Öffentlich-rechtlich rechtfertigen
Da verdienen zwei populäre Radiomoderatoren bei der BBC über 500.000 Pfund im Jahr – und die stets transparente BBC, die diese Zahlen auch bestätigt, gerät immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Chris Moyles, Moderator der Breakfast Show auf BBC Radio 1, und sein Gegner um die Spitze in den Hörerzahlen, Terry Wogan von BBC Radio 2, verdienen pro Jahr 630.000 beziehungsweise 800.000 Pfund. Dafür, dass beide morgens über sieben Millionen Hörer unterhalten und während der ersten Stunden des Tages begleiten.
Seit Monaten wird über diese hohen Gehälter der beiden Radiomoderatoren gestritten. Richtig Nahrung hat diese Geschichte vor sechs Wochen bekommen, als das Boulevardblatt Sun berichtete, dass Chris Moyles seinen Job bei der BBC verlieren soll. Offiziell wegen ein paar unglücklich gewählter Aussagen während der Live-Sendungen. Für die Kritiker war diese Story, die sich im Nachhinein als Ente herausstellte, ein gefundenes Fressen, weil wieder über die Gehälter bei BBC Radio 1 und 2 in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Vor einem Monatwurde bekannt, dass Chris Moyles einen neuen Vertrag bei der BBC bekommen wird – auch dank weiter steigender Hörerzahlen. Unbestätigen Angaben zufolge soll sein Gehalt aber deutlich gekürzt werden, um biszu 150.000 Pfund auf etwa 450.000 Pfund im Jahr. Das ist für einen Radiomoderator immer noch ein guter Verdienst, keine Frage.
Doch die BBC sieht sich stets mit weiterer Kritik gegenüber. Heute wurde vom House of Commons ein Report veröffentlicht, welcher der BBC erneut vorwirft, sie würde zu hohe Gehälter für ihre Radiomoderatoren zahlen und falsche Angaben über die Einkommen und Verdienste ihrer Beschäftigten machen (Quelle: Guardian). Member of Parliament Edward Leigh beklagt, dass die BBC nicht ausreichend und umfassend genug über die Gehälter informiert. Die Zahlen sollen an das National Audit Office gegeben werden, einer unabhängigen Einheit des Parlaments, das sich mit öffentlichen Ausgaben beschäftigt. Dass nun gerade die Member des Parlaments in diesen Tagen sich über zu großzügiges Geldausgeben beklagen, steht auf einem anderen Blatt. Die Politiker sind sauer: Die BBC habe sie nicht überzeugen können, dass soviel Geld für die Gehälter der Radiomoderatoren bezahlt werden müssen, insgesamt dreimal so viel wie bei den privaten Radiostationen.
Insgesamt bezahlt die BBC für ihre Radiostationen 462 Millionen Pfund pro Jahr. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen 70 Millionen Pfund eingespart werden. Das ganze geschieht in einem größeren Sparkurs, den die BBC von der Politik vorgegeben bekommen hat. 70 Millionen Pfund sollen im Radiobereich gespart werden. Da dürfte klar sein, dass auch die Gehälter dran glauben müssen, hoffen die Politiker. Die BBC hat dies offiziell immer noch nicht bestätigt.
Die BBC ist ebenso wie ARD und ZDF eine öffentlich-rechtliche Anstalt. Die BBC bekommt den größten Teil ihrer Einnahmen von einer Rundfunkgebühr, die pro Haushalt bezahlt werden muss. Über 4 Milliarden Pfund standen der BBC 2007 zur Verfügung, knapp 3 Milliarden Pfund entfielen dabei auf die Rundfunkgebühr. Die Höhe dieser Gebühr wird direkt vom Parlament festgelegt. Dementsprechend haben die Politiker der BBC auch eine kleine Diät für die nächsten fünf Jahre verordnet. Die BBC muss also sparen und steht trotzdem fast täglich im Fokus, was Ausgaben und Einnahmen angeht.
Sowas würde ich mir nebenbei bemerkt auch für ARD und ZDF wünschen. Offenlegung der Gehälter der Top-Moderatoren und Kommentatoren. Die BBC ist umstritten wegen ihrer Struktur und ihres Aufbaus, nicht wegen ihres Programms und der Außendarstellung. Aber die BBC muss sich fast täglich rechtfertigen für ihre Arbeit. Und sie versucht dies mit Transparenz, soweit man eben gehen will. Wäre das nicht auch einmal ein Schritt für ARD und ZDF?
Denn ARD und ZDF stehen auch vor keiner leichten Aufgabe, die Einnahmen aus der GEZ sollen in den nächsten Jahren sinken. Es wäre an der Zeit auch in Deutschland eine öffentliche Debatte zu beginnen, wieviel und wozu ARD und ZDF unser Geld ausgeben. Das kann manchmal ein sehr produktiver Prozess sein. Wie gesagt, aufgrund der Unterschiede im Vergleich zur BBC muss nicht gleich die Bekanntgabe aller Zahlen an den Bundestag sein, aber ein Schritt in Richtung mehr Transparenz und Offenlegung mit Einsparpotential wäre auch bei unseren ÖR angebracht. Und dann finde ich es auch nicht schlimm, wenn öffentlich intensiv und kontrovers darüber diskutiert wird. Es ist schließlich unser Geld – und Programm für uns. Und leicht ist so ein Vorgang nicht, wie die BBC fast täglich erfahren muss. Aber notwendig.

