Bremen im Kirchentags-Fieber
So, wir beenden mal die Auszeit. So langsam komme ich dann wieder in den gewohnten Blog-Rhythmus. Wenn meine Planung der nächsten Tage aufgeht, habe ich am Sonntagnachmittag auch ausreichend Zeit das Saisonfinale in der Premier League live zu bloggen.
Kommen wir aber zu einem anderen Thema: Evangelischer Kirchentag bei uns in der Hansestadt. Vor ein paar Tagen titelte der Kurier am Sonntag: “Deutschland und die Welt schauen auf Bremen.” An die Einwohner dieser schönen Stadt war das die allerletzte Erinnerung, dass wir uns mal vier Tage gastfreundlich zeigen sollten und die vielen Gäste bei uns in der Stadt herzlich aufnehmen. Aber Spaß beiseite: Jeder, der Bremen schon einmal besucht hat, weiß, dass die meisten von uns alle nett und gastfreundlich sind. Da habe ich mir die wenigsten Sorgen gemacht, dass sich die Gäste bei uns nicht wohl fühlen würden.
Ein paar Befürchtungen hatte ich eher, dass diese immer noch kleine Großstadt den Ansturm der Gäste nicht bewältigen würde. Und als ich am Mittwoch in der Mittagspause schon fast zwei Gäste unter einer Straßenbahn sah, als gerade mal die ersten Menschenmengen Bremen erreicht haben, war ich skeptisch. Aber irgendwie bekommt Bremen den Kirchentag ganz wunderbar geregelt. Das kleine Dorf mit Straßenbahnanschluss. Die Stadt, die zwar von der Einwohnerzahl locker als Großstadt durchgeht, aber immer ein bisschen fernab des Mainstream durchs Leben geht. Ruhig, bloß nicht hektisch. Bloß keine Aufregung. Kein Tam-Tam und Brumborium. Dann geht es Bremen am besten. Und jetzt innerhalb weniger Tage fast eine halbe Million Menschen beim Evangelischen Kirchentag. Aber es scheint mehr als nur zu klappen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich der BSAG, die ich sonst für ein durchaus leicht überfordertes Unternehmen halte, mal ein großes Lob aussprechen muss. Aber der Kirchentags-Fahrplan ist eine logistische Meisterleistung. Die Stadtbahnen im 5-Minuten Takt, auf der 4 und 5 fast alle drei Minuten. Und trotzdem nur geringfügige Verspätung. Wenn ich 10 Minuten länger brauche nach Horn-Lehe, ist das alles noch im Rahmen. Und auch die Menschen, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin, waren alle sehr zufrieden mit den Verkehrsanbindungen. Von wegen Dorf mit Straßenbahnanschluss.
Ich habe heute den ganzen Tag mal genutzt ein bisschen Kirchentags-Atmosphäre zu schnuppen. Gut, ich saß dann doch eher zwei Stunden mit einer Bekannten im Café und habe Milchkaffee geschlürft. Von daher habe ich dann die Nachmittags-Programmpunkte auch links liegen gelassen und bin einfach noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert. Das Gewitter tat sein Übriges. Plötzlich war alles ganz leer, die Hagelkörner hatten die Straßen und Fußgängerzone für sich. Die streng gläubigen Menschen verzeihen mir jetzt den nächsten Satz. Aber das Schönste an den bisherigen Kirchentagen ist stets das Open-Air-Konzert der Wise Guys, der fantastischen a-capella-Gruppe aus Köln. Gut, der Abend der Begegnung ist auch ein Highlight. Das Konzert der Wise Guys beim Kirchentag 2005 in Hannover war schon großarti. Spätestens seitdem bin ich Fan der Wise Guys und habe auch schon ein paar mehr Konzerte besucht. Aber die Stimmung und Atmosphäre bei einem Open-Air ist immer noch 200% besser. So auch heute: Fast 60.000 sind auf die Bürgerweide für das Konzert gekommen. Vier Zugaben, am Ende das Eingeständnis der Wise Guys, dass sie sich “ins heutige Publikum verliebt haben.” Es war einfach großartig. Nach jedem Lied schwappten erstmal zwei La Ola über die Bürgerweide. Nach zweieinhalb Stunden machten sich dann 60.000 auf den Weg zum Bahnhof. Und als dann im Gustav-Deetjen-Tunnel alle das “Ohrwurm-Lied” angestimmt haben, wusste ich spätestens, dass Bremen und der Kirchentag einfach zusammenpassen.
Die Abreise hat dann auch wunderbar geklappt. Bild des Tages: Die BSAG-Mitarbeiter, die per Trillerpfeifen die Abfahrt der Straßenbahnen und Busse regeln. Ein heftiger Pfiff. Und dann ging es los. Die Ampel sind alle abgeschaltet worden. Die 4 nach Horn-Lehe war auch an der Kopernikusstraße noch rappelvoll, am Hbf hat keiner mehr reingepasst. Trotz eines Taktes von alle 3-4 Minuten. Hätte nicht gedacht, dass so viele Kirchentags-Gäste in Horn-Lehe residieren. Aber die Gymnasien in Horn sind wohl komplette Bettenlager. Neben mir stand eine Pfadfindergruppe aus Regensburg, die sich vorher alle noch Pommes gekauft haben. Zwei der fünf haben aber ihre Gabel auf dem Weg zur Haltestelle verloren. Und mussten jetzt die Pommes vollgeschmiert mit Mayo per Hand essen. Direkt vor meinen Augen. Mir war das egal. Aber das sich da die Pfadfinder nicht anders helfen konnten. Jedenfalls haben sie erzählt, dass sie im Gymnasium Horn untergebracht sind und es ihnen gut gefällt.
So habe ich an diesem Tag fast nur glückliche und zufriedene Gesichter in Bremen gesehen. Und ein tolles tolles Konzert gab es noch dazu. Einziger kleiner Kritikpunkt. Vor zwei Jahren war das Konzert der Wise Guys in Hannover noch kostenlos, diesmal hat es 10 Euro gekostet. Was ich meinen Begleitern nicht gesagt habe. Weil ich es nicht wusste. Und schlicht nicht für möglich gehalten hätte. Aber vielleicht macht das Kapital auch vor der Kirche nicht halt. Man weiß ja nie. Trotzdem darf nach einem Tag schon festgestellt werden, dass der Kirchentag ein wahrer Segen für Bremen ist. Endlich mal Tam-Tam in der Stadt. Mensch, ihr seid ja alle da.
Und die Wise Guys haben Radio gespielt. Das war sowieso der einzige Wunsch für heute Abend.


Freitag, 22. Mai 2009 17:50
Schön das Du wieder bloggst. :)
Die Wise Guys sind echt eine coole Band.