Bei uns gibt es bei sowas immer großes Theater, die Premier League zeigt einmal mehr ihre Professionalität. Nachdem die Free-TV Rechte bereits an die BBC gingen, wurden jetzt auch die Pay-TV Rechte für den Zeitraum 2010 bis 2013 vergeben. Der große Gewinner ist dabei Sky Sports. Man konnte sich fünf von sechs Rechtepakete sichern und somit eins mehr als bei der letzten Ausschreibung. Der neue TV-Vertrag umfasst also weit über 100 Spiele, die Sky Sports live zeigen kann. Sky Sports hat sich also damit ein Rechtepaket geangelt, das bisher in den Händen von Setanta lag. Setanta zeigt ab der Saison 2009/2010 also nur noch etwas mehr als 20 Spiele, vornehmlich dann das Spiel am späten Samstagabend. Monday Night Games wird es zukünftig bei Sky Sports geben. ESPN, vor allem für Setanta als Konkurrent gehandelt worden, ging komplett leer aus. Großer Gewinner also Sky Sports, gerade für Rupert Murdoch und seinem etwas kriselnden Imperium eine gute Nachricht. Setanta kann sich mit 23 Spielen sicherlich nicht mehr wirklich schmücken. Und das Thema Finanzkrise und Premier League geht nicht für das Bereich TV-Rechte: Weit über eine Milliarde Euro Pfund nimmt die Premier League für die Inlandsrechte ein. Sky Sports soll nach Berichten für die fünf Pakete 1,6 Milliarden Pfund bezahlen, von der BBC gibt es für die Free-TV Rechte 173 Millionen Pfund, Setanta zahlt für ein Paket 159 Millionen Pfund. Macht also gute 1,8 Milliarden Pfund. Die Vereine haben bereits ihre Erleichterung geäußert.
14 Spieltage noch bis zum Saisonende in der Premier League. Punktgewinne werden immer wichtiger, Niederlagen immer schmerzhafter. So ganz langsam biegen wir auf der Insel in das letzte Saisondrittel. Der 25. Spieltag sieht mal wieder viele interessante Spiele am Tabellenkeller. Die Tabellenspitze mit lösbaren Aufgaben, Spitzenspiel am Sonntagnachmittag im Upton Park. Leider verzichtet PREMIERE auf das Derby zwischen Arsenal und den Spurs. Ich kann es mir schlicht nicht erklären, warum sie das tun. Aber das ist auch egal. Gehen wir der Reihe nach die Spiele durch.
Manchester City – FC Middlesbrough
Wer sich Sky Sports leistet, der kann den Spieltag schon mal mit einem extrem wichtigen Spiel für Middlesbrough-Trainer Gareth Southgate eröffnen. Und das Schöne an dieser Begegnung ist. Sie könnte für Manchester City auch das Ende fast aller Abstiegssorgen bedeuten. Mit einem Sieg würde man auf 31 Punkte kommen. Das sollte, kein erneuter sportlicher Einbruch vorausgesetzt – reichen, um das letzte Saisondrittel beruhigt anzugehen. Für die Gastgeber würde sich ein Sieg also mehr als nur lohnen, heißt im Umkehrschluss, dass Middlesbrough sich nicht verstecken kann und den Platz, den sie bekommen, auch nutzen sollten. Denn auch die Gäste müssen mindestens einen Punkt holen, beide also auf etwas Zählbares spielen. Das könnte sich also gut ansehen lassen. Und glauben wir mal Gareth Southgate, der von seinem Team ja pure Leidenschaft und alles für die restlichen Spiele fordert, dann dürfte Middlesbrough nicht mehr so auftreten wie letzte Woche gegen Blackburn, wo man mit Glück einen Punkt geholt hat. Middlesbrough wartet seit 12 Spielen auf einen Sieg, City gewann die letzten drei Heimspiele.
West Bromwich Albion – Newcastle United
Und nochmal Abstiegskampf in The Hawthorns. Und wenn WBA daheim so auftritt wie gegen Manchester United in der ersten Hälfte, dann dürften sie als Sieger den Platz verlassen und, wenn die Konkurrenz mitspielt, auch die Abstiegsplätze. Man würde sogar Newcastle in der Tabelle überholen. Das sollte Motivation genug sein. Die Magpies sind im Moment weiter von allen guten Geistern verlassen, warten seit sieben Spielen auf einen Sieg und sorgen weiterhin eher neben als auf dem Platz für Schlagzeilen. Die Geschichte zwischen Charles N’Zogbia und Joe Kienaar ist immer noch nicht geklärt. Interessant dürfte sein, wie West Brom das Aus im FA-Cup gegen Burnley verkraftet hat. Wir werden am Samstag wohl ein neues Gesicht in der Premier League begrüßen dürfen, für Fans der Bundesliga ein alter Bekannter: Juan Carlos Menseguez ist bis Saisonende an die Baggies ausgliehen und wird am Samstag sein Debüt machen. Bei Newcastle kehren Obafemi Martins und Alan Smith ins Team zurück. In der Hoffnung auf mehr Tore.
FC Sunderland – Stoke City
Und das dritte direkte Duell zweier Abstiegskandidaten. Ein Sieg aus sechs Spielen gegen ein Sieg aus 10 Spielen. Bei der Auswärtsbilanz von Stoke muss den Black Cats aber nicht Angst und Bange werden. Stoke weiterhin ohne Sieg in der Fremde, für Sunderland die Chance das zweite Heimspiel in Folge zu gewinnen. Bei Sunderland werden die Neuzugänge Carlum Davenport und Tal Ben Haim beginnen, zu allem Überfluss müssen die Potters auf Einwurfspezialist Rory Delap verzichten. Drei Spiele Sperre – für Stoke in dieser schwierigen Situation ein echter Nackenschlag.
FC Chelsea – Hull City
PREMIERE live, Samstag ab 15:55 Uhr; Kommentar: Andreas Renner
Andreas Renner freut sich schon auf das Spiel zwischen Chelsea und Hull City (hätte sicherlich auch lieber Spurs gegen Arsenal kommentiert). Ich hatte das, glaube ich, schon in einer der letzten Vorschauen geschrieben. Ich kann Spielen von Chelsea gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte nichts mehr abgewinnen. Unattraktiv, langweilig, ideenlos – so ist das Spiel des FC Chelsea seit Wochen. Brauchte es eines Beweises, das Chelsea schlicht keine Spitzenmannschaft mehr ist, dann das 0:2 beim FC Liverpool. Für einen Schuss aufs Tor wären die Blues unter Jose Mourinho nachts durch den Londoner Südwesten gejagt worden, jetzt ist es fast schon das Eingeständnis, dass man schlicht nicht besser ist. Natürlich hat man auch viele Verletzte, unter anderem Michael Essien und Joe Cole. Aber auch von Spielern, wie Michael Ballack, Deco und Florent Malouda, muss viel viel mehr kommen. Aber für Hull dürfte es wohl noch reichen. Phil Brown kündigt einen eigenen Game Plan für den Samstagnachmittag an. Wer auf die große Offensive wartet, dürfte enttäuscht werden. Oder gibt es doch den Game Plan “Arsenal reloaded”? Mal schauen, dafür ist das Team momenten eigentlich nicht in der Lage. Bei Chelsea fehlen Torwart Peter Cech, die Tigers müssen wohl auf Daniel Cousin und Jimmy Bullard verzichten.
Blackburn Rovers – Aston Villa
Aston Villa an diesem Samstagnachmittag im direkten Duell um Platz 3 mit dem FC Chelsea. Bei eigenem Sieg und gleichzeitigen Punktverlust von Chelsea würde man an den Blues vorbeiziehen. Dafür muss aber erstmal die Hürde Ewood Park genommen werden. Die Rovers seit sechs Spielen in der Liga ungeschlagen und zudem – wie Villa – im FA Cup erfolgreich. Villa ist seit 12 Spielen ungeschlagen. Beide Mannschaften können in Bestbesetzung antreten.
FC Everton – Bolton Wanderers
Die Wanderers kamen am Wochenende zu einem überlebenswichtigen Sieg gegen die direkte Konkurrenz aus Tottenham und müssen jetzt nach Everton, die ihrerseits in richtig guter Form sind. Trotz der Niederlage bei Manchester United. Aber gerade der Sieg im FA-Cup gegen Liverpool sollte richtig viel Aufwind geben. Mit einem Sieg könnte man Arsenal im Kampf um den fünften Platz noch einmal unter Druck setzen.
Wigan Athletic – FC Fulham
Man muss derzeit Fan von Wigan oder Fulham sein und man kann dann ganz relaxt ins Fußball-Wochenende starten. Wigan steht mit 33 Punkten im gesicherten Mittelfeld, Fulham hat zwar vier Punkte weniger, aber auch noch zwei Spiele in der Hinterhand, darunter eine lösbare Aufgabe mit dem Heimspiel gegen Blackburn. Für Fulham wäre etwas Zählbares aus diesem Spiel also – gerade auch wegen der Auswärtsschwäche – eine gute Gelegenheit weiter für einen relaxten Start ins Wochenende zu sorgen.
FC Portsmouth – FC Liverpool
PREMIERE live, Samstag ab 18:25 Uhr; Kommentar: Markus Gaupp
Welches Spiel soll man denn jetzt nun als Gradmesser für die Form des FC Liverpool nehmen? Der überzeugende 2:0-Sieg gegen Chelsea oder das eher lustlose Geschleppe über 120 Minuten im FA-Cup gegen Everton. Warten wir mal auf das Spiel beim FC Portsmouth. Da Manchester United erst am Sonntag spielt, kann man mit drei Punkten vorübergehend sogar wieder Tabellenführer werden. Das aber alles ohne Steven Gerrard, der drei Wochen ausfällt. Wahrscheinlich wird Kuyt hängende Spitzen hinter Torres, Babel und Benayoun stehen als Ersatz für Gerrard bereit. Insbesondere der Israeli ist derzeit in guter Form. Und die Situation beim FC Portsmouth lässt sich ganz schnell beschreiben. Lassen wir mal Innenverteidiger Sol Campbell sprechen: “We realize that some of our performances haven’t been up to the high standards that we set ourselves.” So ist es.
Tottenham Hotspur – FC Arsenal
Das Derby im Nordosten Londons ist immer wieder ein Klassiker, egal, wie die Teams in der Tabelle positioniert sind, egal, wie die aktuelle Form. Am Sonntag eröffnet sich der Vorhang für das 144. Derby in der Liga. Tottenham einen Punkt über den Strich auf Platz 14, Arsenal weiter auf Platz 5. Für beide Teams also ein ganz wichtiges Spiel. Seit 18 Spiele konnte Tottenham keinen Sieg mehr gegen die Gunners einfahren, vielleicht schlägt jetzt die Stunde 19. Das Team von Harry Redknapp nur mit einem Sieg aus den letzten sechs Pflichtspielen, Arsenal dümpelt so in der Liga, zuletzt drei Remis, unter anderem das schwache 0:0 gegen West Ham. Ashavin wird am Sonntag zwar im Kader stehen, Arsene Wenger sträubt sich aber den Russen gleich im intensiven Derby einzusetzen. Jermain Defoe fällt bis auf weiteres bei Tottenham aus, in dessen Fußstapfen tritt jetzt Robbie Keane. Nur wenige Kilometer trennen beide Spielstätten, in der Tabelle sind es fast 20 Punkte. Aber für ein Nord-London-Derby ist das völlig egal.
West Ham United – Manchester United
PREMIERE live, Sonntag ab 16:55 Uhr; Kommentar: Thomas Wagner
Rein von der Tabelle gesehen darf man die Begegnung im Upton Park nicht als Spitzenspiel bezeichnen. Es tritt zwar der Tabellenführer an, aber West Ham spielt im grauen Mittelfeld der Tabelle. Warum diese Partie trotzdem das Prädikat Spitzenspiel verdient, zeigen diese Zahlen: 14 Punkte aus den letzten sechs Spielen bei den Hammer, 18 Punkte bei Manchester United. Das sin also die Teams, die zurzeit die besten sportlichen Bilanzen in der Premier League haben. Mal abgesehen von den länger Verletzten, können beide Teams mit ihrer besten Elf aufspielen können. Bei den Hammers fehlen weiter Kieran Dyer und Dean Ashton. Die Hürde Upton Park ist also ein echter Maßstab für Manchester United. Sagen wir es mal so: Sollten die Red Devils hier stolpern, muss man nicht unbedingt von einer Überraschung sprechen. Ein Mann steht besonders im Fokus in dieser Partie. Hammers-Stürmer Carlton Cole, der fünf Treffer in den letzten sechs Ligaspielen erzielte. Für den oft ein bisschen schusselig wirkenden Carlton Cole eine tolle Bilanz. Barry Glenndenning vom Guardian hat deshalb auch seine ganz besondere Interpretation des Namens und machte im Podcast aus Carlton Cole mal schnell den Namen “Can’t Controle.” Tja, aber diese Zeiten scheinen im Moment vorbei.