Deshalb verehre ich die BBC so

Die letzten Arbeitstage waren bei mir sehr anstrengend. Gestern Abend um 23h00 nach Hause gekommen, heute morgen um 6h30 aufgestanden. An ein Anschauen der TV-Debatte zwischen Barack Obama und John McCain war nicht zu denken, habe ich es doch gerade mal geschafft, ein Käsebrot gestern Abend zu essen. Bei der Daily Show bin ich eingeschlafen – man möge es mir verzeihen.

Ich plante mir beim Frühstück am Morgen einen kurzen Überblick über das TV-Duell zu machen und es dann heute Nachmittag zu schauen. Also, für ein erstes Eintauchen heute um 6h45 den PC angemacht und zuerst bei der Tagesschau vorbeigeschaut. Vielleicht gibt es ja schon einen Bericht von den ARD-Hörfunkkorrespondenten.

Leider, weit gefehlt. Einzig ein kleiner Agenturbericht (Stand 04h01) berichtet vom TV-Duell. Stand 04h01, fast drei Stunden später schaue ich vorbei. Nicht eine Angabe zu möglichen Blitzumfragen. Ein reiner Agenturbericht, der eigentlich nur an den Artikel vom Vorabend vorgehängt wurde. Erst um 08h27 kommt der Bericht von Ralph Sina, Hörfunkkorrespondent des WDR in Washington. Keine Angabe über einen möglichen Sieger oder Umfrageergebnisse.

Also rüber zu BBC: Und was ich da sehe, verschlägt mir schon wieder die Sprache. Bereits um 06h45 gibt es einen langen Bericht mit den wichtigsten Zitaten, es gibt schon einige Highlightvideos zu den wichtigsten Kernaussagen. Um 07h00 folgt eine sehr ausführliche Analyse, die komplette Debatte wird ins Internet gestellt. Da war bei der ARD immer nur noch der Agenturbericht auf der Seite. Und nicht zu vergessen das exzellente Live-Blogging der BBC live aus Nashville. So stelle ich mir eine ausführliche, fundierte und ausgewogene Berichterstattung vor.

Das soll kein Frontalangriff auf die ARD sein, aber die BBC zeigt, wie man schnell und gut seine Leser informieren kann. Vielleicht kann sich die ARD da mal eine Scheibe von abschneiden. Denn nur ein mickriger Artikel auf tagesschau.de ist schlicht sehr wenig. Beim nächsten Mal wird gleich bei der BBC geschaut.

Autor: medispolis
Datum: Mittwoch, 8. Oktober 2008 17:04
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: TV und Radio, US Wahl 2008

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4 Kommentare

  1. 1

    Gegen 9 Uhr hat welt.de auch einen sehr interessanten Artikel ins Netz gestellt:

    Link

    Vor allem der letzte Abschnitt stimmt mich irgendwie nachdenklich, was da in McCains Kopf vorging:

    “John und Cindy McCain verließen kurz darauf das Auditorium, knappe drei Minuten nach Debattenschluss. Barack und Michelle Obama blieben und blieben, schüttelten allen Zuschauern die Hand, vertieften sich in Gespräche, nach sechzehn Minuten gab es mit allen Zuschauern ein Gruppenfoto. Danach redeten beide Obamas weiter mit ihnen.”

    Normalerweise sollte man sich doch da als Präsidentschaftskanditat gegenzeitig überbieten im Zeitlassen und mit dem Publikum auch persönlich nochmals reden, vielleicht auch mit den Fragenstellern persönlich nochmals auf einige Fragen eingehen usw.

    Kam dies übrigens auch noch live im TV???

    Hab diese Nacht auf das Wahlduell verzichtet, sonst hätte ich mal bei AFN vorbeigeschaut, die senden ja immer noch länger als ARD/ZDF bzw. Phoenix ;)

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  2. 2

    Achja, auch interessant das der 8:27 Uhr Tagesschau-Bericht von Ralph Sina nicht bei mir als Feed “gemeldet” wurde. Oder hab ich ihn einfach nur überlesen???

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  3. 3

    Ich hab mir heute Morgen den Großteil der Debatte als ZDF-Livestream angesehen, bevor ich dann losmusste. Interessant war, dass zumindest in der Fassung ohne Dolmetscher die Anweisungen des Redakteurs an Klaus-Peter Siegloch zu hören waren. “Zwei Minuten”, “Opening beginnt”, “Nochmal zurück”, “Es geht los” etc. (sinngemäß) Alles kurz und knackig, um den Empfänger nicht zu sehr abzulenken.

    Ich habe nicht viel von der Simultan-Übersetzung mitbekommen. Diesmal hat Jürgen Stähle den Part Obamas übernommen, sicher einer der Besten seines Fachs. Ohne es jetzt sicher sagen zu können, ich glaube, das war seine Premiere in diesem Wahlkampf. Wenn ich diverse Websites/Blogs querlese, gab es zurecht bisher viel Kritik an den Dolmetschern. War das eine Reaktion darauf?!?

    Noch zu Deiner Kritik an der ARD. Wenn Du morgens wissen willst, was in der Nacht in den USA passiert ist, gibt es wohl keine Alternative zum DLF. Höre ich immer unterwegs im Auto. Die Frühsendung fängt um 5 Uhr an (zum Vergleich, der hiesige “Wortkanal” des WDR, WDR 5, legt erst um 6 Uhr mit aktuellem Programm los), und beginnt oft – bei wichtigen Ereignissen quasi immer – mit einer Schalte zum Amerika-Korrespondenten. Es passt halt so gut mit der Zeitverschiebung. Ich weiß, das nützt einem nur, wenn man live mithört, aber zumindest die Berichte sind später (ich habe den Abstand zwischen Sendung und Veröffentlichung noch nicht untersucht) als Audiodatei abzurufen unter

    http://www.dradio.de/aod/html/

    Heute kam er um 06:12 Uhr.

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/10/08/dlf_20081008_0612_38a6f046.mp3

    Er erfüllt eigentlich alles, was Du verlangst. Er fasste den Inhalt nebst wichtigen O-Tönen zusammen, nannte Umfragewerte von CNN, und das ziemlich zeitnah. Ein guter erster Überblick. Toll wäre noch ein Transkript, falls man lieber liest als hört, und Videos sucht man natürlich vergebens. Aber irgendwie muss sich die BBC ja absetzen. ;-)

    Trotzdem hast Du natürlich recht, die ARD hätte all diese Möglichkeiten.

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  4. 4

    Wo ist denn mein vorheriger Kommentar hin? Irgendwo hängengeblieben? Was ist noch sagen wollte:

    Das Verhalten McCains nach der Sendung, das bambergforever beschreibt, ist auch deshalb bemerkenswert, weil er das Publikum während der Sendung oft mit “my friends” anredete. Nicht Worte, Taten zählen, Junge. Ich dachte, das wüsste niemand besser als John McCain. ;-)

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