Präludium zum PolitCamp 2009

Jetzt ist es also soweit: Am Wochenende findet das erste politische BarCamp in Deutschland statt, in Berlin, direkt am Ufer der Spree. Das Wetter soll großartig werden, es gibt viele interessante Themen und Gäste. Einem lebhaften und erkenntnisreichen Wochenende steht also kaum etwas im Wege. Und der HSV, Werder und Hertha BSC Berlin spielen ja auch erst Sonntagabend, ich kann den Fußball also komplett ausklammern. Und ich bin endlich mal wieder in einer der großartigsten Städte Europas. Auf meiner Beliebtheitsliste gleich hinter London. Und wenn das dann vom ÖPNV auch alles so klappt trotz diverser Baustellen und einer scheinbar nur pro Forma existierenden U-Bahn Stadion Jannowitzbrücke, nehme ich meine Zweifel auch gerne zurück.

Ich bin vor allem auf die beiden großen Programmpunkte, die Twitter-Session am Samstagvormittag und die “Elefanten-Session” mit den Wahlkampfleitern der Parteien am Sonntagvormittag, gespannt. Das soll aber die vielen kleineren Sessions in ihrer Wichtigkeit nicht überdecken, nur finde ich es interessant und gut, dass sich die Politiker an dem Dialog mit den interessierten Bürgern und Wählern stellen um über die wichtige Rolle des Internet für die politschen Parteien zu diskutieren. Ganz aktuell gibt es jetzt auch eine Session zu dem umstrittenen Thema Netzsperren. Da kann ich von der technischen Seite nur wenig beitragen, von daher hoffe ich darüber auch etwas mehr zu erfahren. Ich denke es gibt sicherlich auch viele Erfahrungsberichte aus der Welt des (Online-) Wahlkampfes.

Überhaupt finde ich es ein gutes Zeichen, dass fast 600 Teilnehmer zusammenkommen um über Politik und Wahlkampf im Internet zu sprechen. Natürlich gibt es seit der Obama-Kampagne einen unglaublichen Hype auf das Fangen von Wählerstimmen im Netz. Das ist auch eine sinnvolle und lohnenswerte Ergänzung zur Gesamtkampagne, nur werden wir einen Obama-Internet-Wahlkampf in Deutschland wohl eher nicht sehen. Zu unterschiedliche sind die politischen Institutionen, zu unterschiedlich die Mediensysteme. Trotzdem sind die vielfältigen Methoden und Strategien, die Obama im Netz angewandt hat, durchaus auf Deutschland übertragbar. Nur braucht es dafür eben auch politikinteressierte und politikbegeisterte Menschen. Und die gibt es in Deutschland zu wenig. Und das zu erreichen, ist auch Aufgabe der Politik. Von daher hoffe ich, dass wir auch dort ein paar interessante Worte zu hören bekommen. Denn alle politischen Parteien könnnen sich so umfassend und intensiv mit dem Internet beschäftigen wie noch nie in einem Bundestagswahlkampf. Das bringt alles nicht, wenn wir in Deutschland nicht wieder mehr Interesse für Politik generieren. Nur durch die Präsenz bei Facebook oder Twitter geschieht das nicht.

Das eine kann das andere aber bezwecken, von daher ist es ja auch so wichtig, wenn sich Parteien dauerhaft im Internet engagieren. Ich hatte vor ein paar Tagen zwei interessante Gespräche mit durchaus politikinteressierten Bürgern, knapp 40 Jahre alt. Ich habe sie gefragt, wie sie sich politisch informieren. Als Antwort kam: Tageszeitung, hin und wieder mal Tagesschau. Und das werden die meisten wohl sagen. Die neueste ARD/ZDF Onlinestudie aus dem Jahr 2008 besagt, dass fast 70% der Befragten das Internet nicht nutzen um sich politisch zu informieren, weil das Angebot aus TV, Zeitungen und wöchentlichen Magazinen ausreiche. Zu aller erst muss man das Medium Internet viel stärker in der Gesellschaft verankern. Das hat auch in den USA fast acht Jahre gebraucht.

Für einen wirklichen Internet-Wahlkampf fehlt in Deutschland also noch ein bisschen. Das sind aber alles Dinge, die man erreichen kann. Braucht halt nur gute Ideen und Mut sich zu öffnen. Damit beginnen die Parteien ja so langsam, was erfreulich ist.

Wahrscheinlich reicht das ganze Wochenende gar nicht aus um über alles zu sprechen. Und ich gehe mal davon aus, dass es nicht das letzte PolitCamp in Deutschland war. Was man so erfährt, ist die Veranstaltung glänzend organisiert. Da kann man sich wirklich nur drauf freuen. Bin gespannt, was das Wochenende bereithält. Und auf ein Putensteak freue ich mich auch schon. Aber das nur am Rande.

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Autor: medispolis
Datum: Mittwoch, 29. April 2009 22:23
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Bundestagswahl 2009, Zeitungen/Zeitschriften

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