Storrie-Telling: Hoffnung für den FC Portsmouth. Aber wie lange?

Um keinen Verein in der Premier League gab es in den vergangenen Wochen und Monate so viele Gerüchte wie um den FC Portsmouth von der Südküste Englands. Anfang August tauchten erstmals Gerüchte in einer Sondersendung von BBC Five Live zur finanziellen Situation in der Premier League auf, wonach der Klub keine Chance zum finanziellen Überleben mehr habe und kurz vor der Pleite stand. Von offizieller Seite gab es dazu nie Stellungnahmen. Man bemühte sich um einen neuen Investor für den Klub – und bis dahin gab es von allen Seiten nichts als Schweigen. Da Portsmouth in der Sommerpause einige Spieler hat ziehen lassen müssen und selbst gerade einmal 10 Millionen Pfund für neue Spieler ausgegeben hat, konnte man zumindest auf zweitem Wege erkennen, dass die Situation um den Verein nicht die allerbeste ist.

Um zumindest den Hintergrund für die derzeitige Lage des FC Portsmouth ein wenig besser zu verstehen, muss man einige Jahre zurück in die Vereingeschichte gehen und sich auch kurz mit dem Umfeld bei Pompey beschäftigen. Im März 2002 wird Harry Redknapp zum ersten Mal Trainer an der Südküste Englands, seine dritte Trainerstation nach Bournemouth und sieben Jahren bei West Ham United. Seit Sommer 2001 war er bereits im Verein tätig als Director of Football. Als Trainer führte er Portsmouth in die Premier League und sicherte in der ersten Saison auch den Klassenerhalt, verließ dann aber den Verein wegen interner Streitigkeiten über seinen damaligen Assistenten Jim Smith. Unter Redknapp gab es die beste Saisonplatzierung, danach ging es immer weiter abwärts. Man entkam immer nur knapp dem Abstieg. Die Fans waren es leid, das Vereinsumfeld auch. Im Dezember 2005 ging bereits wieder das Abstiegsgespenst durch den Fratton Park. Und was machte man in der Führungsriege bei Pompey: Man holte sich Harry Redknapp zurück. Er sollte wieder den Aufschwung bringen. Und Redknapp konnte wieder den Klassenerhalt sichern. Gleichzeitig steuerte der französische Unternehmer Alexandre Gaydamak frisches Geld für den Verein bei und wurde Mitbesitzer am Verein. Harry Redknapp war es leid, seine Fußballliebe immer nur gegen den Abstieg spielen zu sehen und wollte richtig Geld in den nächsten Jahren investieren. Und das Portmonee wurde geöffnet, für Jermain Defoe, für Lassana Diarra, oder für den Rekordtransfer von Peter Crouch vom FC Liverpool, für eine Ablöse von 11 Millionen Pfund. Sportlich konnte Redknapp diese Transfers immer rechtfertigen. Man holte mit dem neuen Platz die beste Saisonplatzierung und gewann 2008 den FA-Cup. Aber finanziell war dies für den kleinen Club schlicht nicht zu stemmen. Das Stadion ist mit 20.000 Zuschauern das kleinste in der Premier League – und die teueren Transfers wollten auch ordentlich Gehalt. Überhaupt ist der Fratton Park im maroden Zustand und braucht dringend eine Modernisierung. Doch Portsmouth gab das Geld lieber für teure Transfers aus – Geld, das sie aber eigentlich gar nicht hattten. Als dann auch noch Alexandre Gaydamak die Lust am Mitbesitz verlor, vertrocknete auch diese Geldquelle – ein neuer Investor musste gesucht werden. Und eine Gelddruckmaschine. Mit dem Scheich Sulaiman Al-Fahim, der sich im Heimspiel gegen Manchester City auch schon auf der Tribüne gezeigt hat, ist man sich jetzt im August einig geworden. Es kann wieder aufwärts gehen.

Und nachdem alle Baustellen zumindest vorerst gelöst sind, kann man auch der Öffentlichkeit verraten, wie eng es um das Überleben des FC Portsmouth gestanden hat. Das hat der Chief Executive des FC Portsmouth, Peter Storrie, gestern Abend in einem Interview mit BBC Five Live öffentlich gemacht. Eine Zusammenfassung des Interviews gibt es bei BBC Sport.

“Pompey had been living way outside our means. On a couple of occasions it got very close to going into administration. It’s something I Was fighting very heavily against but at the end of the day you can ask people so many times to give you a little longer to pay things.”

Storrie erhofft sich mit dem Geld des neuen Investors jetzt den Neubau eines Stadions und des Trainingsgeländes und will weiterhin im Amt bleiben. Doch die größte Herausforderung für Portsmouth ist jetzt nicht mehr die finanzielle, sondern die sportliche. Das Vermeiden des Abstiegs in die Championship. Und insbesondere der Saisonstart mit vier Niederlagen in den ersten vier Spielen gibt wenig Hoffnung auf Besserung. Zumal Portsmouth aufgrund der finanziell knappen Kassen wichtige Spieler hat gehen lassen müssen. Dass Portsmouth von der spielerischen Qualität heute schlechter dasteht als vor einigen Wochen ist ganz offensichtlich. Peter Crouch, Sylvain Distain, Glen Johnson und Niko Krancjar haben den Verein verlassen. Das waren alles ehemalige Leistungsträger bei Pompey. Der Guardian zählt auf, dass von den 13 Neuzugängen des FC Portsmouth in der Sommer-Transferperiode fünf noch nie in der Premier League gespielt haben und sieben der 13 Spieler erst wenige Tage vor Ende des Transfensters an die Südküste gewechselt sind. Ein erfahrenes Premier League Team, das die Gelegenheit hatte sich einzuspielen, sieht anders aus. Und das weiß auch Trainer Paul Hart.

Und da ist dann noch das eher unterkühlte Verhältnis von Torwart David James zu seinem Verein und dem Trainer Paul Hart. James, der sich Chancen für die Teilnahme an der WM 2010 im englischen Nationaltor ausrechnet, ist für die Qualifikationspiele der Engländer am Samstag und Mittwoch von Trainer Fabio Capello nicht nominiert worden. Und dann verplfichtete Portsmouth auch noch den finnischen Nationaltorhüter Antti Niemi, immerhin drei Jahre jünger als James, vom FC Fulham. Sein Stammplatz sei keine Garantie mehr, habe David James mitgeteilt bekommen. James sah dies als Beweis dafür, dass er nicht länger bei Portsmouth bleiben könnte, weil so seine Chancen im Tor zu stehen erheblich sinken würden. Also was macht der erfahrene Torwart da? Er wünscht sich zu seinem größten Förderer zu wechseln, zu den Tottenham Hotspur und Harry Redknapp. Der soll nach diversen Medienberichten auch ein Angebot für James abgegben haben, bekommt am Ende aber nur Krancjar an die White Hart Lane gelotst. James war entsprechend sauer und soll sich intern auch mit Trainer Paul Hart angelegen haben. Diesen Darstellungen hat Peter Storrie nun aber widersprochen. Man habe kein konkretes Angebot von den Spurs für James gehabt. Es sei zwischen Hart und James lediglich zu Diskussionen gekommen. Das scheint sehr nett formuliert zu sein.

Auch wenn man den finanziellen Kollaps gerade so vermeiden konnte. Dass nun auch der sportliche Erfolg zurückkommt, kann das neue Frischgeld nur wenig beeinflussen. Dazu gehört eher ein erfahrenes, eingespieltes Team mit einer Führungspersönlichkeit im Tor. Doch David James scheint degradiert worden zu sein. Was nützt die große Rettung des FC Portsmouth kurz vor dem finanziellen Tod, wenn man nächste Saison nicht mehr gegen Arsenal oder Chelsea spielt, sondern Leicester und Conventry spielt. Dann hat man das Sterben des Vereins nur um ein Jahr hinausgezögert. Irgendwie müssen die Fehler der Vergangenheit ja auch bestraft werden. Und Harry Redknapp wird man im Januar ganz sicherlich nicht zurück nach Portsmouth holen können. Das steht fest.

Autor: medispolis
Datum: Donnerstag, 3. September 2009 14:59
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