CSDST – Die schwierige Suche des FC Chelsea nach einem neuen Trainer
Sonntag, 1. Juni 2008 18:52
- “The view is Chelsea need to use the appointment to make the club feel popular, if not loved, not merely by their fans but by the public.” Stimmen aus dem Umfeld des FC Chelsea
Vor knapp einer Woche wurde Chelsea-Coach Avram Grant von seinen Aufgaben beim FC Chelsea entbunden, Mitte dieser Woche traf es dann auch seinen niederländischen Assisstenztrainer Henk ten Carte. Seitdem steht der Fußballklub aus dem Westen Londons ohne Trainer da. Erstmal ist das kein Beinbruch, startet die neue Premier League Saison erst Mitte August, trotzdem gibt das Management und das Umfeld der Blues dieser Tage kein gutes Bild ab. Einen wirklichen Wunschkandidaten scheint man nicht zu haben, man telefoniert sich mal so durch die Spitzenklubs aus Europa bzw. Roman Abramovitsch gibt ranghohen Trainern Europas schon mal seine Telefonnummer – zur Sicherheit. Man weiß ja nie. Doch so richtig geht das Trainerfindungskonzept noch nicht auf. Will etwa keiner mehr zum FC Chelsea? Hat man an der Themse viel Vertrauen verspielt? Sind sich die Trainer zu unsicher ins Haifischbecken Stamford Bridge zu treten? Es scheint so, denn dieser Tage hagelt es Absage nach Absage.
Dreimal Zweiter war als Erfolgsbilanz für Avram Grant zu wenig. Man darf munter spekulieren, ob Grant auch beim Triumph der Champions League weiter Trainer geblieben wäre. Chelsea-Geschäftsführer Peter Kanyon und vor allem Besitzer Abramovitsch wollen scheinbar wieder einen großen Namen mit internationalem Renomee an die Stamford Bridge lotsen. Doch genau das ist im Moment die Schwierigkeit bzw. das Verhängnis für Avram Grant. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass man bei den Blues den totalen Erfolg haben will, zweite Plätze sind Weltuntergänge. Das heißt allerdings auch, dass man vom Profil her einen Trainer sucht, der Chelsea pro Saison zwei bis drei Titel heimbringt – und wenn das eben nicht klappt, dann kommt halt ein neuer Manager. Da scheint das große Geld kein Faktor für einen neuen Trainer zu sein, im Moment bekennt sich keiner zum FC Chelsea – und vielleicht will es auch keiner, weil man als Trainer lieber ein bisschen mehr auf Kontinutität und Konstanz setzt. Schnellen unschönen Erfolg mit der Botschaft des Scheitern bei Misserfolg – da sind sich Europas Spitzentrainer wohl zu eitel für. Chelsea hat in der Causa Avram Grant viel Ansehen und Vertrauen verspielt, auch die Öl-Milliarden aus Russland lassen das Trainerherz bis jetzt noch nicht weich werden.
Der FC Chelsea sucht den Super-Trainer. Und darf weiter suchen, denn bis heute abend gab es nur Absagen oder alles andere als klare Bekenntnisse zum Trainerjob bei den Blues. Zu Beginn geisterten dann die üblichen Namen durch die englische Presse. Guus Hiddink, Sven-Göran Eriksson, Frank Rijkaard und Didier Deschamps waren die ersten Anwärter. Mittlerweile kann man diese Namen wieder alle aus dem Gedächtnis streichen, Guus Hiddink hat heute Morgen nochmal in der Sendung Sportsweek von BBC Five Live vehement darauf hingewiesen, dass er nicht als Trainer für den FC Chelsea zur Verfügung stehe. Es folgen die Trainer, die laut Infos der BBC in der engeren Auswahl sind. Dies wären Mark Hughes, zurzeit Trainer in Blackburn, Luis Felipe Scolari, Nationaltrainer Portugals, oder Roberto Mancini, entlasener Coach von Inter Mailand. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster, aber ich glaube nicht, dass Hughes und Scolari ernsthaft darüber nachdenken zum FC Chelsea zu gehen. Hughes leistet bei den Rovers exellente Arbeit und hat auch im Vereinsumfeld und bei den Fans große Popularität. Vielleicht hat Chelsea bei Scolari eine Chance, wenn Portugal eine grausame Europameisterschaft spielt. Aber das würde erst Ende Juni klar werden, eigentlich zu spät für den FC Chelsea. Wäre da also noch die Personalie Roberto Mancini, der diese Woche seinen Rücktritt bei Inter Mailand eingereicht hat. Mancini wäre also einer der wenigen Trainer auf der Wunschliste, der sofort seinen Dienst antreten kann. Englische Medien berichteten am Donnerstag, dass Mancini kurz vor einer Vertragsunterzeichnung sei. Dann kam es aber zu Schwierigkeiten in der Abwicklung seines Vertrages bei Inter Mailand, es gab unterschiedliche Meinungen über eine Abpfindung.
Und als würden nicht nun schon genug Trainernamen im Westen Londons kusieren, hat der Daily Star am Samstag noch einen weiteren Namen in die Runde geworfen: Carlo Ancelotti, Trainer des AC Mailand. Und Ancelotti solle dann doch bitte gleich Kaka mitbringen. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Man muss die Meldung des Daily Star nicht glauben, aber es würde zu der gierigen, ja fast schon glamour – und geldgeilen Philosophie des FC Chelsea passen. Anspruch, wie in dem obrigen Zitat, und Wirklichkeit liegen immer noch weit auseinander. Der Vizepräsident des AC Mailand, Adriano Galliani, hat sofort jeglichen Kontakt des FC Chelsea zu Ancelotti dementiert: “Ancelotti is very happy at Milan. Milan don’t sell their players, let alone the coach. “There are no offers. Ancelotti is Milan coach, and we are going to continue forward together,” sagte er dem Sportnachrichtendienst PA-Sport. Der Guardian berichtet heute immerhin, dass Chelsea Kontakt zu Ancelotti aufgenommen hat.
Was will der FC Chelsea denn nun eigentlich? Roberto Mancini? Oder doch Carlo Ancelotti und Kaka? Oder vielleicht Scolari? Eigentlich ist der Name völlig egal, was der FC Chelsea will ist erfolgreicher Fußball mit vielen Titeln. Und wer die nun bringt, ist völlig egal mit der kleinen Einschränkung, dass man seinen Namen europaweit schon kennen sollte (Avram Grant war die Ausnahme der Regel). Und ganz am Ende der Nahrungskette steht dann noch die Sehnsucht nach größere Popularität auch in der gesamten englischen Öffentlichkeit. Aber das Umfeld von Kanyon und Abramovitsch repräsentiert wohl immer noch den Eindruck, dass der Erfolg über allem stehe. Das hat der Rauswurf von Avram Grant gezeigt. Und das löst bei vielen Trainer Bauchschmerzen aus. Und deshalb steht man immer noch ohne Trainer da. Vielleicht wäre es an der Zeit an der Stamford Bridge alles mal in etwas kleinen Dimensionen zu betrachten.
Thema: Fußball, Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

