They are too sexy for their shirts
Ich habe am Samstag bedingt durch private Feierlichkeiten keine Bundesliga schauen können, habe dann aber, auch um Wolff Fuss mal bei einem Werder-Spiel zu hören, mir am späten Samstagabend meine Aufzeichnung nochmal angeschaut. Werder Bremen also zu Gast beim Karlsruher SC. Und ich war schockiert. Mit Ausnahme der ersten 10 Minuten hat Werder eine der schlechtesten Leistungen hingelegt, die ich jemals von diesem Team gesehen habe. Und spätestens sollten die Alarmglocken schrillen an der Weser.
Es sind ja jetzt mittlerweile nicht mehr nur die spielerischen Defizite, die ins Auge fallen. Die Außenverteidiger lassen offensiv weiter jegliche Aktivität vermissen und haben defensiv in persona Tosic ein Zweikampfverhalten, für das mir schlicht die Worte fehlen. Im Mittelfeld fehlen die Ideen, der Einsatz, Frings und Diego sind ein Schatten vergangener Tage. Und im Sturm kann man zurzeit aufstellen, wen man will. Sicher kann man nicht sein, wer zurzeit die Form für Tore schießen hat. Mit Ausnahme von Tim Wiese, und in Ansätzen Mertesacker und Naldo spielt die gesamte Mannschaft unter ihren Möglichkeiten. Natürlich kann es mal spielerisch nicht laufen, aber dann erwarte ich zumindest Einsatz, Laufbereitschaft und Leidenschaft um diese Defizite anders auszugleichen. Doch davon ist bei Werder keine Spur. Man kann, vielleicht will man das auch nicht. Und das ist besorgniserregend. Weil es eben auch kein Einzelfall mehr ist, sondern eine Entwicklung über die ganze Saison. Eine Entwicklung, die gefährlich und bekannt ist und die Schaaf und Allofs scheinbar nicht lösen können.
Schauen wir doch mal auf die nackten Zahlen, die durchaus belegen können, dass es bei Werder Bremen neben den spielerischen Mängeln vor allem eine Frage der Einstellung ist. Ein 5:4 gegen Hoffenheim und ein gutes 1:1 in der Champions League bei Inter Mailand lässt Werder eine 1:4-Klatsche in Stuttgart folgen. Ein hart erkämpftes 3:3 gegen Dortmund folgt ein sehr schmeichelhaftes 2:2 in Athen. Die Fans im Weserstsdion sehen nach einem fantastischen 5:1 im Heimspiel gegen Hertha drei Tage später eine der schlechtesten Saisonleistungen beim 0:3 gegen Panathinaikos. Ein Heimsieg gegen Köln und ein gutes Auswärtsspiel beim Hamburger SV ist für Klaus Allofs Grund genug das Team mal wieder umschwänglich zu loben. Es folgt ein 2:2 in der Champions League bei Famagusta, ein Spiel, in welchem man viel zu harmlos und selbstsicher agiert. Das Siegtor wird schon fallen. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt setzt es ein 5:0, alle scheinen wieder zufrieden und von sich überzeugt. Prompt setzt es nach völlig indiskutabler Einstellung ein 0:1 beim Karlsruher SC.
Und jedes Mal hört man nach den Niederlagen von Klaus Allofs und Thomas Schaaf die selbe Platte. Ja, man hätte sich von den guten Leistungen der vorherigen Spiele wieder blenden lassen, man habe nicht die nötige Einstellung, die notwendig ist um solche Spiele zu gewinnen, an den Tag gelegt. Ich bin es mittlerweile leid mir ständig die gleichen Aussagen von Schaaf und Allofs anzuhören. Von Spielern, wie Diego, Pizarro und gerade Frings, die ein paar Millionen Euro im Jahr verdienen und mit einer großen Klappe durch die Presselandschaft reisen, wenn sie nicht (vollkommen zurecht) für die Nationalmannschaft nominiert werden, erwarte ich einfach mehr. Und vor allem erwarte ich, dass sie solche immer wiederkehrenden Fehler abstellen. Aber die gesamte Mannschaft (Mertesacker, Naldo und Wiese nehme ich mal ein bisschen aus der Kritik raus) lässt sich scheinbar von Frings und Diego anstecken. Wenn die keine Lust haben, dann machen die anderen halt auch nicht mit. I’m too sexy for my shirt, bloß nicht mal Leidenschaft, Einsatz und Aufopferung zeigen. Man kann nicht nur immer schön und sexy spielen. Aber scheinbar ist das bei vielen im Werder-Team noch nicht angekommen.
Also spielerische Defizite sind das eine, hinzu kommt dann noch erschwerend eine Grundhaltung zu diversen Spielen, die in der Bundesliga nicht akzeptabel ist. Man kann einmal einen ganz schlechten Tag haben, wo es einfach nicht laufen will, das gestehe ich jedem Profi auch mehrmals in einer Saison zu. Doch was Werder an Einstellung diese Saison in diversen Spielen gezeigt hat, ist schlicht und ergreifend eine Frechheit. Und was nützt es dann, wenn Werder-Trainer Thomas Schaaf nach dem Spiel ins PREMIERE-Interview den Kommentar gibt, dass er es mittlerweile leid sei ständig die gleichen Fehler anzusprechen? Man übe wöchentlich die Fehler und Defizite abzustellen. Er könne es sich auch nicht erklären, warum seine Spieler es nicht auf dem Platz umsetzen können. Kann man Einstellung für ein Spiel eigentlich trainieren? Ist das nicht selbstverständlich, dass ich nach einem verlorenen Zweikampf versuche den Ball zurückzuerobern? Wie gesagt, spielerisch klappt es selten, hinzu kommen hinreichende Defizite in der Einstlellung zum Spiel. Klar sind da die Spieler auf dem Platz hauptverantwortlich für, aber eben auch Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs.
Ich will überhaupt keine Rücktritts-Diskussion antreten, weil es dafür schlicht und ergreifend zu früh ist, nur wird es endlich mal an der Zeit, dass Trainer und Manager offen ihre Fehler zugeben und auch mal intern zu Konsequenzen greifen. Denn eins ist doch klar: So wie jetzt kann es schlicht nicht weitergehen. Klaus Allofs muss sich ankreiden lassen, dass er dachte, mit der Mannschaft aus der Vorsaison würde es erfolgsmäßig so weitergehen. Zumindest im Sturm gab es ja auch überhaupt keinen Grund zum Handeln. Dass Rosenberg, Sanogo und Almeida eine solche Formschwäche haben, war nicht abzusehen. Aber die defensiven Leistungen in der Abwehr haben schon letzte Saison eigentlich zum Handeln gezwungen, doch Allofs tat dies nicht. Und jetzt ist es eher schlimmer geworden. Dass Dusko Tosic mittlerweile Stammspieler auf der linken Seite ist, sagt eigentlich alles. Trotzdem verneint Allofs bis jetzt noch sich konkret um neue Spieler zu kümmern. Vielleicht wäre es jetzt endlich mal an der Zeit zu sagen: “Ja, wir suchen dringend ein, zwei gute Außenverteidiger”, damit Fritz, Pasanen und Tosic mal so etwas wie Konkurrenz bekommen. Denn momentan spielen alle so, als wären sie sich ihrer Sache sicher auch die Rückrunde spielen zu dürfen. Aber eben das dürfen sie gerade nicht. So wie alle drei momentan das Spiel annehmen, zeigt, dass sie – sollte es zu entsprechenden Verpflichtungen in der Winterpause kommen – bei Werder erstmal keine Chance haben dürfen. Wie gesagt, dass man im Mittelfeld und Sturm im Sommer nicht unbedingt Handlungsbedarf sah beziehungsweise mit Özil und Pizarro sich eigentlich ja auch gut verstärkt hat, will ich Klaus Allofs nicht ankreiden. Aber dass man defensiv auf bessere Zeiten gehofft hat (und man ausschließlich gehofft), dürfte bisher Klaus Allofs’ größter Fehler bei Werder Bremen gewesen sein.
Jürgen L. Born, der Werder-Chef, ließ am Sonntagmorgen durchblicken, dass nach der Leistung in Karlsruhe nun natürlich auch Thomas Schaaf nicht mehr unumstritten ist. Und genau so denke ich im Moment auch, denn Schaaf muss sich auch mal hinterfragen, warum er es nicht schafft sein Team 100% auf ein solches Spiel bei einem Tabellenletzten einzustellen. Es kann schlicht nicht sein, dass der KSC in allen Belangen, wie Einsatz, Laufbereitschaft und Siegeswille, den Hanseaten überlegen war. Und das zu verhindern ist primär die Aufgabe von Thomas Schaaf. Primär eben, sekundär dann vor allem durch die Spieler, die auf dem Platz stehen. Und da haben wir ja schon weiter oben diskutiert. Scheinbar sind Diego, Frings, Baumann und Pasanen überfordert die Ideen und Anweisungen des Trainers umzusetzen. Was mich ärgert, ist, dass solch schlechte Leistungen schlicht einfach so hingenommen werden. Wieso greift Thomas Schaaf nicht mal durch? Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Frings mal zwei Spiele auf die Tribüne muss und sich das von oben mal anschauen darf. Gleiches gilt für Diego und Pizarro, wobei die das ja jetzt schon von sich aus erledigt haben.
Bei Werder läuft zurzeit eigentlich alles falsch. Die falsche Transferpolitik im Sommer macht sich jetzt bemerkbar (ist jede Position eigentlich doppelt und in gleich guter Qualität besetzt?). Werder spielt CL, Bundesliga und DFB-Pokal. Dafür ist der Kader schlicht nicht gut genug, Herr Allofs. Und zu allem Überfluss an momentanen spielerischen Defiziten kommt ein Verhalten der Spieler dazu, dass meilenweit von einem funktionierenden Teamgefüge entfernt ist und jeglichen Vorbildcharakter vermissen lässt. Zum Glück ist bald Weihnachten. Dann können sich alle mal besinnen und hinterfragen. Denn sollte es so weitergehen, bin ich der erste, der Werder meine Unterstützung entzieht.


Montag, 8. Dezember 2008 14:01
Immerhin lässt ja Allofs schon mal durchblicken, dass er die ersten im Winter wohl aussortieren wird (Harnik, Sanogo, Niemeyer). Das er sich zu möglich Zukäufen im Winter bedeckt hält, könnte auch taktischer Natur sein. In dem Moment, wo er das zugibt, werden Namen kursieren und jeder interessante Spieler wieder teurer.
Ich weiß immer nicht, wieviel man einem Trainer anlasten kann, wenn die Mannschaft nicht bereit ist, aus den Fehlern zu lernen und vollen Einsatz zu geben. Vielleicht ist das einfach die Kehrseite der ansonsten so gelobten Bremer Beschaulichkeit. Es geht immer ruhig zu und KATS sind nicht die Typen, die ständig auf den Tisch hauen.
Montag, 8. Dezember 2008 15:33
Klaus Allofs muss ja keine Namen nennen, es reicht doch, wenn er sagt, dass man sich intensiv nach Neuzugängen umschaut. Und dass Harnik und Niemeyer wegwollen, kann ich absolut verstehen. Beide bekommen ja überhaupt keine Spielzeit mehr und insbesondere Harnik wäre für den Werder-Sturm vielleicht mal ein belebendes Element gewesen. Nur die Chance hat er ja nie bekommen, auch als Rosenberg, Almeida und Sanogo verletzt oder formschwach waren.
Wie gesagt, ich kann mich auch nicht festlegen, inwieweit Thomas Schaaf daran schuld ist, dass die Einstellung häufig nicht stimmt. Was ich aber meine, ist, dass er nicht hart genug durchgreift. Vielleicht bräuchte es da wirklich mal einen Sinneswandel.
Montag, 8. Dezember 2008 15:52
Naja, Harnik ist jetzt schon seit einer gefühlten Ewigkeit verletzt. Und Niemeyer hat auch nie wirklich überzeugt, wenn er mal auf dem Platz stand. Mal schauen, ich hoffe für den nächsten Samstag das Beste und lasse mich in der Winterpause überraschen, was da kommen wird.
Dienstag, 9. Dezember 2008 0:33
Das Werder in der Krise ist, zeigt sich ja vor allem daran, dass sich die Presse mittlerweile abwendet. Dort schien Werder zuletzt immer einen Stein im Brett gehabt zu haben.
Aber der Effekt von Trainerwechseln scheint mir oftmals überschätzt. Wenn ich da bei großen europäischen Vereinen an die Schwächephasen von Alex Ferguson und Carlo Ancelotti denke, muss man sagen, dass es wohl kein Fehler war, an diesen Trainern festzuhalten. Oder (abrupter Ortswechsel ^^ ) die aktuelle Entwicklung beim FC Augsburg mit Holger Fach. Der Trainerwechsel ist zumeist nur eine dieser gern genommenen “einfachen Lösungen.” Wenn ich als Schalker z.B. daran denke, was die Entlassung Slomkas gebracht hat…. Eine Entscheidung, die ich damlas schon nicht verstanden habe.
Letztlich gibt es aber natürlich kein Ersatz für erfolgreiche Ergebnisse (3 Euro ins Phrasenschwein ^^). Ich denke aber schon, dass Schaaf noch viel Kredit haben sollte.
Dienstag, 9. Dezember 2008 9:45
Eine Niederlage gegen Stuttgart kann man nicht Thomas Schaaf ankreiden. Die in Hamburg natürlich auch nicht. Ich wäre sogar bereit, ihm die durchwachsene Champions League Gruppenphase mehr oder weniger durchgehen zu lassen (Ausnahme: Das Heimspiel gegen Panathinaikos).
Aber die Niederlage gegen einen deutlich angeknockten KSC? Das ist nur noch ein Einstellungsproblem, ein Verweigern des Teams. Und sowas ist dem Trainer zweifellos anzulasten.