Beiträge vom 29. April 2009

Präludium zum PolitCamp 2009

Mittwoch, 29. April 2009 22:23

Jetzt ist es also soweit: Am Wochenende findet das erste politische BarCamp in Deutschland statt, in Berlin, direkt am Ufer der Spree. Das Wetter soll großartig werden, es gibt viele interessante Themen und Gäste. Einem lebhaften und erkenntnisreichen Wochenende steht also kaum etwas im Wege. Und der HSV, Werder und Hertha BSC Berlin spielen ja auch erst Sonntagabend, ich kann den Fußball also komplett ausklammern. Und ich bin endlich mal wieder in einer der großartigsten Städte Europas. Auf meiner Beliebtheitsliste gleich hinter London. Und wenn das dann vom ÖPNV auch alles so klappt trotz diverser Baustellen und einer scheinbar nur pro Forma existierenden U-Bahn Stadion Jannowitzbrücke, nehme ich meine Zweifel auch gerne zurück.

Ich bin vor allem auf die beiden großen Programmpunkte, die Twitter-Session am Samstagvormittag und die “Elefanten-Session” mit den Wahlkampfleitern der Parteien am Sonntagvormittag, gespannt. Das soll aber die vielen kleineren Sessions in ihrer Wichtigkeit nicht überdecken, nur finde ich es interessant und gut, dass sich die Politiker an dem Dialog mit den interessierten Bürgern und Wählern stellen um über die wichtige Rolle des Internet für die politschen Parteien zu diskutieren. Ganz aktuell gibt es jetzt auch eine Session zu dem umstrittenen Thema Netzsperren. Da kann ich von der technischen Seite nur wenig beitragen, von daher hoffe ich darüber auch etwas mehr zu erfahren. Ich denke es gibt sicherlich auch viele Erfahrungsberichte aus der Welt des (Online-) Wahlkampfes.

Überhaupt finde ich es ein gutes Zeichen, dass fast 600 Teilnehmer zusammenkommen um über Politik und Wahlkampf im Internet zu sprechen. Natürlich gibt es seit der Obama-Kampagne einen unglaublichen Hype auf das Fangen von Wählerstimmen im Netz. Das ist auch eine sinnvolle und lohnenswerte Ergänzung zur Gesamtkampagne, nur werden wir einen Obama-Internet-Wahlkampf in Deutschland wohl eher nicht sehen. Zu unterschiedliche sind die politischen Institutionen, zu unterschiedlich die Mediensysteme. Trotzdem sind die vielfältigen Methoden und Strategien, die Obama im Netz angewandt hat, durchaus auf Deutschland übertragbar. Nur braucht es dafür eben auch politikinteressierte und politikbegeisterte Menschen. Und die gibt es in Deutschland zu wenig. Und das zu erreichen, ist auch Aufgabe der Politik. Von daher hoffe ich, dass wir auch dort ein paar interessante Worte zu hören bekommen. Denn alle politischen Parteien könnnen sich so umfassend und intensiv mit dem Internet beschäftigen wie noch nie in einem Bundestagswahlkampf. Das bringt alles nicht, wenn wir in Deutschland nicht wieder mehr Interesse für Politik generieren. Nur durch die Präsenz bei Facebook oder Twitter geschieht das nicht.

Das eine kann das andere aber bezwecken, von daher ist es ja auch so wichtig, wenn sich Parteien dauerhaft im Internet engagieren. Ich hatte vor ein paar Tagen zwei interessante Gespräche mit durchaus politikinteressierten Bürgern, knapp 40 Jahre alt. Ich habe sie gefragt, wie sie sich politisch informieren. Als Antwort kam: Tageszeitung, hin und wieder mal Tagesschau. Und das werden die meisten wohl sagen. Die neueste ARD/ZDF Onlinestudie aus dem Jahr 2008 besagt, dass fast 70% der Befragten das Internet nicht nutzen um sich politisch zu informieren, weil das Angebot aus TV, Zeitungen und wöchentlichen Magazinen ausreiche. Zu aller erst muss man das Medium Internet viel stärker in der Gesellschaft verankern. Das hat auch in den USA fast acht Jahre gebraucht.

Für einen wirklichen Internet-Wahlkampf fehlt in Deutschland also noch ein bisschen. Das sind aber alles Dinge, die man erreichen kann. Braucht halt nur gute Ideen und Mut sich zu öffnen. Damit beginnen die Parteien ja so langsam, was erfreulich ist.

Wahrscheinlich reicht das ganze Wochenende gar nicht aus um über alles zu sprechen. Und ich gehe mal davon aus, dass es nicht das letzte PolitCamp in Deutschland war. Was man so erfährt, ist die Veranstaltung glänzend organisiert. Da kann man sich wirklich nur drauf freuen. Bin gespannt, was das Wochenende bereithält. Und auf ein Putensteak freue ich mich auch schon. Aber das nur am Rande.

Thema: Bundestagswahl 2009, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Von der Lust und Unlust zu bloggen

Mittwoch, 29. April 2009 20:00

Da gibt es bei mir – wie ich im Laufe der letzten Monate herausgefunden habe – drei Phasen, in die mein Blogverhalten eingeordnet werden kann.

1. Ich habe keine Lust zu bloggen, also blogge ich auch nicht. Manchmal habe ich einfach keine Lust. Dann ist das Fernsehen interessanter, sind die Menschen um mir herum wichtiger. Manchmal ist das Wetter auch so schön, dass ich keine Lust zum Bloggen habe, sondern lieber in der Sonne auf dem Balkon liege.

2. Ich habe Lust zu bloggen, also blogge ich. Vorschau auf die Premier League, irgendein interessanter Zeitungsartikel, der mir über den Weg gelaufen ist, mal wieder Fußball im Fernsehen, sodass sich ein Live-Blog anbietet.

3. Ich habe Lust zu bloggen, blogge aber nicht. Und das ist die jetzige Phase, die ich gerade so ein bisschen erfahre. Viele Ideen, viele Geschichten und Beobachtungen, die ich gerne erzählen würde, aber schlicht nicht die Zeit habe sie so darzustellen, damit die Leser da auch etwas anfangen können. Gestern Abend um 22:00 Uhr zuhause gewesen, um 06:45 Uhr hat heute Morgen der Wecker geklingelt. Kurz kam ich in die Versuchung heute Morgen parallel zum Müsli essen zu bloggen, aber das hätte auf der Tastatur eine Sauerei gegeben.

Ich möchte so schnell wie möglich Phase 3 verlassen um mal wieder Phase 2 zu erleben. Spätestens in zwei Wochen dürfte es dafür wieder soweit sein. Genug Anlass zum Bloggen gab es ja die letzten Tage. Die deutschen Medien, allen voran n-tv und N24, bräuchten einmal eine Anleitung mit dem Titel: “Hyperventilieren soll gelernt sein.” Ich finde es klasse, wenn Nachrichtensender in ihrer Programmgestaltung flexibel sind und entsprechend auf Breaking-News reagieren. Aber vielleicht sollten sich die Verantwortlichen unserer Nachrichtensender einmal solche Situationen bei der BBC oder Sky News anschauen. Die hyperventilieren auch – gar keine Frage – aber der bedeutende Unterschied ist: Sie können es. Die schaffen es auch in solchen Phasen unsinnige Gerüchte von wohlüberlegten Gedankengänge zu trennen, sortieren das Wichtige vom Unwichtigen. Bei n-tv und N24 wird jeder Müll, der halbwegs nach deutscher Grammatik ausschaut, gesendet. Manchmal ist weniger eben mehr. Braucht es gar nicht so viele Details, sondern viel mehr eine tiefgreifende Analyse von ein, zwei Fakten. Das haben n-tv und N24 immer noch nicht so richtig gelernt.

Die Premier League biegt auf die Zielgerade ein. Da ich am Wochenende in Berlin auf dem PolitCamp bin, gibt es diesmal keine Vorschau auf den Spieltag. Dafür versuche ich dann aber die restlichen letzten Spieltage auch wieder live mitzubloggen. Also Phase 2 erreichen.

So, und jetzt ist es Zeit für das Sofa und Champions League. Befinde mich dann also mal kurz in Phase 1. Wobei ich mich gerade frage, ob es auch Phase 4 gibt. Keine Lust und trotzdem Bloggen. Denke ich noch einmal drüber nach. Erstmal gibt es den ARD-Brennpunkt zur Schweinegrippe. Man holt Versäumtes also nach. Hyperventilieren soll gelernt sein.

Thema: Alltägliches | Kommentare (0) | Autor: medispolis