Dem ZEIT-MAGAZIN geht das LEBEN verloren

Als im Mai 2007 das ZEIT-Magazin Leben eingeführt wurde, war ich durchaus gespannt auf das neue Format, löste es doch das bisherige Ressort Leben ab und gab somit die Möglichkeit, das bei mir stets beliebte Ressort auch mal morgens in der vollen Straßenbahn zu lesen, in einem kleinen Heft mit “opulenter Zeitschriftenoptik”, wie die ZEIT damals versprach.

Doch sehr schnell setzte Ernüchterung bei mir ein. Das Heft hat nur selten gehalten, was es wirklich versprochen hat. Ich habe es selten komplett durchgelesen und mich meist auf die Martenstein-Kolumne und die Zigarette mit Helmut Schmidt beschränkt. Die Themenauwahl ist sehr viel enger geworden, mittlerweile ist fast jedes vierte Helft eine schlichte Bildergalerie von irgendwelchen Models, Handtaschen oder Uhren. Wirlich tiefgründiger Journalismus, den das Ressort Leben ausgezeichnet hat, findet man nur noch selten. Vor allem der Bereich Sport, den im ehemaligen Ressort Leben seinen festen Platz hatte, kommt nur noch sehr kurz.

Chefredakteur Giovanni di Lorenzo erklärte zum Startschuss des Magazins das Konzept gegenüber dem Branchendienst DWDL.de:

Was lässt sich denn nun auf einer Magazinseite besser machen als auf einer Zeitungsseite? Sie werden hoffentlich das Gefühl dafür bekommen, wenn sie es in den Händen halten. Die Anmutung der Geschichten ist anders. Sie ist intimer, persönlicher und weniger kurzatmig als auf klassischen Zeitungsseiten. Natürlich ist auch das kleine Format eine großartige Abwechslung – auch das haben sich unsere Leser gewünscht. Wann immer ich Lesergruppen hier bei uns im Haus habe, kommt die Frage: “Warum ist die ‘Zeit’ so groß?”

Es wäre ja dann auch schön, wenn es solche Geschichten oder Interviews dann auch mal wieder häufiger geben würde. Das Interview mit Michael Schumacher ist eine positive Ausnahme der letzten Ausgaben. Wie gesagt, ich bin nie wirklich warm geworden mit dem kleinen Heftchen und würde fast schon lieber das gedruckte Zeitungspapier als eigenes Ressort haben. In der Medienbranche war die Berichterstattung über das Magazin damals recht umfangreich, seitdem hat man aber nichts mehr groß gehört.

Bis heute – und das ist eigentlich auch der Grund, warum ich etwas weiter ausgeholt habe. Die Stuttgarter Nachrichten berichten heute, dass das Interview mit Helmut Schmidt am Ende des Heftes eingestellt wird (via Netzeitung). Das ganze geschieht aus gesundheitlichen Gründen von Helmut Schmidt. Die Entscheidung kann ich absolut nachvollziehen, nur geht dann eigentlich der Teil des Magazins, mit dem ich mich noch am meisten erwärmen konnte am neuen Magazin. Wirklich schade. Hoffentlich kommt die ZEIT jetzt nicht auf die Idee auf eine Rubrik wie “Auf eine Gasbohrung mit Gerhard Schröder” oder “Auf eine Handtasche mit Iris Berben”. Ich würde mir ja “Auf ein Jever mit Olli Dittrich” wünschen, wenn überhaupt. Ansonsten, liebe ZEIT, schreibt endlich häufiger schöne Geschichten und weniger Bilder, dann kann man auch den Wegfall des Helmut Schmidt-Interviews verschmerzen.

Autor: medispolis
Datum: Donnerstag, 18. Dezember 2008 11:20
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3 Kommentare

  1. 1

    [...] 4. “Dem ZEIT-MAGAZIN geht das LEBEN verloren” (medien-sport-politik.de, Felix) “Das Heft hat nur selten gehalten, was es wirklich versprochen hat. Ich habe es selten komplett durchgelesen und mich meist auf die Martenstein-Kolumne und die Zigarette mit Helmut Schmidt beschränkt. Die Themenauwahl ist sehr viel enger geworden, mittlerweile ist fast jedes vierte Helft eine schlichte Bildergalerie von irgendwelchen Models, Handtaschen oder Uhren. Wirklich tiefgründiger Journalismus, den das Ressort Leben ausgezeichnet hat, findet man nur noch selten. Vor allem der Bereich Sport, den im ehemaligen Ressort Leben seinen festen Platz hatte, kommt nur noch sehr kurz.” [...]

  2. 2

    Über das Image einer auf Anzeigekunden ausgerichteten “Lifestyle”-Gazette ist das ZEIT-Magazin leider tatsächlich nie rausgekommen. Bleibt immerhin noch Martenstein als journalistischen Feigenblatt.

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  3. 3

    Ditsche trinkt sicher kein Jever! Dieses Plörrbier trinken nur Menschen südlich von der Elbe.
    Astra ist angesagt! :-)

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