Nach Tony Adams und Felipe Scolari: Hoffnung auf Besserung beim FC Portsmouth und Chelsea London?

Kein Tag vergeht, wo die Premier League einmal zur Ruhe kommen kann. Jetzt weiß ich auch, warum die englischen Medien so gerne hyperventilieren. Mittlerweile scheinen sie gar nichts anderes mehr gewohnt zu sein.

Der Paukenschlag des Tages kam heute am frühen Abend: Der FC Chelsea hat auf seiner Internetseite bekanntgegben, dass Trainer Felipe Scolari entlassen wurde.

“Luiz Felipe Scolari has been dismissed as manager of Chelsea Football Club today with immediate effect. The Chelsea board would like to place on record our gratitude for his time as manager. Felipe has brought many positives to the club since he joined and we all feel a sense of sadness that our relationship has ended so soon. Unfortunately the results and performances of the team appeared to be deteriorating at a key time in the season. In order to maintain a challenge for the trophies we are still competing for we felt the only option was to make the change now. The search for a new manager has already started and we hope to have someone in place as soon as possible.”

Bereits am späten Sonntagabend meldete die BBC exklusiv, dass Tony Adams beim FC Portsmouth kurz vor dem Rauswurf steht. Die Vermutungen der BBC haben sich dann heute Vormittag bestätigt. Auf der Internetseite von Pompey heißt es kurz und schmerzlos:

“The priority is for Portsmouth Football Club to remain in the top flight and we feel the appointment of a new manager will give us the best opportunity to enable us to do this.”

Die Begründungen beider Vereine für die Entlassung der Trainer sind also mehr oder weniger deckungsgleich. Gerade für das entscheidene letzte Saisondrittel braucht man zum Erreichen der angestrebten sportlichen Ziele einen neuen Mann an der Seitenlinie. Luis Felipe Scolari und Tony Adams mussten wegen Erfolgslosigkeit gehen. Rein von den nackten Zahlen kann man das auch alles unterstreichen: Die Blues spielen seit Monaten einen fürchterlichen Fußball – negativer Höhepunkt der Auftritt beim FC Liverpool – und liegen, wenn es ungünstig läuft, 10 Punkte hinter Manchester United auf dem vierten Rang. Für die Ansprüche des FC Chelsea ist dies schlicht zu wenig. Auch Tony Adams konnte beim FC Portsmouth keine großen Erfolge feiern, zumindest, was die Punktausbeute angeht. Man steht auf Platz 16, einen Punkt vor den Abstiegsplätzen, Adams holte nur zwei Siege in 16 Spielen. Für den FC Portsmouth, dieses Jahr immerhin Teilnehmer des UEFA-Cup, ein bedrohlicher sportlicher Absturz. Tony Adams hatte sich heute Mittag gegenüber der BBC geäußert und sprach von einer überraschenden Entlassung, beklagte zu wenig Zeit und zu wenig Geld für Spielertransfers bekommen zu haben.

Kai macht sich bei allesaussersport auch so seine Gedanken.

Jetzt soll also der große Befreiungschlag kommen bei Chelsea und Portsmouth, das Zurückfinden in die sportliche Spur. Aber ich bin spektisch, ob das wirklich gelingt. Und das liegt nicht daran, dass diese Saison noch kein Trainerwechsel in der Premier League – und die Entlassung von Scolari war bereits die achte in dieser Spielzeit – wirklich zu einer positiven Verbesserung der sportlichen Lage beigetragen hat, mit Ausnahme vielleicht von Gianfranco Zola bei West Ham. Aber Blackburn, Tottenham und auch Sunderland zeigen kaum signifikante Verbesserungen unter den neuen Trainern.

Schauen wir uns die Lage der letzten Monate beim FC Portsmouth genauer an: Ende Oktober geht Harry Redknapp zu den Tottenham Hotspur, Tony Adams übernimmt das Amt. Zur der Zeit stand Portsmouth im gesicherten Mittelfeld, wenngleich man an die guten Leistungen der Vorsaison auch nicht so richtig anknüpfen konnte. Tony Adams verlor seine ersten beiden Partien unglücklich nach guten Leistungen bei Liverpool und zuhause gegen Wigan, schafft dann aber mit dem 2:1 beim FC Sunderland den ersten Auswärtssieg von Pompey in dieser Saison. Ende November schlägt man in einem tollen Spiel die Blackburn Rovers mit 3:2, man steht im oberen Mittelfeld auf Platz Acht. Also fast kein Substanzverlust unter Tony Adams nach einem Monat. Auch Ende Dezember steht man noch immer in der oberen Tabellenhälfte. Doch dann folgt im Januar der Knackpunkt. Portsmouth ist ein Verein, der finanziell nun wahrlich nicht auf Rosen gebettet ist. Ein neues Stadion kann zurzeit nicht finanziert werden, nicht mal Geld für eine Rasenheizung ist da. Geld wird gerne genommen. Also verkauft man in der Transferperiode Lassana Diarra und Jermain Defoe, zwei Stützen des Offensivspiels von Pompey. Und an Zahlen ganz klar belegbar: Seit dem 20. Dezember bis heute hat Portsmouth nur fünf Tore geschossen. Das ist natürlich viel zu wenig. Aber ist das die Schuld von Tony Adams? Der Verein hat sich stur geweigert für adäquaten Ersatz zu sorgen. Der sportliche Abstieg schon fast ein bisschen vorprogrammiert. Am vergangenen Samstag macht Portsmouth gegen den FC Liverpool eines der besten Saisonspiele, kämpferisch, leidenschaftlich und auch mit spierlischen Highlights. Das Team war von Tony Adams exzellent eingestellt worden. Warum also Tony Adams entlassen? Auch Paul Doyle vom Guardian ist der Meinung, dass Tony Adams ein mehr als nur intaktes Team seinem Nachfolger übergibt.

Ob es bei Portsmouth also wirklich besser wird, mag ich bezweifeln. Ich denke aber, dass es beim FC Chelsea unter dem neuen Trainer etwas aufwärts geht, zumal man wirklich schlechter auch nicht mehr spielen konnte. Aber auch bei den Blues gibt es viele Fragezeichen. Schafft es der neue Trainer die Form der Leistungsträger wieder nachhaltig auf sehr hohes Niveau zu bringen? Lampard, Ballack und Deco sind weit davon entfernt. Da braucht es schon die Bezeichnung “Highlight” in der dpa-Pressemeldung für einen Schuss von Michael Ballack neben das Tor in der ersten Hälfte gegen Hull City. You don’t know what you do, sangen die Chelsea-Fans am Samstag wieder im Stadion. Und diesen Eindruck konnte man von Scolari auch haben. Gerade im Sturm fand er nie eine Idee oder ein Konzept, in welchem Drogba und Anelka zusammenspielen konnten. Wenngleich – und das darf man auch nicht vergessen – Chelsea mit Joe Cole und Michael Essien zwei ganz wichtige Spieler fehlen. Scolari ist auch an den hohen Erwartungen des Vereinsumfeldes gescheitert. Auch hier aber wieder der kritische Blick auf die Transferpolitik. Es war bereits Anfang Januar – spätestens nach dem blamablen 0:3 bei Manchester United – klar, dass Chelsea einen neuen Stürmer braucht. Doch Abramovitsch öffnete den Geldbeutel nicht. Wundert es dann also jemanden, dass Chelsea keine Tore schießt?

Wer wird also Nachfolger bei Chelsea? Wunsch aller Chelsea-Fans dürften Gianfranco Zola und Steve Clarke, beides ehemalige Spieler der Blues und gern gesehen an der Stamford Bridge. Aber West Ham hat schon mal vorgesorgt: Man wird Zola und Clarke nicht an Chelsea abgeben.

Und so gibt es heute Abend bisher erstmal nur Verlierer. Außer vielleicht Steve Clarke und Gianfranco Zola. Erfolg macht eben sexy. Und sie leisten exzellente Arbeit bei den Hammers. Es wäre West Ham zu wünschen sie als Trainerteam länger behalten zu dürfen.

Und einen Gewinner gibt es auch noch: Gareth Southgate ist immer noch – entgegen meiner Prognosen – Trainer beim FC Middlesbrough.

Autor: medispolis
Datum: Montag, 9. Februar 2009 18:19
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