Sky News, der britische Nachrichtensender von Rupert Murdochs News Corporation, feiert derzeit seinen 20. Geburtstag. Am 05. Februar 1989 ging Sky News als damals noch kleiner und noch nicht Gewinn bringender Nachrichtensender an den Start. 20 Jahre später ist Sky News einer der erfolgreichsten und meist gesehenen Nachrichtensender weltweit. Seit Tagen laufen Spots und News-Specials, die auf 20 Jahre Sky News zurückblicken. Sky News hat sich zu einer Marke entwickelt, zu einem Nachrichtensender, der neben den klassischen Nachrichtenblöcken vor allem auf Breaking News setzt. Die Liste der Ereignisse, von denen mal als erste weltweit Bilder sendete, wird länger und länger.
Zum ersten Mal erlebte ich Sky News an einem Morgen im Sommer 2005, als ich mit meiner damaligen Freundin von Dover nach Calais mit der Fähre über den Ärmelkanal fuhr. Auf der Fähre im Restaurant gab es zahlreiche Fernsehbildschirme, auf denen Sky News lief. Das war damals nur wenige Tage nach den Terroranschlägen von London. Ich konnte damals gut eine Stunde Sky News verfolgen und war recht angetan von Layout und Struktur der Morgennachrichten, viele Gäste, ein Blick in die Zeitungen. Ich fühlte mich weitesgehend informiert. Danach verlor ich aber Sky News wieder aus den Augen. Als ich im Herbst 2006 mir wegen NASN das Kabel Digital Home Paket holte, stellte ich schnell fest, dass ich nun auch Sky News 24 Stunden am Tag empfangen konnte. Und von nun an habe ich diesen Sender seit fast zweieinhalb Jahren immer lieber gewonnen, entspricht er doch in vielen Punkten – aber nicht in allen – dem Idealtypus eines Nachrichtensenders. Und da Sky News derzeit 20. Geburtstag feiern, ein paar Gedanken zu Sky News und Nachrichtensendern allgemein.
Auch bei Sky News ist nicht alles Gold. Mir gefällt zum Beispiel die manchmal sehr boulevardeske Aufmachung einfach nicht. Sobald in England mal wieder ein Mädchen ermordet wird – was in letzter Zeit leider viel zu oft vorkam – gibt es bei Sky News tagelang kein anderes Thema mehr. Und da reicht schon der Einbruch eines kleinen Jungen auf der Eisfläche, dass Sky News dieses Thema an erster Stelle in den Nachrichten setzt und Barack Obama erstmal warten muss. Allgemein setzt Sky News auch eher auf die weichen Nachrichtenthemen, wirklich intensive politische Berichterstattung – gerade von der britischen Innenpolitik – gibt es eher wenig. Man berichtet über die großen Leitlinien, insgesamt wird über verschwundene Mädchen intensiver berichtet als über Gesetzersvorhaben der Regierung. Gleiches gilt für Naturkatastrophen oder Unglücksfälle – auch da ist Sky News immer vorne weg. Also, wenn man es zusammenfassen will, dann etwas zu viel Boulevard, Katastrophen und Unglücke.
Aber das überdeckt die vielen Stärken von Sky News nur ein bisschen. Wie Sky News mit Breaking News, mit Wirtschaftsthemen und politischen Großereignissen umgeht, ist exzellent und fast nicht besser zu machen. Wer das Bedürfnis hat immer alles als erster zu erfahren, ist zumindest bei Sky News recht gut aufgehoben. Das Programm ist flexibel, es gibt zwar eine Grundstruktur an täglichen Sendungen mit den verschiedenen Moderatoren, aber man reagiert je nach Nachrichtenlage auf die Programmgestaltung und sendet einfach auch mal 15 Minuten einer wichtigen Rede von Barack Obama, Gordon Brown oder eines Wissenschaftlers auf irgendeinem Kongress. Aber wo Sky Ness meiner Meinung nach unschlagbar ist, ist die Berichterstattung von Großereignissen. Und das aus zwei Gründen: Man versucht aus diesen Ereignissen etwas Besonderes zu machen, sendet zum Beispiel für die US-Wahl von einer Villa am Strand von Miami, lässt eine Schülerband spielen, und lädt zahlreiche Gäste ein. Und zwar keine Experten, sondern Gäste, die irgendwas Persönliches zu diesem Thema beitragen können, ganz persönliche Erfahrungen, die die sachliche politische Berichterstattung wunderbar auflocken und ergänzen. Gleiches gilt für die Berichterstattung vor Ort: Man spricht oft mit Beteiligten und Zuschauern, geht in die Menschenmenge und fängt Stimmen ein. Und immer alles ruhig und ohne Hektik. Ohne viel Gelaber. Eben nur das Nötigste. Man nimmt sich selbst wenig wichtig, sondern stellt das Ereignis vollkommen in den Vordergrund. Und das schafft kein anderer Sender annährend so gut wie Sky News. Weiterer Vorteil: Man sendet immer live, 24 Stunden rund um die Uhr. Und es gibt nur Nachrichten, oder selbstproduzierte Dokumentationen zu wichtigen Ereignissen. Dokus über Panzer, Kriege und Wolkenkratzer sieht man in London nicht. Wenn also irgendetwas Wichtiges auf der Welt passiert, man kann stets auf die Nachrichtenlage reagieren. Und sowas erwarte ich von einem Nachrichtensender.
Seit ich relativ regelmäßig Sky News schaue, hat sich auch so ein bisschen meine Aufnahme von Nachrichten verändert. Früher fand ich es nie besonders wichtig als erster Nachrichten oder bestimmte Live-Ereignisse zu erfahren. Irgendwie erfährt man das sowieso noch später als Agenturmeldung oder als kurzen Bericht irgendwo in einer der vielen Nachrichtensendungen. Doch eine positive Erfahrung habe ich dank Sky News gemacht. Es ist zumindest nicht falsch als Erster Nachrichten zu erfahren. Klar ist das dann bei Breaking News immer auch noch mit Unwissen verbunden, aber gerade bei Live-Schalten zu wichtigen Reden, Pressekonferenzen oder Eröffnungszeremonien finde ich es immer wichtiger das live zu verfolgen, weil ich dann selbt entscheiden kann, wie ich das Thema oder die Nachricht einschätze. Wenn ich etwas “first” erfahre, dann erfahre ich es auch immer ohne Zwischenstation und kann mir relativ gut ein eigenes Bild machen, ohne aus irgendwelchen Artikeln oder Pressemitteilungen die Essenz herauszuziehen. Und Sky News ist eben bei fast allen wichtigen politischen Pressekonferenzen in England, den USA oder auch mal in Europa live dabei. Und das erwarte ich von einem Nachrichtensender, mir die Nachrichten nach Hause zu bringen, direkt, live, unverfälscht – und dann kann ich immer noch auf die Analyse warten.
Natürlich schwingt bei Sky News – auch aufgrund der zahlreichen Auszeichnungen für den Sender – eine kleine Spur Arroganz mit, aber die kann man ganz gut übersehen, auch wenn mehrmals in der Stunde der Slogan “First for Breaking News” zu sehen ist. Eine meiner Lieblingssendungen ist Saturday Live mit Chris Roberts, wo man eine guten Überblick über das Sportwochenende in England bekommt, zu empfehlen sind auch die abendliche Sportsendung sportlines sowie die Sendungen des Politikchefs Adam Bolton, der am Wochenende recht ausführlich politische Schauplätze analysiert. Wer die wenigen Schwächen von Sky News hinnimmt und die Stärken dieses Senders über einen längeren Zeitraum erlebt hat, findet – wie ich – diesen Sender als absolut notwendig für meinen täglichen Nachrichtenkonsum, und auch wenn es nur nachmittags nebenbei läuft. Die Breaking News werden schon laut und oft genug angekündigt. Die verpasst man nicht.