wusste Kommentator Steffen Simon, alleine deswegen zwei Karmapunkte für den Reporter der ARD.
K wie Klose – Hat eigentlich eine passable EM gespielt. Nur mit Arnd Zeigler wird er wohl nicht mehr befreundet sein. Der Stadionsprecher von Werder hatte sich über Klose lustig gemacht und gewettet, dass der Bayern-Stürmer bei dieser EM kein Tor erzielen werde. Wetteinsatz von Zeigler war, einen Podcast nackt zu vertonen. Prompt macht Klose das 2:0 gegen Portugal. Wenn es doch immer so einfach wäre.
L wie Leiden – Es gab dann eben auch die Momente der ganz großen Trauer. Gleich zu Beginn im Eröffnungsspiel zum Beispiel die Verletzung vom schweizer Hoffnungsträger Alexander Frei, oder die Verletzung von David Villa, der dann ausgerechnet beim Finale zugucken musste. Wenn man ganz weit zurückgehen will, dann fällt einem noch die Verletzung von Italiens Fabio Cannavaro ein, der Italiens Abwehr so nicht zur nötigen Stabilität verhelfen konnte.
M wie Manuel González – Joachim Löw und Joseph Hickersberger sind wahrlich keine Trainer mit dem Temprament eines Fatih Terim oder Giovanni Trappatoni. Aber der Spanier hatte wohl einen Geheimauftrag, den erst die spanische Mannschaft erfüllen konnte. Ansonsten aber durchweg anständige Schiedsrichterleistungen. Und warum ausgerechnet Herbert “Herb” Fandel den Spaniern zweimal keinen Elfmeter gegeben hat, dürfte jetzt auch klar sein.
N wie Nihat – Hat für mich das schönste Tor bei dieser Europameisterschaft geschossen. Der Siegtreffer zum 3:2 gegen Tschechien.
O wie Ovationen – Ich frage mich schon seit längerem, seit wann Großteile der Bevölkerung so verrückt nach Fußball geworden sind. Das war vor sechs Jahren noch nicht der Fall. Und alles auf die WM 2006 zu schieben finde ich zu einfach. Aber ich habe auch keine bessere Erklärung, warum 600.000 Menschen auf die Berliner Fanmeile pilgern um die deutsche Nationalmannschaft zu sehen.
P wie Public Viewing – Ich war bis dato eigentlich kein großer Freund des Public Viewing, aber mein Nachbar hatte mich dann dazu mehrfach überredet, sodass ich zumindest mit Ausnahme von Viertelfinale und Finale alle Spiele der deutschen Mannschaft beim Public Viewing am Theater am Goetheplatz in Bremen gesehen. Und warum ich nach dem Viertelfinale das Finale dort nicht schauen wollte, dürfte klar sein. Blöder Aberglaube.
Q wie Quickie – Schnellstes Tor dieser EM von Luka Modric im Spiel gegen Österreich per Foulelfmeter nach vier Minuten.
R wie Rauswurf – Italiens Nationalcoach Roberto Donadoni musste nach dem Ausscheiden im Viertelfinale seinen Hut nehmen, Marco van Basten wird Trainer bei Ajax, Köbi Kuhn kümmert sich um seine kranke Frau und Joseph Hickersberger verlässt das Team Austria. Nur einer ist noch mit an Bord: Raymond Domenech. Aber wenigstens hatte der Heiratsantrag Stil. Genauso so eine Verpflichtung von Peter Neururer als österreichischer Nationaltrainer.
S wie Slaven Bilic – Komischer Trainertyp, den nicht vom Charakter nicht unbedingt leiden kann. Fand das daher auch sehr amüsant, wie Bilic im Viertelfinale beim Tor von Klasnic von allen guten Geistern verlassen aufs Spielfeld gerannt ist um dann prompt den Ausgleich zu kassieren. Natürlich war die Nachspielzeit schon abgelaufen, Herr Bilic.
T wie Terim – Für mich ein bisschen der Trainer dieses Turniers. Stand vor der EM im eigenen Land extrem in der Kritik, er halte an den falschen Leuten fest, im Team und dem türkischen Verband gab es interne Streitigkeiten. Aber nach der Auftaktniederlage gegen Portugal dann sein Team so einzustellen und mit solch einer Begeisterung an der Linie sein Team zu dirigieren, verdient höchste Anerkennung. Der hat während der 90 Minuten mehr Flüssigkeit verloren als so mancher Spieler. Schlichtweg großartig.
U wie Unglaublich dankbar – Ich habe eine kleine gewisse negative Grundhaltung gegenüber der Schweiz, man muss ständig an der Grenze warten, sein Geld tauschen. Aus vielem hält sich die Alpenrepublik raus. Und das man dann ganz ohne Murren sein eigenes Fernsehbild zur Verfügung steht, verdient Anerkennung. Dann zahle ich im Winterurlaub auch wieder brav meine Mautgebühren.
V wie Videotext – Ich hoffe die Praktikanten beim Schweizer Fernsehen sind fristlos entlassen worden. Oder man schafft die Texte der Nationalhymnen im Videotext wieder ab. Liest doch ehe keiner mit.
W wie Wasserfall – Das Spiel zwischen der Schweiz und der Türkei bleibt wohl in längerer Erinnerung. Regen, Regen, Regen, wohin das Auge schaute. Und Gary Lineker sagte bei der BBC, dass der Scorerpunkt für die Führung der Schweizer der Regen bekommen müsste. War ein tolles Spiel.
X wie Xylophon – Wer kann damit mal eine zünftige Stadionmusik komponieren? [Fällt jemandem etwas Besseres zu X ein?]
Y wie Yildiray Bastürk – Wurde nicht vom türkischen Verband für diese EM nominiert und wird erst wieder spielen, wenn Fatih Terim nicht mehr Trainer ist. Der neutrale Zuschauer verzichtet dann doch lieber auf Bastürk.
Z wie Zukunftsmusik – Wo findet die nächste EM statt? Wie viele Mannschaften spielen mit? Fragen über Fragen, die UEFA muss Antworten finden. Und es wäre schön, wenn Entscheidungen transparenter und nachvollziehbarer gemacht werden als die vergangenen Jahre. Aus Fehlern kann man auch lernen.
“Schlussendlich also drei Tolle Wochen, nicht wahr, Herr Netzer.” – “Ja, in der Tat.”
