Beiträge vom 10. August 2009

Premier League 2009/2010: Saisonvorschau Manchester City

Montag, 10. August 2009 21:16

Wie muss man sich einen frühen Morgen im Juni auf dem Vereinsgelände von Manchester City wohl vorstellen? Mark Hughes trifft sich mit Vertretern der Abu Dhabi United Group, die eine kleine europäische Landkarte mitbringen und darauf schon einmal die Reißzwecken angebracht haben mit Wunschspielern, die sie gerne bei Manchester City sehen würden – fürs Image des Vereins, als aktive Öffentlichkeitsarbeit. Oder läuft es anders herum? Mark Hughes ruft in Dubai an und gibt eine Liste mit seinen Wunschspielern durch, die er gerne in der kommenden Saison bei den Citizens sehen würde. Der eigentliche Prozess ist vielleicht gar nicht so entscheidend, vielmehr für die Fans und die gesamte Premier League das Ergebnis. Und so war es gerade von der Boulevardpresse ein heiteres Spekulationsraten und Gerüchteverstreuen in der Sommerpause, wer denn nun alles zu Manchester City wechseln würde.

Ibrahimovic, Lescott, Terry, Eto’o, Ribery, Messi, Tevez, Santa Cruz, Gareth Barry Adebayor und Kolo Toure. Nicht alles sind es geworden, die vier letzt genannten spielen ab der Premier League Saison 2009/2010 aber in Eastlands. 15 Spieler wurden im Gegenzug verkauft oder haben den Verein verlassen. Insgesamt 100 Millionen Pfund soll Manchester City bisher in dieser Transferperiode ausgegeben haben – und es könnten noch viel mehr sein. Aber John Terry hat sich klar zum FC Chelsea bekannt, Lescott vom FC Everton könnte sich vorstellen bei City zu spielen, bekommt vom Verein aber keine Freigabe, hat dafür aber bei den Fans schon sehr viel Kredit verspielt. Momentan scheint die Geldquelle bei Manchester City noch unendlich sprudeln. Einzig allein dem Bekenntnis vieler Spieler nicht zu City wechseln zu wollen, ist es zu verdanken, dass City die Schallmauer noch nicht durchbrochen hat. Aber man hat schon einmal deutlich gemacht, dass man willens ist die Big Four nicht nur sportlich zu überholen, sondern auch bei den finanziellen Möglichkeiten. Wenn man sich da mal nicht übernimmt.

Shay Given ist im Tor gesetzt, defensiv hat man sich gar nicht so intensiv verstärkt. Wayne Bridge darf sich wohl ebenso wie Richards, Zabaleta, Dunne und Toure in der Defensive wiederfinden. Da fehlt dann auf alle Fälle die Tiefe. Im Mittelfeld ist die Auswahl da umso größer. Ireland, Wright-Philipps, Gareth Barry, Petrov, Benjani, De Jong und Kompany kämpfen alle um Stammplätze, ebenso im Sturm versuchen dies Santa-Cruz, Robinho, Adebayor, Tevez, Bellamy und Benjani. Das dürfte spannend sein, wie stark das Ego einiger Spieler sein wird. Ordnet sich zum Beispiel Adebayor unter und wird erstmal nur Stürmer Nummer vier? Und wie wählt Mark Hughes im Mittelfeld aus? Die Abwehr stellt sich da fast schon von alleine auf. Heißt aber auch in der Konsequenz: Dort muss man sich auf alle Fälle noch verstärken, will man um die Champions League Plätze mitspielen. Lescott hat mehr oder weniger deutlich abgesagt, jetzt versucht man Matthew Upston von West Ham United nach Eastlands zu lotsen. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten ist das ja fast schon das Ausgeben vin Trinkgeld. Eine große Ansammlung exzellenter Individualisten muss zu einem kompakten, spielerisch starken und taktisch klug eingestellten Team geformt werden. Schafft man das innerhalb weniger Wochen und – viel wichtiger – schafft das Mark Hughes? Bereits die vergangene Spielzeit hatte gezeigt, dass Hughes die Erwartungen eigentlich nicht erfüllen konnte.

Und jetzt ist es so deutlich wie noch nie zuvor: Es ist das Team von Mark Hughes, es sind seine Wunschspieler, es werden seine taktischen Vorstellungen umgesetzt, Hughes bekommt von den Besitzern alle Freiheiten. Heißt aber auch: Bleibt sportlicher Erfolg aus, darf Hughes in Eastlands zu seiner eigenen Beerdigung. Wie stark wird Manchester City sein? Von der Ansammlung der Spieler kann City qualitativ und in der Offensive auch quantitativ locker mit den Big Four mithalten. Was City gegenüber Arsenal, Chelsea, Liverpool und Manchester United aber noch fehlt, ist die Erfahrung um Titel mitzuspielen und sich auch dauerhaft unter den ersten Vier zu platzieren. Der Druck Erfolge abzuliefern und die Erwartungshaltung bei den Fans sind aber größer denn je.

Gibt es durch das aufstrebende Manchester City jetzt grundlegende Veränderungen in der Premier League? Erstmal zunächst nicht, vielleicht mit der Ausnahme, dass die Rivalitäten in Manchester noch ein wenig größer werden. Da kann man sich auf die Stadtderbys und das Vorgeplänkel von Sir Alex Ferguson freuen. Grundlegende Veränderungen höchstens dadurch, dass gerade in der größten weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und der unsicheren finanziellen Situation vieler Premier League Klubs Manchester City die Rasenmäher-Strategie fährt, mit der Chelsea, Liverpool und auch Portsmouth so ziemlich gegen die Wand gefahren sind. Richtig nachhaltig würde Manchester City die Liga nur durch sportlichen Erfolg verändern. Und der wäre aus meiner Sicht Platz 3 und besser. Für den Einzug in die Europa League ist das Modell in Eastlands derzeit nicht ausgelegt. Und kurz vor Saisonstart sprechen auch noch zu viele Faktoren dagegen, dass City wirklich mit den Top Four mithalten kann…aber die Saison ist ja lang.

Zugänge: Kolo Toure (FC Arsenal), Carlos Tevez (Manchester United), Gareth Barry (Aston Villa), Emmanuel Adebayor (FC Arsenal), Roque Santa Cruz (Blackburn Rovers), Stuart Taylor (Aston Villa)

Abgänge: Elano (Galatasaray Istanbul), Ched Evans (Sheffield United), Felipe Caicedo (Sporting Lissabon), Gelson Fernandes (AS St. Etienne), Jo (FC Everton), Daniel Sturridge (FC Chelsea), Joe Hart (Birmingham City)

Meine Prognose: 5. Platz

Thema: Premier League | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Medien-Sport-Politik, 10.08.2009

Montag, 10. August 2009 16:48

Zurück von einer kurzen Auszeit, da ich seit Donnerstagabend Besuch aus Baden-Württemberg in Bremen hatte und meinen Gästen fünf Tage lang das schöne Bremen und die Landschaft an der Nordsee zeigen konnte. Und wenn man dann feststellt, dass sich Touristen für so ganz banale Dinge wie die Bremer Stadtmusikanten interessieren, weiß man, dass man das ganz Spezielle in Bremen als Einwohner gar nicht mehr wahrnimmt. Aber es war sehr schön – und der Besuch hat sich sehr positiv über Bremen, die Stadt und das hanseatische Flair geäußert. Wenn man aber Besuch über vier Tage in der Stadt hat, kommt man selten zu etwas anderem als den Besuch zu betreuen. Sprich, ich habe wenig Fußball gesehen am Wochenende, was ich aber auch gar nicht schlimm fand. Den Auftakt am Freitag musste ich natürlich sehen, das konnte ich den VfB-Fans nicht verweigern. Ich hatte mich bereit erklärt, auf das Spiel von Werder zu verzichten und stattdessen lieber an die Nordsee zu fahren – was im Nachhinein die beste Entscheidung war.

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Apropos Fußball: Nur noch wenige Tage bis zum Start der Premier League. Am Samstag ist es dann endlich soweit. Seit heute hat der Guardian auch wieder seine große Vorschau online gestellt. Das ganze gibt es auch in der heutigen Ausgabe in Papierform, auf dem Bremer Hbf war die Beilage aber nicht im Guardian zu finden. Trotzdem einmal nachschauen. Und ansonsten kann man alles auch mal an einem Abend schön am PC durchlesen. Insbesondere die Artikel von Amy Lawrence und Kevin McCarra sind sehr lesenswert.

Mit der Saisonvorschau geht es auch an dieser Stelle weiter. Heute im Laufe des Montags noch mit Manchester City. Von Dienstag bis Donnerstag steht dann das internationale Geschäft, das Mittelfeld und die Abstiegskandidaten im Fokus, bevor ich Freitag wieder eine Übersicht über die Medienberichterstattung zur Premier League erstelle.

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Manchmal verstehe ich Journalisten nicht. Wieso regen sich jetzt eigentlich alle über die neuen Anstoßzeiten der Bundesliga auf? Gibt es keine wichtigeren Themen mehr. Und bei der Argumentation bekomme ich sowieso das Grauen, zum Beispiel…

Christoph Biermann bei SPIEGEL Online

“Vielleicht gibt es deshalb im Kleingedruckten der Verträge mit den Anbietern Sky und Liga Total bislang überlesene Hinweise auf die Gefahren von übermäßigem Genuss von Fernsehfußball. Dort könnte es etwa heißen: “Das Anschauen von zu vielen Fußballspielen kann zu Störungen des Familienfriedens, sozialer Vereinsamung und körperlichen Schäden durch mangelnde Bewegung führen.”

Steffen Dobbert bei ZEIT online

“Dann werden sich alle zum Fußball verabreden, erst freitags, dann zweimal samstags, dann zweimal sonntags. Wenn die Männer das ganze Wochenende Fußball gucken, was sagen dann ihre Frauen? Sie werden sich zu ihren Männern vor den Fernseher setzen, in der Halbzeitpause werden Handtaschen und Prosecco beworben. Ganze Familien werden sich erst auf Gladbach gegen Hannover und dann besonders auf Nürnberg gegen Freiburg freuen. Zum Glück überträgt Sky jetzt diese Spiele hintereinander.”

Oskar Beck bei WELT online

“Am Montag schleppen wir Fußballfans uns scharenweise in die Notaufnahmen der Hospitäler, mit Bindehautentzündungen und Augapfeltrübungen bis hin zur Nackenverspannung mit Beckenschiefstand – soviel zu den Risiken und Nebenwirkungen dieses Dauerfernsehens, das uns der Fußball neuerdings serviert.”

Unsere Journalisten machen sich also alle Gedanken um unser Familienleben. Schon einmal darüber nachgedacht, dass man alles gar nicht gucken muss, was im TV läuft. Vielleicht gibt es in Familien auch Kompromisse? Ein Wochenende Fußball, das andere dann Familienausflug…aber hauptsache mal wieder auf irgendetwas sinnlos eindreschen und so tun, als würde die Welt untergehen, weil die Bundesliga fünf Anstoßzeiten hat. Dass die Mehreinnahmen der Liga durch den neuen TV-Vertrag uns allen – auch den Fans – mehr als positiv zu Gute kommen, wurde in den letzten Tagen nicht mit einer Silbe erwähnt. Aber hauptsache, man macht sich Gedanken um Bindehautentzündungen. Verrückt.

Thema: Medien-Sport-Politik | Kommentare (0) | Autor: medispolis