Nur noch legal und mit Angst vor der Rezession: Die Premier League in Sorge um die TV-Rechte
Ich hatte es schon mal an anderer Stelle geschrieben. Die Premier League bereitet derzeit die Ausschreibung für die TV-Rechte ab der Saison 2010/2011 vor. Wie lange der neue TV-Vertrag gelten soll, ist noch unklar. Bisher wurden – ähnlich wie in Deutschland – die TV-Rechte nur für drei Spielzeiten vergeben. Die Bundesliga hat es jetzt vorgemacht, dass man auch neue Wege gehen kann und die Rechte für vier Saisons ausschreibt.
Seit der Saison 2007 teilen sich erstmals zwei Pay-TV Anbieter in Großbritannien die Live-Rechte. Setanta hatte damals zwei Rechtepakete, Sky Sports die übrigen sechs Pakete erworben. Die Premier League nahm aus den nationalen Fernsehrechten für 2007/2008 bis 2009/2010 über 1,5 Milliarden Euro ein. Summen, die weit über unseren Vorstellungen liegen und damals auch in England mit großer Überraschung zur Kenntnis genommen wurden. Setanta zeigt rund 40 Spiele live pro Saison, Sky Sports etwas mehr als 80 Spiele live, die übrigen als Aufzeichnung. Das Monopol von Sky Sports war gebrochen, wie von der Europäischen Union gewünscht. Die EU-Kommission hat der Premier League vorgegeben, dass mindestens eine gewisse Anzahl an Spielen live im Fernsehen gezeigt werden müssen. Das sind circa 120 Partien pro Saison. Da Samstagnachmittag zum Schutz der unterklassigen Ligen keine Spiele live gezeigt werden dürfen, muss hin und wieder schon mal der Spielplan verlegt werden um diese Anzahl zu erreichen. Wer Lust und Interesse hat, kann sich den 152-seitigen Bericht der EU-Kommission ja mal durchlesen. Ganz nett zu lesen vor allem der Abschnitt III zu den Präferenzen der Fans.
Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen bastelt die FA und die Premier League derzeit also an der Ausschreibung für die neuen TV-Rechte. Und das vor dem Hintergrund, dass mit der Wirtschafts- und Finanzkrise Einnahmen der TV-Stationen wegbrechen und diese somit weniger für die wertvollen Rechte zahlen. Erster Schritt also um eine gute Ausgangsbasis für die TV-Sender zu schaffen. Man sagt den illegalen Angeboten, die Fußball über ausländische Internetstreams zeigen, den Kampf an. Das betrifft ebenso die Pubs und Kneipen auf der Insel, die sich ausländische Pay-TV Sender abonniert haben und vor allem Samstagnachmittag die Sperre der Live-Übertragungen umgehen. Der Guardian berichtet heute, dass die Premier League durch diese Angebote einen massiven Einnahmeverlust bei den TV-Rechten fürchtet. Das ganze soll durch eine Gesetzesinitiative politisch beschlossen werden, Probleme gibt es aber wohl vor allem bei der technischen Umsetzung. Die Premier League hatte bereits erfolgreich gegen Justin.TV und Youtube geklagt. Seitdem gibt es auf der Videoplattform keine bewegten Bilder von Premier League Spielen. Diese Maßnahmen sollen jetzt ausgeweitet werden. Dass das ein langer, aber notwendiger Weg, ist, dürfte klar sein. Viel einfacher dürfte da die Überprüfung heimischer Pubs und Kneipen sein, die sich vorzugsweise mit ausländischen Pay-TV Sendern eingedeckt haben. Digitalb darf zum Beispiel diese Saison keine Nachmittagsspiele mehr zeigen, weil viele Kneipen sich mit dem Angebot aus Albanien eingedeckt haben. Sollte die Offensive der Premier League also Erfolg haben, wäre dies auch eine Stärkung für die übrigen Pay-TV Sender außerhalb der Insel, wie zum Beispiel auch für PREMIERE. Nur dann müsste man sich diesen Vorteil dann auch mal zu Nutze machen und mehr Spiele live anbieten, wenn man schon die Rechte an allen Spielen hat.
Wie gesagt, die beginnende Wirtschafts- und Finanzkrise fällt in die falsche Zeit für drastische Steigerungen auf dem TV-Rechte-Markt in England. Das könnte die Chance für ESPN mit dem finanzstarken Disney-Konzern sein. Zunächst muss man aber positive Signale setzen für die Interessenten an den TV-Rechten. Die Bekämpfung illegaler Streams ist eine erste Maßnahme. Owen Gibson, beim Guardian viele Jahre lang für den Medien-Bereich zuständig, veröffentlicht einen zweiteiligen Report über die Beziehung von Pay-TV und den Erlösen aus dem Bereich des Sports. Der erste Part wurde heute veröffentlicht. Die große Frage ist, ob Pay-TV Anbieter auch in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise weiterhin dem Sport, in England vor allem dem Fußball, so hohe Erlöse wie bisher bringen oder ob es einen markanten Einnahmeeinbruch geben wird. Was dabei nicht vergessen darf, ist, dass weder der Sportrechtemarkt noch die Pay-TV Anbieter von einer solchen Wirtschaftskrise betroffen waren. Wirklich interessant zu lesen, weil der Report nicht nur die nationale Sicht in England berücksichtigt (unter anderem die Krise von ITV), sondern auch über den globalen Tellerrand schaut. Immer wieder fällt der Name auf ESPN, ein potentieller Bewerber für die TV-Rechte ab 2010. Russell Wolff, Vize-Präsident von ESPN International und Koordinator aller Aktivitäten von ESPN außerhalb der USA, hat schon einmal groß angekündigt, dass ESPN sehr gut aufgestellt ist die Rezession komfortabel zu überstehen. Das sagen aber auch Sky und die BBC. Mal sehen, wer da Recht behält. So oder so. Die Vergabe der nationalen TV-Rechte für die Premier League könnte so kompliziert und langwierig wie schon lange nicht mehr werden.


Freitag, 23. Januar 2009 12:09
“Dass das ein langer, aber notwendiger Weg, ist, dürfte klar sein.”
Warum stellen die Klagen einen notwendigen Weg dar? Die Anzahl der Videoportale ist zu hoch, die Ausweichmöglichkeiten im Internet irrwitzig einfach.
Klar kann man probieren alles über Klagen verbieten zu lassen, nur hat das a) negative Effekte für Zuschauer in anderen Ländern (Albanier sehen Samstags nachmittags keine PL mehr!), was normativ problematisch ist und b) wird das ein Kampf gegen Windmühlen. Man müsste alle internationalen Pakete auf englische Gegebenheiten abstimmen, damit diese Pakete im Wert reduzieren. Man müsste alle Internetangebote, alle Foren kontrollieren.
Meine These ist, dass die Kosten für diese Maßnahmen jeden hypothetischen Gewinn auffressen.
Samstag, 24. Januar 2009 11:44
Es ist wie einst bei der Musikindustrie und P2P: erst mal ein bißchen Aktionismus vorallem gegenüber den eigenen Verbandsmitgliedern zeigen, die ungefähr so internetaffin sind, wie eine Scheibe Schwarzbrot.
Es wird dann 3-5 Jahre dauern, bis es dämmert, dass der beste Weg derjenige ist, den Fans einen möglichst einfachen und preislich fairen Zugang zu der “TV-Ware” zu bieten.