Straßenbahn nach nirgendwo und Bremen vor Verkehrskollaps
Zwei verkehrspolitische Themen bestimmen zurzeit die Innenpolitik in Bremen. Einmal landen wir dann ganz schnell wieder beim fehlenden Geld in der Hansestadt, bei dem anderen Schwerpunkt landet Bremen in einem Strudel aus Wirtschaftsinteressen, Privatisierungszwängen der Bahn und der eher geringen Kooperation zwischen den Bundesländern Bremen und Niedersachsen.
Kommen wir zum einfachen Teil: Die Stadt Bremen und die niedersächsichen Gemeide im Grenzgebiet der beiden Bundesländer haben vor vielen Jahren beschlossen das Straßenbahnnetz Bremens zu erweitern. Dabei geht es vor allem um die Anbindung des Bremer Umlandes an die Innenstadt. So soll zum Beispiel die Linie 1 über Osterholz bis nach Bremen-Mahndorf verlängert werden, die Linie 4, meine Stammbahn, soll über Borgfeld bis nach Lilienthal ausgebaut werden, zudem soll es im Süden Bremens eine Anbindung nach Stuhr erfolgen. Bei den meisten Bauvorhaben wurden auch schon die ersten Arbeiten begonnen. Doch jetzt hat man festgestellt, dass die Baumaßnahmen deutlich teurer werden. Angeblich soll es eine niedrige dreistellige Millionensumme sein. Eine Summe, die Bremen nicht aufbringen kann. Und auch die Gemeinden im Umland haben jetzt erhebliche Zweifel geäußert, dass die Projekte noch vollendet werden können. Warum man jetzt einfach ganz plötzlich feststellt, dass alles teurer wird. Alle Kostenschätzungen beruhen auf Materialpreisen des Jahres 2000. Und man hat nicht beachtet, dass es auch sowas wie Inflation gibt.
Gehen wir von den Straßenbahnschienen auf die Eisenbahnschienen. Heute gab es in Oldenburg eine Veranstaltung mit dem klangvollen Titel “Schienengüterverkehr – Perspektiven für die Wirtschaft in Niedersachsen und Bremen”. Darum geht es in Kürze: Durch den Bau des Tiefseewasserhafens in Wilhelmshaven und den weiter ansteigenden Güterumschlag in Bremerhaven platz das nicht gerade exellent ausgebaute Schienennetz aus allen Nähten. Die Strecken von Bremen nach Hamburg und Hannover haben kaum noch Kapazitäten. Und von 2008 bis 2015 wird mit einer nochmaligen Verdopplung des Schienengüterverkehrs zu den Häfen gerechnet. Heißt für Norddeutschland im Allgemeinen und Bremen im Speziellen: Ausbau des Schiennetzes. Otto Wiesheu aus Bayern, seines Zeichen auch im Vorstand der Deutschen Bahn, bringt es auf den Punkt:
„Deutschland ist eine der Top-Wirtschaftsnationen der Welt. Um diese Position zu behaupten, ist eine gut ausgebaute Infrastruktur als Voraussetzung für eine effiziente Logistik unabdingbar. Dies gilt besonders für den Seehafen-hinterlandverkehr.”
Und die IHK stellt konkrete Forderungen:
“Viele Eisenbahnstrecken in Norddeutschland sind bereits jetzt überlastet wie zum Beispiel Hamburg – Bremen oder Bremerhaven – Bremen – Hannover. Am Neubau der Y-Trasse führt daher kein Weg vorbei.”
Da hat man jetzt eine wunderbare Pressemitteilung veröffentlicht mit tollen, teils auch notwendigen Forderungen. Seit sieben Jahren gibt es konkrete Planungen für den Bau der Trasse. Und man ist nicht ein Stück weiter gekommen. Das Projekt ist umstritten, aber notwendig. Und wahrscheinlich jetzt aber schon zu spät. Da hat man sieben Jahre für nichts verstreichen lassen. Es sind sich alle Parteien einig, dass die Strecke aber kommen muss. Die CDU sieht sie als unverzichtbar. Dann frage ich mich, warum man heute noch nicht weiter ist. Alle wollen sie, doch noch ist nichts geschehen. Auch im Bundestag wurde der Sachverhalt schon mehrfach diskutiert.
Aber es scheint bis jetzt so wie immer. Worten folgen keine Taten. Was nützt es Bremen, Niedersachsen und Hamburg, wenn ständig über die Y-Trasse gesprochen wird, es aber null Fortschritt bei Planung und Bau gibt. Bis jetzt waren Pressemitteilungen immer Papier- und Zeitverschwendung. Ob es diesmal anders wird? Zweifel sind angebracht.

