Premier League 2009/2010: Saisonvorschau Manchester City
Wie muss man sich einen frühen Morgen im Juni auf dem Vereinsgelände von Manchester City wohl vorstellen? Mark Hughes trifft sich mit Vertretern der Abu Dhabi United Group, die eine kleine europäische Landkarte mitbringen und darauf schon einmal die Reißzwecken angebracht haben mit Wunschspielern, die sie gerne bei Manchester City sehen würden – fürs Image des Vereins, als aktive Öffentlichkeitsarbeit. Oder läuft es anders herum? Mark Hughes ruft in Dubai an und gibt eine Liste mit seinen Wunschspielern durch, die er gerne in der kommenden Saison bei den Citizens sehen würde. Der eigentliche Prozess ist vielleicht gar nicht so entscheidend, vielmehr für die Fans und die gesamte Premier League das Ergebnis. Und so war es gerade von der Boulevardpresse ein heiteres Spekulationsraten und Gerüchteverstreuen in der Sommerpause, wer denn nun alles zu Manchester City wechseln würde.
Ibrahimovic, Lescott, Terry, Eto’o, Ribery, Messi, Tevez, Santa Cruz, Gareth Barry Adebayor und Kolo Toure. Nicht alles sind es geworden, die vier letzt genannten spielen ab der Premier League Saison 2009/2010 aber in Eastlands. 15 Spieler wurden im Gegenzug verkauft oder haben den Verein verlassen. Insgesamt 100 Millionen Pfund soll Manchester City bisher in dieser Transferperiode ausgegeben haben – und es könnten noch viel mehr sein. Aber John Terry hat sich klar zum FC Chelsea bekannt, Lescott vom FC Everton könnte sich vorstellen bei City zu spielen, bekommt vom Verein aber keine Freigabe, hat dafür aber bei den Fans schon sehr viel Kredit verspielt. Momentan scheint die Geldquelle bei Manchester City noch unendlich sprudeln. Einzig allein dem Bekenntnis vieler Spieler nicht zu City wechseln zu wollen, ist es zu verdanken, dass City die Schallmauer noch nicht durchbrochen hat. Aber man hat schon einmal deutlich gemacht, dass man willens ist die Big Four nicht nur sportlich zu überholen, sondern auch bei den finanziellen Möglichkeiten. Wenn man sich da mal nicht übernimmt.
Shay Given ist im Tor gesetzt, defensiv hat man sich gar nicht so intensiv verstärkt. Wayne Bridge darf sich wohl ebenso wie Richards, Zabaleta, Dunne und Toure in der Defensive wiederfinden. Da fehlt dann auf alle Fälle die Tiefe. Im Mittelfeld ist die Auswahl da umso größer. Ireland, Wright-Philipps, Gareth Barry, Petrov, Benjani, De Jong und Kompany kämpfen alle um Stammplätze, ebenso im Sturm versuchen dies Santa-Cruz, Robinho, Adebayor, Tevez, Bellamy und Benjani. Das dürfte spannend sein, wie stark das Ego einiger Spieler sein wird. Ordnet sich zum Beispiel Adebayor unter und wird erstmal nur Stürmer Nummer vier? Und wie wählt Mark Hughes im Mittelfeld aus? Die Abwehr stellt sich da fast schon von alleine auf. Heißt aber auch in der Konsequenz: Dort muss man sich auf alle Fälle noch verstärken, will man um die Champions League Plätze mitspielen. Lescott hat mehr oder weniger deutlich abgesagt, jetzt versucht man Matthew Upston von West Ham United nach Eastlands zu lotsen. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten ist das ja fast schon das Ausgeben vin Trinkgeld. Eine große Ansammlung exzellenter Individualisten muss zu einem kompakten, spielerisch starken und taktisch klug eingestellten Team geformt werden. Schafft man das innerhalb weniger Wochen und – viel wichtiger – schafft das Mark Hughes? Bereits die vergangene Spielzeit hatte gezeigt, dass Hughes die Erwartungen eigentlich nicht erfüllen konnte.
Und jetzt ist es so deutlich wie noch nie zuvor: Es ist das Team von Mark Hughes, es sind seine Wunschspieler, es werden seine taktischen Vorstellungen umgesetzt, Hughes bekommt von den Besitzern alle Freiheiten. Heißt aber auch: Bleibt sportlicher Erfolg aus, darf Hughes in Eastlands zu seiner eigenen Beerdigung. Wie stark wird Manchester City sein? Von der Ansammlung der Spieler kann City qualitativ und in der Offensive auch quantitativ locker mit den Big Four mithalten. Was City gegenüber Arsenal, Chelsea, Liverpool und Manchester United aber noch fehlt, ist die Erfahrung um Titel mitzuspielen und sich auch dauerhaft unter den ersten Vier zu platzieren. Der Druck Erfolge abzuliefern und die Erwartungshaltung bei den Fans sind aber größer denn je.
Gibt es durch das aufstrebende Manchester City jetzt grundlegende Veränderungen in der Premier League? Erstmal zunächst nicht, vielleicht mit der Ausnahme, dass die Rivalitäten in Manchester noch ein wenig größer werden. Da kann man sich auf die Stadtderbys und das Vorgeplänkel von Sir Alex Ferguson freuen. Grundlegende Veränderungen höchstens dadurch, dass gerade in der größten weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und der unsicheren finanziellen Situation vieler Premier League Klubs Manchester City die Rasenmäher-Strategie fährt, mit der Chelsea, Liverpool und auch Portsmouth so ziemlich gegen die Wand gefahren sind. Richtig nachhaltig würde Manchester City die Liga nur durch sportlichen Erfolg verändern. Und der wäre aus meiner Sicht Platz 3 und besser. Für den Einzug in die Europa League ist das Modell in Eastlands derzeit nicht ausgelegt. Und kurz vor Saisonstart sprechen auch noch zu viele Faktoren dagegen, dass City wirklich mit den Top Four mithalten kann…aber die Saison ist ja lang.
Zugänge: Kolo Toure (FC Arsenal), Carlos Tevez (Manchester United), Gareth Barry (Aston Villa), Emmanuel Adebayor (FC Arsenal), Roque Santa Cruz (Blackburn Rovers), Stuart Taylor (Aston Villa)
Abgänge: Elano (Galatasaray Istanbul), Ched Evans (Sheffield United), Felipe Caicedo (Sporting Lissabon), Gelson Fernandes (AS St. Etienne), Jo (FC Everton), Daniel Sturridge (FC Chelsea), Joe Hart (Birmingham City)
Meine Prognose: 5. Platz


Montag, 10. August 2009 21:49
Die schwächste Figur bei den Citizens sitzt auf der Bank: Mark Hughes. Das spielerische Potenzial ist zweifellos gross, da sollte ein Platz unter den ersten Drei absolut möglich sein. Aber ob es Hughes gelingt, die Stars zu einer Starmannschaft zu formen, das bezweifle ich doch sehr.