Premier League 2008/2009 – Die Aufsteiger
Von vorneherein gelten die Aufsteiger als die ersten Abstiegskandidaten. Das hat vor allem auch finanzielle Gründe, haben die Vereine in der Championship, also der zweiten Liga in England, einfach weniger Geld zur Verfügung. Und auch der Aufstieg macht die Klubs nicht gerade finanzstärker als zum Beispiel Wigan, Fulham oder Sunderland. Heißt konsequenterweise auch, dass sie normalerweise spielerisch nicht mithalten können. Für West Bromwich Albion, Stoke City und Hull City kommt es also vor allem darauf an, spielerische Defizite durch höhere Laufbereitschaft, Einsatz und Leidenschaft zu kompensieren.
West Bromwich Albion ist die klassische Fahrstuhlmannschaft. Nur einmal hat man es geschafft nach einem Aufstieg in der Premier League eine weitere Saison dranzuhängen. Das war 2003/2004 und 2004/2005. PREMIERE-Zuschauer der frühen Zeit können sich vielleicht noch an den letzten Spieltag der Saison 2003/2004 erinnern, als the Baggies den Klassenerhalt schafften – als bisher einziges Team in der Premier League, das an Weihnachten noch Tabellenletzter war. Nun unternimmt man also einen neuen Versuch dieses Kunstwerk zu wiederholen. Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen, hat man doch ein duchaus spielstarkes Mittelfeld. Die Frage ist nur, wer die Tore schießen soll. Kevin Phillips, Torgarant in den letzten zwei Jahren mit 38 Toren in 71 Einsätzen, ist zu Birmingham City gewechselt. Die Verantwortung Tore zu erzielen hat jetzt Like Moore, der von Aston Villa kam. Zudem verpflichtete man eines der größten englischen Torwarttalente mit Scott Carsen, der vom FC Liverpool geholt wurde. Wenn ich es einem der drei Aufsteiger zutraue die Liga zu halten, dann ist es West Bromwich Albion.
Stoke City setzt vor allem auf seine zwei Neuzugänge, die dem Team die Qualität bringen sollen um die Liga zu halten. Dave Kitson kam vom FC Reading, zudem verpflichtete man Seyi George Olofinjana von den Wolverhampton Wanderers. Aber ob das eben ausreicht, ist auch die andere Frage. Das einzige, was vielleicht helfen könnte, ist, dass Stoke den Gegnern ihr Spielsystem mit den langen, hohen Bällen aufzwingen kann, ganz kompakt in der Defensive stehen und vielleicht den ein oder anderen Konter setzen. Von den Potters darf man keine Wunderdinge in Sachen spielerische Highlights erwarten, aber vielleicht kann das ja auch von Vorteil sein.
Gleiches gilt ungefähr für Hull City, die aber mehr Erfahrung neben als auf dem Platz haben. Trainer Phil Brown hat viel Erfahrung in der Premier League, war Assisstenztrainer von Big Sam Allardayce bei den Bolton Wanderers. Sein Assisstent Brian Horton hatte unter anderem schon die Verantwortung bei Manchester City und Port Vale. Der Kader wird schlicht nicht gut genug für die Premier League sein. Leistungsträger ist vor allem der wallisische Nationaltorwart, Boaz Myhill. Der Rückhalt soll der Abwehr Stabilität geben. Man hat sich punktuell ganz gut verstärkt. George Boateng kam aus Middlesbrough, Geovanni von Manchester City und Anthony Gardner von den Tottenham Hotspur. Eine Einheit muss man wohl erst noch finden. Aber dafür hat man ja das erfahrene Trainerteam um Phil Brown und Brian Horton.
Und dass Aufstieger den Experten alle Prognosen einen Strich durch die Rechnung machen und durchaus für Furore in der Premier League sorgen können, hat zuletzt – auch entgegen aller Erwartungen – der FC Reading vor zwei Jahren gezeigt. Alles ist also möglich, wenn auch weniger wahrscheinlich.


Dienstag, 12. August 2008 22:14
Danke für die PL Vorschau. War gut zu lesen und informativ. Besonders über die kleinen Vereine.
Mittwoch, 13. August 2008 13:22
Ganz so stark wie behauptet sind die englischen Klubs dann doch nicht oder warum ist Borussia Mönchengladbach im letzten Monat im vierten Testspiel vor der neuen Fußball-Bundesligasaison ein überzeugender 2:1 (1:0)-Erfolg gegen den englischen Premier-League-Aufsteiger West Bromwich Albion gelungen?
Mittwoch, 13. August 2008 15:04
Dass die englischen Erstligisten Fußballeuropa in Grund und Boden spielen, habe ich auch nirgendwo behauptet. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, dass gerade die 2. Fußball-Bundesliga in der Spitze sogar stärker ist als die Championship auf der Insel. Und für die Aufsteiger in die Premier League ist es deshalb eben auch besonders schwierig längerfristig die Klasse zu halten, weil es vor allem spielerische Defizite gibt.
Mittwoch, 13. August 2008 16:05
@Felix und BetBoyzz: Qualität der Aufsteiger und der Championship hin oder her, ein Freundschaftsspiel als Indikator zu nehmen bzw. an einem Freundschaftsspiel zwei Ligen miteinander zu vergleichen, halte ich doch für sehr gewagt. Oder ist Eintracht Frankfurt gleichzusetzen mit Real Madrid und die Hertha so stark wie der FC Liverpool?