medien-sport-politik.de präsentiert: Zu Gast bei Santa Claus am Scafell Pike
Heiligabend, kurz nach vier Uhr nachmittags im Norden Englands. Es wird bereits langsam dunkel, Schneegriesel und eisiger Wind wehen den Mannen ins Gesicht. 20 Premier League Trainer stapfen entsprechend ihrer derzeitigen Tabellenposition mit mühsamen Schritten durch das Borrowdale, ein Tal in der Nähe der englischen Grafschaft Cumbria. Ihr Ziel ist eine kleine Berghütte auf dem Scafell Pike, dem höchsten Berg Englands, der knapp 1000 Meter hoch ist. Dort haust Santa Claus und erwartet die 20 Trainer, die mit größter Mühe und akribischer Sorgfalt ihren Wunschzettel geschrieben haben. Die Trainer verlassen das Borrowdale und beginnen bei der Seathwaite Farm mit dem Aufstieg über die Corridor Route hinauf zur Berghütte. Arsene Wenger, an fünfter Position, versucht immer wieder mit Zornesröte, zu Sammy Lee aufzuschließen und ihn für das Foul an Fabregas nochmal zur Rede zu stellen. Auf halber Strecke kommt ihnen plötzlich Jose Mourinho entgegen. Sir Alex, an vierter Stelle, kann sich einen blöden Spruch nicht verkneifen: “Jose, du hier. Was hast du dir denn gewünscht?” Mourinho wie immer leicht arrogant und gehässig: “Ich? Nichts, ich brauche mir nichts wünschen, ich erreiche alles so. Wollte Santa Claus nur kurz sagen, dass euer Christiano Ronaldo völlig unmissverständlich immer so viele Geschenke bekommt.” Der Rest der Truppe schüttelt den Kopf. Schon bei Dunkelheit erreichen sie die kleine Hütte. Santa Claus bittet die Trainer entsprechend der Ansetzung am Boxing Day zu sich in die Hütte. Es beginnen Sir Alex und Tony Pulis von Stoke City. Derweil hat sich Roman Abramovitsch bereit erklärt für die wartenden Trainer ein kostenloses Abendessen anzubieten. Insbesondere Felipe Scolari zeigte sich sehr erstaunt.
Stoke City – Manchester United
Sir Alex [leicht fluchend]: Meine Güte, erst so eine Weihnachtsfeier, wo einem die Jungsporne versuchen unter den Tisch zu trinken, wo ich als alter Hase natürlich gegenhalten muss. Dann ein Reise nach Japan mit Jetlag allerorten und dann noch der Aufstieg hierhin. Nach 22 Jahren bei Manchester United bleibt einem aber auch nichts erspart.
Santa: Kein Grund nörgelig zu werden. Wir können das ja auch schnell abhandeln. Also, sieben Punkte zurück hinter Liverpool bei zwei Spielen weniger. Eigentlich alles im grünen Bereich. Und wenn ich das hier richtig sehe fehlt ihnen außer des gesperrten Evra niemand.
Sir Alex: Ja, ist richtig. Ab jetzt beginnt die Aufholjagd. Sorry, Tony.
Pulis: Ach, damit können wir leben. Wir waren zuletzt dreimal ungeschlagen und haben das Britannia am Freitag richtig voll. Sir Alex muss sich auf was gefasst machen. Und unser Torwart Sorensen steht auch wieder im Tor nach seiner Verletzung.
FC Portsmouth – West Ham United
Adams: Also trotz der all der Schwierigkeiten und der eher negativen Bilanz seit meinem Amtsantritt, darf ich sagen, dass Portsmouth noch nie am Boxing Day verloren hat. Und West Ham hat seit sieben Jahren Weihnachten nicht mehr gewonnen und warten seit über 50 Jahren auf einen Sieg an der Südküste Englands. Das sind Zahlen..
Santa: …die Ihnen aber auch erstmal nichts nützen, weil nur aufgrund der Zahlen schießt Peter Crouch keine Tore.
Zola: Und wir stehen ja auch noch auf dem Platz. Und wir wissen, wie man auswärts zu Punkten kommt, siehe Chelsea und Liverpool.
Santa: Aber, Gianfranco. Eigentlich müssten Sie solche Spiele gewinnen, sonst stehen sie bald auf einem Abstiegsplatz.
Zola: Besser ein Punkt als gar keiner. In unserer momentanen Situation, finanziell wie sportlich, bin ich erstmal für alles Zählbare dankbar. Und dann schauen wir mal.
Tottenham Hotspur – FC Fulham
Redknapp: Hallo Santa, erstmal vielen Dank für alles hier, das leckere Essen, der traumhafte Aufstieg zur Hütte. Wunderbar, wunderbar. Genau das richtige für mich.
Santa: Oh ja, vielen Dank. Harry, du hast noch ein Revance mit Fulham offen, oder?
Redknapp: Ja, genau, damals im November beim 1:2 war das meine erste Niederlage als neuer Coach bei den Spurs. Wir haben ganz unglücklich verloren, auch durch einen Fehler unseres Torwartes. Aber seitdem ist Gomes in Top-Form und hat sich wirklich gut gemacht. Ich vertraue ihm.
Santa: Roy, eure Stärke ist die Abwehr und ihr habt seit letzten Samstag einen neuen kleinen Rekord, die längste Serie ungeschlagener Spiele in der Premier League für den FC Fulham. Grandiose Leistung!
Hodgson: Ja, intensive Arbeit zahlt sich halt aus. Wir haben eine der besten Defensiven der Liga und auch im Sturm verbessern wir uns stetig. Und jetzt wollen wir zum ersten Mal seit 2003 wieder ein Londoner Derby auswärts gewinnen.
Redknapp: Ich sehe, wie gut in Fulham gearbeitet wird. Aber wir haben auch was dagegen zu setzen. Darran Bent wird fit sein, bei Ledley King müssen wir wie immer kurzfristig entscheiden. Das blöde Knie halt. Also, wird sicherlich spannend. Danke nochmal für die Reise hierhin, hat mir sehr gut gefallen.
FC Chelsea – West Bromwich Albion
PREMIERE live, Freitag ab 13h55; Kommentar: Markus Gaupp
Santa: Für die nächste Partie in London bitte Herr Scolari und Herr Mowabray zu mir in die Hütte. Die Ausgangslage dürfte klar sein. Chelsea kann unmittelbar vorlegen und wieder die Tabellenführung übernehmen, für West Brom sind solche Spiele erstmal nur Zugabe. Wenn was zählbares dabei rausspringt, dürftet ihr zufrieden sein.
Mowbray: Genau so ist es, aber auch wir haben natürlich gesehen, dass sich Chelsea zuletzt vor allem zuhause immer schwer getan hat. Wir wollen alles versuchen einen oder vielleicht sogar drei Punkte mitzunehmen.
Scolari: Kommt gar nicht in Frage. Wir müssen endlich mal wieder zuhause überzeugend gewinnen. Sonst gehen die Leute bald zu Fulham, denn dort gibt es momentan mehr zu sehen. Und wenn wir mal wieder einen ordentlichen Schiedsrichter haben, hilft das vielleicht auch. Die letzten Leistungen der ehemals Unparteiischen waren alle contra-Chelsea. Und die rote Karte für John war ein Witz. Und drei Spiele Sperre, das ich nicht lache.
Santa: Und was können dir Medien dafür?
Scolari: Nichts, ich bin nur nicht hingegangen um mich zu schützen. Anywax, vielleicht kann Carvalho Terry ersetzen, ansonsten sind alle fit.
FC Liverpool – Bolton Wanderers
PREMIERE live, Freitag ab 15h55; Kommentar: Marcel Meinert
[Für die nächste Paarung steht Gary Magson, der Manager der Wanderers, schon in der Hütte. Ein Minüchen später tritt Sammy Lee ein, gleich dahinter sein Assistent mit kleinem Karo-Blatt vor dem Mund und Handy im Ohr.]
Santa: Hier in der Hütte herrscht Handy-Verbot. Ich bitte es auszuschalten. Herr Benitez hätte schon selbst hier hin kommen müssen. So ist einzig und allein Herr Lee Asprechpartner für mich.
Lee: Ja, äh, genau. Fangen wir mal an. Hier ist eine Liste von 20 Wünschen. Nicht alle sind gleich wichtig. Aber hier, der erste, persönlich unterzeichnet von unserem Kapitän, Steven Gerrard: Die englische Meisterschaft.
Santa: Das nehme ich zur Kenntnis. Aber ihr müsst dafür noch einiges tun, vor allem zuhause mal wieder gewinnen. Remis gegen Stoke, Fulham und West Ham bringen euch nicht weiter. Und Bolton ist gerade auswärts brandgefährlich.
Magson: So ist es. Wir wollen so auftreten wie bei unserem 4:1 in Sunderland. Ansonsten bin ich einfach nur froh, wie die letzten Wochen gelaufen sind. Ich dachte schon, man schmeißt mich raus, und jetzt sind wie Neunter in der Tabelle. Fußball ist neben der Liebe einfach das Großartigste, was es gibt auf der Welt.
Lee: Mensch, Gary, da werde ich ja richtig sentimental. Wir hoffen, dass Fernando Tores wieder mit dabei ist. Und ach ja, lieber Gary, emotionaler und schöner kann Fußball an Weihnachten nur bei uns an der Anfield Road sein. Wir freuen uns auf euch.
FC Sunderland – Blackburn Rovers
Santa: Ich darf das nächste Pärchen reinbitten. Auf meiner Liste steht Paul Ince und Roy Keane, bitte meine Herren.
Allardyce: Mensch Santa, hat sich was mit Ince. In Blackburn kaue ich jetzt Kaugummi an der Seitenlinie und Roy Keane ist bei Sunderland gegangen. Bekommst du hier denn gar nichts mit.
Santa: Ja, richtig, ich hatte nur die falschen Zettel hier liegen. Bei soviel Post kommt man schon mal durcheinander. Hier, schaut mal da. Post von Fabio Capello, der war gestern da. Und der ganze Haufen hier ist aus der zweiten Liga, und, auf was ich ganz besonders stolz bin, Adidas und David Beckham haben mir ein kleines Präsent geschickt. Zwei Eintrittskarten für ein Spiel des AC Mailand.
Sbragia: Wir haben übrigens immer noch keinen neuen Trainer. Deswegen gibt es in Sunderland auch nur zwei Wünsche. Klassenerhalt und einen neuen Trainer. Bis dahin will ich aber versuchen das so gut wie möglich aus meiner Sicht zu machen. Wir können wieder in Bestbesetzung spielen, einzig und allein El Hadji Diouf ist fraglich. Ich freue mich auf das Spiel und hoffe der Sieg bei Hull gibt uns Selbstvertrauen für Freitag.
Santa: Big Sam, 3:0 gegen Stoke nach nur einer Trainigseinheit. Wie geht denn das?
Allardyce: Durch viele Gespräche, neben dem Platz und auf dem Platz. Kommunikation ist alles im Leben. If you want to get ahead, get a head set.
Manchester City – Hull City
Santa: Schön, dass auch sie beide den Weg hierhin gefunden haben.
Brown: Also, ich bin schon etwas sauer, weil ich meinem ganzen Team einfach mal drei Tage freigegeben habe und ich auch mal entspannen wollte. Und wunschlos glücklich bin ich als Trainer von Hull City momentan auch. Außer vielleicht die zuletzt schmerzhafte 1:4-Demütigung gegen Sunderland schmerzt noch. Aber schlechte Tage hat jeder einmal. Also, ich bin raus. Fröhliche Weihnachten.
Santa: Auch gut, dan können wir uns ja ganz Manchester City zuwenden! Herr Hughes, Sie sehen alles andere als besorgt aus?
Hughes: Bin ich ja auch nicht, hab doch ne Jobgarantie bis Ende Januar bekommen. So kann ich das Team dann wunderbar verstärken und wir greifen voll an. Und ach ja, den Wunschzettel bekommen Sie per Post aus Abu Dhabi. Ich durfte drei Wünsche äußern, den Rest machen die Scheichs. So läuft das jetzt bei uns.
Santa: Also nicht zufrieden?
Hughes: Nein, natürlich nicht. Wir wurden doch alle überrumpelt. Sportlich stimmen die Leistungen nicht, aber ich hatte ja auch kaum die Chance mein Team zusammenzustellen. Das wird hoffentlich besser im Januar. Und Robinho spielt am Freitag ja auch schon wieder mit.
Santa: Machen Sie sich mehr Sorgen, wenn Sie gegen Hull und vielleicht auch Blackburn verlieren?
Hughes: Nö, hab doch meine Jobgarantie.
Wigan Athletic – Newcastle United
Santa: Next one, please. Huch, Herr Bruce, wo haben Sie denn Joe Kienaar gelassen?
[Im Hintergrund hört man draußen einen fluchenden Newcastle-Manager: "It is fuckin' cold out here. And the dinner is fuckin' terrible."]
Santa: Aber Joe hat doch gar keinen Grund dazu ärgerlich zu sein. Aus den letzten sechs Spielen gab es für Newcastle doch vier Remis und zwei Siege. Ganz ähnlich gut sieht es bei Wigan aus. Drei Siege aus den letzten vier Spielen. Respekt, Herr Bruce.
Bruce: Oh, danke. Ja, endlich hat sich die harte Arbeit gelohnt und wir haben nicht mehr so viele Verletzte wie zu Beginn der Saison. Im Moment läuft es richtig gut. Da wollen wir weitermachen, in Bestbestzung am Boxing Day.
Santa: Das könnte wirklich ein tolles Spiel werden, zwei Mannschaften in zuletzt guter Form. Ich freue mich.
Kienaar [noch während er die Tür öffnet]: Santa, ich schau doch noch mal rein. Hier mein Wunschzettel, das ist alles, was ich haben will. Bitte mach es möglich, bitte.
Als die beiden Trainer die kleine Berghütte schon verlassen haben, öffnet Santa den Brief und sieht ein weißes Din A4 Blatt mit vier großen Buchstaben. O-W-E-N.
FC Middlesbrough – FC Everton
Santa: So, die nächsten bitte. Ah, Herr Moyes und Herr Southgate. Das Spiel um die Tendenzen. Middlesbrough mit einem zuletzt eher schlechten Lauf und einer 0:3-Klatsche beim Fulham, Everton mit einem verdienten Punkt gegen Chelsea. In der Tabelle trennen sie schon sechs Punkte und Boro ist ja nur zwei Punkte über dem Strich.
Southgate: Ja, Santa, du sprichst die Problematik an. Die Ergebnisse stimmten zuletzt nicht mehr. Da dachte ich, gut das können wir vielleicht ändern. Aber in Fulham stimmten Leistung und Ergebnis nicht. Wir brauchen mal wieder ein Erfolg. Dafür sind alle Mannen gut vom Weihnachtsessen zurückgekehrt. Nur auf Didier Digard müssen wir verzichten.
Santa: Apropos Christmas. Sie haben sich da ja eher negativ zu geäußert…
Southgate: Na ja, nicht so ganz. Ich habe nur gesagt, dass für meine Spieler Weihnachten nicht irgendwelche Speisen oder Getränke zu genießen bedeutet, sondern das bereits unter dem Weihnachtsbaum die volle Konzentration dem Spiel gegen Everton gelten muss.
Santa: Herr Moyes, das muss Ihnen doch schmeicheln?
Moyes: Keineswegs, bei uns war es genauso. Wir wollen unsere guten Leistungen, gerade auch auswärts, weiter bestätigen. Leider müssen wir immer noch auf Anichebe und Saha verzichten, sodass Tim Cahil wieder einzige Spitze spielt.
Aston Villa – FC Arsenal
PREMIERE live, Freitag ab 18h10; Kommentar: Sven Schröter
Santa: Ah, die Herren Wenger und O’Neill. Seien Sie willkommen. Nun, wenn ich die Tabelle sehe, ist es das Spitzenspiel am Boxing Day. Dritter gegen Fünfter. Villa kann mit einem Sieg auf sechs Punkte wegziehen…
O’Neill: Und genau das wollen und werden wir auch tun. Da bin ich mir….
Wenger: Ich muss da schon unterbrechen. Meine Mannschaft hat immer die Qualität gezeigt in wichtigen Spielen top-vorbereitet zu sein. So auch diesmal. Und überhaupt, wir sollten uns alle mal an Weihnachten besinnen, ob wir so noch weitermachen wollen. Ich verliere meinen besten Mann für mehrere Monate und muss aud Adebayor wegen so eines Schauspielers Arbeola verzichten. Das war zuletzt nicht Christmas-like.
Santa: Herr Wenger, ich kann Ihren Frust verstehen. Fabregas’ Ausfall schmerzt ungemein. Aber sie müssen damit leben. Wie wollen Sie das Spiel angehen.
Wenger: So wie immer. Wir wollen gewinnen, ich möchte, dass meine Mannschaft eine gute Leistung zeigt, auch wenn wir nicht in Bestbesetzung spielen können. Uns fehlen Fabregas, Adebayor, Walcott, Rosicky und Eduardo. Aber mein Team ist gut genug das wegzustecken. Ein wichtiges Spiel für uns – aber das wissen wir.
Santa: Herr O’Neill, ich sehe hier auch ihrem Wunschzettel viele Dinge. CL-Quali Platz nach der Saison, Gareth Barry behalten, Viertelfinale im UEFA-Cup. Sie haben sich ganz schön was vorgenommen!
O’Neill: Ja, wir wollen das in Angriff nehmen. Aber erstmal zählt das Spiel am Freitag. Wir wollen Arsenal distanzieren. Leider müssen wir wohl auf Laursen und Cuellar verzichten. Aber wenn wir gewinnen sollten, ist das ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Wenger: Sag mal, Martin, wieso willst du denn jetzt auf einmal denn Gareth Barry behalten?
An dieser Stelle allen Lesern von medien-sport-politik.de ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest.