Hörerinteraktivität made by NDR 2
Ich höre gerne Radio, ich höre viel Radio. Beim Frühstück, während der Arbeit, nachmittags zuhause, manchmal auch abends auf dem Sofa. Entweder mit dem ganz normalen Radio oder via Live-Stream im Internet. Mittlerweile höre ich fast nur noch die Radiosender der BBC. Dort gibt es für jeden Geschmack und für jede Interessen etwas. Das ganze ohne Werbung, mit guter Einbindung der Hörer und im Vergleich zu Deutschland exellenter Musikvielfalt.
Ich will jetzt die BBC nicht in den Himmel loben, aber man muss einfach feststellen, dass die BBC aus ihren Radiosendern deutlich mehr rausholt als wir hier in Deutschland. Hier gibt es 100 oder mehr Radiosender – und fast alle spielen die gleiche Musik, jeden Tag das gleiche Schema, kaum Einbindung der Hörer ins Programm. Stattdessen werden der Verkehrsfunk von ARAL, das Wetter vom Autohaus um die Ecke und die Radarfallen vom Tante Emma Laden in Ortschaft XY präsentiert. Das soll jetzt nicht heißen, dass es in Deutschland keine guten Radiosendungen gibt. Positiv erwähnen sollte man die Sendung “hr2 – Der Tag” oder auch einige Sendungen von SWR 3. In der Gesamtheit ist das aber qualitativ nicht so berauschend.
Vor allem nicht hier in Norddeutschland. Radio Bremen lässt unter seinem Sparkurs die Musiksender fast ausbluten. Es gibt überhaupt nur noch zwei eigene Sender hier. Einer spielt neuere Musik, einer Oldies. Und gerade Bremen Vier war früher einmal eine kleine Perle in der Radiolandschaft, ist jetzt aber auch immer mehr zum Mainstream-Radio geworden. Bleibt noch der NDR, und dort vor allem NDR 2, immerhin meistgehörter Sender in Norddeutschland. Dort würde ich die Musikvielfalt immer noch mit am umfangreichsten einschätzen, zudem hat man mit den abendlichen Musik-Specials durchaus einen vernünftigen Schwerpunkt geschaffen. Was mich aber auch an NDR 2 so stört: Es ist alles stets der gleiche Ablauf. Der Morgen, der Vormittag, der Nachmittag, der Abend. Musik, ein bisschen Werbung, ein paar Korrespondentenberichte, Nachrichten. Das war es dann auch schon. Mit Ausnahme der Musik-Specials hat man nichts Außergewöhnliches im Programm, wo man sich signifikant von anderen Sendern unterscheiden würde.
Mit Interesse las ich dann, dass NDR 2 ab September sich einer umfassenden Programmreform unterzieht. In der Kurzform: Neue Moderatoren für die Nachmittagssendungen, Ausweitung der Musik-Specials auf sieben Tage die Woche, Comedy-Klassiker über den Tag verteilt sowie eine neue Talkshow von Bettina Tietjen. Erster Gast wird am 7. September Peter Maffay sein. Ein wesentlicher Bestandteil soll laut Programmchef Torsten Engel auch ein höhere Interaktion mit dem Hörer sein. Ich frage mich nur die ganze Zeit, wo die sein soll. Immerhin können sich die Hörer jetzt werktags von 18h00 bis 19h00 in einer eigenen Sendung Musik für den Feierabend wünschen. Aber das war es dann auch. Da führt man dann schon eine Talkshow am Sonntagmorgen ein – und dann können sich nicht mal die Hörer dran beteiligen und Fragen an den Gast stellen oder per Telefon zuschalten?
Und daran krankt eben vor allem der deutsche Radiomarkt. Einbeziehung der Hörer in das Programm. NDR 2 macht jetzt einen netten Versuch, mehr ist es aber auch nicht. Hier kann man ja schon froh sein, wenn man eine Mail direkt ins Studio senden kann. Dabei steckt doch so viel Potential in der Interaktion mit dem Hörer. NDR 2 macht samstags eine Bundesliga-Show von 15h00 bis 18h00. Warum die nicht eine Stunde verlängern um Fans der norddeutschen Mannschaften zu Wort kommen zu lassen? BBC Radio 1 macht freitags in der Morgensendung eine Stunde einen Programmabschnitt, der sich Golden Hour nennt. Dort spielt der Moderator Lieder und die Zuschauer müssen per E-Mail oder SMS ins Studio erraten, aus welchem Jahr die Titel stammen. Gleichzeitig geben die Hörer an, wer sie sind, was sie gerade machen und was sie sonst noch so bewegt. Dann entstehen immer lustige Stories. Im Nachmittagsprogramm von BBC Five Live werden Buchautoren, Regisseure, Personen aus Politik und Wirtschaft eingeladen – Zuschauer können anrufen und ihre Fragen loswerden. Man kann die Liste beliebig lange fortsetzen.
Das ist unterhaltsames Radio und das ist Interaktion mit dem Hörer. Und davon sind wir hier in Deutschland leider weit entfernt. NDR 2 will jetzt einen nett gemeinten Versuch machen. Dem sollte man eine Chance geben. Aber ein wirklicher Fortschritt wird es wohl nicht. Aber reinhören werde ich trotzdem mal. Denn es kann ja fast nur besser werden. Positiv aber, dass NDR 2 wenigstens zu einer Programmreform bereit ist.


Sonntag, 31. August 2008 23:35
Nicht unbedingt auf den Norden bezogen, aber grundsätzlich habe ich mir die gleiche Frage auch schon gestellt. Es ist ein Jammer, dass die Möglichkeiten so schlecht bzw. nicht ausgeschöpft werden. Ich kenne nur die Show von Arnd Zeigler, in der es zu großen Teilen um die Meinung von Zuschauern zu Fußballspielen geht.
Ich persönlich bin kein Berieselungsradiohörer, ich brauche in Sendungen, in denen es nicht thematisch um Musik geht, auch keine Musik zwischendurch. Von den Senders des WDR gefällt mir daher WDR 5 am besten. Generell höre ich auch deshalb gerne Podcasts, in denen die Werbepausen und die Musikfüller fehlen.