Premier League 2009/2010: Saisonvorschau FC Chelsea London
Sich von den Altlasten der vergangenen Jahre befreien – und mit Carlo Ancelotti als neuen Trainer bei den Blues einen Neuanfang wagen, der länger als ein halbes Jahr dauern soll. Unter diesem Motto geht der FC Chelsea London in die Premier League Saison 2009/2010.
Nach dem Abgang von Jose Mourinho im Spätsommer 2007 hat der FC Chelsea nie wieder richtig in die Spur gefunden, wirkte nie wirklich präsent in einer Saison, man hatte nicht das Gefühl, das Team könne die Schwächephasen des FC Liverpool und von Manchester United zu eigenen Gunsten nutzen. Avram Grant wirkte von vorne herein nur als Übergangslösung. Mit Luis Felipe Scolari sollte alles einfacher und besser werden an der Stamford Bridge. Doch das Gegenteil passierte. Guus Hiddink wurde dann wieder die im Westen Londons bekannte und teilweise verachtete Übergangslösung. Jetzt möchte man zurück auf Null, wieder einen Neustart feiern und Kontinuität, sportlich wie finanziell, zum FC Chelsea zurück bringen. Mit dem neuen Trainer Carlo Ancelotti soll alles einfacher und besser werden. Titel sind das Ziel. Das klang vor einem Jahr im Sommer 2008 ganz genau so.
Doch dieses Jahr sind die Vorzeichen für die neue Saison 2009/2010 ein wenig besser. Zwar schwimmen immer noch ein paar Altlasten in persona Claudio Pizarro und Andrej Shevchenko im Fahrwasser der Blues, doch der viel zu große Kader wurde durch zahlreiche Verkäufe und Abgänge endlich minimiert. Dort wo man sich verstärken musste, hat man es getan. Und der FC Chelsea ist bis jetzt das einzige Team der Big Four, das keine Abgänge von Leistungsträgern zu verzeichnen hat. Sogar John Terry konnte trotz der Anbaggerungsversuche von Manchester City bei den Blues gehalten werden. Und mit Carlo Ancelotti hat man jetzt einen Trainer auf der Bank sitzen, der nicht unbedingt die größte Erfahrung und Kenntnis des englischen Fußballs hat, aber ein Team zu Meisterschaften führen kann. Unter seiner Regie beim AC Mailand konnte immerhin eine nationale Meisterschaft, drei Vize-Meisterschaften und zweimal die Champions League gewonnen werden. Das ist ja auch noch ein Ziel, das der FC Chelsea immer noch erreichen möchte. Finanziell steht der FC Chelsea alles andere auf sicheren Füßen. Große Transfers wird man wohl erst wieder tätigen können, wenn man Titel eingefahren hat. Bis dahin ist das primäre Ziel die Schulden des Vereins zu tilgen. So ganz einfach lassen sich die Altlasten der vergangenen Jahre eben doch nicht beseitigen. Und man kann nicht um jeden Preis seine Wunschspieler verpflichten. Andrea Pirlo bleibt wohl auch aufgrund der Finanzen beim AC Mailand und wird nicht nach London wechseln. Es kommt also wohl zu keinem Tauschgeschäft mit Claudio Pizarro. Damit haben sich für Werder die Chancen Pizarro zu verpflichten zumindest nicht weiter verschlechtert.
Von der Taktik wird Ancelotti – das zeigen die Testspieleindrücke – wohl wieder zum 4-4-2 zurückkehren. Vorbei die Zeiten, in denen drei Stürmer bei den Blues stürmten. Peter Cech ist im Tor gesetzt, Carvalho und Terry spielen in der Innenverteidigung, auf den Außen links Ashley Cole und rechts wohl Bosingwa. Im Mittelfeld hat Ancelotti die große Auswahl. Defensive Stützen dürften John Obi Mikel oder auch Michael Essien sein. Spielmacher ist und bleibt Frank Lampard, für den offensiven Part stünden Michael Ballack, aber auch Joe Cole und Florent Malouda bereit. Das Sturmduo lautet wohl bis auf weiteres erstmal Didier Drogba und Nicolas Anelka. Und der Kader hat auch die nötige Tiefe und Breite um Ausfälle zu verkraften. Neuzugang Yuri Zhirkov steht ebenso wie Deco noch zur Verfügung, ebenso für den Sturm Salomon Kalou oder der Teenager Daniel Sturridge, der von Manchester City an die Themse wechselte.
Die große Frage ist eben, ob Carlo Ancelotti es schafft – ähnlich wie es Guus Hiddink in seiner Übergangsphase – aus dem Team großer Individualisten wieder ein schlagkräftiges Team entwickelt, das defensiv sicher steht und auch offensiv für Tore steht. Die Zeiten müder Arbeitssiege sollen unter Ancelotti vorbei sein. Es wird offensiv gespielt. Wenn alle diese Vorhaben gelingen, kann es eine sehr erfolgreiche Saison für die Blues werden.
Zugänge: Yuri Zhirkov (ZSKA Moskau), Daniel Sturridge (Manchester City), Ross Turnbull (FC Middlesbrough), Andrej Shevchenko (Ausleihe AC Mailand).
Abgänge: Scott Sinclair (Wigan Athletic), Franco di Santo (Blackburn Rovers), Morten Nielsen (AZ Alkmaar), Slobodan Rajkovic (FC Twente Enschede), Jimmy Smith (Leyton Orient), Ryan Bertrand (FC Reading), Lee Sawyer (Southend United)
Meine Prognose: Wird Carlo Ancelotti kein zweiter Luis Felipe Scolari, gewinnt der FC Chelsea die Premier League Meisterschaft 2009/2010


Donnerstag, 6. August 2009 20:08
Wie kommst du denn darauf, dass unter Ancelotti offensiv gespielt wird?
Er ist vielleicht kein 100%iger Anhänger des Catenaccios, aber in seinen Jahren beim AC Milan war er auch nicht gerade für offensiv-freudige Taktiken bekannt. Auch wenn Mailand vielleicht nicht so oft nur 1-0 gewonnen hat, wie es Chelsea unter Mourinho häufig getan hat, heisst das für mich noch nicht, dass sie offensiv gespielt haben. Sie hatten einfach mehr Effektivität und Wille zum Konterspiel.
Und auch im Testspiel gegen Seattle Sounders habe ich auf einem amerikanischen Fussball-Blog von enttäuschten Fans gelesen, da Chelsea nach dem 1-0 nur verteidigt hat, in der Manier wie sie es gegen Barca im Halbfinale getan haben. Das 2-0 fiel dann zwar noch, aber die Fans waren enttäuscht von der spielerischen Darbietung Chelsea’s (nicht die Sounders Fans, sondern die amerikanischen Chelsea-Anhänger – naja, hätten sie eigentlich mit rechnen können).
Oder war das so gemeint, dass Ancelotti Offensiv-Fussball angekündigt hat? Dann hat es gegen Mittelkklassige Testspiel-Gegner à la Seattle Sounders noch nicht ganz geklappt…
Freitag, 7. August 2009 11:26
Ancelotti hat in mehreren Interviews angekündigt offensiv spielen zu lassen. Also gehe ich mal davon aus, dass er das auch machen wird. Auch wenn er definitiv von 4-3-3 auf 4-4-2 umstellen lässt, haben einige Testspiele gezeigt, dass das Mittelfeld sehr viel offensiver ausgerichtet ist. Einer, der defensiv absichert, meist Obi Mikel oder Essien. Dann Lampard mit allen Freiheiten im Mittelfeld, und zwei offensive mit Ballack und Joe Cole. Wobei Ballack alternativ natürlich auch zurückgezogen werden kann.
Testspiele würde ich generell nicht überbewerten. Ich habe ein paar Medienberichte gelesen zu dem Spiel, wo Chelsea eigentlich eine ganz gute Leistung bescheinigt wurde. Und das schöne an Ancelotti ist ja – und deshalb sehe ich Chelsea auch als Top-Favorit auf die Meisterschaft – dass er, wenn es mal nötig ist, zum Beispiel Hinspiele im Europapokal, dass er weiß, wie man perfekten Defensivfußball spielen kann. Und wenn er dann seine Vorhaben offensiv noch umsetzt, kann er ein Top-Trainer werden. Personal für Offensivfußball ist ja mehr als nur vorhanden.
Den Beweis für Offensivfußball in der Liga muss er in der Tat aber noch erbringen.