Premier League 2009/2010 #3, Erkenntnisse nach 270 Minuten
Für die meisten Teams sind zumindest drei Spiele schon bestritten worden. Einzig und allein die Teilnehmer an den Playoffs zur Champions League und Europa League sowie Aston Villa und der FC Liverpool, die das Monday Nigh Game austragen, hinken noch ein bisschen hinterher. Trotzdem bietet sich einfach einmal die Gelegenheit auf die ersten Entwicklungen in der Premier League Saison 2009/2010 zu blicken. Natürlich ist der Erkenntniswert nach 180-270 Minuten noch eher gering, dennoch gibt es schon jetzt einige zumindest zarte Anzeichen, in welche Richtung es für welche Teams diese Saison gehen könnte.
London dominiert derzeit die Premier League. Auf den ersten drei Tabellenplätzen sind lediglich Klubs aus der Hauptstadt. Ganz oben stehen die Tottenham Hotspur und der FC Chelsea. Bei den Blues aus dem Westen Londons hätte man das schon eher erwarten können, bei den Spurs haben sich das wohl nur die kühnsten Propheten an der White Hart Lane erträumt. Für das Team von Harry Redknapp der beste Saisonstart seit fast 40 Jahren. 9 Punkte, drei Spiele, +6 Tore. In den Sportforen der englischen Tageszeitungen wird schon diskutiert, ob die Spurs die Phalanx der Big Four brechen können. Zum Vergleich: In der Vorsaison holten die Spurs ihre ersten neun Punkte erst bis zum 11. Spieltag. Damals gab es am 01. November ein 2:1-Heimsieg gegen den FC Liverpool. Im Prinzip wollte Tottenham auch schon die vergangenen Jahre unter Martin Jol und Juande Ramos in dieser Art und Weise wie jetzt in die Saison starten. Bloß hat es nur diesmal geklappt. Ich habe heute das Spiel der Spurs bei West Ham United auf Sky gesehen. Insgesamt ein etwas glücklicher Sieg, weil sich beide Teams über 90 Minuten nahezu auf Augenhöhe begegneten. Tottenham mit mehr Druck und Spielanteilen zu Beginn des Spiels, die Hammers brauchten ein wenig Zeit um ins Spiel zu kommen, konnten aber insbesondere in der zweiten Halbzeit das Spiel ausgeglichen gestalten. Knackpunkt für den Sieg der Spurs die eher schwache linke Seite von West Ham, auf der der flinke Aaron Lennon sich immer wieder gegen Jonathan Spector durchsetzen konnte. Insgesamt sollte den Hammers um ihre Leistung aber nicht bange sein, denn das war heute völlig ok.
Richtig gut in die Saison ist auch der FC Arsenal London gestartet. Zwei überzeugende Siege in der Premier League beim 6:1 in Everton und dem 4:1 im Emirates Stadium gegen den FC Portsmouth. Vor der Saison wurde von vielen Experten verkündet, dass insbesondere die Gunners aufgrund der Abgänge von Toure und Adebayor und der wenigen hochkarätigen Neuverpflichtungen prädestiniert seien für das Herausfallen aus den Top Four. Momentan sind die Anzeichen ganz offensichtlich dafür ehe gering. Trotzdem sollte man den Auftakt nicht allzu hoch bewerten. Everton hatte am Auftaktspieltag einen miserablen Samstagabend erwischt und Portsmouth kann in der jetzigen Form wirklich nicht der Gradmesser sein für den FC Arsenal. Wenn die Gunners im Emirates Stadium Platz und wenig Gegenwehr beim Kombinieren bekommen, sind solche Ergebnisse wie gegen Pompey fast schon Standard. Auch die neu formierte Innenverteidigung mit Willam Gallas und Thomas Vermaelen wurde noch wenig geprüft. Die großen Bewährungsproben kommen dann nächsten Samstag mit dem Auswärtsspiel bei Manchester United und dem Beginn der Champions League. Allerdings ist es fürs Erste erstaunlich, wie kombinationssicher und zielstebig vor dem gegnerischen Tor die Londoner agieren. Momentan ist wenig vor der schlechten Chancenverwertung der letzten Saison zu sehen. Offensiv scheint man diese Saison mehr Möglichkeiten denn je für den Torerfolg zu haben. Momentan ist der Erfolg von Arsenal eine Momentaufnahme, die Arsene Wenger aber gerne mitnimmt zur Unterstützung seiner Philosophie. Und wer die Tore der Gunners noch nicht gesehen hat, einfach mal irgendwo anschauen. Fußball kann so schön und einfach sein!
Manchester United hingegen müht sich ein bisschen in die Saison hinein, wobei das eigentlich nicht ganz so besonders ist. Auch letzte Saison startete man nicht mit einer perfekten Ausbeute. 1:0 gegen Birmingham, Niederlage beim Aufsteiger Burnley, Kantersieg dank starker zweiter Hälfte bei Wigan Athletic. Sechs Punkte nach drei Spielen ist keine schlechte Bilanz für ein Team, das – auch wenn man es vielleicht nicht gerne hören mag – ein bisschen im Umbruch steckt. Rooney ist im Sturm im Moment noch weitesgehend auf sich alleine gestellt, Berbatov muss seine Rolle erst noch finden, und das Mittelfeld lässt ohne Christiano Ronaldo sehr viel Torgefahr vermissen. Da sind kleine Erfolge, wie das erste Tor von Michael Owen, schon ein großer Schritt nach vorne. Bei Man Utd hängt vieles in dieser Saison, so sieht es zumindest bisher aus – vom Sturm ab. Harmonieren Rooney, Berbatov und Owen, hat Man Utd wenig Probleme. Tun sie es nicht, und das Mittelfeld bleibt weiterhin eher ungefährlich bei den Torversuchen, gibt es eben solche Niederlagen wie gegen den FC Burnley. Und sollte es davon zu viele geben, fährt der Meisterschaftszug im März dann ohne die Red Devils ab. Was Man Utd noch braucht, ist ein torgefährlicher Mittelfeldspieler, der auch so ein bisschen die Aufmerksamkeit von Rooney nimmt und gleichzeitig mehr Platz für Antonio Valencia ermöglicht.
Ähnliches wie für Manchester United gilt auch für den Stadtrivalen Manchester City. Das sieht alles noch ein bisschen uneingespielt und mühsam aus. Aber solange man gewinnt, dürfte das Mark Hughes egal sein. Guter Saisonstart auch für den FC Sunderland, wo man nach drei Spielen schon sehr gut die Handschrift vom neuen Trainer Steve Bruce lesen kann. Siege gegen Blackburn und Bolton, Niederlage trotz starker erster Hälfte gegen Chelsea. Wenn man so weiterspielt, ist man auf einem sehr guten Wege wenig mit dem Abstieg zu tun zu haben. Denn solche Siege wie gegen die Rovers und Wanderers sind essentiell, gegen Chelsea kann man ruhig verlieren. Die Abwehr wirkt mit Neuzugang Cattermole sehr viel stabiler und im Sturm hat man mit Darran Bent und Kenwyne Jones zwei sehr agile und treffsichere Spieler. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sind Stoke und Birmingham in die neue Saison gestartet. Die Schwierigkeiten der Premier League durfte an den ersten Spieltagen auch Aufsteiger Wolverhampton erfahren, der jetzt aber zumindest einen Sieg auf dem Konter hat und eine lange erfolgslose Durststrecke zum Auftakt erstmal vermeiden konnte. Ebenso wie Hull City nach dem 1:0 gegen die Bolton Wanderers. Schon zwei Siege verzeichnet der FC Burnley. Heute ein 1:0 gegen den FC Everton. Platz 7 nach drei Spieltagen – optimaler Beginn für den Aufsteiger vom Turf Moor.
Ganz am Tabellenende steht derzeit wenig überraschend der FC Portsmouth, die beim Auswärtsspiel im Emirates immerhin ihr erstes Saisontor geschossen haben. Ich sehe im Moment wenig Anzeichen, wie Pompey nach 90 Minuten mal ein Spiel gewinnen soll. Unter der Woche kamen erste Gerüchte auf, wonach Torwart David James möglicherweise den Verein verlassen könnte, eventuell in Richtung Tottenham. James macht sich Sorgen um seine Teilnahme an der WM in Südafrika, sollte er weiterhin bei der Schießbude der Liga im Tabellenkeller stecken. Und so finanziell schlecht, wie Portsmouth derzeit dasteht, bringen Transfererlöse notwendige liquide Mittel. Und sollte James auch noch gehen, könnten die Lichter sportlich bereits an Weihnachten ausgehen.
Auch der FC Everton hat einen miserablen Saisonstart hingelegt. Zwei Spiele, zwei Niederlagen, 1:7 Tore. Dazu das Theater um Innenverteidiger Juleon Lescott. Das sollte sich jetzt aber zumindest gelegt haben. Lescott wird in den nächsten Tagen zu Manchester City für eine Ablösesumme von 22 Millionen Pfund wechseln. Geld, das die Toffees dann für Transfers zur Verfügung haben. Trainer Moyes hat schon mal klar gemacht, dass dringend etwas getan werden muss. Da kommen ihm die beiden Auftaktniederlagen zumindest in dieser Hinsicht gerade richtig.






