Verdientes TV-Duell
Ich muss zugeben, ich habe das TV-Duell gestern Abend nicht gesehen. Nicht, dass ich es nicht wirklich wollte, aber ich hatte Besseres vor. Gewählt hatte ich schon, inhaltlich hatte ich mir im Vorfeld nicht viel von dem Duell erwartet. Und die Auswahl der Moderatoren riss mich auch nicht vom Hocker. Also lieber Pizza statt TV-Duell. Im Nachhinein fällt es mir natürlich durchaus leicht zu sagen, dass ich da alles richtig gemacht habe und der Großteil der Zuschauer gestern Abend enttäuscht die Flimmerkiste ausschaltete.
Und entsprechend war da heute auch die Medienreaktion. Das kann doch alles gar nicht sein, dass das kein Duell war. Beide so lieb und nett, so ruhig und sachlich. Wie verblendet sind eigentlich unsere Medienvertreter mittlerweile, um zu glauben, dass da etwas anderes stattfinden wird als im bisherigen Wahlkampf? Würde Steinmeier jetzt auf einmal auf volle Pulle Attacke gegen Merkel gehen, wäre DAS unglaubwürdig und nicht nachvollziehbar, weil er es im bisherigen Wahlkampf noch nicht gemacht hat. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, auf was sich der Herr Deppendorf da im Bericht aus Berlin um 18:30 Uhr gefreut hat. Es klang mehr nach einem WM-Finale im Fußball.
Es gibt den nicht unbedingt empirisch nachweisbaren Spruch, dass das Volk immer nur die Regierung bekommt, die es verdient. Oder wie es Richard David Precht in der aktuellen Ausgabe der ZEIT im Feuilleton ausdrückt: Wir wählen uns alle nur selbst. Und seit gestern Abend sehe ich die Chancen für eine Große Koalition durchaus gestiegen. Und im Prinzip ist es auch genau das, was wir verdienen. Ein Großteil der Bevölkerung sagt, es würden Inhalte im Wahlkampf fehlen, dabei wird gerade von der SPD, den Grünen und auch der FDP durchaus ein Wahlkampf mit solchen geführt. Fast alle schreien auf, wenn Politiker mal gegen den Gegner sticheln. Sobald ein Negative-Campaigning-Plakat hängt, geht ein Aufschrei durch Bevölkerung und Medien. Das sollte mal nicht vergessen werden. Im Europawahlkampf haben viele auf die SPD, die einen Teil des Wahlkampfs auch mit solchen negativen Elementen geführt hat, eingeschllagen. Und jetzt wollen das wieder alle. Das kann doch auch alles nicht wahr sein.
Und dann lese ich einen solchen Kommentar bei tagesschau.de: “Verschont uns damit in der Zukunft.” Erst jubeln sie alle, und jetzt soll es nie wieder zu einem TV-Duell kommen. Ist das alles lächerlich. Es sollte eigentlich noch viel mehr solcher Aufeinandertreffen geben im Wahlkampf. Aber nicht mit überzogenen Erwartungen, vernünftigen Moderatoren und – das würde ich mir am meisten wünschen – im direkten Duell der Kandidaten unter Einladung von Zuschauern, die dann Fragen an die Kandidaten stellen dürften. Ungefähr so, wie das bei Obama und McCain im US-Wahlkampf so unterhaltsam funktioniert hat.
So, also am 27.09. noch einmal vier Jahre Große Koalition, und am besten gleich noch neue Moderatoren für ARD und ZDF (Wenn nicht jetzt, wann dann, stimmts, Herr Plasberg?) und ich werde auf eine einsame Insel wandern, wenn es so weiter geht. Herr Plasberg hatte ja davon gesprochen, dass das TV-Duell “Sauerstoffzufuhr für den Wahlkampf” sein werde. Man darf nur hoffen, dass wir alle unsere Atemschutzgeräte dabei haben in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren.


Dienstag, 15. September 2009 8:28
“So, also am 27.09. noch einmal vier Jahre Große Koalition”
Eigentlich ganz einfach: Reicht es für schwarz-gelb, gibt es dies auch. Falls nicht, weiter die große Koalition. Oder wie Volker Pispers es ausgedrückt hat: Merkel wird wieder ins Kanzleramt reiten. Die Frage ist nur, ob auf einem Esel oder einem Wallach.
Aktuell steht es Spitz auf Knopf, aber auch ich sehe das Momentum auf Seiten einer Fortsetzung der großen Koalition.
“Und im Prinzip ist es auch genau das, was wir verdienen.”
Eine schreckliche Vorstellung!
“und am besten gleich noch neue Moderatoren für ARD und ZDF”
Vor allem Frau Illner hat sich für mich nun vollends disqualifiziert und meinen Eindruck während des gesamten Wahlkampfs bestätigt. “Illner intensiv” war teilweise schwer erträglich, ebenso der “TV-Dreikampf” mit den Spitzen der Opposition.
Umfassbar, aber Klöppel und Limbourg waren tatsächlich die besseren, also genau die, die nicht von “uns” bezahlt werden. Vielleicht bekommen wir tatsächlich, was wir verdienen…