Nachdem Manchester United am Samstagabend mehr oder weniger souverän die Blackburn Rovers mit 2:1 besiegte und damit den Vorsprung in der Tabelle auf den FC Liverpool auf acht Punkte vergrößerte, war der FC Liverpool heute im Heimspiel gegen Manchester City gefordert nachzulegen. Alles andere als drei Punkte wären eine kleine Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen in der Premier League. Und die Voraussetzungen für die Reds waren rein statistisch gesehen gar nicht so schlecht. Seit 23 Spielen hat man an der Anfiel Road nicht mehr verloren, Manchester City gewann diese Saison bisher nur ein Auswärtsspiel und hat zuletzt in der Fremde stets fürchterliche Leistungen abgeliefert.
Die Reds mussten aber auf zwei absolute Leistungsträger verzichten. Steven Gerrard und Xabi Alonso fehlten verletzt beziehungsweise gesperrt. Kuyt stürmte neben Fernando Torres, Mascherano und Lucas übernahmen die zentralen Rollen im Mittelfeld. Mark Hughes stellte nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung” auf und bedorderte Steven Ireland in die Spitzen neben Robinho und Craig Bellamy.
Die erste Halbzeit gehörte in den ersten 30 Minuten ganz klar dem FC Liverpool. Man hatte mehr Ballbesitz, zeigte mehr Zug zum Tor, hatte aber nur wenige ganz große Torchancen. Die beste gab es nach knapp 20 Minuten, als eine Flanke von Dossena an Freund und Feind vorbeiging und letzlich erst auf der Linie von City geklärt werden konnte. Ansonsten agierte Liverpool aber zu umständlich in der Offensive. Fernando Torres sprang der Ball häufig zu weit weg vom Fuß, Riera vergab eine große Chance, weil er zu lange brauchte sich den Ball auf seinen starken linken Fuß zu legen. Von City war wenig zu sehen. Die Leistung glich den gewohnten Auftritten bei Auswärtsspielen. Erst nach einer halben Stunde hatte man urplötzlich die Führung auf dem Silberteller bekommen, als Ireland nach tollem Doppelpass das Zuspiel von Robinho wieder aufnimmt, aber kläglich an Reina scheiterte. Insgesamt keine wirklich gute Hälfte. Liverpool hätte aus den Chancen und den Spielanteilen sehr viel mehr machen müssen.
City kam besser aus der Halbzeit und ging gar nicht so unverdient in Führung in der 51. Minute. Robinho setzt auf links Vincent Kompany in Szene, der Bellamy findet. Der Schuss des Waliser wäre kein Problem für Reina gewesen, wäre nicht Alvaro Arbeloa in die Schussbahn gekommen und den Ball in hohem Bogen unhaltbar abfälscht. Die zweite gute Chance von City in diesem Spiel war gleichbedeutend mit der Führung. Danach war Liverpool komplett von der Rolle und jede Spitzenmannschaft – Manchester City ist das nicht – hätte hier den Reds schon den Knockout verpasst. Bezeichnend ein Schuss aus 30 Metern von Mascherano Mitte der zweiten Halbzeit weit über das Tor. Gerrard wurde schmerzlichst vermisst, kaum Kreativität und Spielfreude, kaum klare Chancen für die Gastgeber. Shay Given war nach 72 Minuten nicht einmal ernsthaft geprüft worden. Es ging wenig zusammen bei Liverpool und City bekam genau ihr Spiel. Halbwegs sicher stehen und den ein oder anderen Vorstoß nutzen für einen gefährlichen Konter. 15 Minuten vor Schluss – und Liverpool bekam immer noch nicht den Zug zum Tor. Der Meisterschaftszug schien abzufahren. Und auch wenn Liverpool in dieser Saison schon diverse Male nach Rückständen gewonnen hatte, eine Vietelstunde vor Schluss sah rein gar nichts danach aus. Das Spiel wurde ein bisschen hektischer und zerfahrener, alles sprach für Manchester City. Aurelio und Nabil El Zhar kamen in die Partie für Dossena und Riera – kaum positive Effekte. Fernando Torres stand alleine auf weiter Flur.
Liverpool schien am Boden – bis zur 78. Minute. Schneller Angriff über links – City passt überhaupt nicht auf – , Torres trifft in der Mitte die Flanke von Benayoun nicht richtig, aber Kuyt ist da und schiebt den Ball mit seinem siebten Saisontreffer über die Linie. Ausgleich 12 Minuten vor Schluss – und es sah gar nichts danach aus. Und Liverpool hatte noch genug Zeit für einen Siegtreffer, plötzlich suchte Liverpool auch wieder vermehrt den Weg nach vorne. Die Schlussoffensive begann. City stellte sich nur noch hinten rein und schlug lange Bälle auf Craig Bellamy, in der Hoffnung Liverpool auszukontern. Die Reds warfen mehr oder weniger alles nach vorne. Auch Benitez setzte alles auf eine Karte, brachte Babel als dritten Stürmer für Mascherano. Und fünf Minuten vor Schluss die beste Chance für Liverpool zum Sieg. Benayoun nimmt nach Kopfballablage von Torres den Ball volley, aber zu zentral auf das Tor, Shay Given reagiert glänzend. Von diesen Situationen gab es über das gesamte Spiel viel zu wenig. Drei Minuten Nachspielzeit wurden an der Anfiel Road angezeigt. City konnte den Ball in den letzten Minuten besser vom Tor fernhalten. Liverpool kam nur noch zu wenigen klaren Chancen.
Am Ende ein leistungsgerechtes 1:1, was für Liverpool natürlich viel zu wenig ist. In drei Wochen spielt man im Old Trafford. Schon dann kann sich fast endgültig entscheiden, wer englischer Meister wird. Sieben Punkte Vorsprung sind es aktuell. Und die Punktverluste von Liverpool heute waren absolut unnötig, weil man die wenigen Chancen nicht nutzte und überhaupt viel zu wenig Druck auf die City-Abwehr aufbaute. Schwere Zeiten für Liverpool. Die Diskussion um die Vertragsverlängerung mit Benitez, die Meisterschaft fast abgegeben und Mittwoch Champions League. Stürmische Zeiten an der Anfield Road.