Im Olympischen Dorf natürlich. Das macht ja den Reiz von den Spielen aus.
Aber die Betten sind nur einen Meter breit und zwei Meter lang.
Das sind die Olympischen Spiele – da nimmt man alles in Kauf. Es geht dort nicht um den Schlaf, sondern um die Atmosphäre vor Ort. Dabei sein, ins Stadion einlaufen und hoffentlich unser Land gut vertreten. Der Rest spielt keine Rolle.
Das nötige Kleingeld für einen Aufenthalt in einem feinen Hotel hätten Sie.
Sicher. Aber es war immer mein Traum, einmal im Dorf zu sein, andere Sportler kennen zu lernen, in der Mensa mit allen zu essen. Das macht das Feeling aus. Außerdem bin ich mit den Mavericks das ganze Jahr in schönen Hotels.
96 Tage sind es noch bis zum ersten Dienstag im November 2008. Am 04.11. stimmt Amerika über einen neuen Präsidenten ab, der dann 77 Tage später offiziell als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird. Mehr als drei Monate – das ist eine lange Zeit in einem Wahlkampf. Für den designierten Bewerber der US-Demokraten, Barack Obama, könnte diese Zeit zu lange sein. Tolle Bilder, jubelnde Menschenmassen und bewegende Reden hielt Barack Obama auf seiner Welttournee, die Medien haben rund um die Uhr berichtet, den Senator aus Illinois auf Schritt und Tritt verfolgt. Doch in den USA konnte sich der durchaus positive Grundtenor der Auslandsreise nicht positiv in den Umfragen für Obama niederschlagen. Die Obama-Blase sei noch nicht geplatzt, aber sie verliere langsam an Luft, formulierte Peter Brown vom Umfrageinstitut der Quinnipiac University.
Landesweit und auch in den wichtigen, bevölkerungsreichen Staaten führt Obama weiterhin vor John McCain, der Vorsprung ist aber weiter geschmilzt. Für Barack Obama ist dies keine leichte Situation. Den Vorsprung versuchen ins Ziel nach Washington zu retten dürfte nicht gelingen und zweitens auch das Bild eines möglichen Präsidenten Obama beschädigen. Jemanden, der nur reagiert statt aktiv Politik zu gestalten, wollen die Wähler ihr Vertrauen nicht schenken. Obama muss also seine Linie des Abwartens und Sonnens nach der Auslandsreise möglichst schnell ablegen, also wieder aktiv Themen auf die Agenda setzen, eigene Vorschläge und Lösungsansätze präsentieren und nicht nur auf die Anschuldigungen und Statements seines Gegenkandidaten reagieren. Denn eines ist auch klar: Die US-Bevölkerung kennt den Politiker und Menschen John McCain. CNN hat durch eine Umfrage herausgefunden, dass nahezu doppelt so viele Menschen ihre Aufmerksamkeit auf die Frage richten, wie ein Präsident Obama wohl handeln würde. Das Wall-Street Journal hat zusammen mit NBC ermittelt, dass 51% auf die Kampagne von Barack Obama schauen, nur 27% interessieren sich für den Wahlkampf von John McCain. Jetzt sind es nicht mehr die Medien, die Barack Obama auf Schritt und Tritt verfolgen. Jetzt sind es die weißen Wähler aus Pennsylvania, die Antworten auf hohe Preise haben wollen, jetzt sind es die Fabrikarbeiter aus Ohio, die unter Arbeitslosigkeit leiden, jetzt sind es die Latinos aus Texas, die Antworten zur Einwanderungspolitik wollen. Barack Obama ist neu auf der politischen Bühne Amerikas. Bill Scheider, Politikanalyst bei CNN hat es vergangene Nacht im Situation Room wunderbar auf den Punkt gebracht: Die Abstimmung am 04. November 2008 sei keine Abrechnung mit der Politik von George W. Bush, es werde ein Referendum sein über den Politiker Barack Obama.
Wie gesagt, landesweit und in den wichtigsten Staaten führt Obama weiterhin in den Umfragen. Aber Barack Obama zeigen sich Problemfelder auf, denen er begegnen muss. Eine kleine Übersicht:
Umfragewerte: Die Washington Post veröffentlichte vorgestern Zahlen, wonach Obamas Vorsprung in Michigan, Wisconsin und Minnesota weiter geschrumpft sei, in Ohio liege erstmals John McCain in den Umfragen vor Obama. In Virginia und Colorado beträgt der Vorsprung weniger als 2%. Landesweit brträgt der Vorsprung ungefähr fünf Prozentpunkte mit der Tendenz, dass John McCain aufholt. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup hatte vor kurzem neue Zahlen präsentiert. Obama liegt bei 47%, John McCain bei 41%. Knapp 100 Tage vor der Präsidentenwahl gewann jeder Kandidat, der zu dieser Zeit in den Umfragen von Gallup vorne lag, auch die Abstimmung.
Die Zustimmung von Frauen: Letzte Zahlen des Senders Fox News zeigen, dass Barack Obama die weibliche Bevölkerungsschicht noch nicht so für seine Politik gewinnen kann, wie man sich das vielleicht im Lager der Demokraten gewünscht hat. Ein möglicher Hillary-Effekt blieb bisher aus. Zwar führt Barack Obama bei den unter 40-jährigen Frauen mit 13% Vorsprung, bei den Frauen im Alter von 41 bis 45 führt John McCain mit 4%, bei den über 50-jährigen führt der Senator aus Arizona mit drei Prozentpunkten. Dass ein demokratischer Kandidat gegenüber seinem republikanischen Gegenspieler bei den Frauen über 40 hinten liegt, gab es zuletzt vor 20 Jahren. Ältere Frauen können sich scheinbar nicht für Barack Obama erwärmen. Aber genau diese Wählerschicht ist hart umkämpft. Wenn Obama Präsident werden will, muss er hier noch Boden gut machen. Denn das Problem ist hier nicht John McCain’s große Popularität, nein, es ist schlicht die Person Barack Obama.
Obamas Suche nach einem geeigneten Vizepräsidenten: Michael Duffy vom Time Magazin fasst die Problematik für Barack Obama ganz gut zusammen. Nimmt er nun einen erfahrenen Politiker aus der Washington-Szene? Oder einen Newcomer, ja Seiteneinsteiger? Vielleicht sogar eine Frau? Von seine beiden Wunschkandidaten, dem Republikaner Chuck Hagel und dem Senator aus Rhode Island, Jack Reed, musste er sich schon mal trennen. Beide zeigten kein Interesse an dem Job und wollten ihre Senatorentätigkeit nicht aufgeben.
Der Fallensteller John McCain: Die Strategie des Republikaners dürfte für die nächsten Monate klar sein. Obama soll Antworten geben, soll getestet werden, mit John McCain aktiv über die Probleme der Amerikaner diskutieren. McCain will Obama aus der Defensive locken, die dieser ja auch verlassen muss. Nur darf Obama dabei zwei Fehler nicht machen. Er darf erstens nicht mit voller Wucht auf McCain lostreten, sondern seine Gegenvorschläge und Kozepte sachlich rüberbringen. Denn die “Schlammschlacht” über negative Erfahrung, fehlendes außenpolitisches Wissen, wird definitiv von McCain losgehen. Diese Ebene muss Obama aber meiden. Und zweitens darf er aber auch nicht zu sehr nur auf die Sätze von John McCain reagieren. Eigeninitiative ist gefragt. Obama muss es vermeiden in die Fallen von John McCain zu treten. Letzes Beispiel: John McCain hat für knapp drei Millionen Dollar einen neuen Werbespot geschaltet über die Energiepolitik von Barack Obama und macht ihn da für die hohen Preise verantwortlich. Obamas Team konterte schnell: Es sei falsch, Obama für hohe Gaspreise zu kritisieren. Das sei Politik von gestern. Gleiches gilt für die Werbspots über Obamas mangelnde außenpolitische Fähigkeit und die Liebe der Medien zu Obama (Spots sind auf der offiziellen Homepage von John McCain anzuschauen).
Keine einfachen Zeiten für Barack Obama. Präsident ist der schwarze Senator aus Illinois noch lange nicht.
Vorweg kurz etwas in eigener Sache: Ich hatte letzte Woche nach einem längeren Gespräch mit PREMIERE diesen Artikel über den internationalen Fußball bei PREMIERE geschrieben. Da sprach ich von vier Spielen pro Wochenende aus der Premier League. Mittlerweile bestätigen Sendeplan und Informationen für die Werbekunden, dass PREMIERE leider nur noch drei Spiele pro Spieltag aus der Premier League zeigt. Ich bitte das zur Kenntnis zu nehmen. Offizielle Begründung seitens PREMIERE: Nicht genug Interesse an den Spielen. Im Endeffekt ist aber auch weiterhin der Sparkurs. Vor ein paar Monaten nannte PREMIERE-Chef Michael Börnicke im Showpalast die Premier League noch als Aushängeschild im PREMIERE-Programm. So schnell kann man in seinem eigenen Palast zum Zirkusclown werden.
Manchester United hat seine Bemühungen verstärkt Carlos Tevez längerfristig an den Verein zu binden. 40 Millionen Euro ist dies den Red Devils wert. In dem Transferabkommen, das Manchester United 2007 mit Tevez ehemaligen Verein, West Ham United, unterzeichnet hat, gibt es eine Klausel, wonach Manchester United im Sommer 2009 Tevez längerfristig unter Vertrag nehmen kann. Manchester United stehe in konstruktiven Gesprächen mit der Media Sports Investment Gruppe, die die Transferrechte an Carlos Tevez besitzt. Manchester United würde damit den teuersten Transfer der Vereingeschichte vollziehen.
Etwas mehr als drei Wochen also noch bis zum Saisonstart am 16. August. Am 06.08 werde ich mit der Vorschau auf die neue Saison beginnen. Bis zum 09.08. gibt es jeweils einen Bericht zu den Top Four, am 10.08. widme ich mich genauer Tottenham, Everton und Manchester City. Am 11.08. dann ein Blick aufs Mittelfeld, bevor am 12.08. die Aufsteiger ins Visier genommen werden. Am Mittwoch, 13.08., dann eine Übersicht über die Premier League in den deutschen und englischen Medien, bevor ich am 14.08. die Preview für den 1. Spieltag schreibe. Erstes Live-Blogging gibt es am 25.08.08 mit dem Monday Night Game zwischen Portsmouth und Manchester United.
Sommer in Deutschland, in Berlin heute 33 Grad, eher nachrichtenarme Zeit, zwischen Nordsee und Alpen genießen die Familien mit ihren Kindern das sonnenscheinreiche Wetter. Und wenn sie dann abends die Nachrichten einschalten, hat Ihnen Johnannes Sieghammer, familienpolitischer Sprecher der Union und CSU-Mitglied, noch ein kleines Sommergeschenk in Aussicht gestellt, worüber man sich dann trefflich freuen könnte. Denn in enger Absprache mit CSU-Chef Erwin Huber hat Sieghammer eine massive Erhöhung des Kindergeldes gefordert.
Konkret soll das nach den Überlegungen der Christsozialen so aussehen: Für das erste und zweite Kind soll es je zehn Euro mehr geben, für das dritte Kind 20 Euro und ab dem vierten Kind 50 Euro. Im aktuellen Modell stehen Familien mit bis zu drei Kindern 154 Euro pro Kind und Monat zu, ab dem vierten Kind fallen 179 Euro für den Staat an. Nach den Überlegungen der CSU sieht das dann also wie folgt aus: Für das erste und zweite Kind dann 164 Euro, für das dritte Kind 174 Euro und ab dem vierten Kind 229 Euro pro Monat und Kind. Das ganze solle die Familien entlasten, die unter den Preissteigerungen am meisten zu leiden hätten, so Erwin Huber.
Wenn man sich die Programmatik und die Hintergründe der Kindererhöhung anschaut, wird man sehr schnell merken, dass die CSU wieder einmal tief in die populistische Trickkiste gegriffen hat. Es ist doch lächerlich, dass die CSU sich damit rühmt mit der Kindergelderhöung die Familien signifikant zu entlasten. Wieviele Familien, die vier oder mehr Kinder großziehen, gibt es denn in Deutschland? Das dürfte – ohne dass ich genaue Zahlen kenne – eher eine verschwindend geringe Anzahl sein. Aber nur die würden nach den Plänen der CSU wirklich profitieren. Oder glaubt die CSU, dass man mit 20 Euro im Monat mehr irgendetwas Großes auf die Beine stellen kann? Wenn man die Familien über eine Kindergelderhöhung entlastet, dann muss man entsprechend auch die Familiengröße bevorzugen, die häufiger auftritt. Natürlich würde das dann auch mehr Geld kosten, aber es wäre eine ehrlichere Politik und würde an der besseren Stelle ansetzen. Damit will ich nicht verschweigen, dass die Belastungen für Familien mit vier Kindern ja wahrscheinlich am größten sind. Aber den Großteil der Familien mit Kindern entlastet die CSU nicht.
Es wird definitiv 2009 eine Erhöhung des Kindergeldes geben, so hatte es der Koalitionsausschuss beschlossen. Die Höhe hat man aber noch nicht festgelegt. Dies soll erst durch den Existenzminimumbericht der Bundesregierung geschehen. Dieser Existenzminimumbericht stellt die Entwicklung der Beträge dar, die den steuerlichen Freibeträgen (also unter anderem auch der Kinderfreibetrag) zugrunde liegen. Sprich: Nach Vorlage dieses Berichtes kann man erkennen, welche Spielräume es für eine Erhöhung gibt und evtl auch wie hoch sie ausfallen muss. Auf dieses Vorgehen hatte man sich so in der Bundesregierung geeinigt. Problem nur für die CSU: Der Bericht wird erst Ende September vorgelegt – also NACH der Landtagswahl in Bayern. Für die Christsozialen im kleinen Umfragetief einer kleiner Gau um für Wählerstimmen bei Familien zu werben. Vorher gibt es keine konkreten Zahlen für eine Erhöhung. Dann muss die CSU jetzt doch mal vorpreschen und wieder die Populismuskeule schwingen. Ich kann es nicht verstehen.
Die Vorschläge der CSU kosten übrigens rund 2,56 Milliarden Euro. Das Bundesfinanzministerium hat nach Absprache mit den Beschlüssen des Koalitionausschusses rund eine Milliarde Euro für die Kindergelderhöhung zur Verfügung gestellt. Dies berichtet Spiegel Online. Eine Milliarde Euro sind also fest eingeplant, interessant wäre ja von der CSU mal zu wissen, wo die restlichen 1,56 Milliarden Euro herkommen sollen. Aber selbstverständlich werden solche Sachverhalte wieder verschwiegen. Zur Not tuen es ja auch wieder neue Schulden, hauptsache die CSU kommt in Bayern über 50%. Von den Kosten der Wiedereinführung der Pendlerpauschale wollen wir hier gar nicht sprechen. Sommerloch, bitte geh ganz schnell vorbei, sonst tuen sich in den Parteien noch mehr unseriöse Träumer hervor.
Puh, eigentlich vertrage ich Hitze ganz wunderbar, aber die Mischung aus 32 Grad, einer Luftfeuchtigkeit von gefühlten 85% und kaum einer Wolke am Himmel über Hannover, haben mich dann heute auch irgendwie ein bisschen getroffen. Selbst in der schattigen Ecke des Gartens kam man nicht aus dem Schwitzen raus. Mittlerweile hat sich die Sonne hinter die Häuser verzogen und seit knapp einer Stunde kann man wunderbar mit Notebook und Fruchtcocktail auf der Terrasse sitzen. Ein paar Lesetipps, die ich vorhin entdeckt habe.
RealityCheck fragt in seinem neuen sportmedienblog, welches ich nur wärmstens empfehlen kann, wohin die Reise der Deutschen Fußball Liga geht: Quo vadis, DFL?
Das kommt davon, wenn man den ganzen Donnerstag im Obama-Fieber war und nicht täglich den Feedreader anschmeißt. So habe ich ein durchaus interessantes und sehr tief gehendes Interview von Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen mit süddeutsche.de erst gestern Abend entdeckt. Im Gesrpäch nimmt Jens Böhrnsen sehr ausführlich Bezug zur aktuellen Regierungspolitik in Bremen, zur Lage und Selbstverständnis der SPD und einer zukünftigen sozialdemokratischen Politik. Ganz vorne weg steht das klare Bekenntnis zum Parteichef Kurt Beck.
Ich möchte einige Antworten von Jens Böhrnsen bezüglich der Bremer Politik nicht ganz unkommentiert lassen. Das gesamte Interview gibt es hier nachzulesen. Alle fett markierten Interviewpassagen sind von mir so hervorgehoben worden.
sueddeutsche.de: Herr Böhrnsen, Rot-Grün galt vor zehn Jahren als politisches Erfolgsmodell in Deutschland. Nun stehen Sie hier in Bremen der derzeit einzigen rot-grünen Koalition in einem Bundesland vor. Wie regiert es sich in dieser Konstellation?
Jens Böhrnsen:Rot-Grün arbeitet sehr kollegial und konsequent zusammen. Wir haben uns drei Schwerpunkte vorgenommen. Dazu gehört, die positive wirtschaftliche Entwicklung Bremens voranzubringen, mit unseren Häfen und der Logistik, aber auch als europäischer Standort für Luft- und Raumfahrt. Wir wollen des Weiteren eine Politik des sozialen Zusammenhalts betreiben, indem wir für Kinder und Jugendliche mehr tun: Kinderbetreuung, frühkindliche Bildung, Ganztagsschulen und kostenloses Mittagessen für Kinder aus geringverdienenden Elternhäusern. Und schließlich geht es darum, die finanziellen Lebensgrundlagen des Stadtstaates Bremen zu stärken und zu sichern – Rot-Grün gibt weniger Geld aus als die große Koalition, die vorher regiert hat.
Man kann schon sagen, dass Jens Böhrnsen unter rot-grün eine konsequente und vor allem auf klare Zielsetzungen gerichtete Politik berteibt. Mit den drei hervorgehobenen Zielen ist Böhrnsen 2007 in den Wahlkampf gezogen. Und man kann durchaus auch feststellen, dass es unter rot-grün ein angenehmes Arbeitsklima gibt, jedenfalls dringen eher wenig Konflikte und Streitigkeiten in die Öffentlichkeit. Die Unterstützung der Wirtschaftskraft Bremens nimmt man gerade mit dem Bau eines vierten Containerterminals in Bremerhaven in Gang. Dann können auch die größten Containerschiffe der Welt theoretisch Bremerhaven über die Weser erreichen. Die Häfen sind der Wachstumsmotor Bremens. Zum Glück hat das auch rot-grün erkannt, und vor allem die Grünen, die einer Vertiefung der Weser zugestimmt haben. Dass rot-grün weniger Geld ausgibt, ist richtig, damit sollte man sich aber nicht rühmen, denn auch unter der Regierung Böhrnsen ist der Schuldenstand weiter gestiegen. Und wenn man sich mal die Kürzungen der Bremer Politik anschaut, insbesondere im Bildungsbereich, muss man sich darüber nicht wundern. Das ist kein Ziel, auf das man stolz sein sollte.
[...]
sueddeutsche.de:Kostenlose Mittagessen für sozial Schwächere reichen nicht für eine solche Politik [gemeint ist eine Politik, die an den konkreten Lebensverhältnissen ansetzt - Anmerkung meinerseits]
Böhrnsen:Ich sammele Erfahrungen, wenn ich montags in sozial schwierigen Stadtteilen in Kindergärten komme und man mir sagt, dass man ein Drittel mehr kochen muss, weil die Kinder am Wochenende nichts Ordentliches zu essen bekommen haben. Diese konkreten Erfahrungen führen zu meiner Politik. Das ist gerade für Sozialdemokraten eine unabdingbare Voraussetzung für eine Politik, die den Namen soziale Gerechtigkeit verdient.
sueddeutsche.de:Wie weit sind Sie damit gekommen? Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Böhrnsen: Wir wissen natürlich, dass unsere Möglichkeiten hier in Bremen begrenzt sind, aber wir kapitulieren nicht vor den Aufgaben, auch nicht vor der völlig unzureichenden Bildungsgerechtigkeit. Ich kann Ihnen die Stadtteile nennen, wo Kinder eine mehrfach geringere Chance auf einen höheren Schulabschluss haben als in anderen Vierteln – bei gleichen intellektuellen Voraussetzungen. Da wirken wir dagegen. Das ist das beste Mittel gegen die Linke, die nur mit Parolen und Illusionen agiert.
Analysen nach der Bürgerschaftswahl 2007 haben vor allem eines gezeigt: Jens Böhrnsen hat in den persönlichen Werten bezogen auf die Glabwürdigkeit bei der Herstellung von sozialer Gerichtigkeit klar vorne gelegen. Dass war bei seinem Gegenkandidat Thomas Röwekamp auch keine große politische Kunst, aber das erste Regierungsjahr rot-grün hat auch gezeigt, dass Jens Böhrnsen es Ernst meint. Es wird sehr viel in die Sozialpolitik investiert und Jens Böhrnsen sucht weiter die Gespräche mit Betroffenen und Akteuren. Und es ist auch klar, dass Kinder aus Tenever nie die gleichen Chancen auf einen hohen Schulabschluss haben werden wie in Schwachhausen oder Oberneuland. Aber die Unterschiede kann man verringern, dabei scheint Jens Böhrnsen breite Unterstützung in der Stadt zu bekommen.
sueddeutsche.de:Dank solcher Parolen und dank des einstigen Ober-Sozialdemokraten Oskar Lafontaine hat die Linke viel Zulauf – auf Kosten der SPD. Anders als in Bremen kann Ihre Partei ohne Lafontaine-Rot keine linke Mehrheit bilden.
Böhrnsen:Sie sitzen dem Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen gegenüber. Hier regieren seit 60 Jahren Sozialdemokraten. Aus dieser Position heraus gehe ich doch nicht defensiv an die Frage heran, wie wir es mit der Linken zu halten haben! Ich will eine Politik machen, die das entlarvt, was die Linke hier anbietet. Das ist letztlich eine beliebige Partei ohne Programm, dafür mit populistischer Stimmungsmache.
Es ist in der Tat so, dass seit 60 Jahren stets ein Sozialdemokrat Bremen regiert hat, teils in Alleinregierung, teils auch in der Ampel, die letzten 10 Jahren gab es bis 2007 eine Große Koalition. Seitdem hat Bremen ein völlig verändertes Parteiensystem. Die FDP ist wieder in der Bürgerschaft, die Grünen sind deutlich drittstärkste Partei und eben auch die Linkspartei. Das fragmentierte Bremer Parteiensystem muss also um die Medienaufmerksamkeit kämpfen, vor allem die Opposition. Und wie geht das nur? Indem man etwas Populistisches fordert. Das macht die FDP in Bremen so, das macht sogar die CSU als Regierungspartei in Bayern. Die Linkspartei hat übrigens ein Programm, wenn auch nur einen Aktionsplan. Viel klüger als ständig die Linkspartei zu erwähnen wäre es sie einfach zu ignorieren. Denn wenn man ständig die “böse” Politik der Linken entlarven will, schenkt man ihr auch Aufmerksamkeit. Zu viel Aufmerksamkeit, finde ich. Denn das hat die Partei noch nicht verdient.
[20h01] “Zeit neue Brücken zu bauen.” Ich wünsche noch einen schönen Abend.
[19h58] Als ein Mitbürger dieser Welt hat Barack Obama diese Rede gehalten. Eine sehr ernste Rede, die auf die Probleme dieser Welt aufmerksam gemacht hat. Ein klares Bekenntnis zu einer globalen Partnerschaft, zu globalem Handeln für globale Probleme. Amerika brauche Europa. Aber Amerika muss auch selbst was besser machen. Eine sehr bewegende Rede, sehr engagiert, sehr emotional zu Beginn, als er seine Familiengeschichte erzählt hat. Dann wie schon angekündigt sehr sachlich, sehr präzise, sehr genau. Keine klare Forderung an die Deutschen bezüglich einer Truppenverstärkung, nur der Satz, dass Amerika Deutschland und Europa brauche.
[19h47] Er wisse, dass sein Land nicht perfekt gehandelt habe in den letzten Jahren. Es gebe große Herausforderungen für die Welt, es ist ein langer Weg diese zu lösen. Bringt Gerechtigkeit und Frieden zu dieser Welt auf Basis unser gemeinsamen Geschichte. God bless you. Thank You.
[19h43] Wir müssen unseren Planeten schützen. Klares Bekenntnis zum Klimaschutz, Reduzierung der Treibhausgase. Meine Nation müsste so handeln wie eure. Er spricht nochmal die großen Probleme an, die es zu lösen gelte. Bekämpfung von Aids, Lösung des Dafur-Problems, Verhinderung von Diskriminierung, Schaffung von Gleichheit und Gerechtigkeit, Akzeptanz für Ausländer. “People of Berlin, People of the World. This is our Moment. This is our time.”
[19h40] Es ist Zeit die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu stoppen. Die Welt muss nach Frieden und Sicherheit streben in einer Welt ohne Atomwaffen. Die Ziele dieser Welt erreicht man nicht mit solchen Waffen. Wir brauchen für die Sicherheit und Verteidigung eine starke Europäische Union. Steht auf für unsere gemeinsamen Werte. Klare Ansage an den Iran. Sie müssen ihr Atomwaffenprogramm beenden. Die Welt solle zusammen Druck aufbauen.
[19h37] Das ist der Moment, in dem alle Nationen zusammenarbeiten müssen um globale Probleme zu lösen. Im Rahmen einer globalen Partnerschaft. Gegen den internationalen Terrorismus. Was die NATO gegen die Sowjetunion geschafft hat, können wir auch wiederholen. Er habe die Sicherheitslage in Afghanistan gesehen, Amerika schaffe das nicht alleine, wir brauchen die Hilfe unserer europäischen Partner. Konkreter wird er zunächst nicht.
[19h33] Es habe Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten zwischen Europa und Amerika gegeben und sie wird es immer geben. Kooperation ist keine Auswahlmöglichkeit, sondern die einzige Chance unsere gemeinsame Sicherheit zu sorgen:
"That is why the greatest danger of all is to allow new walls to divide us from one another. The walls between old allies on either side of the Atlantic cannot stand. The walls between the countries with the most and those with the least cannot stand. The walls between races and tribes; natives and immigrants; Christian and Muslim and Jew cannot stand. These now are the walls we must tear down."
[19h30] Nun Erinnerung an den Mauerfall. Die Tore der Demokratie haben sich damals geöffnet. Das 21. Jahrhundet hat die gemeinsame Sehnsucht der Menschen offenbart. “Once the center of the Cold War, proves there is no challenge too great for a united world.” Die Welt stehe vor großen Problemen, wir können uns es nicht leisten, nicht in Einigkeit zu handeln.
[19h24] Er spricht heute Abend als stolzer Bürger der USA und der Weltgemeinschaft. Und er sehe nicht so aus, wie die bisherigen Präsidenten, die hier in Berlin gesprochen haben. Gleich ein Einstieg in den ethnischen Hintergrund seiner Person, über das Leben in Freiheit. Berlin kennt den Traum der Freiheit. Es folgt eine Erinnerung an die bewegende Geschichte der Stadt. Vor 60 Jahren begann die deutsch-amerikanische Freundschaft mit der Beginn der Luftbrücke in Westberlin. Berlin habe eine bewegende Geschichte. Hier haben sich Deutsche und Amerikaner getroffen. Berlin stand zwischen zwei Fronten, den USA und der Sowjetunion. Die Bürger Berlins haben niemals aufgegeben, die Flamme der Hoffnung ist nicht erloschen worden. Leute dieser Welt: “Schaut nach Berlin!” Vertrauen, Unterstützung, Partnerschaft, Hilfe und Solidarität als Vorbilder. Wir dürfen unsere “common humanity” niemals vergessen. Wir müssen eine Welt sein. Wir können es uns nicht leisten geteilt zu sein.
[19h23] Er bedankt sich bei den Bürgern Berliners und dem deutschen Volke und bei seinen Gästen und den Zuschauern, die gleich wieder applaudieren.
[19h20] Na endlich. Barack Obama kommt auf die Bühne. Applaus, vereinzelte “Obama”-Rufe. Erste “Yes we can” Sprechchöre.
[19h17] Die BBC in der Headline: “Obama to speak at Tiergarten in Berlin.”
[19h08] Barack Obama und Team sind auf dem Weg zur Siegessäule. Das ZDF kann sich glücklich schätzen. Dank der heute-Sendung verpasst man jetzt fast nichts von der Rede. Das war wohl bestimmt die SMS von Claus Kleber, die das ermöglicht hat.
[19h01] N24 spricht von mehreren hunderttausend Besuchern auf dem Weg zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. In wenigen Momenten erscheint dann auch Obama.
[18h56] Claus Kleber im ZDF, hat mehrfach versucht Obama per SMS und E-Mail versucht für ein Interview zu gewinnen. Es hagelte nur Absagen.
[18h52] Susan Rice, die Beraterin für die Außenpolitik im Team Obama, im Interview bei Ulrich Deppendorf in der ARD: “Es ist eine Rede für alle, für die Europäer und die gesamte Welt. Es ist spannend zu sehen, wie die Leute hier Obama empfangen.”
[18h46] Beeindruckende Bilder aus Berlin. Der Weg vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule – eine einzige Menschenmasse, die sich in Richtung Westen bewegt.
[18h43] Auf auf der offiziellen Internetseite von Barack Obama kann man die Rede im Livestream verfolgen, momentan hört man aber dort Reamonn.
[18h37] Mögliche Themen für die Rede Obamas könnten sein.
Kampf gegen den internationalen Terrorismus: Fokus auf Afghanistan, mögliche Ausweitung auch auf Pakistan und das Grenzgebiet in den Bergen. Umgang mit Al-Qaida.
Truppenrückzug aus dem Irak: Erklärung seiner Vorgehensweise, Übertragung der Verantwortung an die irakischen Behörden. Bin gespannt, ob er den Verbündeten im Irak für ihre Arbeit dankt.
Atomwaffenprogramm des Iran: Hier bin ich am meisten gespannt, ob und was Barack Obama dazu sagt. Im Vorwahlkampf hieß es immer noch, er möchte ohne Vorbedingungen mit dem Iran sprechen. Zuletzt drohte er im dem Iran, falls sie weiter am Atomwaffenprogramm arbeiten wollen. Möglich wäre eine Stärkung der diplomatischen Komponente verbunden mit einer Drohung an den Iran.
Nahost-Konflikt: Obama hat ja auf seine Reise sowohl mit Israelis als auch mit Palästinensern gesprochen. Zukunftskonzept der Amerikaner. Schaffung eines palästinensischen Staates, klares Bekenntnis zum Schutz von Israel.
Menschenrechte: Stichwort wäre hier das Gefangenenlager Guantanamo. Bin unsicher, aber könnte mir vorstellen, dass er auch dazu Stellung nimmt. Mögliche Schließung des Lagers
Klimapolitik: Umweltfragen könnten auch erwähnt werden, schließlich hat er Al Gore in seinem Beraterteam und letztens die Energiepolitik Deutschlands als Vorbild für die USA genannt. Mal sehen, ob es ein klares Bekenntnis zum Kyoto-Protokoll und einer Reduzierung der Treibhausgase gibt.
[18h26] Ein paar wenige Details der Rede von Barack Obama sind ja schon an die Öffentlichkeit gedrungen. Er wird wohl ein stärkeres Engagement von Europa und Deutschland im Kampf gegen den Terror mit Schwerpunkt in Afghanistan fordern. Davon war auszugehen. Partnerschaft heißt eben nehmen und geben. Interessant wird das dann aus deutscher Sicht, wieviel wir bereit zu geben sind. Ansonsten erwarte ich eine sehr sehr sachliche Rede, die damit quasi die Art und den Aufbau dieser Reise fortsetzen wird. Eine sachliche Rede mit klaren, vielleicht auch deutlichen Worten zu den Konflikten und Problemen dieser Welt, aber ich würde eine etwas emotionalere, persönlichere Passage in der Rede auch gut finden. Worauf ich auch gespannt bin, ist der freie Redeanteil. Die meisten Speeches hält er durchaus frei, hat meist nur ein paar Notizkarten bei sich. Mal gucken, wieweit er vom Transkript heute abweicht.
[18h08] Phoenix sendet jetzt nochmal die sehr gut gelungene Doku über den Vorwahlkampf von Barack Obama.
[18h06] Phoenix nennt bis dato eine Zuschauerzahl von 15.000, die sich an der Siegessäule eingefunden haben.
[18h03] Noch ein kleiner Literaturhinweis. Markus Beckedahl von netzpolitik.org hat mit Daniel Weitzner, seines Zeichen Berater von Barack Obama im Bereich Netzpolitik, über die Netzpolitik von Barack Obama gesprochen.
[18h01] Und auch Klaus Wowereit war ganz begeistert: “Ein sehr charismatischer Mensch, das merkt man schon in den ersten Sekunden. Er ist sehr charmant und strahlt etwas aus, das die Menschen bewegt.”
Jetzt müssen aber auch die Inhalte folgen. In gut 60 Minuten beginnt Obamas Rede an der Siegessäule.
[17h56] Barack Obama schrieb ins Goldene Buch der Stadt Berlin:
“Herzlichen Dank an den Bürgermeister dieser großartigen Stadt und an alle Mitarbeiter für diesen offenherzigen Empfang. Berlin ist ein Symbol für den Sieg der Hoffnung über die Angst und dafür, dass es unmöglich ist, Menschen in ihrem Streben nach Freiheit zu trennen. Lassen sie uns gemeinsam auf dieser bemerkenswerten Geschichte aufbauen.”
[17h27] Ich musste eben nochmal kurz nachschauen, aber Obama hatte im Mai eine Rede in Portland im US-Bundesstaat Oregon vor rund 80.000 Menschen gehalten. Das wäre dann mal das erste Ziel für die Berliner heute Abend. Und John McCain hätte wieder ein Thema für den Wahlkampf. Schaut mal, liebe Landsleute, in Berlin bekommt Obama 100.000 Menschen bei einer Rede zusammen, das schafft er aber auch nur da.
[16h27] Du liebe Güte, n-tv verabschiedet sich aus der Sondersendung mit den “bisherigen Bildern des Tages” untermalt von “Beautiful Day” von U2. Das ist dann doch eine Nummer zu hoch.
[16h23] Jörg Schönenborn hat gestern in den Tagesthemen mal auf die Umfragewerte in den USA geschaut. Quelle war das Gallup-Institut. Das ganze zum Nachhören und Nachlesen.
[16h18] n-tv berichtet von der Siegessäule. Tausende Menschen warten bereits an den Zäunen um auf den abgesperrten Bereich zu gelangen.
[15h28] Wie schon etwas weiter unten geschrieben, läuft auch auf der Auslandsreise des demokratischen Präsidentschaftskandidaten die PR-Maschine sehr gut geölt. Viele Bilder, Eindrücke und Emotionen werden in alle Teile der Welt transportiert, auch in die USA. Die Medien verfolgen Obama auf Schritt und Tritt und sind hautnah dabei. Erstes Fazit vor allem in den US-Medien: Obama schlägt sich überraschend gut. Und wenn das fast alle Medien berichten, dann dürfte das schon von Vorteil sein. ABC, CNN und NBC sind mit den Hauptmoderatoren auf der Reise, Obama gibt exklusive Interviews. Obama steht im Mittelpunkt. Das ist gut für ihn und schlecht für John McCain, der sich dann auch gleichmal lauthals beschwert habe. Obama genieße zu viel Aufmerksamkeit in den Medien, die Probleme, die es zu lösen gelte, liegen aber in den USA und nicht in Berlin und Paris. Es ist ein bisschen Verzweiflung. Klar, dass ausführlicher darüber berichtet wird, wenn Obama vor Tausenden in Berlin eine Rede hält als wenn John McCain in Pennsylvania durch einen Einkaufsladen läuft. Aber Medienpräsenz ist ein knappes Gut, das Barack Obama im Moment bestens ausnutzt. Passend dazu zwei Entwicklungen der letzten Tage: Obamas Wahlkampfteam hat heute bekanntgegeben, dass es während der Olympischen Spiele Wahlwerbespots für Obama bei NBC geben wird. Zwischen den Wettkämpfen gebe es Unterbrechungen für die Spots. Kostenpunkt: fünf Millionen Dollar. Und gleichzeitig hat die New York Tims, die Zeitung mit der zweitgrößten Auflage in den USA, Ende vergangener Woche es abgelehnt einen Aufsatz von John McCain abzudrucken. Der Bericht beinhalte nicht genügend neue Inhalte. Währenddessen liefen die Bilder vom Treffen Obamas in Afghanistan in allen Hauptnachrichtensendungen. Ein paar Artikel, die die Berichterstattung in den US-Medien über Obamas Reise ganz gut widerspiegeln:
Fontane hat mal gesagt: “Vor Gott sind alle Menschen Berliner.” Das wäre mal ein Satz für die Rede heute Abend. Aber Spaß beiseite: Noch führt Obama in den Umfragen, und Außenpolitik ist ein Thema, wo nur er aufholen kann. Denn John McCain besitzt hier schon eine große Kompetenz. Positive Berichterstattung über außenpolitische Erlebnisse von Obama kommen also in erster Linie nur ihm zugute. McCain hat dies erkannt und verlegt verständlicherweise den Schwerpunkt wieder auf die Probleme und Schwierigkeiten in den USA. Die Medien machen da noch nicht ganz mit.
[15h03] Langsam müssen n-tv und N24 auch erkennen, dass es jetzt nichts mehr Neues zu berichten gibt. Phoenix beginnt die Sondersendung zum Obama-Besuch mit der außenpolitischen Grundsatzrede Obamas, die er vor kurzem in den USA gehalten hat.
[14h40] Barack Obama ist jetzt zurzeit bei Außenminister Steinmeier. Auch über Ergebnisse und Inhalt dieses Gespräches wird man wenig erfahren, es sind keine Pressestatements vorgesehen. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm gab zum Treffen von Obama und Merkel bekannt :”Ein sehr offenes und in die Tiefe gehendes Gespräch in sehr guter Atmosphäre.”
[13h06] Die Nachrichtenagentur ap berichtet, dass das Hotel Adlon wegen eines verdächtigen Paketes geschlossen wurde. N24 steht direkt vor dem Hotel, und der Eingang ist offen. Tja, scheint wohl falscher Alarm gewesen zu sein. Obama ist jetzt mittlerweile im Hotel angekommen, hat aber den Hintereingang genommen und somit die Journalisten und Zuschauer in der Sonne stehen lassen.
[12h26] Es ist die erste große Auslandsreise des Politikers Barack Obama. Und es ist eben auch ein kleiner Neuanfang in der US-Außenpolitik, den Obama verkörpert, ein neuer “Realismus” in der Außenpolitik mit einer stärkerung Betonung von Diplomatie, Partnerschaft, einfach wieder “Zuhören”. Dass diese Politik im krassen Gegensatz zur Außenpolitik des derzeitigen Präsidenten steht, ist auch klar, Kritik an Bush hört man von Obama aber überhaupt nicht. Er will seine Sicht der Dinge darstellen, will seinen Horizont erweitern, er will in die Zukunft blicken. Zunächst einmal. Denn die Probleme der Vergangenheit werde ihn natürlich auch bald einholen. Erstarkter Terrorismus in Afghanistan, Abzug aus dem Irak, der Konflikt zwischen Israel und Palästina, Neubestimmung der transatlantischen Beziehungen. Dass es für jemanden, der ganz nachweislich wenig Erfahrung in der Außenpolitik besitzt, eine Herkulesaufgabe.
Aber es zeigt sich auch, dass Barack Obama es kann. Eine bis dato sehr unaufgeregte Reise, die laut den Beratern des Senators “exellent” verlaufen ist. Obama konnte die politischen Aspekte dieser Reise bisher wunderbar mit seiner Person und seinen Charaktereigenschaften verbinden. Er konnte zuhören, er konnte seine Sicht der Dinge darstellen, alles mit dem nötigen Ernst, aber eben auch mit dem immer wiedekehrenden Lächeln. Das war für Barack Obama ein großer Schritt nach vorne, weil er eben mit Sachlichkeit, Ehrgeiz und auch der nötigen Distanz seine Sicht der Dinge darstellen. Obama hat klar gemacht, dass er sich im Haifischbecken internationale Politik gut zurecht finden kann. Und dass seine Reise von den Medien dann entsprechend inszeniert und in die USA gesendet wird, ist eben ein gern genommener Effekt. Aber es sind eben auch die Bilder eines Politikers, unerfahren in der Außenpolitik, die sich dann einprägen im Gedächtnis. Im Hubschrauber über Afghanistan, bei den US-Soldaten im Irak, in den Gesprächen mit den Israelis und den Palästinensern und jetzt auf seiner letzten Etappe in Europa. Und Obama hat eben auch erkannt, dass er sich verändern musste, in seinen politischen Positionen mehr als in seinen persönlichen Eigenschaften. Aus dem sofortigen Abzug aus dem Irak ist ein schrittweiser Rückgang geworden in enger Absprache mit den irakischen Behörden. Und aus den Gesprächen ohne Vorbedingung mit dem Iran ist jetzt auch die Drohung geworden, man werde friedlich alles versuchen, dass der Iran keine Massenvernichtungswaffen entwickle. Barack Obama ist flexibel geworden.
Und diese neue Flexibilität und Sachlichkeit kann man ganz wunderbar auf Barack Obamas bisher einziger Pressekonferenz während der Reise bei der Zitadelle im jordanischen Amman. Klare Gedanken, klare Konzepte, sachlich vorgetragen. Obama muss seine außenpolitischen Grundsätze vermitteln können, die Wähler in den USA müssen ihm vertrauen können für ihre Sicherheit zu sorgen. Und Europa, der Nahe Osten und Asien haben die Hoffnung, dass Obama die Probleme dieser Welt im Dialog lösen kann. Kein einfacher weg. Sieben Tage, sieben Länder. Für Barack Obama war es bisher ein Schritt nach vorne, ein Schritt zu mehr Vertrauen für seine Politik. Mehr aber auch nicht. Aber damit hat Obama schon viel mehr erreicht als ihm zugetraut wurde.
[12h08] Also, ich glaube, dass Barack Obama im dritten Wagen saß. Nach einer Stunde im Bundeskanzleramt geht es jetzt weiter zum Hotel.
[11h55] N24 und n-tv berichten fast rund um die Uhr jetzt im Programm über den Obama-Besuch. Am Kanzleramt warten weiter die Menschenmassen um noch ein Bild des Präsidentschaftskandidaten zu bekommen. Noch dauert aber das Gespräch bei Angela Merkel an. Über den Tagesablauf von Obama wurde in der letzten Stunde viel spekuliert. Mittlerweile scheint festzustehen, dass er im Hotel Adlon übernachten wird. Um 14h00 steht das Treffen mit Steinmeier an, danach der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt mit Klaus Wowereit. Was Obama mit seiner Freizeit macht, steht noch völlig in den Sternen. Dieter Kronzucker bei N24 macht vier Vorschläge: Erstmal Ausruhen, nochmal seine Rede durchgehen, ein paar Sehenswürdigkeiten besuchen und ein Bad in der Menge. Man kann natürlich das auch alles schaffen.
[11h03] Fototermin von Merkel und Obama im Kanzleramt. Lächeln auf beiden Seiten. Ein kurzes Raunen bei den Journalisten, als Obama und Merkel schon wieder gehen wollen, die Fotografen in der rechten Ecke aber noch kein passendes Bild bekommen haben. Obama nimmt es gelassen, man stellt sich nochmal neu auf. Ohne es jetzt überbewerten zu wollen, aber man hat Obama die Nervosität schon ein bisschen angesehen. Aber solange man dann noch so ein Lächeln in die Kamera bringt…
[10h56] Gefühlte 40 Autos fahren auf den Parkplatz im Kanzleramt, Menschen strömen zum Zaun um Bilder zu bekommen. Ein kurzes Winken von Obama und ab ins Gebäude.
[10h51] Die Umgebung des Kanzleramts ist komplett abgesperrt. Eine Stunde also Treffen mit Angela Merkel. Es wird in erster Linie wohl ein Kennenlerntreffen, es gibt keine feste Themen, über die man sich vorher geeinigt hat, dass man sie ansprechen muss. Aber es dürfte klar sein, was besprochen wird: Situation in Nahost, Außenpolitik, Weltwirtschaft, Finanzkrise und auch die transatlantischen Beziehungen.
[10h21] Barack Obama ist in Berlin auf dem Flughafen Tegel gelandet. Sehr pünktlich gewesen. Jetzt geht es mit Polizeieskorte Richtung Kanzleramt. Um 10h55 soll er am Kanzleramt ankommen. Alles ist auf die Minute durchstrukturiert. Abfahrt vom Flughafen ist 10h40.
[09h59] Der Medienexperte der FDP, Hans-Joachim Otto, zur Parallelübertragung von ARD und ZDF: Vergeudung von Sendekapazitäten
[09h55] Ich werde weitesgehend die Übertragungen von Phoenix verfolgen. Um 12h00, also nach dem Treffen mit Angela Merkel, sendet Phoenix eine 30-minütige Sondersendung. Intensiviert wird dann die Berichterstattung ab 14h45 in der Sendung “USA” mit Rückblicken und Dokumentationen. Ab 17h00 beginnt dann die Vorberichterstattung zur Rede an der Siegessäule mit dem Themenkomplex “Barack Obama in Deutschland“. Dort wird außerdem nochmal die exellente Dokumentation des ZDF über den Vorwahlkampf Barack Obamas wiederholt.
[09h48] Die deutschen Medien sind jetzt auch voll auf die Obamania abgefahren, alleine acht TV-Sender übertragen die Rede des Senators aus Illinois. Die ARD berichtet ab 18h50 in der Sendung “Obama in Berlin”, das ZDF klingt sich ab 18h45 mit einem ZDF-Special ein. Es gibt die wesentlichen Passagen der Rede im TV, nur unterbrochen von den heute-Nachrichten. Im Internet gibt es zudem zwei Live-Streams, man kann dabei die Rede von Barack Obama auch ausschließlich in englischer Sprache hören. Auch die ARD wird im Zweikanalton senden. Desweiteren übertragen Sat.1 und RTL (ausschließlich im Internet unter rtl.de) mit den beiden Nachrichtenkanälen N24 und n-tv. Im Ausland übetragen CNN, BBC World und Sky News die Rede ebenfalls live.
[09h43] Kurz zum Programm des Besuches von Barack Obama. Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten wird in einer dreiviertel Stunde in Berlin landen. Um 11h00 gibt es dann ein einstündiges Treffen mit Angela Merkel. Um 14h00 trifft Obama Außenminister Steinmeier, am Nachmittag ist ein kurzes Treffen mit Klaus Wowereit geplant, der extra (!) seinen Griechenland(!!)-Urlaub (!!!) dafür unterbrochen hat. Um 19h00 dann der Höhepunkt mit der Rede an der Siegessäule. Obama wird dabei Stellung nehmen zu seinen außenpolitischen Grundsätzen und den transatlantischen Beziehungen. Die Rede soll wohl etwa 45 Minuten dauern.
[09h36] Der Koblenzer Politikwissenschaftler Ulrich Sarcinelli erklärt im Gespräch mit Der Westen das “Obama-Prinzip”. Auf die Frage, warum Barack Obama die deutschen Politiker so emotionslos aussehen lasse, antwortet Sarcinelli:
“Medien, für die nichts schlimmer ist als Langeweile, verspüren offenbar wieder große Sehnsucht nach Emotionen. Obama bedient diese Sehnsucht. Dagegen pflegt Angela Merkel als Kanzlerin einen geschäftsmäßig-unterkühlten Regierungsstil, der scheinbar nach physikalischen Gesetzen funktioniert, aber inzwischen gut inszeniert wird. Auch diese Emotionslosigkeit schürt in Deutschland die Sehnsucht nach dem Obama-Effekt.”
[09h25] Ich denke, man kann die Stimmung vor dem Obama-Besuch ganz gut so zusammenfassen: Bei den Bürgern ist es vor allem die Spannung und die Erwartung Barack Obama in Deutschland zu sehen, bei der Politik ist es zum Großteil auch die freudige Erwartung, erst so langsam versucht man in Berlin auch eine politische Dimension des Obama-Besuchs aufzubauen. Das hat man in den letzten Tagen vermissen lassen. Nachlegen tut heute nochmal der Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt (SPD), im Gespräch mit RP Online:
“Falls Obama Präsident werden sollte, wird er mit einem Lächeln, aber mit Nachdruck mehr Soldaten für Afghanistan einfordern. Das könnte aber schwierig werden. Ich sehe keine Mehrheit im Deutschen Bundestag für ein dauerhaftes Engagement im Süden Afghanistans.”
Immerhin wird jetzt verstärkt über Politik in Bezug auf den Obama-Besuch gesprochen. Das wird dem Besuch schon gerechter. Und eines sollten wir in Erinnerung behalten: Obama redet in Berlin, nicht in Paris oder London.
[09h14] Ein kleiner Blick durch die deutsche Presse an diesem Morgen
[09h05] Guten Morgen. Der Kandidat zu Besuch in Deutschland, Barack Obama auf Visite in Berlin. Es gibt ein Treffen mit Merkel und Steinmeier und heute Abend dann die mit Spannung erwartete Rede bei der Siegessäule. Ich werde den Tag nutzen um nochmal auf die bisherige Reise von Barack Obama schauen und auch schauen, wie die Medien hier und in den USA berichten. Und dann geht es natürlich auch um die Rede am Abend.
In wirklich aller Kürze ein kleiner Blick auf die Ereignisse der Premier League in den vergangenen Tagen. Auf der offiziellen Seite der Premier League gibt es einen Überblick über alle Transfertätigkeiten der Vereine. Die BBC fasst die Wechselgerüchte vom Mittwoch zusammen. Desweiteren hat sich ereignet:
Michael Essien hat beim FC Chelsea einen neuen 5-Jahres-Vertrag bekommen.
Wigan Athletic hat den ägyptischen Nationalstürmer Amr Zaki verpflichtet und zwar im Ausleihgeschäft für ein Jahr.
Wirklich gute Nachrichten bekommt man derzeit nicht vom FC Arsenal. Verteidiger Kolo Toure wird eventuell den Saisonstart verpassen. Der Ivorer leide an Malaria, gab der Verein heute bekannt. Die Erkrankung habe sich Toure während der Ferien in seinem Heimatland zugezogen.
Manchester City muss beim Saisonstart wohl auf Stürmer Benjani verzichten, der an einer Oberschenkelverletzung leidet.
Einen kleinen Transfercoup konnte heute West Ham United verkünden. Die Hammers haben den schweizer Nationalspieler Valon Behrami von Lazio Rom verpflichtet. Die Ablösesumme soll bei sieben Millionen Euro liegen. Behrami äußerte sich zu seinem Wechsel: “I am very happy to at last be able to sign for West Ham. For me it is a dream come true to play for the club and in the Premier League. I am very much looking forward to becoming part of the team here.”
Der FC Liverpool hat das spanische Jugendtalent Emmanuell Mandy von Murcia Deportivo aus der dritten spanischen Liga unter Vertrag bekommen.
Newcastle-Trainer Kevin Keegan hat heute mitgeteilt, dass Michael Owen auch weiterhin Kapitän der Magpies bleibe.
Zwei Testspielergebnisse: Orlando Pirates – Manchester United 0:1; FC Chelsea – Guangzhou Pharmaceutical 4:0
Im Spielbericht auf der Vereinshomepage des FC Liverpool steht zu dem Remis gegen Hertha BSC Berlin: “The excellent Andriy Voronin missed a penalty in what was a low key affair in the Olympic Stadium on Tuesday night.” Die Fans haben im Internet Voronin zum Spieler des Spiels gewählt. Ich frage mich gerade, ob ich ein anderes Spiel gesehen habe gestern. Denn für mich war Voronin zwar bemüht, aber glücklos und viel zu umständlich im Spielaufbau. Wenn man einen Spieler der Reds positiv hervorheben muss, dann ist das Javier Mascherano mit unglaublich viel Einsatz und Laufbereitschaft. Das war gut anzuschauen. Ansonsten haben beim FC Liverpool viele Stars und Stammspieler noch gefehlt.
Nach einem Stadtrundgang und einem kleinen Abstecher auf den Prenzlauer Berg ging es frühabends dann Richtung Spandau zum Olympiastadion. Gut, das Spiel hat mich dann insgesamt nicht von meinem Sitz gerissen, aber für ein Testspiel waren Einsatz und vor allem Stimmung im Stadion absolut positiv zu erwähnen. Über die Reds schreibe ich in einem anderen Eintrag noch ein bisschen mehr. Über 50.000 Zuschauer waren da, für ein Testspiel in den Sommerferien keine schlechte Ausbeute. Und es waren auch viele Fans der Reds im Stadion. Zum ersten Mal konnte ich dann auch die Stadionhymne der Hertha, “Nur nach Hause gehn wir nicht” von Frank Zander, in der Live-Version hören, war gar nicht so schlecht. Aber ist das Absicht, dass der Fanblock der Hauptstädter leicht versetzt singt und sich somit eine ganz nette Klangkulisse entwickelt? Wenn ja, dann waren gestern nur Musiklehrer im Stadion.
Die Rückfahrt nach Bremen via Hamburg gestaltete sich etwas komplizierter, hatten wir doch vier Stunden Aufenthalt in HH, bis der Eurocity nach Chur fuhr. Ich habe ja bisher nur positive Sachen über die Bahn in der Schweiz gehört, aber die Wagen waren vom Komfort und der Sauberkeit meilenweit unterlegen.
Wie man vier Stunden im Hamburger Hbf problemlos um die Runden kommt, dazu später einmal mehr. Nur nach Hause gingen wir nicht.