Premier League 2008/2009 26. Spieltag, Aston Villa – FC Chelsea 0:1
Ich hatte eigentlich schon einen längeren Blogbeitrag zum wundersamen Aufstieg von Aston Villa in der Pipeline, habe aber mit der Veröffentlichung immer wieder gewartet, zumal in den letzten Tagen die Formkurve der Villens etwas nach unten sank. Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass das Team von Martin O’Neill mehr oder weniger alles für ihre Verhältnisse zu Gold machen konnten in dieser Saison. Diese Vorstellung musste ich zuletzt ein bisschen revidieren. Im FA-Cup beim FC Everton fiel die komplette Innenverteidigung aus und Villa zeigte bis dato unbekannte Schwächen in der Defensive. Im UEFA-Cup gab es nur ein mageres 1:1 gegen ZSKA Moskau. Auch in Birmingham stößt man also an seine Grenzen.
Jetzt stand die nächste Bewährungsprobe in der Liga bevor, das Spitzenspiel gegen den FC Chelsea London im heimischen Villa Park. Für beide Teams geht es noch um die direkte Qualifikation für die Champions League. Ein Sieg für die Blues würde bedeuten, dass sie an Aston Villa in der Tabelle vorbeiziehen würden. Oder anders ausgedrückt: Chelsea gibt sich noch nicht geschlagen und Villa bekommt weiterhin seine Grenzen aufgezeigt. Doch zumindest in der Liga dürfte das Selbstvertrauen der Gastgeber groß sein. Seit 13 Spielen ist man ungeschlagen, Chelsea verlor nur zwei der letzten 10 Spiele. Ein echtes Spitzenspiel also.
Vor der Begegnung das übliche Taktieren in den Medien. Villa-Manager Martin O’Neill gab die Favoritenrolle komplett an die Blues, die sehr viel mehr unter Druck stehen würden als Aston Villa. Guus Hiddink stand zum ersten Mal an der Seitenlinie für die Londoner und musste auf den gesperrten Ashley Cole verzichten. Dafür kehrte John Terry nach abgelaufener Sperre ins Team zurück. Bei Aston Villa war die medizinische Abteilung vor allem mit zwei Spielern beschäftigt. Emile Heskey und James Milner, zuletzt in glänzender Form, waren fraglich vor dem Spiel.
Sonnenschein, blauer Himmel im Villa Park. Fast schon Frühling. Heskey und Milner wurden rechtzeitig fit, Carlos Cuellar bekam in der Defensive den Vorzug vor Ricardo Gardner. Für mich völlig überraschend spielte Paulo Ferreira für Ashley Cole auf links, im Sturm das Duo Drogba und Anelka. So ein bisschen schon die neue Handschrift von Guus Hiddink. Und die zeigte sich dann auch auf dem Platz. Chelsea war nicht wiederzuerkennen im Vergleich zu den Leistungen der Scolari-Ära. Schnell, direkt, flexibel mit Zug zum Tor. Man hat sehr früh das Kommando übernommen, was nicht heißen soll, dass Villa gar nicht an diesem Spiel teilnahm. Aber die besseren Chancen oder Chancen überhaupt hatte nur der FC Chelsea. Lampard zog im Mittelfeld die Fäden, Drogba und Anelka waren beide sehr engagiert. Bei Villa ging aus dem Spiel heraus so gut wie gar nichts. Umständlich beim letzten Platz in die Spitze, über die Flügel längst nicht so druckvoll wie gewohnt. Quasi folgerichtig dann auch die Führung der Gäste in der 19. Minute durch Nicolas Anelka. Lampard dribbelt sich durch zwei Villa-Spieler durch und hat dann noch das Auge für den in die Schnittstelle der Abwehr sprintenden Anelka, der per Lupfer über den herauseilenden Brad Friedel diesen wunderschönen Spielzug abschließt. Danach verstanden es die Blues die Räume sehr eng zu machen, Villa hatte wenig Platz zum Kombinieren. Die beste Chance der ersten Hälfte für Aston Villa deshalb auch nach einer Standardsituation. In der 33. Minute trifft Ashley Young mit einem tollen Freistoß nur die Querlatte. Das war dann zumindest so ein bisschen die Initialzündung für einen kleinen Schlussspurt gegen Ende der ersten Hälfte, aber wieder nur gefährlich nach Ecken und Freistößen, wenig Strukturiertes aus dem Spiel heraus. Aber man konnte Chelsea immerhin am eigenen Strafraum beschäftigen, zumal die Blues bei den Flanken alles andere als sicher wirkten. Insbesondere Peter Cech macht für micht seit Wochen alles andere als eine souveräne Figur bei hohen Bällen.
Also 1:0 zur Pause für die Gäste aus London, die sich klar formverbessert gezeigt haben. Villas Stärken wurden exzellent aus dem Spiel genommen. Ein Quantensprung gegenüber vorheriger Leistungen der Blues. Verdiente Führung für Chelsea, Villa konnte nur in den letzten 15 Minuten Druck auf den Kasten von Peter Cech ausüben. Und dass Villa in der zweiten Halbzeit durchaus Rückstände aufholen kann, weiß Arsenal London am besten.
Die Gastgeber kamen besser und zielstrebiger aus der Halbzeit, besonders über links brachte Villa mehr Druck auf Bosingwa, der sich unter Dauerbeschäftigung sah. Höhepunkt der Offensive nach der Halbzeit die Doppelchance in der 53. Minute, als erste Agbonlahor völlig freistehend an Cech scheiterte und nach der anschließenden Ecke Millner völlig frei nicht das Tor traf, sondern den Fuß von Drogba. Danach verflachte die Partie, Villa bekam wieder den Trott der ersten 30 Minuten, Chelsea nahm nicht die letzte Konsequenz auf ein 2:0 zu gehen. So schwebte das Spiel so vor sich hin. 20 Minuten vor Schluss war es eine Glanzparade von Cech nach tollem Schuss von Barry, der die Fans im Villa Park wieder aufwachen ließ. Martin O’Neill setzte alles auf eine Karte, brachte mit John Carew einen Stürmer für Curtis Davies. 20 Minuten vor Schluss war die Partie weitesgehend ausgeglichen, aber insgesamt war die zweite Hälfte nicht mehr wirklich anzuschauen. Es wirkte teilweise so, als befinde man sich noch in der Findungsphase dieses Spiels, zu viele Fehler und Ungenauigkeiten auf beiden Seiten. Villa versuchte zwar immer wieder mal nach vorne zu spielen, aber alles wirkte zu zaghaft, Peter Cech wurde kaum geprüft. Chelsea spielte das dann mehr oder weniger locker und lässig über die Zeit.
Alles in Allem gewinnt der FC Chelsea also verdient bei Aston Villa mit 1:0. In der Tabelle überholt man das Team von Martin O’Neill und ist jetzt Dritter. Guter Einstand für Guud Hiddink, der – so scheint es – Chelsea wieder mehr Leben und Leidenschaft auf dem Spielfeld vermitteln konnte, und wenn es als positives Beispiel auch nur die Spieler auf der Torlinie bei gegnerischen Ecken sind. Wir haben heute nicht die Villens gesehen, die zu Recht dort oben spielen. Aber es kann ja auch nicht immer klappen. Heute hatte man sich das Glück auch nicht erarbeitet. Villa verliert zum ersten Mal seit dem 9. November 2008.
Am angenehmsten für viele Fans war in der zweiten Halbzeit der Sonnenschein und die 12 Grad im Villa Park.

