Beiträge vom 19. November 2008

Den Hannover Scorpions fehlen die Zuschauer, der DEL leider noch viel mehr

Mittwoch, 19. November 2008 22:38

Ehre, wem Ehre gebührt. Die Hannover Scorpions stehen seit einer Woche an der Tabellenspitze der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Und seitdem dies so ist, rückt Eishockey wieder auch ein bisschen mehr in den Fokus der Hannoverschen Berichterstattung. Und ganz plötzlich kommen die spezifischen Probleme des Eishockeys in Hannover in den Vordergrund. Und schnell wird klar: Die Probleme in der niedersächsischen Landeshauptstadt sind nur ein kleines Puzzleteil der Schwierigkeiten, die sich die DEL fast selbst gemacht hat. Ein Umdenken muss endlich stattfinden.

Nun schauen die Scorpions seit zwei Spieltagen als Spitzenreiter auf die Tabelle der DEL und manche Experten sehen sich bestätigt in ihren Prognosen, dass die Scorpions eine gute Rolle diese Saison spielen können. Dabei ist man gar nicht so gut in die Saison gestartet, hatte auch zwischendurch eine Serie von fünf Niederlagen. Aber was die Scorpions seit dieser Saison auszeichnet – und erst seit dieser, denn man war auch schon in vergangenen Spielzeiten teilweise oben mit dabei – ist die Konstanz in den Leistungen. Mit Ausnahme der Schwächephase Ende Oktober spielt man sowohl auswärts als auch daheim in der Tui-Arena auf gutem Niveau und kann mit den besten Teams der Liga mithalten. Spielerisch ist man Berlin, Köln und vielleicht auch Mannheim noch unterlegen, Hannover definiert sich ganz nach der Philosophie von Trainer Hans Zach über den Kampf, die Leidenschaft und den unbedingten Siegeswillen. Dass man damit spielerische Defizite ausgleichen kann, zeigen die Auswärtssiege bei den Eisbären und Adler. Ein ganz wichtiger Schlüssel ist auch Stürmer Tore Vikingstad, der im Sommer von den DEG Metro Stars an die Leine wechselte, danach aber zwei Monate lang verletzt war. Jetzt hat immer hin schon 13 Einsätze für die Scorpions absolviert und drei Tore und 11 Vorbereitungen geleistet. Und genau so ein torgefährlicher Stürmer hat in Hannover gefehlt, jemand der Tore erzielen und vorbereiten kann. Somit wird Sascha Goc wieder vermehrt auf die Abwehrarbeit konzentrieren und die Sturmreihe um Dolak und Schneider bekommt servierfertig die Gelegenheit zum Torabschluss.

Nun spielen die Scorpions teilweise brilliantes Eishockey diese Saison – aber es kommen kaum Zuschauer in die Tui-Arena, die über 10.000 Plätze fasst. Man kann froh sein, wenn regelmäßig 5.000 Gäste kommen. Das ist bei weitem nicht zufriedenstellend und entspricht auch nicht den Leistungen, die die Scorpions zurzeit zeigen. Drei Gründe sehe ich, warum es immer noch nicht klappt.

1. Die Scorpions hatten bis vor kurzem nicht die Aufmerksamkeit in den Medien, die sie eigentlich schon lange verdient hätten. Zwei Berichte pro Woche in der größten Tageszeitung Hannovers, der HAZ, sind einfach zu wenig um dauerhaft Interesse zu wecken. Ganz langsam scheint man auch beim Madsack-Verlag erkannt zu haben, dass tägliche Berichterstattung die Scorpions ins rechte Licht rückt. Aber dieser Schritt, sollte er denn jetzt dauerhaft umgesetzt werden, kommt leider viel zu spät.

2. Die Konkurrenz im Eishockey in Hannover. Ja, die gibt es. Die Hannover Indians spielen im Stadion am Pferdeturm in der Oberliga Nord, füllen den Hexenkessel aber regelmäßig bis unters Dach, auch wenn die Qualität des Eishockeys meist zu wünschen übrig lässt. Aber sie spielen durchaus erfolgreich, und die Stimmung ist einzigartig gut. Ich gebe zu, dass ich wenn ich die Wahl habe manchmal auch die Indians vorziehe, einfach aufgrund der Atmosphäre. Fragt man viele Eishockey-Fans in Hannover, warum sie denn zu den Indians gehen, kommt stets die selbe Antwort: Bessere Stimmung und Atmosphäre. Alles, was die Scorpions in der Tui-Arena trotz der guten Leistungen noch nicht erzielen können.

3. Das Team heißt zwar Hannover Scorpions, aber für viele ist das Team gar nicht verbunden mit Hannover, entstand doch der Verein in der beschaulichen Wedemark bei Mellendorf nördlich von Hannover. 1996 stieg man in die DEL auf, erst fünf Jahre später zog man aber nach Hannover. Das kleine Eisstadion in der Wedemark fasste damals nur knapp 3.000 Zuschauer. Genau diesen Schnitt konnte man als festen Kern für sich behalten, hinzu kommen dann je nach Spiel und sportlicher Situation ein paar Tausende dazu. Würden die Scorpions schon seit Jahren in Hannover spielen und auch eine gewisse Tradition wie die Indians aufweisen, würde eine Fangenerierung sicherlich leichter fallen.

Eigentlich dachte man in der Geschäftsführung der Scorpions, dass man hinsichtlich der Zuschauerzahlen auf einem ganz guten Wege sei, doch der Zuschauerrekord aus der Saison 2006/2007 mit über 6.000 im Schnitt konnte schon eine Saison später nicht gehalten werden und sank um fast 1.500. Jetzt liegt er momentan bei knapp 4.300, ist also nochmal gesunken, obwohl die Scorpions derzeit das beste Viel zu niedrig. Das sieht auch so der Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth, der am Wochenende in der HAZ ein bemerkenswertes Interview gegeben hat, das in der Sportszene Hannovers heiß diskutiert wird. Und das vor allem, weil er einen Rundumschlag macht und auch die Hannover Indians und deren Fans bekamen ihr Fett weg.

“Wir könnten uns vor den Pferdeturm stellen und Freikarten an 4602 Leute verteilen, davon würden sieben kommen. Die Leute, die uns besuchen, sind jünger. Die Kinder sind heute doch schlau. Denen kann man nicht erklären, warum sie zu den Indians gehen sollen. Auf den Stehplätzen können sie nichts sehen, und wenn sie etwas sehen können, interessiert es sie nicht. Die Kinder wollen Namen wie Alexander Jung
oder Sascha Goc.” [...]

“Um es klar zu sagen: Die Indians sind wirtschaftlich solide und haben sich etwas aufgebaut. Aber wir werden jede Woche vergleichbar gemacht,obwohl wir gar keine Möglichkeit haben, uns zu vergleichen. Die Indians spielen mit einer Profi-Mannschaft gegen Feierabend- Eishockeyspieler in einer Liga, in die sie nicht gehören und die sie natürlich beherrschen. Wir können keine dreckigen Toiletten bieten, keine verbrannten Bratwürste und auch keine Wunderkerzen. Wir können Spitzensport bieten, die Nationalmannschaft hierher holen – und am am Ende des Tages feststellen, dass das hier gar keiner will. Die Leute wollen die größte Kneipe der Stadt.”

Mit dieser scharfen Kritik und dem Frontalangriff hat sich Stichnoth sicherlich keine Freunde gemacht. Es dürfte auch klar sein, dass jeder Fan der Indians nach diesen Worten bis auf weiteres nicht mehr zu den Scorpions geht. Das ganze scheint wohl eher kontraproduktiv gewesen zu sein. So gewinnt man sicherlich dauerhaft keine neuen Zuschauer für die Scorpions.

Aber die Probleme, die es in Hannover gibt, sind nur eine kleine Projektion auf die Schwierigkeiten der DEL. Die aktuellen Zuschauerzahlen der DEL weisen für die gesamte Liga einen Schnitt von 5.572 Zuschauern auf, Hannover liegt also unter diesem Schnitt. Aber der Duchschnitt wird durch Berlin (14.100), Mannheim (11.600) und Köln (10.800) extrem in die Höhe getrieben. Es gibt die Eishockey-Hochburgen in der Bundesrepublik, danach kommt lange nichts. Insgesamt ist bei allen Vereinen ein Zuschauerrückgang zu beobachten. Und das ist ein Problem, dass die DEL immer noch nicht in Angriff genommen hat, geschweige denn Lösungen präsentiert hat. Und das alles vor dem Hintergrund, dass sich die finanziellen Probleme bei den Sinupret Ice Tigers in Nürnberg weiter verschärft haben. Der Verein kann die Spielergehälter nur noch mit Verzögerung zahlen, zusätzlich soll man auch noch Schulden beim Hallenbetreiber haben. Die Zuschauerzahlen in Nürnberg liegen übrigens im Schnitt um 1.500 geringer als vor zwei Jahren. Und dabei darf nicht vergessen werden, dass Nürnberg in der vergangenen Spielzeit die reguläre Saison als Tabellenerster abgeschlossen hat. Man schied zwar gleich im Playoff-Viertelfinale aus, aber sportlich gesehen gab es eigentlich keinen Grund für einen Zuschauerrückgang.

Die DEL hat sich in den vergangenen Jahren so ein bisschen selbst ins Fleisch geschnitten und nicht die nötigen Reformen eingeleitet um mehr Zuschauer in die Hallen zu bekommen und den großen, finanziell starken Vereinen entgegen zu kommen.

DEL-Modus: Vor der Saison wurde die DEL  von 15 auf 16 Klubs aufgestockt, gleichzeitig entwickelte man einen Spielplan, der in der Vorrunde nur noch 52 statt bisher 56 Spiele reduziert, so dass es gegen einige Klubs nur zwei statt vier Vorrundenspiele gibt. Und keiner steigt durch diesen Spielplan durch, nicht mal mehr die Trainer. Innerhalb von zwei Jahren hat man die DEL von 14 auf 16 Teams erhöht, gebracht hat es nichts.

Aufstieg und Abstieg: Immerhin wurde seit dieser Saison wieder Auf- und Abstieg eingeführt und somit sportliche Konkurrenz wieder ermöglicht. Jahrelang tat man dies aber nicht und stellt quasi einen Freifahrtschein für schlechte sportliche Leistungen.

TV-Vertrag: Die DEL hat überhaupt keine Free-TV Präsenz mehr, zeigt Highlights der Spiele im Liga-TV auf del.org und pro Saison gibt es bis zu 65 Spielen bei PREMIERE. Das kann keine optimale Lösung darstellen. Wenn man schon keine Free-TV Präsenz anstrebt, dann sollte man es doch PREMIERE ermöglichen mehr Spiele zu zeigen. Denn es gibt die Klausel, dass die DEL im TV-Vertrag mit PREMIERE auf eine Begrenzung der Spiele hingearbeitet hat, damit trotzdem Zuschauer in die Stadien kommen. Ebenso sollte es möglich sein, PREMIERE als langfristigen und treuen TV-Partner bei den Produktionskosten zu unterstützen, finanziell wie logistisch. Und ganz ehrlich. Wenn es hochkommt, sehe ich die Scorpions bei PREMIERE in der Vorrunde vielleicht fünf Mal in einem Spiel. Sollte man mehr Spiele ermöglichen seitens der DEL und diese halbwegs gerecht auf die Vereine verteilen, sieht man jedes Team vielleicht dreimal mehr, wenn überhaupt. Das wird garantiert kein Massenansturm auf das Pay-TV auslösen, aber es würde eine bessern Umfang der Übertragung sichern und insgesamt für eine bessere Darstellung des Produkts Eishockey im TV sorgen.

Natürlich hat es die Deutsche Eishockey Liga schwer auf dem deutschen Sportmarkt. Der Großteil der Sportfans interessiert sich für Fußball, Formel 1, ein bisschen noch für Handball – und dann kommt lange Zeit nichts. Und die Hardcore-Fans haben mit NASN und der NHL sowieso das Paradies auf Erden und hinterlassen damit der DEL wenig Chance sie als Fangruppe zu aktivieren, auch im Pay-TV Segment. Die DEL muss mit diesen Rahmenbedinungen leben, aber sie hat bisher noch keinen durchdachten und längerfristigen Versuch unternommen offensiv mit diesem Schicksal umzugehen. Potential ist ja da, nur man muss es auch nutzen und dann vor allem erhalten. Hinzu kommen natürlich auch die eher spärlichen Erfolge der Nationalmannschaft, daran kann die DEL leider nicht allzuviel ändern.

Bezeichnenderweise wird derzeit überregional so viel über die DEL berichtet wie nie zuvor, aber weniger über den Sport, sondern eher über den unheilbar kranken Kölner Torwart Robert Müller. Der SPIEGEL hatte letzte Woche eine größere Story im Heft, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung widmete dem sympathischen Sportsmann die erste Seite im Sportteil. Und wer einmal sehen möchte, wie großartig Sport, wie großartig Fans, und wie großartig auch die DEL sein kann, dem sei morgen das Derby zwischen den Kölner Haien und den DEG Metro Stars empfohlen (PREMIERE übertragt ab 19h15). Mehr Gänsehaut geht nicht.

Robert Müller hat diese Aufmerksamkeit absolut verdient. Was ich aber sagen wollte, ist, dass überregional über die DEL scheinbar erst bei solchen Extremfällen berichtet wird. Ansonsten ist da wenig zu finden. Leider. Was kann man also aus Sicht der Hannover Scorpions und der DEL machen um zukünftig wieder mehr Fans in die Arenen zu locken und sich fanfreundlicher zu präsentieren? Hannover muss wohl weiterhin gut spielen. Und der Geschäftsführung würde es gut zu Gesicht stehen, solche Interviews à la Stichnoth zu unterlassen, weil die nämlich gar nichts bringen. Die DEL muss schleunigst den Modus wieder ändern. Ich will mich gar nicht auf eine bestimmte Zahl an Mannschaften festlegen, wie Han Zach es mit 12 Teams fordert. Der Spielplan muss nur klar verständlich sein für Fans, Zuschauer und Verantwortliche, es muss eine Konkurrenz um Aufstieg und Abstieg geben. Desweiteren ist es an der Zeit mehr Live-Spiele ins Fernsehen zu bringen. Die DEL und PREMIERE haben hier meiner Meinung nach durchaus Handlungsspielraum. Desweiteren würde ein wöchentliches Magazin, das durchaus von der DEL produziert werden kann, der Liga gut tun. Man könnte es über PREMIERE ausstrahlen oder auch via del.org. Aber man hat häufig den Eindruck, dass man von der Saison ein paar Spiele sieht, aber es rundherum wenig Informationen für den interessierten Eishockey-Fan gibt.

Das wären kleine, aber realistische und machbare Schritte. Aber man hat das blöde Gefühl, dass wohl eher die Hannover Scorpions mehr Zuschauer bekommen als dass die DEL sich wirklich zu einer grundlegenden, fanfreundlichen und für die Zuschauer attraktiven Reform durchringen kann.

Thema: Sport, TV und Radio | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Die große Bremer Aufholjagd

Mittwoch, 19. November 2008 11:40

Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Pisa-Studie am gestrigen Dienstag sind heute das beherrschende innenpolitische Thema in Bremen. Und scheinbar ist der Aufstand der Opposition im Keim erstickt worden, weil die Landesregierung aus SPD und Grünen politisch durchaus geschickt vermeldet hat, dass Bremen zwar weiterhin das Schlusslicht im deutschen Bildungssystem ist, es aber durchaus Verbesserungen gegenüber älteren Untersuchungen gibt. Das scheint zumindest verhindert zu haben, dass CDU, FDP und Linkspartei aus allen Kanonen feuern.

Führen wir uns nochmal die Ergebnisse der Pisa-Studie 2006 für Bremen vor Augen. Darin ist festzustellen: Bremen liegt im Bereich der Naturwissenschaften zwei ganze Schuljahre hinter Sachsen zurück und liegt als einziges Bundesland unter dem OECD-Durschnitt. Leichte Verbesserungen gab es auch bei der Lesekompetenz und im Bereich Mathematik. Ebenso konnte der Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Bildungserfolg etwas entschärft werden, liegt aber auch in Bremen noch deutlich über den wünschenswerten Vorgaben. Bremen liegt bei der naturwissenschaftlichen Kompetenz knapp vor Portugal und Italien, bei der Lesekompetenz ist die Slowakei sogar besser. 20% der 15-jährigen gehen in Bremen auf eine Hauptschule. Sachsen hatte diese Schulform komplett abgeschafft. Dass Hauptschule aber nicht gleich Bildungsmisserfolg heißt, zeigt Bayern. In Bayern sind 30,5% der 15-jährigen auf Hauptschulen. Bremen möchte jetzt die Hauptschule abschaffen. Klar ist die Hauptschule kein Zukunftsmodell par exellance, aber intensive Betreuung und kleine Klassen können sicherlich auch auf Hauptschulen zu Lernerfolgen führen.

Die innenpolitsche Debatte in Bremen begann also auf der Basis leicht verbesserter, aber immer noch sehr schlechter Ergebnisse. Die FDP hält sich mit Schmährufen gegen die Landesregierung zurück, fordert vielmehr einen Ausbau der Sprachförderung und der Ganztagsschulen. Auch die CDU gibt sich überraschend zurückhaltend mit Kritik an Rot/Grün und mahnt einen grundlegenden Wechsel in der Bremer Bildungspolitik an.

Und was sagt die Bildungssenatorin Renate Jürgens Pieper zu den Ergebnissen für Bremen. Sie äußert sich gegenüber SPIEGEL Online:

“Wir haben kleine Erfolge und wurden gelobt, weil wir den Anschluss in Lesen und in Mathematik gefunden haben. Das wird die Schulen weiter motivieren. Aber dieses Lob befriedigt uns natürlich nicht. Immerhin: Wir sind nicht abgehängt worden, unsere Aufholjagd hat sich gelohnt.”

Kann jemand hier eine Aufholjagd erkennen? Und wenn ja, auf wen soll wir denn aufgeholt haben? Wer war Bremens Orientierungspunkt? Ich finde es immer schade – und mache das auch zu einem Hauptvorwurf an diverse Politiker – wenn nicht ehrlich argumentiert wird und Ergebnisse besser dargestellt werden als sie schlicht sind. Die Ergebnisse Bremens verdienen bei weitem nicht das Prädikat “Aufholjagd”. Das ist schlicht nicht der Realität entsprechend. Und wenn alle Bildungspolitiker- und Experten so wild nach dieser Pisa-Studie sind, dann muss man sich auch an den Zahlen messen: Und die sind für Bremen ganz leicht verbessert – das will ich hier nicht wegschreiben – aber sie sind schlicht und einfach nicht zufriedenstellend und gut genug. Und da von einer Aufholjagd zu sprechen, ist blanker Hohn. Was macht denn Bremen, wenn die positiven Ansätze sich verfestigen und zu einer Besserung beitragen und wir in ein paar Jahren die rote Laterne abgeben? Was ist denn das dann? Das neunte Weltwunder oder sportlich gesprochen ein erneutes “Wunder an der Weser”. Wenn man bei so einem mäßigen Erfolg die rhetorische Latte schon so hoch hängt, dürften einem ganz schnell die Superlative ausgehen. Manchmal können unsere Politiker gerne auch mal kleine Brötchen backen. Denn eine Situation ehrlich und realistisch einzuschätzen verdient zumindest bei mir mehr Anerkennung als Fakten sich künstlich schön zu reden. Und die Aufholjagd macht sich bei Renate Jürgens Pieper auch an messbaren Erfolgen deutlich:

“Wir haben die Unterrichtszeiten verlängert und die Lernzeiten ausgeweitet, sowohl in den Ganztagsschulen als auch mit Lerncamps im Sommer und zu Ostern. Wir haben die Wiederholer-Quoten gesenkt, weil Sitzenbleiben demotiviert. Und wir haben verstärkt Schulschwänzer von den Straßen geholt.”

Und gerade mit diesem Statement sollte klar sein, dass Bremen erstmal noch ganz am Anfang steht. Keine Spur von Aufholjagd. Wenn man realistisch ist.

Thema: Bremen, Politik National | Kommentare (1) | Autor: medispolis