Beiträge vom 16. April 2009

Premier League 2008/2009 Preview 33. Spieltag – Gerüchteküche

Donnerstag, 16. April 2009 21:54

Es ist FA-Cup Wochenende. Arsenal spielt gegen Chelsea und Manchester United empfängt Everton. Beide Spiele finden in Wembley statt. Mehr zum FA-Cup in der Spox-Kolumne von Raphael Honigstein.

Deshalb gibt es an diesem Wochenende nur sieben Spiele in der Premier League, Fokus dabei ganz auf den Abstiegskampf. Die drei Spiele werden dann am Dienstag und Mittwoch nachgeholt. Zwei Spiele gibt es  live bei PREMIERE, unter anderem Liverpool gegen Arsenal. Mehr dazu am Dienstag im Live-Blogging.

FC Sunderland – Hull City

Ich hatte ja den FC Sunderland in meiner Voschauserie als klaren Abstiegskandidaten klassifiziert. Und im Moment spielen sie auch so. Gebe es auf dem Platz nicht schon genug Probleme, macht man jetzt eine weitere Baustelle auf. Lokale Medien berichteten unter der Woche, dass man im Umfeld des FC Sunderland an einem Rettungskonzept arbeite. Quintessenz: Trainer Ricky Sbragia wird entlassen, Alan Curbishley, ehemals West Ham, soll bis zum Ende der Saison die Black Cats retten. Das Dementi kam prompt. Der Chairman des FC Sunderland, Niall Quinn, hat gegenüber Sky Sports News Sbragia den Rücken gestärkt. Er wisse nicht, woher diese Gerüchte kämen. Sie helfen dem Klub nicht weiter. Und jetzt hat man eine lästige Diskussion vor dem enorm wichtigen Spiel gegen Hull City. Für Sunderland ein Must-Win Game. Mit einem Sieg würde auch Hull City ganz dicht an die Abstiegsränge rücken. Hull mit nur einem Sieg aus den letzten 16 Spielen.

FC Middlesbrough – FC Fulham

Middlesbrough mit dem überlebenswichtigen Sieg gegen Hull City am Wochenende, heißt, man hat den Rückstand auf rettende Ufer auf zwei Punkte verkürzt. Heißt aber auch, dass dieser Sieg nur etwas wert ist, wenn man am Samstagnachmittag auch den FC Fulham schlägt. Vor ein paar Wochen hätte ich sogar gesagt, dass Middlesbrough das auch in schwächerer Form schafft, weil Fulham auswärts gar nichts gerissen hat. Seit ein paar wochen ist das aber anders – und drei Punkte sind für Middlesbrough alles andere als selbstverständlich.

Stoke City – Blackburn Rovers

Wer hätte das zu Anfang der Saison gedacht, dass Stoke City am Wochenende mit einem Sieg den Klassenerhalt so gut wie perfekt machen kann? Wohl die wenigsten. Mit einem Sieg gegen die Rovers wäre man aber kurz davor. Blackburn immer noch akut abstiegsgefährdet und möchte die schlechteste Saisonbilanz seit dem Wiederaufstieg vor fünf Jahren vermeiden. Das geht nur mit einem Sieg.

FC Portsmouth – Bolton Wanderers

Portsmouth könnte mit einem Sieg punktemäßig mit Bolton gleichziehen, bei einem Dreier für die Wanderers wären sie so gut wie gesichert und Portsmouth weiter in großer Not. Pompey kann auf den nicht mehr gesperrten Glen Johnson zurückgreifen.

Aston Villa – West Ham United

Es war ein großartiges Spiel, das Aston Villa am letzten Sonntag mit dem FC Everton veranstaltete. Dank der Punkteteilung dürfte aber auch klar sein, dass der vierte Platz für die Villens in weiter Ferne gerückt ist, zumal in der aktuellen Form des FC Arsenal. Also geht es im Duell mit dem FC Everton nur noch um die Frage, wer Fünfter oder Sechster wird. Im Prinzip würde es keinen Unterschied machen. Man wäre für den UEFA-Cup qualifiziert. Und sollte der FC Everton ins FA-Cup Finale kommen, würde sogar der siebte Platz dafür reichen. Diesen Platz hat im Moment West Ham inne, aber dicht gefolgt von Fulham, tottenham und Wigan. Wenn man so will, hat West Ham schon etwas mehr Druck in diesem Spiel.

Tottenham Hotspur – Newcastle United

PREMIERE live, Sonntag ab 14:25 Uhr, Kommentar: Markus Gaupp

Vor ein paar Monaten standen die Tottenham Hotspur noch im Abstiegskampf, Newcastle war irgendwo im gesicherten Mittelfeld. Seitdem haben sich die Vorzeichen komplett geändert. Die Spurs können bereits für die neue Saison planen, Newcastle kämpft ums nackte Überleben. Der große Hoffnungsträger ist Alan Shearer, die Newcastle-Legende. Aber dass das alles kein Prozess ist, der beginnt, wenn man einmal mit dem Finger schnippt, hat auch Shearer erfahren müssen. Trotzdem geht er zuversichtlich in die Partie am Sonntag: “In der letzten halben Stunde gegen Stoke haben wir gezeigt, dass wir bereit sind für den Abstiegskampf. Wir haben auch gezeigt, dass wir spielerisch uns verbessert haben. Das gibt Selbstvertrauen.” Jetzt kommt die wirklich schwierige Aufgabe an der White Hart Lane. Bis jetzt steht für Shearer ein Punkt aus zwei Spielen zur Buche. Das ist eigentlich zu wenig. Und wenn es keine drei Punkte bei den Spurs gibt und Sunderland gegen Hull gewinnt, könnten es schon vier Punkte Rückstand sein. Nächstes Spiel für Newcastle dann gegen Portsmouth. Eigentlich braucht es sechs Punkte aus beiden Spielen.

Manchester City – West Bromwich Albion

Wenn West Brom es nochmal versuchen will ein bisschen Hoffnung im Abstiegskampf zu schöpfen, dann muss man bei City gewinnen. Für das Team von Mark Hughes geht es eigentlich um gar nichts mehr. Man steht im Mittelfeld der Tabelle. Mittelmaß, passt zur Saison in der Premier League.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Immer diese Umfragen und Stimmungen

Donnerstag, 16. April 2009 18:12

Ich finde es jeden Mittwochnachmittag immer wieder faszinierend, wie die wöchentliche Stern-Umfrage für Aufregung bei den Medien und Parteien sorgt. Pünktlich zur Mittagszeit kommen die neuen Umfrageergebnisse – und dann wieder interpretiert. Aus den Zahlen irgendetwas herausgezogen, eine neue Tatsache abgeleitet, eine neue Zukunftsprognose gegeben. Irgendetwas Neues, noch nie vorher Erwähntes, wird man mit den Zahle schon anfangen können. Und immer wird sich bemüht etwas neu zu interpretieren, was eigentlich im Vergleich zur Vorwoche nicht wirklich neu ist.

Seit Monaten ändert sich an den Umfragen fast gar nichts. Alle Parteien sind auf konstantem Niveau. Die CDU behauptet ihre Spitzenposition bei knapp 35 Prozent, die SPD liegt meist um die 25%, die FDP um die 16%, Grüne und Linkspartei bei 10%. Das geht jetzt schon mehrere Monate so, vielleicht mal eine Abweichung von einem Prozentpunkt nach oben oder unten. Trotzdem wird Woche für Woche eine neue Umfrage gestartet, was ja auch nicht weiter schlimm ist. Nur sollte man endlich mal erkannt haben, dass nur Veränderungen in Umfragen einer Interpretation bedürfen. Wenn Parteien auf gleichem Stimmenniveau verharren, braucht das keiner großen Erwähnung – und schon gar nicht der Interpretation der Vorwoche. Manchmal haben Umfragen eben keine neuen Erkenntnisse – und dann sollte man auch keine Neuigkeiten versuchen zu konstruieren. Und der Satz, dass die CDU von der Popularität Merkels nicht profitieren kann, wird sicherlich auch nur noch per copy and paste in die Texte übernommen. Vielleicht schaut man auch noch mal in die Meldungen von 2005 und ersetzt SPd einfach durch CDU und Schröder durch Merkel.

Gibt es also neue Erkenntnisse? Der Stern versucht es diese Woche trotzdem einmal wieder: Steinmeier steckt im Stimmungstief. Und was ist jetzt daran neu? Gut, er hat noch einmal zwei Punkte in der Popularität eingebüßt und liegt jetzt bei 22 Prozent. Aber mal ganz ehrlich? 22 oder 24 Prozent, so groß ist der Unterschied nicht. Und was macht man, wenn Steinmeier nächste Woche auf 24 Prozent wieder steigt. Titelt der Stern dann: Steinmeier verlässt das Stimmungstief. Es ist doch ganz offensichtlich: Im Moment sind die Stimmungen sehr konstant, es braucht also wirklich einschneidende Ereignisse um Veränderungen in der politischen Stimmung zu erzeugen. Sieht die jemand? Vielleicht sollte man in den Umfragen mal nach Motiven oder Handlungen fragen, die passieren müssen, damit die Wähler wieder wählen gehen beziehungsweise eine Partei wieder unterstützen.

Und damit diese Umfrage nicht völlig in der Bedeutungslosigkeit versinkt, hat man immerhin noch Forsa-Chef Manfred Güllner befragt. Güllner kommt doch auch gleich mit dem Hoffnungsanker für die SPD. Im Moment sind viele Nicht-Wähler ehemalige Wähler der SPD. Die Sozialdemokraten haben Wählerreserven, die sie nur mobilisieren müssen. Müsste das Ergebnis der Stern-Umfrage nicht also heißen: Steinmeier im Stimmungstief – aber er hat noch Reserven. Und obwohl Güllner der SPD ein bisschen Hoffnung macht, ist man bei den Sozialdemokraten gar nicht so gut auf Forsa zu sprechen.

Nächsten Mittwochmittag sind wir wieder ein bisschen schlauer.

Thema: Bundestagswahl 2009, Wahlen und Umfragen | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Bürgerbeteiligung in Europa beschränkt sich auf den Wahlgang

Donnerstag, 16. April 2009 12:04

Ich habe mir mittlerweile die beiden Grundsatzprogramme der SPD und der CDU zur Europawahl am 07. Juni durchgelesen. Was mir beim ersten Blick besonders aufgefallen ist, dass beide Parteien den Bürger in den Vordergrund stellen. Europa ist für den Bürger da, der Bürger solle sich in Europa entfalten, die Stärken Europas nutzen. Die Bürger sollen sich aktiv in einem demokratischen Europa einbringen.

Klingt alles ganz wunderbar. Nur schaffen es die Parteien wieder nicht in letzter Konsequenz sich dazu durchzuringen Volksentscheide über politische Entscheidungen in Europa einzufordern. Was bringt es ständig den Bürger in den Vordergrund zu stellen, wenn sich sein europapolitisches Engagement auf einen schlichten Wahlgang alle fünf Jahre reduziert? Das reicht meiner Meinung nach bei weitem nicht die vielen Entscheidungen der EU mit den erheblichen Effekten für nationalstaatliche Politik zu legitimieren. Was spricht dagegen die Bürger über Entscheidungen in der EU abstimmen zu lassen?

Die SPD spricht immerhin von einem langfristigen Ziel einer Bürgerunion und der Installation einer “europäischen Öffentlichkeit”. Dabei soll den europäischen Parteien die Integrationsrolle zufallen. Das ist ein richtiger Ansatz, aber eben auch nicht mutig genug. Eine europäische Öffentlichkeit wird man nur durch mehr Bürgerbeteiligung erreichen. Und diese erreicht man nur, wenn man den Bürgern in der EU das Gefühl gibt, dass sie auch Einfluss auf europäische Politik nehmen können. Ob das nun Volksentscheidungen sein müssen, lasse ich mal dahingestellt. Fest steht aber nur, dass beide Parteien der Großen Koalition dazu keine befriedigende Antworten finden.

Die CDU widmet sich einem stärkeren Einbezug der Bürger in europäische Entscheidungen überhaupt keinem Kapitel. Es bleibt bei der Floskel, dass man “um die Zustimmung der Bürger” für die Europapolitik kämpfen. Die CDU ruft am Ende die Bürger und Bürgerinnen auf am 07. Juni wählen zu gehen. Klingt ja schön.

Sowohl SPD und CDU greifen viele inhaltliche Themen auf, sei es Finanz- und Wirtschaftspolitik oder Außenpolitik. Beide Parteien wollen weiterhin eine europäische Verfassung, die CDU möchte ausdrücklich einen Gottesbezug in der Präambel. Beide Parteien sprechen von einer Richtungsentscheidung bei der Europawahl, die SPD stellt vor allem die soziale Rolle der EU heraus, die CDU eher die der Wirtschaftsunion, bekennt sich aber auch klar zu europäischer Integration.

Aber die alles entscheidene Frage, wie man die Bürger mehr für Europa begeistern kann, wie man eine höhere Wahlbeteiligung erzielen kann, wie man die Bürger für europäische Themen mehr sensibilisieren kann, wird von beiden Parteien nicht beantwortet. Man hat zwar Ziele, Instrumente und Strategien werden aber nicht erwähnt. Natürlich wären Volksentscheide über europapolitische Themen ein massiver Einschnitt, aber bei Wahlbeteiligungen von knapp 30% hat man ja auch nicht mehr allzu viel zu verlieren. Ich hätte mir gerne in dieser inhaltlichen Komponente mehr Mut gewünscht.

Thema: Politik International | Kommentare (3) | Autor: medispolis