Beiträge vom 5. März 2009

Premier League 2008/2009 – Die Liga nach Spieltag 28

Donnerstag, 5. März 2009 23:02

Ich bin sicherlich nicht der einzige, der Raphael Honigstein für einen exzellenten Journalisten hält. Nicht nur für seine wöchentliche Spox-Kolumne, sondern weil er einer der wenigen seiner Zunft ist, der die aktuelle finanzielle Lage der Premier League von allen Seiten beleuchtet und nicht in den großen Chor der Hasser, Pessimisten und Besserwisser eintritt.

Das musste vorneweg einmal gesagt werden. Kommen wir zum Sportlichen. Unter der Woche hielt die Premier League einen kompletten Spieltag ab, für die meisten ist jetzt wegen FA-Cup am Wochenende Pause, Zeit also für die meisten Klubs – wie Martin O’Neill von Aston Villa gesagt – einige Dinge zu analysieren, sacken zu lassen und zu überdenken.

Falls noch irgendjemand Zweifel hat, dass Manchester United nicht englischer Meister wird, der möge sich bitte in den Kommentaren unten eintragen. Immerhin hat man jetzt seit 14 Ligaspielen mal wieder ein Gegentor kassiert, aber ansonsten gibt es wenig Anzeichen, dass Manchester United sportlich einbricht. Auch ein schwer zu bespielener Boden in Newcastle, ein frühes Gegentor und ein starker Gegner konnten den Auswärtssieg nicht verhindern. Man hat jetzt wieder sieben Punkte Vorsprung auf Liverpool und Chelsea, bei einem Spiel weniger wohlgemerkt. Samstag in einer Woche empfängt man im Old Trafford den FC Liverpool. Sollte auch dieses Spiel gewonnen werden, kann der Sekt für Ende Mai zumindest schon mal vorbestellt werden. Zumindest noch in entfernter Reichweite zur Tabellenspitze bleiben Chelsea und Liverpool. Beide Teams kamen zu unspektakulären Pflichtsiegen. Keine große Leistung, aber drei Punkte. Kein Grund überschwänglich zu werden. Aber den hat man ja momentan sowieso nicht.

Um den vierten Platz ist hingegen wieder ein Zweikampf entstanden. Für Aston Villa war der Februar mit UEFA-Cup, Premier League und FA-Cup wohl etwas zu viel. Man kann spielerisch und auch körperlich nicht mehr mithalten. Wenn die beiden späten Gegentore gegen Stoke City ein erster Gradmesser waren, kam die gestrige Leistung gegen Manchester City als weiterer Anhaltspunkt dazu. Villa scheint die Luft auszugehen. Das, was die Pessimisten gegen Jahresende eigentlich schon erwartet hatten, dürfte jetzt eingetreten sein. Nutznießer könnte der FC Arsenal sein, die souverän mit 3:1 bei West Bromwich Albion siegten. Wobei bei den Gunners würde ich erstmal die nächsten Heimspiele abwarten. Für die Baggies von Trainer Mowbray wird die Lage hingegen immer dramatischer. Sechs Punkte sind es bis zum rettenden Ufer. Und die Leistungen der vergangenen Wochen geben praktisch keinen Anlass zu hoffen, dass dieser Rückstand aufgeholt werden kann, zumal die Konkurrenz punktet. Man scheint sich dessen bewusst.

Everton und Blackburn trennten sich 0:0, was keinen so wirklich hilft. Die Toffees verpassten es so Anschluss an Arsenal zu halten, die Rovers bleiben auf einem Abstiegsplatz. Man City konnte sich durch den Sieg gegen Aston Villa endgültig im Mittelfeld der Tabelle platzieren, ebenso West Ham United durch das 1:0 bei Wigan Athletic, mit freundlicher Unterstützung vom Schiedsrichter.

Einmal kräftig durchatmen im Abstiegskampf heißt es für die Tottenham Hotspur nach dem 4:0 gegen den FC Middlesbrough, die ihrerseits nach dem Sieg gegen Liverpool vom letzten Wochenende wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Es war die beste Leistung der Spurs seit langer Zeit, insbesondere in der ersten Hälfte. Nach 40 Minuten führte man bereits mit 3:0 nach Toren von Keane, Pavlyuchneko und Lennon. Genau diese Achse soll die Spurs in der Premier League halten, leider hat sie das in den letzten Wochen viel zu selten gezeigt. Wenn Tottenham jetzt noch etwas Zählbares aus dem Nachholspiel am Samstag gegen Sunderland mitnehmen kann, hat man erstmals ein kleines Polster auf die Abstiegsplätze.

Ins Nachholspiel müssen nächste Woche auch der FC Fulham und die Blackburn Rovers. Fulham verlor gestern überraschend mit 1:0 zuhause gegen Hull City. Der Aufsteiger mit dem ersten Sieg seit dem Nikolaustag. Und glücklich war er obendrein. Fulham hat wie üblich zuhause die 90 Minuten bestimmt, teilweise dominiert. Für Hull ein kleiner Schritt Richtung Klassenerhalt, für Fulham wird es insoweit ein Rückschlag, wenn man das Nachholspiel gegen die Rovers auch verliert. Mit null Punkten aus diesen beiden Spielen hatte man sicherlich nicht kalkuliert. Stoke City konnte einmal mehr seine Heimstärke unter Beweis stellen und schlug Bolton mit 2:0. Heimsiege sichern zwar keinen Klassenerhalt, sind aber ein wichtiger Grundstein dafür. Und der könnte den positiven Ausgang für Stoke City bedeuten.

So, am 14. März geht es weiter. Bis dahin Zeit zum analysieren, sacken lassen und überdenken.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Opel-Krise und Twittern

Donnerstag, 5. März 2009 21:23

Gerade das SPIEGEL-Interview mit Franz Müntefering gelesen. Darin erklärt er doch in einem Nebensatz, dass nicht alle Themen sich zum Twittern eignen. Zum Beispiel die Opel-Krise nicht. Ist ja auch ein bisschen zu komplex für 140 Zeichen. Aber warum gerade Franz Müntefering so gut einschätzen kann, was sich zum Twittern eignet oder nicht, ist mir auch zu komplex.

Thema: Wirtschaft, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Das geschätzte Alter von 25 Jahren

Donnerstag, 5. März 2009 15:24

Gerade per Pressemitteilung von der Bundesregierung in meinem Mail-Ordner gelandet:  Kein Alkohol für Jugendliche an Tankstellen. Tankstellenbranche einigt sich auf einen Aktionsplan

Ich zitiere aus der Pressemitteilung:

“Tankstellenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter erhalten ein online-basiertes Schulungsinstrument. So können sie vor Ort ihr Wissen überprüfen, zum Beispiel: Für welche Getränke gelten welche Altersgrenzen? Wie verhalte ich mich gegenüber uneinsichtigen Kundinnen und Kunden? [...]

Bis Ende dieses Jahres sollen bei rund 30 Prozent der Tankstellen elektronische Warnhinweise in die Kassen eingebaut werden, die beim Einscannen die Altersbegrenzung anzeigen. Das Kassenpersonal wird angehalten, sich von jungen Erwachsenen bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren den Ausweis zeigen zu lassen.

Wenn ich schon lese, dass das Kassenpersonal “angehalten” werden soll zu kontrollieren, wird das erstens überhaupt nicht geschehen. Und zweitens finde ich die Begrenzung bis 25 Jahre ja fast schon frech. Ich denke, man kann einen 15-jährigen von einem 25-jährigen problemlos unterscheiden. Mal sehen, ob manche Inhaber so mutig sind, sich den Ausweis von einem 25-jährigen zeigen zu lassen.

Und wenn ich mir gerade die Ergebnisse von Testkäufern bezüglich Alkohol in Hanover durchgelesen habe, sollten wohl eher die kleinen Trinkhallen Auflagen bekommen. Aber man kann es ja an den Tankstellen einmal versuchen.  Ich wette, es bringt gar nichts.

Thema: Politik National | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Drei Dinge, die mich derzeit an der Großen Koalition nerven

Donnerstag, 5. März 2009 9:48

1. Alle sehnen sich das Ende herbei

Gestern Abend beim Spitzentreffen von CDU/CSU und SPD im Kanzleramt war es ja mehr als offensichtlich. Die Große Koalition ist nicht mehr gewillt und in der Lage Politik für Deutschland zu machen. Bisschen Kompromiss bei den Gehältern für Managern, man hat sich das Umweltgesetzbuch noch einmal angeschaut. Das war es dann auch schon. Angesichts der Probleme und Herausforderungen, die Deutschland in der Zukunft vor sich hat, ist das schlicht und ergreifend ein Armutszeugnis. Liebe Politiker, die Legislaturperiode endet Ende September. Und jetzt einigt man sich Anfang März (!) darauf, dass man keine großen Projekte mehr angehen möchte. Was machen Sie denn bis zu den Sommerferien im Juni? Die Große Koalition hat einen Wählerauftrag. Der endet aber im September, nicht im März. Ich könnte jetzt eine Liste von Problemen aufzählen, wo ich Handlungsbedarf sehe, wo man sich bis Juni sicherlich auf Lösungen verständigen könnte, wenn man denn wollte. Stattdessen scheint man jetzt zu denken, dass sich alle Probleme, nachdem man einmal 50 Milliarden Euro locker gemacht hat, alle Probleme von selbst auflösen. So viel Optimismus in allen Ehren, aber das ist schlicht unrealistisch und fahrlässig. Ich hätte mir von der Großen Koalition gewünscht, dass sie in diesen schwierigen Zeiten Verantwortung übernimmt, sich auf neue Konzepte und Ideen einigt und die Chance nutzt bis zum Sommer als Große Koalition wichtige Reformen anzugehen. Doch diese Möglichkeit hat man verpasst.

2. CDU und CSU beschäftigen sich mehr mit sich selbst als mit den Problemen im Land

Ich weiß nicht, ob die CSU Minderwertigkeitskomplexe in Bayern hat, aber dieses ganze Machtgezerre, diese ständigen Streitereien zwischen CDU und CSU gehen mir gehörig auf den Wecker, weil man immer mehr den Eindruck bekommt, die Schwesterparteien sind stets nur mit sich selbst beschäftigt als mit den dringenden Problemen und Herausforderungen in Deutschland. Das fing mit den Machtspielchen zwischen Merkel, Glos und Seehofer an und geht jetzt in den erneuten Auseinandersetzungen weiter. Sobald die CDU auch nur mal ein oder zwei Prozentpunkte in den Umfragen verliert, stellt die CSU in Bayern nahezu alles in Frage, kritisiert die Kanzlerin. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit, bis sich CSU und CDU wieder im Clinch befinden. Stattdessen sollten beide Parteien sich auf die Arbeit in der Großen Koalition konzentrieren.

3. Politiker der Großen Koalition denken nur an ihre Wiederwahl

Ich wollte erst schreiben, dass Politiker nur an sich selbst denken, aber das finde ich zu drastisch formuliert, weil es viele gute und fleißige Politiker gibt. Aber es ist ja ganz offensichtlich, dass bei SPD und CDU/CSU alle Augen schon auf den Wahltermin gerichtet sind. Bloß keine Probleme mehr lösen, bloß keine Wählergruppen verärgern (dabei frage ich mich gerade, welche Wählergruppen man beiden Parteien überhaupt noch definitiv zuordnen kann), bloß keine Reformen verabschieden, die einem möglicherweise um die Ohren fliegen könnten. Meiner Meinung nach ist die Haltung der Großen Koalition mehr als nur kontraproduktiv. Ich glaube, die Wähler sehen sehr genau, ob CDU/CSU und SPD Probleme lösen und Lösungen entwickeln, oder die Zeit bis zum Wahltermin aussetzen. Die Umfrageverluste für die Union könnten dafür ja schon ein erster Ansatzpunkt sein, wenngleich es für einen Trend sicherlich zu früh ist. Aber, liebe Politiker, Vertrauen, Unterstützung und Zustimmung bekommt man nicht, wenn man sich immer nur auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner einigt, sondern mit seinem Wählerauftrag verantwortungsvoll umgeht und die ganze Legislaturperiode – zumindest bis zu den Sommerferien im Juni/Juli – nutzt aktiv Politik zu gestalten.

Ich bin gespannt, inwieweit die Große Koalition die nächsten Monate zusammenarbeitet. Sollte sie so weitermachen wie in der vergangenen Nacht, wage ich einmal die Prognose, dass das beiden Parteien eher schadet als nützt. Davon profitieren könnten vor allem die FDP, die Grünen und vielleicht auch die Linkspartei. CDU/CSU und SPD haben es selbst in der Hand ihre Chancen auf ein gutes Wahlergebnis zu verbessern – durch gute Politik. Bis zum Ende der Legislaturperiode.

Thema: Bundestagswahl 2009, Politik National | Kommentare (0) | Autor: medispolis