Premier League 2008/2009 26. Spieltag, FC Liverpool – Manchester City 1:1

Nachdem Manchester United am Samstagabend mehr oder weniger souverän die Blackburn Rovers mit 2:1 besiegte und damit den Vorsprung in der Tabelle auf den FC Liverpool auf acht Punkte vergrößerte, war der FC Liverpool heute im Heimspiel gegen Manchester City gefordert nachzulegen. Alles andere als drei Punkte wären eine kleine Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen in der Premier League. Und die Voraussetzungen für die Reds waren rein statistisch gesehen gar nicht so schlecht. Seit 23 Spielen hat man an der Anfiel Road nicht mehr verloren, Manchester City gewann diese Saison bisher nur ein Auswärtsspiel und hat zuletzt in der Fremde stets fürchterliche Leistungen abgeliefert.

Die Reds mussten aber auf zwei absolute Leistungsträger verzichten. Steven Gerrard und Xabi Alonso fehlten verletzt beziehungsweise gesperrt. Kuyt stürmte neben Fernando Torres, Mascherano und Lucas übernahmen die zentralen Rollen im Mittelfeld. Mark Hughes stellte nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung” auf und bedorderte Steven Ireland in die Spitzen neben Robinho und Craig Bellamy.

Die erste Halbzeit gehörte in den ersten 30 Minuten ganz klar dem FC Liverpool. Man hatte mehr Ballbesitz, zeigte mehr Zug zum Tor, hatte aber nur wenige ganz große Torchancen. Die beste gab es nach knapp 20 Minuten, als eine Flanke von Dossena an Freund und Feind vorbeiging und letzlich erst auf der Linie von City geklärt werden konnte. Ansonsten agierte Liverpool aber zu umständlich in der Offensive. Fernando Torres sprang der Ball häufig zu weit weg vom Fuß, Riera vergab eine große Chance, weil er zu lange brauchte sich den Ball auf seinen starken linken Fuß zu legen. Von City war wenig zu sehen. Die Leistung glich den gewohnten Auftritten bei Auswärtsspielen. Erst nach einer halben Stunde hatte man urplötzlich die Führung auf dem Silberteller bekommen, als Ireland nach tollem Doppelpass das Zuspiel von Robinho wieder aufnimmt, aber kläglich an Reina scheiterte. Insgesamt keine wirklich gute Hälfte. Liverpool hätte aus den Chancen und den Spielanteilen sehr viel mehr machen müssen.

City kam besser aus der Halbzeit und ging gar nicht so unverdient in Führung in der 51. Minute. Robinho setzt auf links Vincent Kompany in Szene, der Bellamy findet. Der Schuss des Waliser wäre kein Problem für Reina gewesen, wäre nicht Alvaro Arbeloa in die Schussbahn gekommen und den Ball in hohem Bogen unhaltbar abfälscht. Die zweite gute Chance von City in diesem Spiel war gleichbedeutend mit der Führung. Danach war Liverpool komplett von der Rolle und jede Spitzenmannschaft – Manchester City ist das nicht – hätte hier den Reds schon den Knockout verpasst. Bezeichnend ein Schuss aus 30 Metern von Mascherano Mitte der zweiten Halbzeit weit über das Tor. Gerrard wurde schmerzlichst vermisst, kaum Kreativität und Spielfreude, kaum klare Chancen für die Gastgeber. Shay Given war nach 72 Minuten nicht einmal ernsthaft geprüft worden. Es ging wenig zusammen bei Liverpool und City bekam genau ihr Spiel. Halbwegs sicher stehen und den ein oder anderen Vorstoß nutzen für einen gefährlichen Konter. 15 Minuten vor Schluss – und Liverpool bekam immer noch nicht den Zug zum Tor. Der Meisterschaftszug schien abzufahren. Und auch wenn Liverpool in dieser Saison schon diverse Male nach Rückständen gewonnen hatte, eine Vietelstunde vor Schluss sah rein gar nichts danach aus. Das Spiel wurde ein bisschen hektischer und zerfahrener, alles sprach für Manchester City. Aurelio und Nabil El Zhar kamen in die Partie für Dossena und Riera – kaum positive Effekte. Fernando Torres stand alleine auf weiter Flur.

Liverpool schien am Boden – bis zur 78. Minute. Schneller Angriff über links – City passt überhaupt nicht auf – , Torres trifft in der Mitte die Flanke von Benayoun nicht richtig, aber Kuyt ist da und schiebt den Ball mit seinem siebten Saisontreffer über die Linie. Ausgleich 12 Minuten vor Schluss – und es sah gar nichts danach aus. Und Liverpool hatte noch genug Zeit für einen Siegtreffer, plötzlich suchte Liverpool auch wieder vermehrt den Weg nach vorne. Die Schlussoffensive begann. City stellte sich nur noch hinten rein und schlug lange Bälle auf Craig Bellamy, in der Hoffnung Liverpool auszukontern. Die Reds warfen mehr oder weniger alles nach vorne. Auch Benitez setzte alles auf eine Karte, brachte Babel als dritten Stürmer für Mascherano. Und fünf Minuten vor Schluss die beste Chance für Liverpool zum Sieg. Benayoun nimmt nach Kopfballablage von Torres den Ball volley, aber zu zentral auf das Tor, Shay Given reagiert glänzend. Von diesen Situationen gab es über das gesamte Spiel viel zu wenig. Drei Minuten Nachspielzeit wurden an der Anfiel Road angezeigt. City konnte den Ball in den letzten Minuten besser vom Tor fernhalten. Liverpool kam nur noch zu wenigen klaren Chancen.

Am Ende ein leistungsgerechtes 1:1, was für Liverpool natürlich viel zu wenig ist. In drei Wochen spielt man im Old Trafford. Schon dann kann sich fast endgültig entscheiden, wer englischer Meister wird. Sieben Punkte Vorsprung sind es aktuell. Und die Punktverluste von Liverpool heute waren absolut unnötig, weil man die wenigen Chancen nicht nutzte und überhaupt viel zu wenig Druck auf die City-Abwehr aufbaute. Schwere Zeiten für Liverpool. Die Diskussion um die Vertragsverlängerung mit Benitez, die Meisterschaft fast abgegeben und Mittwoch Champions League. Stürmische Zeiten an der Anfield Road.

Unterstützt Jens Weinreich !

Ich denke die Auseinandersetzung zwischen Theo Zwaniger und dem DFB mit dem freien Sportjournalisten Jens Weinreich dürfte den meisten Leser meines Blogs bekannt sein. Auch wenn ich darüber hier noch nie einen Beitrag geschrieben habe, habe ich die Diskussion mit sehr viel Aufmerksamkeit, Interesse und Sympathie für die Arbeit und das Handeln von Jens Weinreich verfolgt.

Und auch wenn es jetzt diesmal wieder nur ein paar Worte an dieser Stelle sind: Unterstützt Jens Weinreich !

Hallo, Echo?

“Und sie haben sich gefragt, warum es Bruce Darnell in der ARD nicht geschafft hat? Ich glaube sie haben es eben gesehen.”

Oliver Pocher zum Auftritt von Bruce Darnell bei der gestrigen Echo-Verleihung in Berlin

Und wenn ich schon so einen Spruch als Highlight einer 3-stündigen Sendung in Erinnerung behalte, dann sagt das vieles über die Qualität der Echo-Verleihung in der ARD aus. Es war sicherlich nicht alles schlecht gestern Abend. Die Live-Auftritte waren größtenteils wirklich gelungen, allen voran Udo Lindenberg, U2 und Razorlight, und auch Silbermond hat mir einigermaßen gefallen.

Aber ansonsten war es eine fürchterliche Show. Eine überforderte Barbara Schöneberger, die irgendwie das Ziel hatte Oliver Pocher an Sprüchen zu überbieten, versuchte cool, dynamisch und witzig zu wirken – und dabei grandios scheiterte. Wieso können Moderatoren nicht einfach so sein, wie sie wirklich sind? Warum muss man sich für solche Anlasse immer irgendwie verstellen? Absolut nicht nachvollziehbar. Oliver Pocher moderierte halt so wie er es auch sonst tut. Von daher fand ich das zwar kein wenig besser, aber eben glaubwürdiger und vorhersehbar. In so einer Show geht es ja in aller erster Linie um Musik und die Ehrung von Musikern. Die Moderatoren sollten eine angenehme Begleitung für den Abend sein, mehr nicht. Das hätten man den beiden vielleicht mal sagen sollen.

Na ja, und ich kann es bis heute nicht verstehen, dass da Musiker ans Mikrofon treten und nicht einen vollständigen Satz sagen können, nicht irgendetwas was außerhalb des “Hallo”, “danke” und “viel Spaß noch” ist. Keine Anekdote, keine kleine Geschichte. Furchtbar. Und die Laudatoren waren keineswegs besser. Irgendwas vorbereitet, spezifisch für “ihre” Kategorie, die sie vorstellen. Absolut null. Uninspiriert, wenig kreativ. Und was macht eigentlich Christian Wulff da? Entschuldigung, wenn ich das so drastisch sage, ich schätze Herrn Wulff für seine politische Arbeit, aber das gestern Abend war an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten.

Und wenn man es dann noch nicht mal schafft, zwei wichtige Kategorien wie unter anderem “Beste Gruppe Rock/Pop International” vorzustellen, ist das ein weiteres Armutszeugnis. Denn auf diese Kategorie hatte ich gewartet, weil Coldplay nominiert war. Ich wussste, dass sie wegen der bevorstehenden Australien-Tournee nicht in Berlin sein werden, aber ich dachte, man sagt wenigstens, dass sie den Echo bekommen haben und spielt eine kleine Videobotschaft sein. Beste Gruppe Rock/Pop International ist ja keine ganz unwichtige Kategorie, aber sie überhaupt nicht zu erwähnen, ist schon merkwürdig. Da musste ich erst im Internet nachschauen, ob Coldplay gewonnen haben. Das hat meine Ansicht über diesen Abend nicht gerade verbessert. Aber hauptsache Bruce Darnell darf fünf Minuten Müll zu Protkoll geben.

Die Zuschauer haben es der ARD gedankt, 1,5 Millionen Zuschauer weniger. Da wirbt man im Einspieler mit dem Slogan “wichtigster Musikpreis Europas” – was schon mal gar nicht sein kann, denn das ist der Brit Award – und dann kommen solche drei Stunden heraus. Wie gesagt, es war nicht alles schlecht, aber vieles. Die ARD hat sich keinen Gefallen getan das zu übertragen, wobei für die schlechten Dankesreden und Laudatoren kann der Sender nun nichts. Man feierte sich selbst gestern, aber der Großteil war wohl schon zu blind um zu sehen, wie schlecht diese Show wirklich war. Und wenn ich jetzt lese, dass die ARD eine Samstagabendshow mit Oliver Pocher plant, wird mir ganz übel. Aber gut, nach unten ist  noch ein bisschen Spielraum.