Vor dem Playoff-Viertelfinale in der DEL
Morgen beginnt dann die Crunch Time in der Deutschen-Eishockey-Liga. Die Playoffs beginnen, in denen acht Teams um die deutsche Meisterschaft kämpfen. Läuft die Saison – auch von medialem Interesse und meiner Begeisterung – meist so vor sich hin, sind die Playoffs der Abschnitt, in dem Interesse, Berichterstattung und Intensität noch einmal deutlich zulegen. Alle zwei Tage wird gespielt, es gibt kein Penaltyschießen mehr. Sollte eine Partie nach 60 Minuten unentschieden stehen, wird solange weiter gespielt, bis ein Tor fällt. Der Sudden-Death entscheidet dann das Spiel. Das keine eine durchaus lange Angelegenheit werden. Letztes Jahr dauerte die Partie zwischen Köln und Mannheim fast drei Stunden reine Spielzeit. Nach 60 Minuten stand es 4:4, erst in der 168. Minute erzielte Köln in der sechsten Verlängerung durch Philip Gogulla den Siegtreffer. Es war bereits nach Mitternacht. Und genau solche Ereignisse machen die Playoffs in der DEL nach der eher langen und durchschnittlichen Saison zu einem absoluten Krimi. Hoffen wir, dass es diesmal auch so wird.
#1 Eisbären Berlin – #8 Hamburg Freezers
Der Titelverteidiger wurde auch Meister der regulären Saison 2008/2009, wenngleich erst gegen Ende der Saison die Eisbären ihre beste Leistung zeigten. Unter anderem gewann man die wichtigen Duelle in Hannover und Mannheim. Dass bei den Eisbären aber auch nicht alles nach Plan lief, zeigten unter anderem die Heimniederlage gegen das Schlusslicht Duisburg oder auch die drei Niederlagen gegen die Hannover Scorpions, davon zwei vor eigenem Publikum. Betrachtet man aber die gesamte Saison war das Team von Trainer Don Jackson das konstanteste Team und verdient auf dem ersten Platz. Die Eisbären sind über Jahre hinweg jetzt der Maßstab in der DEL und haben ganz eindeutig die besten Einzelspieler in ihrem Kader, allen voran die Sturmreihe mit Denis Pederson, Steve Walker und Nathan Robinson. Der Gegner der Eisbären sind völlig überraschend die Hamburg Freezers mit dem Comeback der diesjährigen DEL-Saison. Nach einer ganz schwachen ersten Saisonhälfte stand man Anfang Februar noch weit entfernt von den Playoffs und hatte alles andere als einen leichten Spielplan vor sich, man gewann aber die Spiele gegen Hannover und in Düsseldorf, Partien, die man in der ersten Saisonhälfte noch deutlich verloren hat. Locker erreichte man dann die Pre-Playoffs, lag aber im Duell mit den Frankfurt Lions schnell 0:2 zurück, drehte die Partie dann aber noch zu einem 3:2. Die Freezers scheinen also zu allem fähig, Berlin sollte gewarnt sein.
#2 Hannover Scorpions – #7 Grizzly Adams Wolfsburg
Das beste Heimteam der Liga empfängt die zweitstärkste Heimmannschaft in der diesjährigen DEL-Saison. Man bräuchte sich also nicht unbedingt wundern, wenn die Serie über die vollen 7 Spiele geht und letzlich das Team ins Halbfinale einzieht, dass einmal auswärts gewinnen kann. Dass die Scorpions auswärts dazu in der Lage sind, haben sie mehrfach diese Saison unter Beweis gestellt, gegen Ende der Saison aber immer weniger. Beispielhaft die recht deutliche Niederlage im Pokalfinale in Wolfsburg, von daher schreiben die hannoverschen Medien schon von der Revanche für das verlorene Pokalfinale. Aber es ist viel mehr. Hannover hat für seine Maßstäbe eine überragende Saison gespielt, trifft jetzt im Viertelfinale aber so ein bisschen auf den Angstgegner, gerade die Spiele der Scorpions in Wolfsburg gehörten zu den schlechtesten Saisonleistungen. Es ist also nicht nur eine Revanche, vielmehr muss Hannover demonstrieren, dass die reguläre Saison keine Eintagsfliege war und man in den wichtigen Spielen eine Top-Leistung abrufen kann. Interessant wird zu sehen sein, wie die Scorpions ins erste Spiel kommen. Vorteil, weil länger ausgeruht oder Nachteil, weil man im Gegensatz zu den Grizzlys nicht im Spielrhythmus ist. Für zwei Spieler ist es ein ganz besonderer Moment. Kai Hospelt und Sebastian Furchner wechselten vor der Saison von Köln nach Wolfsburg. Im Nachhinein kann man beiden nur zu diesem Schritt gratulieren. Welche Faktoren könnten diese Derby-Serie entscheiden? Wolfsburg hatte in der regulären Saison zwei große Stärken: Sie bekamen wenig Strafen und gehören nach den Eisbären Berlin zu den effektivsten Teams in Überzahl. Wenn die Scorpions verhindern könnten, dass Wolfsburg viele Überzahlspiele bekommen, wäre man schon einen guten Schritt weiter. Und dann kommt es zu einem spannnden Duell in der Offensive. Die Grizzlys haben mit Jason Ulmer und Ken Magowan den Topscorer und den Toptorjäger in ihren Reihen. Auf Seiten der Scorpions ist das Pendant Eric Schneider, der eine überragende Saison spielt. Auch Tore Vikingstad ist nach seiner Verletzung zum Saisonbeginn in guter Form. Vorteil für die Scorpions könnte zudem die etwas größere Tiefe im Kader sein. Die 4. Reihe mit Martin Hinka und Rainer Köttstorfer hat schon einige Spiele diese Saison entscheiden können. Insgesamt aber alles offen. Könnte eine sehr spannende Serie werden, ich freue mich morgen auf den Abend in der Tui-Arena.
#3 DEG Metro Stars – #6 Krefeld Pinguine
Spiel 2, PREMIERE live, Sonntag ab 14:15 Uhr; Kommentar:
Wie praktisch, dass man mit einer U-Bahn, nämlich der U76 zwischen beiden Spielstätten hin und herpendeln kann. 25 Kilometer liegen zwischen dem ISS-Dome und dem Königpalast. Das kleine Derby am Rhein im Viertelfinale der Playoffs, für Düsseldorf geht es diesmal eher nach Norden, denn die Kölner Haie sind ja nicht dabei. Und wenn es eine Serie gibt, die für Verlängerungen prädestiniert ist, dann diese. Drei der vier Saisonspiele zwischen beiden Teams gingen in die Verlängerung. Einen sehr schönen Vorbericht zum Spiel gibt es bei der Rheinischen Post, überhaupt bekommt man den Eindruck, dass der Boulevard am Rhein schon seit Tagen das Duell hochkocken lässt. Und DEG-Kapitän Kreutzer gibt schon mal den Startschuss: “Ich will Meister werden.” Das wollen sie aber alle.
#4 Adler Mannheim – #5 Sinupret Ice Tigers Nürnberg
Spiel 1, PREMIERE live, Freitag ab 19:15 Uhr; Kommentar: Marc Hindelang
Soll man die Sinupret Ice Tigers aus Nürnberg als Favorit für diese Serie nennen? Immerhin gewannen sie alle vier Saisonspiele gegen Mannheim. Überhaupt sind die Adler von ihrer Bestform ein gutes Stück entfernt. Man wurde nur Vierter in der regulären Saison mit weitem Abstand zu Berlin und Hannover. Ende Februar trennte man sich nach fünf Niederlagen in sechs Spielen – darunter unter anderem bei den Kölner Haien - von Coach Dave King, der nur etwas mehr als ein Jahr bei den Adlern gearbeitet hat, aber sowieso am Saisonende aufgehört hätte. Jetzt durfte er etwas früher aufhören. Wie lange noch die Adler dabei sein werden, hängt vor allem davon ab, wie Interimstrainer Teal Fowler das Team in so kurzer Zeit wieder aufmuntern konnte. Es gibt sicherlich günstigere Zeitpunkte für einen Trainerrauswurf als direkt vor den Playoffs. 2006/2007 war diese Paarung übrigens das Finalspiel, danach gab es in jeder Saison das Aufeinandertreffen in den Playoffs. Alle Duelle gewannen die Adler Mannheim.
Als Nachtrag noch der Hinweis auf das spox-Interview mit Hans Zach.


Donnerstag, 12. März 2009 22:15
Ich denke, die Grizzly Adams haben eine sehr große Chance, die Serie zu gewinnen. Hannover machte in den letzten Spielen der Hauptrunde keinen so guten Eindruck mehr, und gegen Augsburg (okay, kein richtiger Maßstab) hat Wolfsburg gut gespielt.
Ansonsten wird es sowohl bei Mannheim-Nürnberg als auch Düsseldorf-Krefeld sehr eng. Mannheim traue ich trotz des Trainerwechsels einiges zu, ansonsten sehe ich die DEG vorne.
Nichts anbrennen wird für die Eisbären, bei allem Respekt, aber nach den fünf Spielen werden die Freezers von Beginn an Probleme haben, dafür ist Berlin einfach zu sehr abgekockt.
Schöne Vorschau!
Freitag, 13. März 2009 8:35
Im Prinzip stimme ich dir, was die Tendenz von Hannover und Wolfsburg angeht, durchaus zu. Die Scorpions hatten Ende Februar eine kleine Schwächephase, haben die letzten beiden Saisonspiele gegen Düsseldorf und Iserlohn aber sehr überzeugend gewonnen. Es wird eine enge Serie, aber das Spiel 1 von Wolfsburg gegen Augsburg hat gezeigt, wie man gegen Wolfsburg spielen muss. Möglichst wenig Strafen kassieren – und erstmal defensiv stehen. Und das war fast über die gesamte Saison eine der Stärken der Scorpions. Und wenn sie daran anknüpfen können, werden sie diese Serie auch gewinnen.