Premier League 2008/2009 Preview 9. Spieltag – When you try your best, but you don’t succeed

heißt es in der wunderschönen Ballade Fix You von Coldplay. Und ganz so ähnlich dürfte man sich dieser Tage auch an der White Hart Lane fühlen. Von einem verpatzten Saisonstart mag man schon gar nicht mehr sprechen, es ist eine sehr ernste Krise, die sich seit Donnerstag nach der Niederlage im UEFA-Cup bei Udinese Calcio nochmal verschärft hat. Verteidiger Jonathan Woodgate war nach der Niederlage in Italien auch entsprechend geschockt, sprach davon, dass sich sein Team zu eine Million Prozent im Abstiegskampf in der Liga befindet. Zunächst gibt es bei den Spurs die sportlichen Schwierigkeiten, die sich im letzten Platz in der Tabelle niederschlagen. Ganz klar: Die Ansprüche und hohen Erwartungen, die man sich vor der Saison selbst gesteckt hat, konnte man nicht erfüllen. Daran ist Trainer Juande Ramos aber auch nur bedingt schuld. Was sich der Spanier vorwerfen lassen muss, ist, dass er das Potential der Mannschaft bei weitem nicht ausschöpfen kann. Und das ist die Aufgabe eines Trainers. An dieser ist Ramos bis hierher gescheitert. Die andere Seite der Medaille sind die Neuzugänge im Sommer, in persona David Bentley, Giovani, Luka Modric und Pavlyuchenko. Alle Neuzugänge haben bisher noch nicht ihre Erwartungen erfüllt. Und das fällt dann auch in den Verantwortungsbereich von Präsident Daniel Levy. Es klemmt also an mehreren Stellen innerhalb der Vereinsführung. Der Guardian-Podcast vom Donnerstag berichtete von einer ganz interessanten Statistik, wonach Juande Ramos nur 45% seiner Spiele als Trainer gewonnen hat und beim FC Sevilla sein Erfolg vor allem auf den Schultern eines intakten Vereinsumfeldes und eines sehr präsenten Sportdirektor verteilt wurde, Ramos’ Anteil also eher gering war. Das fehlt dem Spanier scheinbar jetzt im Nordosten Londons, er scheint an seine Grenzen zu stoßen. Und wenn dann ein Neuzugang wie David Bentley den Trainer öffentlich in mehreren Interviews kritisiert, dann weiß man spätestens jetzt, dass auch einiges innerhalb der Mannschaft nicht funktioniert. Bentley wurde für das UEFA-Cup Spiel aus dem Kader geworfen, ist aber für das Spiel am Sonntag ins Team zurückgeholt. Es ist Tottenhams schlechtester Saisonstart seit 53 Jahren.

FC Everton – Manchester United

PREMIERE live ab 12h55; Kommentar: Sven Schröter

Am Samstag steht aber zunächst einmal der Kampf um die vorderen Plätze im Vordergrund, zumindest für Manchester United, die mit einem Sieg im Goodison Park vorübergehend auf Platz drei vorrücken können. Und das stellt sich vom Papier als durchaus leichte Aufgabe da, hat der FC Everton diese Saison zuhause noch nicht gewonnen. Ein ganz besonderes Spiel ist es für Wayne Rooney, der an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt. Acht Jahre lang hat Rooney beim FC Everton gespielt, viele Jahre davon in der Jugendmannschaft. 2002 folgte dann der Aufstieg ins Profiteam, in 67 Spielen folgten 15 Tore, ehe im Sommer 2004 Sir Alex 31 Millionen Pfund auf den Tisch legte und Rooney ins Old Trafford lotste. Momentan könnte Rooney auch wieder den Unterschied machen. Er ist blendender Verfassung, hat schon 10 Pflichtspieltore diese Saison erzielt. Am Samstag könnte er seinen 100. Ligatreffer schießen – und das ausgerechnet beim FC Everton, seiner Jugendliebe. Die Red Devils müssen auf Hargreaves und Scholes verzichten, bei Everton fehlt weiter Tim Cahill gesperrt, dafür ist Arteta wieder im Team. Von blendender Verfassung braucht man beim Team von David Moyes nicht sprechen. Platz 16, nur 8 Punkte, da hat man sich auch viel viel mehr versprochen.

FC Sunderland – Newcastle United

Es ist DAS Derby auf der Insel. Sunderland und Newcastle sind nur 20 Kilometer voneinander entfernt und beide Fangruppen pflegen eine ausgesprochene Rivalität. Unvergessen der Torjubel der Sunderland-Fans im vergangenen Jahr, als sie bei einem Treffer ihres Teams fast das Spielfeld stürmten. Dementsprechend hoch sind auch die Sicherheitsvorkehrungen, das Spiel beginnt deshalb auch schon um 13h45 deutscher Zeit und läuft damit parallel zur Partie in Everton. PREMIERE überträgt ja sowieso nicht, ganz im Gegensatz zu Sky Sports, die sich vielleicht nicht das interessantere Duell ausgesucht haben, aber das Brisantere. Schade, dass man bei PREMIERE dazu nicht fähig ist. Sportlich geht es vor allem für Newcastle endlich aus dem Tabellenkeller zu kommen, zuletzt gab es nur zwei verdiente, aber eher magere Remis. Sunderland könnte mit einem Dreier einen Sprung aus der gefährdeten Zone machen. Aber die Black Cats haben in der Premier League noch nie daheim gegen die Magpies gewinnen können, vielleicht ja im 153. Aufeinandertreffen in der Liga. Nach all seinen Eskapaden mit Gewalt. Beleidigungen und Alkohol kehrt Joey Barton zurück ins Team von Newcastle – dazu ein sehr schöner Artikel bei der Times.

West Bromwich Albion – Hull City

Das Duell der Aufsteiger, die mit ganz unterschiedlichen Saisonverläufen bisher die Premier League bereichert haben. West Bromwich Albion hat schwer in die Spur gefunden, konnte die letzten Spiele aber überzeugen und steht im sicheren Mittelfeld. Als Zwischenbilanz ist dies absolut positiv. Viel besser macht es Hull City, die unbekümmert, aber mit großer Leidenschaft und taktischer Disziplin ihre Spiele angehen. Die verdiente Belohnung ist der dritte Platz. Und sollte man am Samstag in The Hawthorns gewinnen, wäre man für eine Nacht sogar punktgleich mit Chelsea und Liverpool.

Blackburn Rovers – FC Middlesbrough

Das Samstagabendspiel zweier Mittelfeldmannschaften, so ein bisschen die grauen Mäuse der Liga. Die Gäste aus Middlesbrough bekamen letzte Woche vom FC Chelsea die Ohren lang gezogen, Blackburn mogelt sich ganz unauffällig ins obere Tabellenbild.  Die Rovers müssen aller Voraussicht auf Stürmer Roque Santa Cruz verzichten.

FC Chelsea – FC Liverpool

PREMIERE live, Sonntag ab 14h20; Kommentar: Wolff Fuss

Trainer Raphael Benitez gibt sich ganz zuversichtlich vor dem Spiel an der Stamford Bridge. Man habe die Klasse, das Selbstvertrauen und die Spieler die Bilanz des FC Chelsea – 86 Spiele ungeschlagen an der Bridge – zu beenden. Immerhin konnte Benitez Entwarnung geben. Gerrard und Alonso werden auflaufen können, bei Robbie Keane wird kurz vor dem Spiel entschieden. Fernando Torres fehlt weiterhin verletzt. Da ist es durchaus ein gesundes Selbstvertrauen, wenn Benitez von einem Sieg überzeugt ist. Aber er hat durchaus Grund dazu. Liverpool hat diese Saison gezeigt, dass man mit den Top Four mithalten kann, der Sieg gegen Manchester United unterstreicht das. Für beide Teams ist es trotzdem eine Bewährungsprobe. Kann der FC Chelsea nach einer eher mäßigen Partie gegen den AS Rom seine Bilanz von 28 Ligaspielen in Folge ungeschlagen wahren? Und kann der FC Liverpool mit einem Sieg seinen Anspruch auf die Meisterschaft, auch im direkten Vergleich mit einem Top Four Team, unterstreichen? Das Topspiel im Westen Londons, Erster gegen Zweiter, wird es hoffentlich eindrucksvoll beweisen.

Manchester City – Stoke City

Stoke City, mit nur einem Sieg in den letzten sechs Spielen, reist nach Eastlands zu Manchester City, die ihrerseits im Monday Night Game nur zu einem Remis gegen Newcastle kamen. Mark Hughes hofft, dass Micah Richards rechtzeitig fit wird. Unter der Woche bekam Man City die bittere Pille, dass Martin Petrov länger ausfallen wird. Dass Stoke mit einem Sieg punktemäßig zu der Heimmannschaft aufschließen kann, zeigt, wie dicht gedrängt die untere Tabellenhälfte ist. Trotzdem hat auch City zu wenige Punkte für die eigenen Ansprüche.

Tottenham Hotspur – Bolton Wanderers

Wird Juande Ramos zum letzten Mal die White Hart Lane als Trainer der Spurs erleben? Ich denke, dass es bei einer Niederlage dazu kommen wird. Es ist seine letzte Chance, zumal das Programm der kommenden Wochen bei weitem kein Zuckerschlecken werden wird. Man hat Auswärtspartien im Emirates und in Eastlands und empfängt den FC Liverpool im heimischen Stadion. Wenn nicht drei Punkte gegen Bolton, wann dann. Bolton zuletzt mit einer kleinen Serie von vier Punkten aus zwei Spielen ist aber alles andere als ein Punktelieferant.

Wigan Athletic – Aston Villa

Aston Villa will den Schwung aus dem Sieg im UEFA-Cup mitnehmen und das JJB Stadium mit drei Punkten verlassen. Wigan verlor die letzten beiden Spiele, jeweils mit einem Tor und dem entscheidenen Gegentreffer kurz vor Schluss. Einmal in Middlesbrough und zuletzt nach trapferer Leistung in Liverpool. Sollte man so spielen wie an der Anfield Road muss sich Villa strecken. Das Team von Martin O’Neill muss wohl auf Stürmer Gabriel Agbonlahor verzichten. Der Sieg im UEFA-Cup hatte also doch einen kleinen negativen Beigeschmack.

West Ham United – FC Arsenal London

PREMIERE live, Sonntag ab 16h55; Kommentar: Sven Schröter

Arsene Wenger gab unter der Woche ein durchaus bemerkenswertes Interview. Nicht mal 24 Stunden nach dem grandiosen Sieg in der Champions League gegen Fenerbahce Istanbul meldete sich der Franzose zu Wort und beklagte, dass seinem jungen Team von den Fans für die erbrachten Leistungen nicht genügend Wertschätzung entgegengebracht werde. Hintergrund waren die Pfiffe vieler Fans vergangenen Samstag zur Halbzeitpause im Spiel gegen den FC Everton. Die Gunners spielten in der Tat eine sehr mäßige erste Hälfte, aber die Pfiffe waren laut Arsene Wenger nicht angebracht. Und dass Wenger ein Mann der klaren Worte ist, bekam auch sein Kapitän William Gallas zu spüren. Gallas ließ sich mit Zigarette im Mund vor einer Londonder Diskothek ablichten. Die Zigarette war aber nur im Mund, und nicht an. Kleiner, aber feiner Unterschied. Wenger war trotzdem stocksauer: Es gebe eine öffentliche Verantwortung für Gallas, weil er mit seinem Job auch im Licht der Öffentlichkeit stehe. Aber jeder großartige Kapitän habe schon mal einen Fehler gemacht. Jedenfalls wird man Gallas jetzt demnächst eher seltener in der Londonder Nachtszene bewundern dürfen. Sportlich ist es für die Gunners das zweite Londonder Derby diese Saison, das zweite auswärts. Schlechte Erinnerung hat man an das letzte mit der Niederlage in Fulham. Arsenal braucht aber einen Sieg um an der Tabellenspitze dranzubleiben. Für West Ham könnte sich die Saison wieder zu einem Überleben im trostlosen Mittelfeld entwickeln. Man hat es selbst in der Hand diesem Trend entgegenzutreten, aber nur mit einem Sieg gegen die Gunners. Interessant wird zu sehen sein, wie Wenger aufstellen wird. Bekommt Diaby wieder den Vorzug vor Robin van Persie?

FC Portsmouth – FC Fulham

Flexible Premier League. Weil Portsmouth Donnerstagabend noch spätabends in Braga im UEFA-Cup aktiv war, spielt man am Sonntag, um zwar um 17h00 englischer Zeit. Diese Anstoßzeit feiert dann auch ihre Premiere. Fulham auswärts so gefährlich wie Esspapier, Portsmouth dagegen kann sich auf seine Heimstärke verlassen. Das Sturmduo Crouch und Defoe sollte den Unterschied zugunsten der Südküstler geben.

Ich werde den Sonntag in der Premier League live mitbloggen und nebenbei auch auf das Spitzenspiel in der Bundesliga zwischen Hoffenheim und Hamburg schauen.

Autor: medispolis
Datum: Freitag, 24. Oktober 2008 22:00
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