Premier League 2009/2010: Saisonvorschau FC Arsenal London
Blickt man noch einmal auf die laufende Saison des FC Arsenal zurück, fallen einem zwei Schlüsselerlebnisse ein: 8. November 2008, Ligaspiel gegen Manchester United im heimischen Emirates Stadium. Begeisternder Fußball der Gunners gegen den Meister, Doppelpack von Samir Nasri, Man Utd über fast 90 Minuten nur zwei Torchancen gewährt. Sieben Monate später, Champions League Halbfinale Rückspiel, wieder gegen Manchester United. Die Gunners liegen nach 10 Minuten 0:2 zurück – und die junge Mannschaft von Trainer Arsene Wenger fällt komplett auseinander und in sich zusammen. Die zwei Seiten des “Kurzpass-Kindergartens aus dem Norden Londons” (Wolff Fuss). Begeisternder Offensivfußball, der die Fans begeistert, der den Mangel an Erfahrung für 90 Minuten kaschiert versus das Versagen in den ganz wichtigen Spielen, in der Champions League oder auch im FA-Cup Halbfinale. Und immer dann kommen die Kritiker der Philosophie vom FC Arsenal aus dem Hintergrund und fordern Verstärkung für das Team. Dabei wird gerne übersehen, dass Arsenal mit einer kleiner Ausnahme (man verlor letzte Saison fünf der ersten neun Spiele), eine sehr konstante Saison gespielt hat. Man pickt sich in Holloway dann gerne die Rosinen raus, die einem nicht schmecken. Dabei ist das Gesamtprodukt doch immer noch mehr als genießbar.
Es ist natürlich leicht sich auf die Spielweise der Gunners, die Unerfahrenheit der Spieler und die Philosophie von Arsene Wenger einzuschießen. Und nimmt man Titel und Meisterschaften als Maßstab hat man als gefrusteter Arsenal-Fan ja auch Recht. Die letzte Meisterschaft gab es 2004, ein Jahr später gewann man noch den FA-Cup, seitdem fehlen Trophäen in den Schränken des Emirates-Stadium. Es ist aber auch zu leicht die Gleichung aufzustellen, Unerfahrenheit entspräche fehlenden Titeln. Arsenal war immer wieder kurz davor. Und ist dann gescheitert. Da bin ich aber auf der Seite von Arsene Wenger, der dies stets gerne als Lernprozess tituliert und so seinen Spieler auch vermittelt. Bisher haben auch immer die Anteilseigner der Aktiengesellschaft des FC Arsenal sich aus dem Transferprozess und der Spielweise rausgehalten. Das ist vor dieser Saison zum ersten Mal anders, als letzte Woche erstmals Bedenken von Seiten der Besitzer geäußert wurden, dass der Kader nicht stark genug sei um in der Spitzengruppe der Premier League mitzuhalten.
Und vielleicht ist es gerade dieser Fakt, der vor Beginn der Premier League Saison 2009/2010 noch einmal eine neue Dimension über den Status Quo bei den Gunners ausgelöst hat. Die Sorgenfalten scheinen größer zu werden, eine klare Linie scheint zu fehlen, die Ansichten, Ideen und Konzepte zwischen Trainer Wenger und den Miteigentümer von der Arsenal Holdings driften auseinander – die Fans sind frustriert. Angesichts der bisherigen Transferpolitik kam man in den Tenor auch einstimmen. Mit Kolo Toure und Adebayor haben zwei echte Leistungsträger den Verein in Richtung Manchester City verlassen. Ersatz dafür wurde noch nicht geholt. Der Kader sei weiterhin stark genug, so Trainer Wenger. Ganz objektiv betrachtet kann das gar nicht stimmen, weil ein Torjäger weg ist und kein weiterer gekommen ist. Und wenn der Togolese mal einen guten Tag hatte, konnte er ein Spiel im Alleingang entscheiden. Mit Thomas Vermaelen von Ajax Amsterdam kam ein Spieler, der die Defensive sicherlich stabiler machen wird. Doch was nützt das, wenn im Sturm die Knipser fehlen, zumal die Chancenauswertung der Gunners meist nicht von dieser Welt ist. Das wirft dann auch wieder die Frage auf, wie es um die Finanzen der Gunners steht. Aus den Verkäufen von Toure und Adebayor sind mindestens noch 30 Millionen Pfund verfügbar – doch ob man diese wirklich ausgeben möchte und darf, steht auf einem anderen Blatt Papier. Auf Klaas-Jan Huntelaar hatte man immer ein Auge verloren, ebenso auf den deutlich weniger teuren Patrick Viera. Huntelaar wechselt jetzt nach Mailand, Viera vielleicht zu den Gunners. Finanziel wäre zumindest das Geld zur Verfügung. Es bleibt interessant und spannend, ob sich der FC Arsenal noch einmal auf den Transfermarkt traut. Wie gut ist der FC Arsenal also vor der Saison 2009/2010? Eines steht fest: Jedenfalls nicht besser als letztes Jahr. Und das scheint man auch im Umfeld zu registrieren. Zeit für Verstärkungen bleibt noch. Die vielleicht auch nötiger denn je ist, sollte Thomas Rosicky noch mehrere Wochen ausfallen.
Dabei ist der Kader trotz alledem immer noch hervorragend besetzt, vor allem im Mittelfeld mit Nasri, Fabregas, Arshavin, Walcott und auch Rosicky. Im Sturm ist man etwas dünn besetzt. Außer Bendtner und Robin van Persie als hängende Spitze fehlt da internationale Klasse. Defensiv fehlt Kolo Toure, gerade auch in der Vorwärtsbewegung und im Antreiben des Spiels nach vorne. Wenn man also noch einen Innenverteidiger und einen guten Stürmer holt, dürften die Kritiker in London ein klein wenig ruhiger werden. Und vielleicht schaffen die vielen Talente der Gunners – Aaron Ramse, Jack Wilshere und Carlos Vela – ihren Durchbruch. Ja, wenn. Zu viele Konjunktive vor der neuen Saison beim FC Arsenal London. Auch im Team macht man sich Gedanken um die aktuelle Situation bei den Gunners. Cesc Fabregas teilte die Tage den Journalisten mit: “Wir werden nie die Saison starten und glauben, dass wir Vierter werden. Jeder große Verein geht durch schwierige Momente, und wir machen das bei Arsenal gerade durch. Wir müssen stärker denn je sein und noch enger zusammenhalten, dann gehen wir gestärkt aus dieser Phase heraus. In den letzten drei Spielzeiten hatten wir viel Pech mit Verletzungen, hoffentlich bleiben wir diese Saison alle fit. Die Qualität im Team ist da, und ich bin mir sicher, dass wir sie auch abrufen können.” Das ist die Idealvorstellung. Der Liga, den Fans und auch den Spielern wäre es zu wünschen. Und auch Arsene Wenger würde es sicherlich gut tun. Sonst kommen schon in der Winterpause die nächste Kritikwelle. Und wenn Wenger im letzten Mai sich schon wie ein Mörder behandelt gefühlt hatte, steht auf der Leiter nach oben nicht mehr viel Spielraum zur Verfügung. Mit der Ungewissheit leben – so geht der FC Arsenal in die Premier League Saison 2009/2010.
Zugänge: Thomas Vermaelen (Ajax Amsterdam)
Abgänge: Kolo Toure (Manchester City), Emmanuel Adebayor (FC Arsenal)
Meine Prognose: Ich tue mich sehr schwer mit einer Prognose für die Gunners. Wenn alles gut läuft, wird es am Ende der vierte Platz. Sollte man sich noch einmal verstärken, ist mehr möglich. Sollten Erfolge ausbleiben, sehe ich sogar Man City und Everton an den Gunners vorbeiziehen.

