Hallo, Echo?

“Und sie haben sich gefragt, warum es Bruce Darnell in der ARD nicht geschafft hat? Ich glaube sie haben es eben gesehen.”

Oliver Pocher zum Auftritt von Bruce Darnell bei der gestrigen Echo-Verleihung in Berlin

Und wenn ich schon so einen Spruch als Highlight einer 3-stündigen Sendung in Erinnerung behalte, dann sagt das vieles über die Qualität der Echo-Verleihung in der ARD aus. Es war sicherlich nicht alles schlecht gestern Abend. Die Live-Auftritte waren größtenteils wirklich gelungen, allen voran Udo Lindenberg, U2 und Razorlight, und auch Silbermond hat mir einigermaßen gefallen.

Aber ansonsten war es eine fürchterliche Show. Eine überforderte Barbara Schöneberger, die irgendwie das Ziel hatte Oliver Pocher an Sprüchen zu überbieten, versuchte cool, dynamisch und witzig zu wirken – und dabei grandios scheiterte. Wieso können Moderatoren nicht einfach so sein, wie sie wirklich sind? Warum muss man sich für solche Anlasse immer irgendwie verstellen? Absolut nicht nachvollziehbar. Oliver Pocher moderierte halt so wie er es auch sonst tut. Von daher fand ich das zwar kein wenig besser, aber eben glaubwürdiger und vorhersehbar. In so einer Show geht es ja in aller erster Linie um Musik und die Ehrung von Musikern. Die Moderatoren sollten eine angenehme Begleitung für den Abend sein, mehr nicht. Das hätten man den beiden vielleicht mal sagen sollen.

Na ja, und ich kann es bis heute nicht verstehen, dass da Musiker ans Mikrofon treten und nicht einen vollständigen Satz sagen können, nicht irgendetwas was außerhalb des “Hallo”, “danke” und “viel Spaß noch” ist. Keine Anekdote, keine kleine Geschichte. Furchtbar. Und die Laudatoren waren keineswegs besser. Irgendwas vorbereitet, spezifisch für “ihre” Kategorie, die sie vorstellen. Absolut null. Uninspiriert, wenig kreativ. Und was macht eigentlich Christian Wulff da? Entschuldigung, wenn ich das so drastisch sage, ich schätze Herrn Wulff für seine politische Arbeit, aber das gestern Abend war an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten.

Und wenn man es dann noch nicht mal schafft, zwei wichtige Kategorien wie unter anderem “Beste Gruppe Rock/Pop International” vorzustellen, ist das ein weiteres Armutszeugnis. Denn auf diese Kategorie hatte ich gewartet, weil Coldplay nominiert war. Ich wussste, dass sie wegen der bevorstehenden Australien-Tournee nicht in Berlin sein werden, aber ich dachte, man sagt wenigstens, dass sie den Echo bekommen haben und spielt eine kleine Videobotschaft sein. Beste Gruppe Rock/Pop International ist ja keine ganz unwichtige Kategorie, aber sie überhaupt nicht zu erwähnen, ist schon merkwürdig. Da musste ich erst im Internet nachschauen, ob Coldplay gewonnen haben. Das hat meine Ansicht über diesen Abend nicht gerade verbessert. Aber hauptsache Bruce Darnell darf fünf Minuten Müll zu Protkoll geben.

Die Zuschauer haben es der ARD gedankt, 1,5 Millionen Zuschauer weniger. Da wirbt man im Einspieler mit dem Slogan “wichtigster Musikpreis Europas” – was schon mal gar nicht sein kann, denn das ist der Brit Award – und dann kommen solche drei Stunden heraus. Wie gesagt, es war nicht alles schlecht, aber vieles. Die ARD hat sich keinen Gefallen getan das zu übertragen, wobei für die schlechten Dankesreden und Laudatoren kann der Sender nun nichts. Man feierte sich selbst gestern, aber der Großteil war wohl schon zu blind um zu sehen, wie schlecht diese Show wirklich war. Und wenn ich jetzt lese, dass die ARD eine Samstagabendshow mit Oliver Pocher plant, wird mir ganz übel. Aber gut, nach unten ist  noch ein bisschen Spielraum.

Tags » «

Autor: medispolis
Datum: Sonntag, 22. Februar 2009 11:02
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: TV und Radio

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

4 Kommentare

  1. 1

    Who the fuck ist Oliver Pocher? Wer bestimmt, dass dieser Clown so eine Show moderieren darf? Es ist eine Frechheit für die Künstler und für den Zuschauer. Kein Wunder, dass die Einschaltquoten den Bach runtergehen.

    AntwortenAntworten
  2. 2

    Lassen wir Thomas Schreiber, ARD-Koordinator für Unterhaltung, sprechen:

    “Dass die beiden Wunschkandidaten für die Moderation zugesagt haben, ist ein Traum. Einzeln ist jeder eine Klasse für sich, im Doppel sind sie unschlagbar: souverän und spontan, mit profunder Kenntnis der Musikszene und viel Humor.”

    AntwortenAntworten
  3. 3

    Naja, habe die Show nicht gesehen, aber zumindest die Besetzung des Showteiles laß sich doch recht ordentlich.

    Was ich mich aber frage, sind zwei andere Dinge:

    1. Warum muss dafür Geld ausgegeben werden, dass René Kindermann, am Vortag noch in Liberec und am Tag danach wieder, hin- und herreisen kann, nur um nach der Show einige belanglose Interviews auf dem lila Teppich führen zu dürfen?

    2. Wieso müssen während der Sportschau zwei gerade der Pubertät entkommene (wohlgemerkt geistig, physisch waren die Gestalten schon mindestens 35) “Star-Reporter”, die vorher nie jemand gesehen hat, den Stars auf dem Teppich das Mikrofon unter die Nase halten??? Ich will es nicht Interview nennen. Gottseidank hat die Regie dem Treiben ein Ende gesetzt, indem einfach die beiden Spinner ausgeblendet wurden.

    AntwortenAntworten
  4. 4

    Habe mir den Echo leider auch angetan. Als ich Pocher und die Schöneberger gesehen habe, war mir schon schlecht. Krönung war dann der moment, als Herr Pocher meinte er müssen den 20.04 als Feiertag ansehen.

    Dazu Laudatoren die sagen “Ja das sind die nominierten in der Kategorie xy” und “Der Gewinner ist: xy” … bitter! Und dann gleich zu Beginn ein Godoj der eigentlich keine Ahnung hat, warum er den verdient hat – wieso bekommt er ihn dann?!

    Schade …

    AntwortenAntworten

Kommentar abgeben