Einfach mal die Pausentaste drücken…
Mein Leben fühlt sich derzeit wie eine hektische Reise an, irgendwo zwischen Bremen, Düsseldorf und Hannover, irgendwo zwischen frühem Aufstehen und morgendlichen Zugfahrten und erschöpften Nachmittagen und drei Stunden Schlaf im Inter City auf dem Rückweg nach Bremen. Ich hoffe sehr, dass dieser Zustand sich Anfang der Woche erledigt hat und endlich wieder der Alltag in ruhigeren Bahnen verläuft. Deshalb auch seit ein paar Tagen hier weniger los, aber ich bemühe mich das wieder zu ändern. Aber momentan muss das Bloggen einfach mal hinten anstehen.
Und wenn man dann morgens um kurz nach vier aufsteht und mit dem ersten Zug, EuroCity 7 nach Chur, Richtung Rheinland fährt und ganz alleine im vorderen Wagen sitzt, dann kommt einem das Gefühl nahe, dass im Leben doch eigentlich alles in Ordnung ist und man vielleicht auch auf hohem Niveau über die Situation klagt, weil ja alles viel schlimmer sein könnte. Das ist ja auch völlig richtig – doch ich finde es furchtbar, wenn man ständig unterwegs ist, wenn man bei dem einen Projekt schon an das andere denken muss, wenn man zu Beginn der Woche mit all seinen Aktivitäten und Plänen schon auf das Ende der Woche Rücksicht nehmen muss – und vor allem, wenn man nicht weiß, ob das alles, was man sich vornimmt, auch erfolgreich sein wird. Enttäuschungspotential war noch nie größer. Und bei der ganzen Hektik und trotzdem den ganzen schönen Momenten um einen herum möchte man dann einfach mal die Pausentaste drücken, mal für einen Moment länger stehen bleiben, mal das Hier und Jetzt genießen – und nicht schon wieder mit den Gedanken bei der Wohnungsbesichtigung um 13:30 Uhr sein.
Einfach mal auf Pause drücken. Hey, Euro City 7, fahr doch einfach mal rechts ran, für drei bis vier Minuten aufs Abstellgleis, lass dich von lahmen Güterzügen überholen, aber bleib stehen. Ich könnte das Fenster runtermachen, frische Sommerluft an einem herrlichen Morgen einatmen und in aller Ruhe den tollen Sonnenaufgang fotografieren. Aber nein, du bretterst mit 200 km/h über Weichen und Gleise, immer näher deinem Ziel entgegen. Und plötzlich ist es hell draußen.
Ich will beim Coldplay-Konzert ständig auf Pause drücken, bei jedem Lied, bem Chor von Viva la Vida, bei den bunten Schmetterlingen, die durch die Arena fliegen, bei den großen gelben Ballons, die bei Yellow durch den Innenraum schweben. Ich will, als ich Dienstagnacht umarmt werde, nicht mehr loslassen, muss mich aber doch trennen.
Ach, lieber Düsseldorfer, für ein paar Minuten muss die 704 Richtung Kniebrücke und Landtag wegen eines Unfalls anhalten. Der Straßenbahnfahrer gibt durch, dass es in Kürze weiter geht. Alle Fahrgäste springen auf, verlassen die Bahn und gehen zu Fuß weiter, suchen hektisch nach Alternativmöglichkeiten der Weiterfahrt. Als ich der letzte im Fahrzeug bin, springe ich auch auf und hetze zu Fuß zum nächsten Besichtigungstermin. Wieder Hektik. Kurz vor meinem Ziel überholt mich wieder die Straßenbahn, fast leer, ohne Menschen.
Es ist eine Situation irgendwo zwischen latenter Unzufriedenheit, Vorfreude auf die nächsten Monaten in Düsseldorf und ein wenig Traurigkeit, das Bekannte und Bewährte aufzugeben. Und alles gepaart mit Hektik, die ich aber so gerne vermeiden würde, andererseits wird es nie langweilig. Und zwischen all den Hochs und Tiefs bewege ich mich gerade. Aber ich weiß, dass wenn alles gut geht, in den nächsten Tagen ein stabiles Hoch kommt. Und dann verichte ich auf die Pausentaste und würde wahrscheinlich am liebsten vor- und zurückspulen in meinem Leben.

