Die Hannover Scorpions siegen – und kaum einer möchte zuschauen
Gestern Abend Spiel 1 im Viertelfinale DEL-Playoffs 2009. Die Hannover Scorpions empfangen im Niedersachsen-Derby die Grizzly Adams Wolfsburg. In einem teilweise hochklassigen Eishockeyspiel, das mit viel Kampf, Leidenschaft und Einsatz geführt wurde, gewinnen die Scorpions am Ende ein bisschen glücklich mit 2:1 (1:0, 1:1, 0:0). Über die gesamten 60 Minuten hatte Wolfsburg etwas mehr vom Spiel und gerade zu Beginn auch die besseren Torchancen. Der Schlüssel zum Erfolg für die Scorpions war die exezellente Chancenverwertung (erste gute Chance im Spiel führte zur Führung) und die sehr stabile Defensive im 2. und 3. Drittel. Sogar im Power-Play kam Wolfsburg nur noch zu wenigen klaren Torchancen.
Es war ein schöner Abend. Tolles Publikum, wir hatten nette Sitznachbarn, außer, dass ich in der Drittelpause die Getränke holen musste, konnte ich mich über fast nichts beklagen. Trotzdem war ich innerlich ein bisschen traurig, weil so wenige Zuschauer gekommen sind. Da spielen die Hannover Scorpions ihre beste Saison in der Vereingeschichte, es gibt ein Derby zum Auftakt in die Playoffrunde – und am Ende kommen gerade einmal 5000 Zuschauer, davon vielleicht 150 aus Wolfsburg. 5000 Zuschauer bei einem Playoffspiel – da hatte es in den regulären Saisonspielen gegen Mannschaften wie Iserlohn oder Frankfurt mehr Zuschauer in die Tui-Arena gezogen. Dass diese 5000 Zuschauer ihre Mannschaft leidenschaftlich angefeuert haben und für eine tolle Stimmung gesorgt haben, hat das ganze ein wenig erträglicher gemacht. Und was man nicht vergessen darf: Gestern war Freitag, ich will nicht wissen, wieviele Zuschauer unter der Woche am Dienstag gegen Wolfsburg in der Tui-Arena sind.
Es gibt zumindest einen ganz offensichtlichen Grund für den geringen Zuschauerzuspruch: Die Preiserhöhung vor den Playoffs. Marco Stichnoth, Geschäftsführer der Hannover Scorpions, hat diesen Schritt in den Medien unter der Woche als “absolut notwendig” dargestellt, weil die Einnahmen aus den Ticketverkäufen zu gering seien. Heißt als Folge: Saftige Preiserhöhung für den Unterrang mit den besten Plätzen – und keine Ermäßigungen mehr im Unterrang, für den Mittelrang gibt es nur ein begrenztes Kontingent an ermäßigten Karten. Was man als Hintergrund wissen sollte: In der regulären Saison waren die Eintrittskontrollen sehr lasch, es war überhaupt kein Problem auch für Erwachsene mit ermäßigten Karten in die Arena zu kommen. Wundert sich bei den Hannover Scorpions jetzt noch jemand darüber, warum die Einnahmen aus den Ticketpreisen niedriger als erwartet waren?
Bis jetzt liest man noch keine Stellungnahmen des Vereins zu möglichen Änderungen bezüglich Ticketpreise. Für Spiel 3 am Dienstag ist eine Änderung ehe nicht mehr möglich, für ein mögliches Spiel 5 oder auch in einem Halbfinalspiel sollen die Kontingente für ermäßigte Karten im Mittelrang etwas erhöht werden.
Ob das für einen höheren Zuschauerzuspruch sorgt, halte ich für zweifelhaft. Für mich gibt es nur einen notwendigen Schritt: Ermäßigte Karten wieder für den Unterrang und eine Preissenkung auf das Niveau der regulären Saison. Wieso sollen jetzt einzelne Fangruppen, die nicht so viel bezahlen wollen, für Fehler des Managements bezüglich der Ticketkontrollen haften? Da schneiden sich die Hannover Scorpions ein bisschen ins eigene Fleisch. Ich glaube, man könnte insgesamt höhere Einnahmen aus den Ticketverkäufen erzielen, wenn 10.000 Leute in die Tui-Arena kommen und davon eben ein Drittel ermäßigte Karten im Unterrang verteilt werden. Und wenn man die Rechtmäßigkeit für den Besitz der ermäßigten Karten so streng kontrolliert wie gestern, dürfte es dort auch wenig Möglichkeiten geben zu schummeln. Es wäre für das Team und die Stimmung ein echter Segen, wenn man eine ausverkaufte Tui-Arena hätte. Doch mit der Ticketpolitik ist dies schwer vereinbar.
Das ist der eine Faktor. Und dann gibt es scheinbar immer in Hannover immer noch nicht ein Bewusstsein für die Erfolge der Hannover Scorpions, ein Desinteresse an Eishockey in der Stadt. Das ist aber eine andere Geschichte, auf die ich demnächst mal genauer schauen möchte.






