Beiträge vom 15. Juli 2009

Schutz der Werbewirtschaft oder Verweigerung zu sparen?

Mittwoch, 15. Juli 2009 21:35

Ich habe letzten Mittwoch an einem Redaktionsbesuch bei Radio Bremen teilgenommen mit anschließender Diskussion über die Rolle und den Stellenwert von öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Radio in der Medienlandschaft Deutschland. Ich hatte eigentlich nur eine Frage an die Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen: Sie mögen mir doch bitte einmal genau erklären, warum ARD und ZDF nicht bereit seien, auf Werbung in ihren Fernsehprogramm und Hörfunkwellen zu verzichten. Das konnte man mir in den wenigen Minuten natürlich nicht umfassend beantworten. Aber ich darf eventuell noch einmal vorbeischauen. Die Antwort, die ich bislang bekam, lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Wenn ARD und ZDF in ihren Programmen auf Werbung verzichten würden, würde das der Werbewirtschaft in Deutschland schweren Schaden zufügen, weil sie weniger werben könnten und die Preiss für das Schalten von Werbung dann durch die privaten Medienakture diktiert werden können. Gleichzeitig würden bei Werbefreiheit ARD und ZDF wichtige Einnahmen fehlen und es zu einer Erhöhung der GEZ-Gebühren kommen. Diese Erhöhung sei den Gebührenzahlern aber nicht zuzumuten – also kämpfen ARD und ZDF massiv dafür, dass es kein Verbot von Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen gibt.

So richtig zufrieden war ich mit der Antwort nicht. Wenn das alles so einfach wäre, frage ich mich, warum dann überhaupt über ein Verbot diskutiert wird. Meine persönliche Meinung war bisher immer ganz klar pro Werbeverbot bei den Programmen von ARD und ZDF. Als Vorbild muss hier wieder mal die BBC herhalten. Aber ich finde es großartig, dass die BBC in ihren Radioprogrammen ohne Werbung auskommt. Da ist die Qualität noch einmal höher, als wenn jedes Mal zur halben und vollen Stunde je drei Werbespots geschaltet werden. Das nervt mich einfach. Gleiches gilt für die Samstags-Sportschau, die ich mittlerweile für eine Werbesendung halte. So kommt es mir zumindest vor. Und für mich verliert die Sportschau durch die Werbeblöcke auch an Qualität.

Soweit so gut. Ich habe mal versucht ein bisschen zu recherchieren. Ich hatte gehofft, etwas mehr zu finden, vor allem einmal wirklich stichhaltige Argumente pro und contra Werbeverbot.

Der Vorschlag, ARD und ZDF die Werbung zu verbieten, ist nicht neu. Bereits im Sommer 2005 hatte Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, ARD und ZDF geraten, auf Werbung in ihren Programmen zu verzichten. Die Öffentlich-Rechtlichen lehnten damals ebenso wie heute noch ab. 2005 Kurt Beck, heute ist es der Günter Oettinger aus Baden-Württemberg, der sich für ein komplettes Werbeverbot bei ARD und ZDF einsetzt. Ich habe mich durch viele Artikel gekämpft und mal versucht die Positionen in drei Schlüsselargumente aufzuteilen.

ARD und ZDF gegen ein Verbot von Werbung:

  • Der Wirtschaft würde eine wichtige Plattform verlorengehen, wenn in den Programmen von ARD und ZDF nicht mehr geworben werden dürfte. Das würde gleichzeitig die Werbewirtschaft in eine Krise bewegen, weil nicht automatisch mehr bei den privaten Sendern geworben würde. Es wird befürchtet, dass die privaten Sendern die Preise für Werbung umfassender diktieren könnten, wenn ARD und ZDF als Werbeplattformen entfielen.
  • Wenn ARD und ZDF auf Werbung verzichten, müssten im Gegenzug die Gebühren erhöht werden. Genannt werden meist Erhöhungen um 1,20 Euro bis 1,40 Euro im Monat.
  • Die Werbung sei klar auf 20 Minuten am Tag begrenzt. Das sei, so Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen, ein vertretbarer und überschaubarer Umfang.

Vertreter für ein Werbeverbot der Öffentlich-Rechtlichen:

  • Werbung passt nicht zum Programmauftrag von ARD und ZDF.
  • Die BBC wird immer wieder als positives Beispiel erwähnt, wo Werbung in allen Programmen nicht ausgestrahlt wird. Es gibt lediglich auf der Website der BBC vereinzelte Banner. Das Beispiel der BBC zeigt, dass öffentlich-rechtliche Sender auch ohne Werbung ein sehr gutes oder gar besseres Programm machen können. Die BBC ist ebenso wie ARD und ZDF keinen wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt. Es besteht also kein Grund, sich dem BBC-Modell nicht anzuschließen.
  • Die ARD spricht auf ihrer Website davon, dass gerade mal drei Prozent ihrer Einnahmen sich aus Rundfunkwerbung generieren. Das ZDF nimmt durch Werbung etwas über 100 Millionen Euro (2007) ein, etwa nach neueren Zahlen 5-6 Prozent an den Gesamteinnahmen. 2008 nahmen ARD und ZDF aber insgesamt 7,26 Milliarden Euro ein. Die Werbeeinahmen sind also ein geringer Teil, der locker eingespart werden könnte. Zum Beispiel durch das Vermeiden von Parallelübertragungen und der wechselseitigen Übertragung von großen Sportevents, die ein Sender dann alleine übernimmt. Beispiel: Olympische Winterspiele 2010 macht das ZDF, Sommerspiele 2012 die ARD.

Ganz interessant, dass sogar 44 Prozent bereit sind höhere Gebühren zu bezahlen, wenn ARD und ZDF auf Werbung verzichten werden. Spätestens dieser Wert sollte den Öffentlich-Rechtlichen ein klares Zeichen sein, dass Werbung bei ARD und ZDF kritisch gesehen wird.

Das einzige Argument, welches ich sogar ein bisschen verstehen kann, ist die Situation auf dem Werbemarkt, die durch das Schalten von Werbung bei ARD und ZDF verbessert wird. Die Fachzeitschrift Media Perspektiven hat in ihrem neuen Heft den Werbemarkt in Deutschland 2008 untersucht und ein Ende das Wachstums festgestellt (Zusammenfassung, kompletter Bericht als pdf). Der ehe schon angeschlagene Werbemarkt würde dadurch Sendefläche verlieren. Und RTL und Sat1 können ja auch keine zusätzlichen Werbeflächen platzieren. Einziger Ausweg: Wieder mehr Werbung in Print schalten oder vielleicht einfach mal die Ausgaben für Werbung sparen?

Nochmal zurück zur BBC, die verdammt oft im Fokus der Öffentlichkeit steht und sich für ihre Ausgaben rechtfertigen muss. Einen Fakt, den ich hier in Deutschland immer wieder vermisse. Ein Werbeverbot würde also auch zur Folge haben, dass ARD und ZDF wieder sparsamer mit ihrem Geld umgehen und sich auf die Kerngeschäfte konzentrieren. Und ihr Programm noch besser machen. Und angesichts der Quoten am Vorabend bei der ARD frage ich mich sowieso, wie ein Unternehmen da noch eine Zielgruppe erreichen will. Aber Spaß beiseite. Ich kenne das Argument Werbemarkt durchaus an, alles andere ist für mich nicht stichhaltig aus Sicht von ARD und ZDF. Wenn mir ein Sender denn mal zeigen würde, dass überhaupt kein Einsparpotential bestehen würde, akzeptiere ich das. Aber mir fallen sofort ein paar Sachverhalte ein, wo ARD und ZDF sparen könnten.

1. Keine Parallelübertragungen von Veranstaltungen mehr. Es ist sinnlos auf fünf Sendern Michael Jackson zu zeigen, die Vereidigung von Obama oder eine Hochzeit in den Niederlanden.

2. Aufteilung der Übertragung von Sportgroßveranstaltungen

3. Ein gemeinsamer Nachrichtenkanal von ARD und ZDF

4. Überflüssige Sportrechte streichen. Auch so könnte gespart werden. Boxen fällt für mich nicht unter das Stichwort “Grundversorgung”.

Das alles wären kleine Schritte, die vielleicht auch dafür sorgen könnten, dass weniger Werbung gesendet werden würde. Das wäre ja schon mal ein positive Entwicklung. Ich kann ARD und ZDF in einigen Punkten verstehen, größtenteils aber nicht. Und von daher bin ich weiter für ein Verbot von Werbung bei ARD und ZDF. Die Öffentlich-Rechtlichen könnten sich auch dadurch wieder deutlich unterscheiden von den Privaten.

Ein erster Schritt wäre immerhin, wenn in der Öffentlichkeit mehr über dieses Thema diskutiert werden würde und sich auch die Politik auf eine gemeinsame Linie verständigen könnte.  Und die Rolle von ARD und ZDF auch einmal kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert wird und viele nicht immer gleich einknicken, wenn sie einmal aus ihrem Loch herausgekommen sind. Die Öffentlich-Rechtlichen machen doch in erster Linie Programm für ihre Zuschauer. Und ich gehe mal davon aus, dass ein großer Teil der Zuschauer für ein Werbeverbot ist. Also bitte.

Thema: TV und Radio | Kommentare (7) | Autor: medispolis

Premier League 2009/2010: News in Kürze (IV)

Mittwoch, 15. Juli 2009 9:28

  • Manchester City: 80 Millionen für Tevez, Adebayor und Terry?

Die Premier League könnte heute oder morgen ihr nächstes großes Erdbeben erleben. Einmal mehr sorgt Manchester City, scheinbar mit unendlich viel Geld ausgestattet, für die großen Schlagzeilen. Bereits vor einigen Tagen hatte man sich für 25 Millionen Pfund die Dienste von Carlos Tevez gesichert. War ich gestern noch eher skeptisch, was einen Transfer von Emmanuel Adebayor angeht, sieht es im Moment so aus, als hätte ich mich getäuscht. Diversen Medienberichten zufolge führen City und Adebayor ernsthafte Gespräche über einen Wechsel nach Eastlands. Arsenal hat einem Angebot von 25 Millionen Pfund angeblich zugestimmt. Der Togolese soll einen 5-Jahres-Vertrag bekommen. Mark Hughes sprach gestern davon, dass der Wechsel kurz vor der Vollendung stehe. Im Moment ist die große Unbekannte Adebayor selbst, der sich noch Bedenkzeit erbeten hat. Die BBC berichtete heute Morgen in ihren Frühstücksnachrichten, dass es bereits heute eine medizinische Untersuchung für Adebayor hatte und nur noch auf eine Arbeitserlaubnis warte. Diese Informationen haben sich bisher aber nicht bestätigt. Momentaner Stand am Mittwochvormittag ist, dass Adebayor wohl kurz vor einem Wechsel steht, fix ist aber noch nichts. Update: BBC bestätigt erfolgreiche medizinische Untersuchung für Adebayor.

Und hätte man mit Tevez und Adebayor nicht schon genug Geld ausgegeben, bietet man jetzt 30 Millionen Euro für John Terry vom FC Chelsea. Mark Hughes ließ gestern mitteilen, dass Terry zu Manchester City wechseln möchte. Er brauche Luftveränderung, so Hughes über “Mr Chelsea”. Geld spiele bei dem Transfer keine Rolle. Es liege wohl einzig und allein an John Terry und dem FC Chelsea. City ist momentan bereit 30 Millionen Pfund für Terry auf die Waage zu legen. Und jetzt kommt es: Man ist bereit, Terry ein Wochengehalt von 250.000 Pfund zu zahlen. Damit wäre er der bestverdienenste Spieler in der Premier League. Für Adebayor ist man bereit 170.000 Pfund pro Woche zu zahlen.

Das sind Zahlen und Entwicklungen, welche die Premier League nachhaltig verändern können. Noch ist bisher ja nur der Tevez-Wechsel fix, aber momentan deuten alle Zeichen darauf hin, dass City noch nicht das letzte Mal zugeschlagen hat. Vielleicht noch eine allgemeine und eine etwas spezifischere Anmerkung meinerseits. Ich finde es erstaunlich, wie jetzt angeblich Chelsea und Arsenal umkippen, weil das ganz große Geld winkt. Adebayor hätte man nach der Saison für die gleiche Summe an  Geld auch zum AC Mailand schicken können, Chelsea hatte vor einigen Wochen klar und deutlich gemacht, dass man Terry für jeden Preis der Welt nicht abgeben würde. Und ganz plötzlich ist man für alles bereit. Ein überschuldeter Verein wie die Blues brauchen scheinbar doch jedes Handgeld. Sollte City diese Wechsel alle vollziehen können, hätte man allein in dieser Sommer-Transferperiode über 100 Millionen Pfund ausgegeben. In der Hughes-Ära, mittlerweile 12 Monate alt, hätte man mehr als 200 Millionen Pfund ausgegeben. Unfassbare Zahlen für einen Klub, der noch nicht mal international spielt. Und wenn man mit diesem Kader nächste Saison nicht minimum Vierter wird, wäre es die größte Fehlinvestition aller Zeiten.

Kurz zum FC Arsenal: Emmanuel Adebayor würde natürlich eine massive Lücke hinterlassen, die möglicht schnell und mit einem erfahrenen Spieler ersetzt werden müsste. Ich bin gestern mal einige Top-Vereine Europas durchgegangen und mir ist nur ein Spieler eingefallen, der für Arsenal halbwegs bezahlbar wäre und auch in das Konzept und die Philosophie passen würde: Samuel Eto’o. Mal sehen, was sich da tut. Mit 25 Millionen Pfund kann Arsenal ja einiges anfangen. Aus Sicht des VfB Stuttgart wäre es blöd, sollte man noch schnell für Klaas-Jan Huntelaar bieten. Aber ansonsten sind mir auf die Schnelle keine Namen eingefallen. Wer Vorschläge hat, kann dies gerne in den Kommentaren bekanntgeben.

  • Weitere Nachrichten aus der Premier League

Der FC Portsmouth steht kurz vor Ende der Übernahme durch den Unternehmer Sulaiman Al Fahim aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Papierarbeit sei bereits erledigt. Zur Zeit verhandele Al Fahim über einen finalen Preis mit dem derzeitigen Besitzer des FC Portsmouth, Sacha Gaydamak. Der Verein äußerte sich gestern, dass man zuversichtlich sei, den Deal vor Start der Saison Mitte August vollzogen zu haben.

Der FC Fulham hatte für längere Zeit und sehr intensiv um den Publikumsliebling und Kapitän von Absteiger West Bromwich Albion, Jonathan Greening, geworben. Die Baggies haben jetzt ein finales Angebot abglehnt. Greening hat noch einen Vertrag für ein Jahr und möchte mit West Bromwich Albion direkt wieder in die Premier League aufsteigen. Gerüchten zufolge soll ihm ein neuer Vertrag über vier Jahre angeboten werden.

Man möge sich einmal vorstellen, wenn dieser Deal klappen würde. Nachdem Birmingham City keinen Erfolg bei der Verpflichtung von Patrick Viera hatte, versucht jetzt Harry RedknappViera zu den Tottenham Hotspur zu lotsen. Viera würde gerne wieder in London leben. 407 Spiele für Arsenal – und dann zum Erzrivalen Tottenham wechseln. Mutig.

Daryl Murphy steht kurz vor einem Wechsel vom FC Sunderland zu Hull City. Sunderland habe eine Offerte der Tigers akzeptiert. Hull City ist jetzt in Verhandlungen mit dem 26-Jährigen irischen Nationalstürmer. Hull-Trainer Phil Brown zeigte sich zuversichtlich, dass innerhalb der nächsten 48 Stunden der Wechsel perfekt gemacht werden könnte.

Die Xabi Alonso Saga beim FC Liverpool geht weiter. Der Spanier habe, so berichtet die Liverpool Daily Post, Trainer Benitez mitgeteilt, dass er gerne zu Real Madrid wechseln würde. Aber eine offizielle Bitte um einen Transfer habe es nicht gegeben. Benitez lässt die Muskel spielen und ist erstmal nicht bereit Real Madrid entgegenzukommen. Nach dem Motto: Wenn ihr ein Anliegen habt, meldet euch bitte bei uns. Der Daily Telegraph beschäftigt sich schon mal mit der sportlichen Situation im Mittelfeld des FC Liverpool in der Alonso-Post-Ära.

Thema: Premier League | Kommentare (1) | Autor: medispolis