Premier League 2009/2010: Saisonvorschau – Mittelfeld und Abstiegszone

Bleiben noch – die Aufsteiger ausgenommen, auf die ich in einem seperaten Eintrag noch einmal genauer eingehen werde, sieben Mannschaften, die ich irgendwie versucht habe tabellenmäßig ein bisschen einzuschätzen und einzuordnen. Vom FC Sunderland, Wigan Athletic, den Blackburn Rovers und den Bolton Wanderers erwarte ich, dass sie über die gesamte Saison gesehen eher wenig mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden. Stoke City, Hull City und den FC Portsmouth habe ich hingegen auf den Zettel, wenn es um den direkten Abstieg in die Championship geht.

Vom FC Sunderland – da bin ich mir sicher – wird definitiv mehr kommen als in der letzten Saison, als man fast bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg kämpfte. Zum einen ist der Trainerposten mit Steve Bruce, der Wigan Athletic verlassen hatte, endlich nach der Ära Roy Keane wieder so besetzt, dass man von den Black Cats ein Stück Kontinuität und Verlässlichkeit auf wie neben dem Platz erwarten kann. Und man war sich auf dem Transfermarkt nicht zu schade ordentlich Geld auszugeben. Jüngster Neuzugang ganz aktuell am heutigen Mittwoch war für sechs Millionen Pfund Lee Cattermole von Wigan Athletic, ein Spieler, den Steve Bruce also bestens kennt. Zudem gab man 10 Millionen Pfund für Darran Bent von Tottenham, fünf Millionen Pfund für Lorik Cana von Olympique Marseille und weitere 3,5 Millionen Pfund für Frazier Campbell von Manchester United aus. Im Gegenzug haben 13 Spieler den Verein verlassen. Das scheint gerade unter den durchschnittlichen Teams der Premier League ein neuer Trend zu sein: den Kader schlanker und konkurrenzfähiger machen, sich auf 18-20 Spieler konzentrieren, möglichst wenige Spieler im Kader haben, die nur Geld fürs Erwärmen der Ersatzbank bekommen.

Was kann man nächste Saison von den Bolton Wanderers erwarten? Ich denke, es reicht wieder für einen gesicherten Mittelfeldplatz, vor allem dann, wenn man mehr Konstanz in die Leistungen reinbringt als noch in der vergangenen Saison. Dass Bolton auch mal eine Siegesserie starten kann, haben sie gezeigt. Und mit Gary Megson konnten sich viele Fans auch immer besser anfreunden. Augenmerk auf die drei Neuzugänge der Bolton Wanderers: Zat Knight kam von Aston Villa, Sam Ricketts von Hull City und Sean Davis vom FC Portsmouth. Alle drei sehr erfahrene Spieler, die Bolton qualitativ weiterbringen. Zwei besondere Abgänge haben die Blackburn Rovers und Wigan Athletic zu verkraften. Bei den Rovers ist es der Top-Stürmer der vergangenen Jahre, nämlich Roque Santa Cruz, der zu der Scheich-Truppe Manchester City wechselte. Und bei Wigan ist es eben der Vater des Erfolgs der vergangenen Saison, der Trainer Steve Bruce, welcher das finanziell wohl bessere Angebot von Sunderland nicht ablehnen konnte. Wigan wird sicherlich auch die Kreativität von Antonio Valencia im Mittelfeld vermissen. Immerhin brachte der Transfer zu Manchester United ein wenig Geld in die Transferkasse, sodass man unter anderem Jason Scotland von Swansea City und Jordi Gomez von Espanyol Barcelona verpflichten konnte. Insbesondere auf Scotland sollte der interessierte Premier League Fan beide Augen werfen, nicht nur wegen der sehr interessanten Vita. Auf Trinidad und Tobago geboren kam spielte er von 2003 bis 2007 vier Jahre in Schottlanf für Dundee United und St. Johnstone. 2007 folgte dann der Wechsel zum englischen Zweitligisten Swansea City, wo er in zwei Spielzeiten richtig auftrumpfte. 45 Tore in 90 Pflichtspielen sprechen eine deutliche Sprache. Also, schaut auf Jason Scotland!

Das zweite Jahr in der Premier League soll ja immer das schwierigste sein. Klassische Beispiel dafür gibt es viele, zum Beispiel der FC Reading, der in seiner ersten Spielzeit in der Premier League 2006/2007 sensationell Achter wurden. Ein Jahr später stiegen die Royals wieder ab. Es gibt aber auch Gegenargumente. Zu Beginn des neuen Jahrtausends schaffte der FC Sunderland als Aufsteiger zweimal in Folge den siebten Platz, konnte eine erste erfolgreiche Premierensaison wieder bestätigen, bevor man dann mit der negativen Rekordpunktzahl 19 nach der dritten Saison abstieg. Das schwere zweite Jahr gehen nun Stoke City und Hull City an. Und wie versuchen beide Teams die zweite Saison anzugehen? Die Potters eher ruhig und konservativ. Stoke ist das Team mit den bisher geringsten Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Man hat in der letzten Saison gesehen, dass man nicht unbedingt spielerisch, aber kämpferisch und von der Laufbereitschaft in der Premier League mithalten kann. Stoke spielte nicht schön, aber für ihre Verhältnisse erfolgreich. Einziger prominenter Neuzugang ist Dean Whitehead vom FC Sunderland. Hull City ist so ein bisschen Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Von überzeugenden Siegen gegen den FC Arsenal wie peinlichen Heimniederlagen gegen direkte Abstiegskandidaten war letzte Saison bei den Tigers alles dabei. Würde mich nicht wundern, wenn es diese Saison wieder so ist, die negativen Erlebnisse aber deutlich umfangreicher und ausgeprägter als die Erfolgserlebnisse.

Kommen wir zum Abschluss zu einem Verein, der es diese Saison noch schwerer haben wird als vergangene Spielzeit, die ja auch gezeigt hat, dass es etablierte Premier League Teams, wie Newcastle oder Middlesbrough, mit dem Abstieg treffen kann. Es wäre keine Überraschung, wenn einer der drei Absteiger im Mai 2009 FC Portsmouth heißen würde. Aber immerhin wird es den Verein wohl noch länger geben. Denn so klar war dies im Sommer 2009 auch nicht immer. Der Verein stand finanziell kurz vor dem Exodus, Überlebenschance äußerst gering. Einfach pleite. Marodes Stadion, schlechte Transferpolitik, hohe Schulden sowieso. Ein gefährlicher Cocktail. Jetzt hat der Wüstengott mal wieder seine Hand geöffnet. Ende Mai kaufte dann Sulaiman Al Fahim, auch schon in die Gestricke bei Manchester City verwickelt, für angeblich 60 Millionen Pfund den Verein. Der Deal scheint zu stehen, genehmigt ist er von der Seiten der Premier League noch nicht. Einige Details sind auch noch zu klären. Aber es scheint immerhin ein klein wenig Licht am Ende des Tunnels zu sein. Auch wenn finanziel erstmal alles wieder im Rahmen sein sollte, ist es sportlich noch lange nicht, eben weil man aufgrund des finanziellen Engpasses zahlreiche Spieler abgeben musste. Dies sind immerhin Peter Crouch, Glen Little, Glen Johnson, Sean Davis, Lauren und Djimi Traore. Wer soll die Tore für Pompey schießen? Zu Beginn der vergangenen Saison stürmten da noch Jermain Defoe und Peter Crouch. So ändern sich die Zeiten, im Moment nicht zum besseren für das Team von der Südküste.

Autor: medispolis
Datum: Mittwoch, 12. August 2009 22:00
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