Beiträge vom 25. Oktober 2008

Muss die ARD mal loben

Samstag, 25. Oktober 2008 23:20

Für eine fantastische Reportagreihe abseits der Mainstream-Nachrichten zu der bevorstehenden Wahl in den Vereinigten Staaten: “Unterwegs durch die USA

Thema: US Wahl 2008 | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Ratlos an der Weser: Werder nur graues Mittelmaß

Samstag, 25. Oktober 2008 22:03

“Die Mannschaft hat viel versucht”, sagte Trainer Thomas Schaaf nach dem 1:1 gegen Hannover 96 ins Mikrofon. Klingt so ein bisschen wie “waren stets bemüht”, alles andere als eine Beschreibung großer Qualität, sondern eher die Einsicht, dass man es wenigstens versucht habe, aber trotzdem bei weitem nicht zufrieden sein kann.

Nur zwei Punkte aus den letzten beiden Partien in der Bundesliga, Werder Bremen versinkt im grauen Mittelfeld der Tabelle. Von der Galaform der Vorsaison, insbesondere zur Mitte der Hinrunde, ist man weit entfernt. Die Abwehr offenbart pro Spiel mindestens drei haarsträubende Fehler, im Mittelfeld sind nahezu alle Akteure im kollektiven Formtief, und außer Pizarro leiden die Stürmer an chronischer Abschlussschwäche. Wie ein roter Faden zieht sich das Leistungstief durch die Bremer Mannschaft.

Nehmen wir mal die Torwartposition aus der Analyse heraus, denn sowohl Tim Wiese als auch sein Verteter Christian Vander haben bis dato gute Leistungen gezeigt. Fehler können immer passieren, aber Wiese hat auch schon Punkte durch hervorragende Leistungen gerettet. Hauptproblem bei Werder sind im Moment vor allem die Außenverteidigerpositionen, Fritz auf rechts, Boenisch/Pasanen auf links. Gerade vom deutschen Nationalspieler kommt über die rechte Seite nur noch selten ein offensiver Impuls, Fritz wirkt teilweise sogar lethargisch, seine Genauigkeit bei den Flanken, und seine Schnelligkeit in der Defensive scheinen wie weggepustet. Gleiches gilt auf links für Pasanen, zumindest offensiver zeigt Boenisch mehr Akzente, seine Flanken sind aber auch zu berechenbar. Frank Baumann ist in der Innenveteidigung nur eine Notlösung, aber auch Naldo und Mertesacker sind von ihrer Bestform meilenweit entfernt. Dass Per Mertesacker zurzeit drei Spiele fehlt, ist der beste Beweis dafür. In der Defensive zeigte Mertesacker nicht gekannte Schwächen, war häufig einen Tick zu spät dran, foult diese Saison viel häufiger als die letzten Spielzeiten. Im Mittelfeld ist der Leistungsunterschied zur vergangener Saison besonders groß. Frings und Diego können bei weitem nicht an die letzte Saison anknüpfen, wenngleich der Einsatz von Frings immer noch vorbildlich ist (nehmen wir mal das Spiel heute aus), aber gerade die kreative Ader der Mittelfeldraute scheint völlig getrocknet zu sein. Özil ist in seinen Leistungen noch zu inkonstant, Daniel Jensen ist immer wieder verletzt, verständlich, dass er deshalb nur schwerfällig in einen brauchbaren Spielrhythmus findet. Und Werders Mittelfeld ist dann am stärksten, wenn alle vier Akteure in guter Form sind. Momentan ist es keiner. Im Sturm werden einfach zu viele Chancen nicht genutzt, Almeida und Sanogo laufen ihrer Form hinterher. Markus Rosenberg ist neben Claudio Pizarro der einzige Lichtblick momentan. Der Schwede hat auch heute im Auswärtsspiel bei Hannover 96 gezeigt, dass er vor dem gegnerischen Tor brandgefährlich ist, aber auch er konnte die Chancen nicht vollenden.

Es sind also momentan keine Einzelausfälle, die ganze Mannschaft spielt ein bis zwei Klassen schlechter als letzte Saison. Dass man überhaupt noch Punkte aus Spielen wie gegen Dortmund oder Hoffenheim mitnimmt, ist deshalb umso erfreulicher. Aber eben auch gefährlich. 5:4 gegen Hoffenheim, gewonnen, schlecht gespielt, also nicht so dramatisch. 3:3 gegen Dortmund, immerhin unentschieden, mäßig gespielt, kann man mal drüber wegsehen. 1:1 in Hannover, ein Punkt in der Fremde, durchschnittliche Leistung, muss man wohl so akzeptieren. In dieser frühen Phase der Saison geht das vielleicht noch gut, aber lange darf man sich das nicht erlauben. Denn meiner Ansicht nach steht Werder für die Leistungen fast noch zu gut in der Tabelle da. Einige wenige Glanzlichter in den letzten Spielen überdecken viele Schwächen und Fehler. Was wäre denn, wenn man gegen Hoffenheim, Athen oder Dortmund verloren hätte? Viel hat dazu in allen drei Spielen nicht gefehlt. Dass es eben nicht passiert ist, mag auch ein Qualitätsmerkmal der Mannschaft sein, keine Frage. Aber Trainer und Vereinsumfeld müssten sich im klaren sein, dass solche Spiele bei keiner Leistungssteigerung auch mal verloren gehen können – und dann kann es in der Tabelle auch ganz schnell nach unten gehen. Vielleicht bräuchte die Mannschaft einmal eine richtige Klatsche, vielleicht wie die Bayern damals zuhause gegen Werder, um die Augen für die jetzige Situation zu öffnen. Denn wenn ich in den Interviews nach den Spielen Sätze höre, wie “Ja, wir müssen mit dem Spiel leben” oder “Wir nehmen den Punkt so mit” bekomme ich Schüttelfrost. Werder hat vor der Saison das Ziel Meisterschaft ausgegeben. Wenn man oben möglichst lange mitmischen möchte, waren das heute zwei verlorene Punkte in Hannover. Schade, dass das keiner mal so offen ausdrückt. Denn viele Punktverluste kann man sich nicht leisten.

Ich möchte jetzt Bremen keine Krise andichten, aber ich habe das Gefühl, dass auf und neben dem Platz die jetzige Situation noch nicht so angekommen ist, wie sie es eigentlich sollte. Seit Saisonbeginn kämpft Werder mit massiven Problemen in der Abwehr, bekommt viel zu viele Gegentore. Verbesserung seit Saisonbeginn: Null. Weiterhin bekommt man viel zu leichte Gegentore, die größtenteils vermeidbar sind und häufig aus eigenen Fehlern resultieren.

Rezepte gegen die jetzige Situation bei Werder? Ganz ehrlich, wenn ich sie hätte, würde ich wohl nicht hier am Samstagabend sitzen. Ich glaube aber, dass zwei Faktoren zur jetzigen eher negativen Phase in der Bundesliga beitragen, die man verändern kann und vielleicht auch muss. Punkt Eins: Die taktische Formation von Werder. Seit Jahren lässt Thomas Schaaf ein 4-4-2 mit der Raute im Mittelfeld spielen. Dieses System kann wunderbar aufgehen, wenn die Mannschaft und die zentralen Akteure in diesem System eine ansprechende Form haben. Nur macht dieses System wenig Sinn, wenn die Außenverteidiger kaum offensive Impulse bringen und Diego respektive Özil hinter den Spitzen sich über 90 Minuten kaum zeigen. Warum variiert man dieses System mal nicht ein bisschen? Warum steigt man nicht auf ein 3-4-3 oder alternativ ein 3-5-2 um? Im 3-5-2 würde man zudem die Defensive mit zwei Sechsern stärken, beim 3-4-3 könnte man Almeida als kopfballstarken Stürmer ins Zentrum stecken, flankiert von Pizarro und Rosenberg. Und wenn man schon gar nicht das 4-4-2 aufgeben möchte, kann man ja mal versuchen, die Raute im Mittelfeld auflösen und es – ähnlich wie die deutsche Nationalmannschft – mit zwei sechsern versuchen. Bedeutet dann aber eben auch, dass Fritz und Boenisch über die Außenbahnen mehr Betrieb machen können. Wie gesagt, das 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld funktioniert gut, wenn alle ihre optimale Leistung bringen. Ansonsten ist es für die Gegner aber leicht auszurechnen, mittlerweile kennen viele Teams die Schwachstellen von Werder in dieser taktischen Formation und können diese entsprechend ausnutzen.

Punkt Zwei, der sich verändern ließe: Die Spielphilosophie: Mir kommt es immer wieder langsam spanisch vor, wenn Schaaf und Allofs eine offensive Spielweise fordern, man aber eine Abwehr löchrig wie einen Schweizer Käse hat. Das passt einfach nicht zusammen. Vielleicht sind einfach mal weniger Spektakel und mehr defensive Sicherheit angebracht. Aber scheinbar hat sich diese Spielweise so in den Köpfen festgesetzt, dass 11 Mann sich offensiv orientieren und dann im Weserstadion von Hoffenheim und Dortmund per Konter überrollt werden. Ich kann doch nur so offensiv spielen, wie ich gleichzeitig mich auf meine Defensive verlassen kann. Was bringt es denn bitte, wenn ich mit 11 Mann nach vorne renne um dann das Gegentor per Konter zu kassieren? Auch wenn es viele Fans im Weserstadion nicht gerne hören: Defense first. Klar kann man auch hemmungslos nach vorne laufen und immer ein Tor mehr als ein Gegner schießen und dann 6:5 gewinnen, aber das geht nur, wenn die Mannschaft geschlossen ihre Leistung bringt, wenn alle Akteure an ihrem optimalen Limit spielen. Nur ist dies im Moment nicht der Fall. Fußball muss nicht immer schön und sexy sein, er muss manchmal einfach auch nur erfolgreich sein. Was nützt es denn bitte, wenn man stets den Zuschauern Spektakel bieten will, am Ende der Saison dann aber auf Platz Neun steht? An die, die gerne im Weserstadion die Mannschaft auspfeifen, ist das die besondere Erinnerung. Wollt ihr wirklich immer ein 4:4 und Hacke, Spitze tralala sehen und in der nächsten Saison unter der Woche Champions League ohne Werder beobachten? Das kann es doch auch nicht sein.

Wie gesagt, ein Patentrezept habe ich bei weitem nicht, aber ich glaube, dass oben angesprochene Punkte ein kleines Puzzleteil im derzeitigen Leistungstief der Hanseaten sind. Es sind viele kleine Mosaiksteinchen. Das ist eine mühsame Arbeit die wieder in die richtige Ordnung zu bringen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass von den Spielern noch keiner wirklich bereit ist die in Ruhe zusammenzusetzen. Dass das Gebilde dann noch nicht vollständig geheilt ist, dürfte auch klar sein. Ich erwarte von der Mannschaft in den nächsten Spielen keine Wunderdinge. Aber ich wäre ja schon froh, wenn es bezüglich der Balance zwischen Defensive und Offensive kleine Fortschritte gibt. Vielleicht war das 1:1 heute in Hannover in dieser Hinsicht ja schon ein doch vielversprechender Anfang. Dienstag kommt der nächste Prüfstein mit Bayer Leverkusen. Ich wäre schon froh, wenn wir 1:0 gewinnen. Denn drei Punkte sind wertvoller als hemmungslos begeisterte Fans. Die wurden in letzter Zeit schon genug verwöhnt, jetzt ist es an der Zeit nur auf die nackten Zahlen zu schauen. Und die sind im Moment für die Ansprüche von Werder nicht gut genug.

Thema: Fußball, Werder Bremen | Kommentare (0) | Autor: medispolis