Beiträge vom September, 2009

Medien-Sport-Politik, 07.09.2009

Montag, 7. September 2009 18:29

Für mich ist eines der Sporthighlights des Sommers immer auch die US Open in New York, die seit Jahren von Eurosport übertragen werden. Dieses Jahr auch parallel auf Eurosport, Eurosport 2 und Eurosport HD. Eigentlich genug Kanäle, um die deutschen Spieler in den Fokus der Berichterstattung zu stellen. Aber scheinbar hat Eurosport keine Auswahl auf die Spielauswahl oder das Signal, welches angeboten wird. Sagt Eurosport. So ganz kann ich das aber nicht verstehen, weil man zum Beispiel am Samstagabend immer wieder zwischen Tommy Haas und dem Sharapova-Match gewechselt ist. Da frage ich mich ganz ehrlich, wieso Tommy Haas nicht vollständig gezeigt wird. Und auf Eurosport 2 lief ein Match, das gefühlt 10 Menschen interessieren könnte. Schade, da hatte Eurosport eine große Chance verpasst, zwei wirklich gute Spiele parallel zu übertragen. Und generell habe ich dieses Jahr das Gefühl, dass sehr viel häufiger die Damen übertragen werden, wenn man die Auswahl zwischen Herren und Damen hat. Kommt mir persönlich so vor. Kann mich auch irren. Mir fällt es dieses Jahr aber verstärkt auf.

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Bei Sky News tut sich mal wieder was hinter den Kulissen. Der Nachrichtenkanal von der Insel hat eine Petition ins Leben gerufen, dass es zur General Election im nächsten Jahr ein landesweites TV-Duell der Spitzenkandidaten von Labour, den Liberal Democrats und der Conservative Party. Eine entsprechende Einladung ging an Gordon Brown, David Cameron und Nick Clegg, den Chef der Liberal Democrats. Es gibt bereits zwei Zusagen – nur Gordon Brown hat noch nicht geantwortet. Die Debatte soll bei Sky News, live im Internet und im Radio übertragen werden. Eat this, RTL und Sat.1. Es wäre das erste Mal, dass es eine solche Debatte im britischen Fernsehen geben würde. Um dieses Vorhaben zu unterstützen, hat Sky News eine Petition gestartet, damit diese Idee realisiert wird.

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Nochmal britische Medien, diesmal BBC Five Live. Jetzt hat auch der Sport-und Nachrichtenkanal der BBC als letzter der Radiostationen eine neue Website bekommen. Zudem wurde das Programm am Wochenende ein wenig verändert. Wichtigste Neuerung: Danny Baker hat seine eigene Radioshow bekommen. Baker ist vor allem für seine stets direkte Meinung bekannt, insbesondere zu Zeiten, als er noch 6-0-6 bei BBC Five Live leitete. Stets direkt, aber auch ungemein nett, witzig und unterhaltsam. Und nicht nur deswegen unglaublich beliebt bei vielen Radiohörern. Von 10:00-12:00 Uhr deutscher Zeit gibt es jetzt samstags jetzt immer die Danny Baker Show. Wer Zeit hat, zum Beispiel beim Wochenendputz, unbedingt einmal reinhören. Baker hat der Montags-Medienausgabe des Guardian ein längeres Interview gegeben, indem die Art und Weise, wie Baker Radio macht, sehr gut herüberkommt und wie er sich gerade wegen seines vorlauten Mundwerks verändern musste.

“I certainly don’t feel under any kind of scrutiny. I would thunder against that. It’s not a matter of mellowing, I just don’t believe there are any windmills to be tilted at in football any more. There is a much more sly route to bring things down and put them in perspective than being Mr Angry. It is much funnier to tweak tails than to bellow and rage.”

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Wo wir gerade bei der BBC sind. BBC Radio 1 fährt in den nächsten Tagen mal wieder alle Geschütze auf. Heute Abend von 20:00 bis 01:00 Uhr ist Muse Night inklusive Mitschnitt eines Live-Konzerts von Muse‘ Heimatstadt Teignmouth an der Südküste Englands von vergangenem Samstag. Zudem gibt es Interviews und eine Muse-Dokumentation. Wer diese großartige Band näher kennenlernen möchte, dem sei ein Reinhören empfehlen. Kommen für einige Konzerte Ende November auch nach Deutschland. Und am 18. September gibt es dann ab 11:00 Uhr mein persönliches Highlight. Coldplay in der Live-Lounge und Highlights vom Konzert im Glasgower Hampden Park. Und für solche Ereignisse verehre ich diesen Radiosender.

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Via des Pottblogs bin ich auf die Petition Wir wollen nur Fußball gestoßen. Diese Petition richtet sich gegen die höheren Preise Bundesliga zu verfolgen seit dem Launch von Sky in Deutschland. Dabei ärgert die Initiatoren der Petition vor allem, dass man das Bundesliga-Paket nicht mehr alleine buchen kann, sondern zusätzlich Sky Welt abonnieren muss. Meine Güte, einige regen sich über die Preise auf, andere wie ich klagen über das eher mangelhafte Sportprogramm. Am besten Sky holt sich alle Sportrechte der Welt und bietet die für 5 Euro an. Wenn alles so einfach wäre. Zumindest in einem Ansatz kann ich die Petition verstehen. Gerade im Bundesliga- und Sportbereich ist die Preiserhöhung rapide, zumal es an neuen Sportrechten eher wenig gab. Nur mehr Anstoßzeiten bei der Bundesliga. Andererseits wäre Sky ohne die Preiserhöhung schon klinisch tot.

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Nochmal zurück auf die Insel, diesmal aber Fußball. Samstag kehrt die Premier League aus der Länderspielpause zurück. Und in den Internetforen, Blogs und Zeitungen gibt es dieser Tage nur ein Thema: Das Transferverbot für den FC Chelsea. Mittlerweile soll auch Manchester United in Verdacht stehen Dreck am Stecken zu haben. Ich habe ja im englischen Fußball schon einiges erlebt, aber dieser Artikel hat mir dann doch die Sprache verschlagen. Der Viertligist Crewe Alexandra hat sich in die Debatte eingeschaltet und wirft einem Premier League Klub vor, junge Spieler dem Verein zu klauen. Dabei muss man wissen, dass Crewe Alexandra für seine exzellente Jugendarbeit bekannt ist. Der director of football, Dario Gradi, macht dann auch gleich ein großes Fass auf:

“The big clubs are stealing other people’s players and you worry financially for the clubs where the players are stolen from. What sort of compensation are we going to get for all the work that has gone into developing him? Any compensation is insignificant for the effort that gone in. I’m delighted with what has happened with Chelsea. I would hope all the big clubs are frightened to death. There is no excuse for breaking the rules.”

Da dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein…

Thema: Medien-Sport-Politik | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Frustriert vor den Briefwahlunterlagen

Sonntag, 6. September 2009 15:24

Ich habe mittlerweile meine Briefwahlunterlagen zuhause. Seit ein paar Jahre wähle ich nur noch per Briefwahl, finde ich bequemer, weil ich dann am Wahltag nicht so sehr vom Gang ins Wahlbüro abhängig bin. Und ich schaue gerne auch einmal ein wenig länger auf die Wahllisten und die Kandidaten, die sich zur Abstimmung spielen. Wenn ich ganz viel Zeit habe, googele ich auch ein paar Personen, informiere mich über deren Herkunft, Bildungsweg oder politische Karriere. Als ich am Freitagnachmittag mit den Briefwahlunterlagen nach Hause kam, habe ich sie schnell auf den Schreibtisch geworfen, wollte mich darum am gestrigen Samstag kümmern. Nachmittags hatte ich dann ein wenig Zeit, alles ausgefüllt und dann wollte ich noch meine zwei Kreuze machen – was ich aber nicht gemacht habe, weil ich mich irgendwie nicht entscheiden konnte, wen ich wählen soll und wie ich Erst- und Zweitstimme verteile. Klar habe ich eine klare Präferenz, trotzdem habe ich mich gestern damit schwer getan, so ganz ohne großes Nachdenken meine Kreuze zu machen.

Wahrscheinlich bin ich nicht der einzige, der sich dieses Jahr schwer tut mit seiner Wahlentscheidung. Aber bei mir ist nicht nur das eigentliche Wählen, mich ärgert und frustriert der Wahlkampf insgesamt, die geringe inhaltliche Auseinandersetzung, der schleppende Internetwahlkampf, das ratlose Abnicken großer Teile der Bevölkerung, dass ja alles ganz gut sei, so wie der Wahlkampf jetzt geführt werde – und das ständige Interpretieren irgendwelcher Zahlen der Umfrageinstitute. Mir graut schon jetzt vor dem TV-Duell am nächsten Sonntag – in jeglicher Hinsicht. Dabei werden diese 90 Minuten wohl die wichtigsten im Wahlkampf sein. Und das spricht ganz sicherlich nicht für diese politische Auseinandersetzung vor der Bundestagswahl.

Ich schaue mir natürlich auch aus purem Interesse Umfrageergebnisse an, lese Wahlprogramme und surfe relativ regelmäßig durch die Websiten der Parteien. Ich mache das, um mir ein möglichst klares Bild zu machen, welche Partei politisch was anbietet und wie insgesamt der Wahlkampf wahrgenommen wird. Und manchmal habe ich das Gefühl, ich würde einen anderen Wahlkampf sehen und von diesem Wahlkampf etwas anderes erwarten als die Mehrheit hier in diesem Land. Für mich bedeutet Wahlkampf eine Auseinandersetzung um politische Inhalte, und dies darf gerne auch ein wenig humorvoll, polemisch, polarisierend und frech sein. Schließlich braucht man Aufmerksamkeit für seine Ideen und Konzepte. Und ich finde, dass Negative Campaigning ein wichtiger Bestandteil der Wahlauseinandersetzung sein sollte, solange man immer auch seine Alternativen herausstellt. Da lese ich dann im neuen Politbarometer vom Freitag, dass nur etwas mehr als 30 Prozent wollen, dass der Wahlkampf härter geführt wird. Da frage ich mich dann schon, was an dem jetzigen Wahlkampf überhaupt als hart angesehen wird. Und 50 Prozent meinen, bei CDU/CSU und SPD gehe es zu wenig um Inhalte. Da wundere ich mich dann, wieso man als Umfrageinstitut so eine Frage stellen kann und beide Parteien zusammenfasst.  [Anmerkung: Beide Parteien sind jeweils einzeln mit je 50% Zustimmung zu der Frage aufgeführt, dass der Wahlkampf zu wenig Inhalt habe. Danke an Arne für den Hinweis in den Kommentaren]. Das kann das Bild doch nur verzerren, denn es ist doch ganz offensichtlich, dass der Wahlkampf der Union mit vielem glänzt, nur nicht mit politischen Inhalten. Wer das bestätigt sehen möchte, der lese sich heute bitte mal das Interview mit Angela Merkel auf Seite 4 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung durch, in dem es keine klare inhatliche Aussage gibt außer ein paar verschachtelte Andeutungen. So viele Gelegenheiten sich stets bieten auf die SPD einzudreschen, inhaltlosen Wahlkampf kann man den Sozialdemokraten nun nicht vorwerfen. Sehen aber scheinbar nur die wenigsten so. Komisch.

Ich versuche mich wieder ein bisschen mehr mit den politischen Talkshows anzufreuden, obwohl ich das eigentlich für verschwendete Zeit halte. Letzten Mittwoch hatte ich hart aber fair geschaut in der ARD – und ich fand es furchtbar. Wie sollen solche 90 Minuten helfen, vielen Menschen, die noch unentschieden sind, die Wahlentscheidung klarer zu machen? Und das hatte Frank Plasberg mit großen Tönen vor der Sendung angekündigt. Wie die Medien mittlerweile versuchen Politik darzustellen in den abendlichen Talkshows, ist schlicht nicht anzuschauen. Anne Will finde ich mittlerweile untragbar als Talkshow. Von daher kann ich die Medienkritik von Bundestagspräsident Norbert Lammert in Ansätzen auch ein wenig verstehen:

“Die Prioritäten sind ganz eindeutig in die falsche Richtung verschoben. Es spricht Bände, dass sich Deutschlands Topjournalisten in Scharen um die unterhaltsamen Themen tummeln, während es für ein für die Zukunft dieses Landes maßgebliches Regelwerk eine eher gelangweilte Aufmerksamkeit gibt.”

Was Norbert Lammert da aber gerne übersieht, ist, dass für so ein Szenario immer zwei Parteien verantworltich sind. Medien wie Politik. Wenn die politischen Akteure den Medien nur solche Themen im Wahlkampf anbieten und ein großer Teil der Parteien, allen voran die CDU, es vermissen lässt, über Inhalte zu sprechen, muss man sich doch nicht wundern, wenn die Medien über ein wichtiges Vertragswerk wie den Vertrag von Lissabon eher nicht berichten – und lieber die Kritik der CSU an der FDP senden. Apropos Vertrag von Lissabon: Die Parteien haben es bis heute nicht geschafft oder wollten es nicht schaffen zu vermitteln, warum es bei dem Vertrag geht und welche Auswirkungen er für die deutsche Bevölkerung und das deutsche politische System hat. Das ist aber Aufgabe von Politik. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass sich jeder die 348 Seiten durchliest. Damit die Medien es berichten, muss aber auch der Input von der Politik kommen. Der Großteil der Medien scheint im Moment zu faul zu sein, eigene Themen, auch komplexe schwierige Themen, aufzubereiten und verständlich zu machen.

Mich frustriert die Gesamtsituation, das Zusammenspiel von Politik und Medien und die Auseinandersetzung um die Inhalte. Wo ist das gewisse Etwas in diesem Wahlkampf, das, was die Wahlentscheidung leichter macht? Eigentlich freue ich mich auf das TV-Duell am nächsten Sonntag, aber insgeheim befürchte ich, dass es ein lahmes Phrasenwiederholen wird, ein Profilieren der Moderatoren, die sich wieder ganz wichtig nehmen wollen, und ein Umfragemarathon der Insitute, die alle fünf Minuten in Deutschlands Haushalten anrufen, und fragen, wer das Duell gewonnen hat. In diesem Wahlkampf haben – so streng muss es formuliert werden – bisher alle verloren. Die Parteien, die immer nur nach Macht schielen und sich vor unbequemen Inhalten scheuen. Die Medien, die es nicht schaffen, Begeisterung für den Wahlkampf zu wecken und die Politik auch mal in die Enge treiben können. Und die Bevölkerung, die meint, dass doch alles so ganz gut sei und sich dann nach der Wahl wieder aufregt, während des Wahlkampfs aber artig die Klappe hält.

Meine Briefwahlunterlagen habe ich erstmal wieder verlegt. Wählen gehe ich aber auf alle Fälle.

Thema: Bundestagswahl 2009 | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Samstag, 05. September 2009 – The right to know

Samstag, 5. September 2009 17:06

„Erstmals in der Geschichte werden die Besuchsprotokolle des Weißen Hauses für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wir werden unser Ziel erreichen, diese Regierung zu der offensten und transparentesten in der Geschichte zu machen. Die Amerikaner haben ein Recht zu wissen, welche Stimmen im politischen Entscheidungsprozess gehört werden.”

Barack Obama gab gestern bekannt, dass die Namen der Besucher des Weißen Hauses spätestens zum Ende des Jahres im Internet veröffentlicht werden.

[via New York Times]

Thema: Politik International, Zitat des Tages | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Storrie-Telling: Hoffnung für den FC Portsmouth. Aber wie lange?

Donnerstag, 3. September 2009 14:59

Um keinen Verein in der Premier League gab es in den vergangenen Wochen und Monate so viele Gerüchte wie um den FC Portsmouth von der Südküste Englands. Anfang August tauchten erstmals Gerüchte in einer Sondersendung von BBC Five Live zur finanziellen Situation in der Premier League auf, wonach der Klub keine Chance zum finanziellen Überleben mehr habe und kurz vor der Pleite stand. Von offizieller Seite gab es dazu nie Stellungnahmen. Man bemühte sich um einen neuen Investor für den Klub – und bis dahin gab es von allen Seiten nichts als Schweigen. Da Portsmouth in der Sommerpause einige Spieler hat ziehen lassen müssen und selbst gerade einmal 10 Millionen Pfund für neue Spieler ausgegeben hat, konnte man zumindest auf zweitem Wege erkennen, dass die Situation um den Verein nicht die allerbeste ist.

Um zumindest den Hintergrund für die derzeitige Lage des FC Portsmouth ein wenig besser zu verstehen, muss man einige Jahre zurück in die Vereingeschichte gehen und sich auch kurz mit dem Umfeld bei Pompey beschäftigen. Im März 2002 wird Harry Redknapp zum ersten Mal Trainer an der Südküste Englands, seine dritte Trainerstation nach Bournemouth und sieben Jahren bei West Ham United. Seit Sommer 2001 war er bereits im Verein tätig als Director of Football. Als Trainer führte er Portsmouth in die Premier League und sicherte in der ersten Saison auch den Klassenerhalt, verließ dann aber den Verein wegen interner Streitigkeiten über seinen damaligen Assistenten Jim Smith. Unter Redknapp gab es die beste Saisonplatzierung, danach ging es immer weiter abwärts. Man entkam immer nur knapp dem Abstieg. Die Fans waren es leid, das Vereinsumfeld auch. Im Dezember 2005 ging bereits wieder das Abstiegsgespenst durch den Fratton Park. Und was machte man in der Führungsriege bei Pompey: Man holte sich Harry Redknapp zurück. Er sollte wieder den Aufschwung bringen. Und Redknapp konnte wieder den Klassenerhalt sichern. Gleichzeitig steuerte der französische Unternehmer Alexandre Gaydamak frisches Geld für den Verein bei und wurde Mitbesitzer am Verein. Harry Redknapp war es leid, seine Fußballliebe immer nur gegen den Abstieg spielen zu sehen und wollte richtig Geld in den nächsten Jahren investieren. Und das Portmonee wurde geöffnet, für Jermain Defoe, für Lassana Diarra, oder für den Rekordtransfer von Peter Crouch vom FC Liverpool, für eine Ablöse von 11 Millionen Pfund. Sportlich konnte Redknapp diese Transfers immer rechtfertigen. Man holte mit dem neuen Platz die beste Saisonplatzierung und gewann 2008 den FA-Cup. Aber finanziell war dies für den kleinen Club schlicht nicht zu stemmen. Das Stadion ist mit 20.000 Zuschauern das kleinste in der Premier League – und die teueren Transfers wollten auch ordentlich Gehalt. Überhaupt ist der Fratton Park im maroden Zustand und braucht dringend eine Modernisierung. Doch Portsmouth gab das Geld lieber für teure Transfers aus – Geld, das sie aber eigentlich gar nicht hattten. Als dann auch noch Alexandre Gaydamak die Lust am Mitbesitz verlor, vertrocknete auch diese Geldquelle – ein neuer Investor musste gesucht werden. Und eine Gelddruckmaschine. Mit dem Scheich Sulaiman Al-Fahim, der sich im Heimspiel gegen Manchester City auch schon auf der Tribüne gezeigt hat, ist man sich jetzt im August einig geworden. Es kann wieder aufwärts gehen.

Und nachdem alle Baustellen zumindest vorerst gelöst sind, kann man auch der Öffentlichkeit verraten, wie eng es um das Überleben des FC Portsmouth gestanden hat. Das hat der Chief Executive des FC Portsmouth, Peter Storrie, gestern Abend in einem Interview mit BBC Five Live öffentlich gemacht. Eine Zusammenfassung des Interviews gibt es bei BBC Sport.

“Pompey had been living way outside our means. On a couple of occasions it got very close to going into administration. It’s something I Was fighting very heavily against but at the end of the day you can ask people so many times to give you a little longer to pay things.”

Storrie erhofft sich mit dem Geld des neuen Investors jetzt den Neubau eines Stadions und des Trainingsgeländes und will weiterhin im Amt bleiben. Doch die größte Herausforderung für Portsmouth ist jetzt nicht mehr die finanzielle, sondern die sportliche. Das Vermeiden des Abstiegs in die Championship. Und insbesondere der Saisonstart mit vier Niederlagen in den ersten vier Spielen gibt wenig Hoffnung auf Besserung. Zumal Portsmouth aufgrund der finanziell knappen Kassen wichtige Spieler hat gehen lassen müssen. Dass Portsmouth von der spielerischen Qualität heute schlechter dasteht als vor einigen Wochen ist ganz offensichtlich. Peter Crouch, Sylvain Distain, Glen Johnson und Niko Krancjar haben den Verein verlassen. Das waren alles ehemalige Leistungsträger bei Pompey. Der Guardian zählt auf, dass von den 13 Neuzugängen des FC Portsmouth in der Sommer-Transferperiode fünf noch nie in der Premier League gespielt haben und sieben der 13 Spieler erst wenige Tage vor Ende des Transfensters an die Südküste gewechselt sind. Ein erfahrenes Premier League Team, das die Gelegenheit hatte sich einzuspielen, sieht anders aus. Und das weiß auch Trainer Paul Hart.

Und da ist dann noch das eher unterkühlte Verhältnis von Torwart David James zu seinem Verein und dem Trainer Paul Hart. James, der sich Chancen für die Teilnahme an der WM 2010 im englischen Nationaltor ausrechnet, ist für die Qualifikationspiele der Engländer am Samstag und Mittwoch von Trainer Fabio Capello nicht nominiert worden. Und dann verplfichtete Portsmouth auch noch den finnischen Nationaltorhüter Antti Niemi, immerhin drei Jahre jünger als James, vom FC Fulham. Sein Stammplatz sei keine Garantie mehr, habe David James mitgeteilt bekommen. James sah dies als Beweis dafür, dass er nicht länger bei Portsmouth bleiben könnte, weil so seine Chancen im Tor zu stehen erheblich sinken würden. Also was macht der erfahrene Torwart da? Er wünscht sich zu seinem größten Förderer zu wechseln, zu den Tottenham Hotspur und Harry Redknapp. Der soll nach diversen Medienberichten auch ein Angebot für James abgegben haben, bekommt am Ende aber nur Krancjar an die White Hart Lane gelotst. James war entsprechend sauer und soll sich intern auch mit Trainer Paul Hart angelegen haben. Diesen Darstellungen hat Peter Storrie nun aber widersprochen. Man habe kein konkretes Angebot von den Spurs für James gehabt. Es sei zwischen Hart und James lediglich zu Diskussionen gekommen. Das scheint sehr nett formuliert zu sein.

Auch wenn man den finanziellen Kollaps gerade so vermeiden konnte. Dass nun auch der sportliche Erfolg zurückkommt, kann das neue Frischgeld nur wenig beeinflussen. Dazu gehört eher ein erfahrenes, eingespieltes Team mit einer Führungspersönlichkeit im Tor. Doch David James scheint degradiert worden zu sein. Was nützt die große Rettung des FC Portsmouth kurz vor dem finanziellen Tod, wenn man nächste Saison nicht mehr gegen Arsenal oder Chelsea spielt, sondern Leicester und Conventry spielt. Dann hat man das Sterben des Vereins nur um ein Jahr hinausgezögert. Irgendwie müssen die Fehler der Vergangenheit ja auch bestraft werden. Und Harry Redknapp wird man im Januar ganz sicherlich nicht zurück nach Portsmouth holen können. Das steht fest.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Warum sich 24 nicht für den deutschen Free-TV Markt eignet

Mittwoch, 2. September 2009 20:17

Gestern gab es den Auftakt der 7. Staffel zur Echtzeitserie 24 im Deutschen Free-TV, diesmal nicht bei Pro Sieben oder RTL II, sondern bei Kabel Eins. Was als einzige Konsequenz bisher lediglich ein anderer Sender ist, der diese großartige Serie fast schon ins Nachtprogramm steckt. Von den Quoten hat sich gar nichts getan. Sie bleiben weiter auf einem Tief, das diese Serie und die 7. Staffel nicht verdient haben. Marktanteile von gerade einmal knapp über fünf Prozent sind das erste Zeichen, dass auch diese Staffel in aller Schnelle durch das Free-TV gepeitscht werden wird. Mal sehen, wann der Startschuss für die Überlegungen fällt, an den Dienstagabenden drei oder vier Episoden am Stück zu senden.

Ich verfolge 24 nun schon seit der 3. Staffel, gebe aber zu, mir nie die Ausstrahlung im Free-TV angeschaut zu haben. Ich habe immer auf die DVD-Box gewartet. Von daher war ich froh, dass PREMIERE im Januar 2009 mit der Ausstrahlung im Pay-TV in Deutschland began, zu einem festen Sendetermin montags 20:15 Uhr und mit klarem Wiederholungsschema. Für 24-Fans war dies eine unglaubliche Bereicherung. Und auch PREMIERE/Sky zeigten sich äußerst zufrieden mit der Resonanz ihrer Abonnenten. Die achte Staffel wird ebenfalls exklusiv bei Sky zu sehen sein. Hatten sich die Free-TV Sender durch die verstärkte Resonanz von 24 im deutschen Fernsehen vielleicht auch etwas Aufwind für ihre Quoten gewünscht, wurden sie gestern Abend einmal mehr enttäuscht.

Ich hatte nebenbei 24 Redemption, den Eröffnungsfilm zur siebten Staffel, und die erste Stunde nebenbei laufen lassen – und mir wurde dann zum ersten Mal bewusst, wie ungeeignet 24 fürs Free-TV ist und insgesamt der deutsche Fernsehmarkt die Popularität von 24 hat vorbeifahren lassen. Das Format einer Echtzeitserie ist ja nicht alltäglich und die zahlreichen Auszeichnungen für die Serie sprechen ja für ihre hervorragende Qualität und Resonanz. Nur in Deutschland scheinbar nicht.

1. 24 ist für das Free-TV aus zweierlei Sicht schon völlig ungeeignet. Zum einen ist die Werbung, welche durch die drei Unterbrechungen einer Episode die Handlung teilweise unmöglich macht zu verstehen und nachzuvollziehen. Und gerade bei 24 ist es mir aufgefallen, dass Werbung hier noch mehr nervt als sonst. Zum anderen ist es die späte Ausstrahlung nach 22:00 Uhr, aus Gründen des Jugendschutzes und der geltenden Bestimmungen in Deutschland. Das ist bei der Serie auch absolut nachvollziehbar. Die Frage ist dann eben, ob sich Free-TV Sender damit einen großen Gefallen tun, 24 in ihr Programm aufzunehmen. In Großbritannien läuft die Serie ausschließlich im Pay-TV bei Sky, da hat sich ein Free-TV Sender gar nicht erst heran gewagt die Serie ins Programmbouquet aufzunehmen.

2. 24 an sich ist eine großartige Serie, etwas Besonderes, mit einem ganz speziellen Schauspieler in der Hauptrolle, mit einem teilweise sehr schwer zu analysierenden Charakter. Die Serie hat auch immer wieder eine politische Dimension. Das sind aber alles keine Merkmale, die gegen 24 sprechen – sondern eher dafür. Trotzdem haben sich die deutschen Medien mit der Berichterstattung über den Serienstart von 24 im Pay- wie Free-TV zurückgehalten. Da braucht man sich dann auch nicht wundern, wenn die wenigsten 24 überhaupt nicht kennen. Klar gab es auf der ein oder anderen Medienseite einer regionalen Tageszeitung mal einen oder zwei Absätze oder auch die Medienportale schrieben kurz über den Start der Ausstrahlung. Faszination für 24 konnte man damit aber nicht rüberbringen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie Jack Baur bei der Chris Moyles Show auf BBC Radio 1 zu Gast war, eine ganze Stunde lang Interview und Promotion für die neue Staffel. Das muss man sich mal vorstellen, dass ein Free-TV Sender wie die BBC für eine Serie, die in UK ausschließlich im Pay-TV läuft, Werbung macht. Ich weiß gar nicht, wie oft erzählt wurde, dass die Serie nur bei Sky laufe. Dass Free-TV Pay-TV Programme bewirbt und umgekehrt – in UK eine Selbstverständlichkeit, in Deutschland teilweise immer noch ein No-Go. In Großbritannien hat man erkannt, dass dann der gesamte TV-Markt profitieren kann. Hier in Deutschland sucht man bei den Radiosendern der Öffentlich-Rechtlichen vergeblich nach der Berichterstattung für 24.

Wieder einmal hat der deutsche TV-Markt eine Chance verpasst, eine Serie, die nicht einfach zu etablieren ist, in Deutschland sesshaft zu machen. Klar, könnte man sagen. Die, die es sowieso sehen wollen, sehen es auch. Aber das kann ja für TV-Sender auch nicht das Ziel sein. Man möchte schließlich auch neue Zuschauer gewinnen, für seinen Sender und für seine Serie. So wie es jetzt läuft, ist es auf alle Fälle unbefriedigend. Komisch, dass bei Kabel Eins keiner Mal auf die Idee gekommen ist, einen 24-Themenabend zu machen. Aber so wie die Serie jetzt angegangen wird, wird sie noch ungeeigneter für das Free-TV gemacht, als sie teilweise schon ist. Bonuspunkte hätte es für mich gegeben, wenn Kabel Eins einen Neuanfang gemacht hätte. Aber man setzt den Weg von Pro Sieben und RTL II fort. Am besten man macht gleich einen 24-Stunden-Marathon. Wobei das wären dann ja fast zwei Tage, mit Werbung versteht sich. Geht ja auch wieder nicht.

Thema: TV und Radio | Kommentare (4) | Autor: medispolis

Premier League 2009/2010: Transfer Deadline Day

Dienstag, 1. September 2009 20:13

“Wo sind die teuren, besonderen, in letztem Atemzug, völlig von den Journalisten unbemerkten Transfers am letzten Tag des Transferfensters, nach denen wir uns so sehnen? Irgendwo da draußen sind sie. Höre nicht auf, daran zu glauben – es könnte bei deinem Klub passieren. Sogar, wenn dein Verein in League Two spielt.”

Aus dem Live-Blog zum Transfer Deadline Day der BBC.

Es war köstlich zu sehen, wie die Sportjournalisten der BBC, des Guardian und bei Sky Sports News heute versucht haben, auch nur wenigstens ein bisschen Dramatik, Spannung und Überraschungen in diesen eher trostlosen, für englische Verhältnisse fast schon unspektakulären letzten Tag des Transferfensters zu bringen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, liefen die Ereignisse diesmal nicht von alleine. Was immer auch von der schreibenden Zunft unternommen wurde, es blieb am Ende bei wenig Show. Da waren die Nachrichten über die zwei Spiele Sperre für Eduardo vom FC Arsenal nach seiner Schwalbe gegen Celtic Glasgow und der Trainerwechsel beim AS Rom von Luciano Spalletti zu Claudio Ranierei schon fast wichtigere Nachrichten als die letzten Wechsel auf dem Transfermarkt.

Schaut man sich die Mannschaften an, die heute noch neue Spieler verpflichtet haben, fällt auf, dass das große Geld gar nicht erst in Bewegung gekommen ist. Auf dem Transfermarkt aktiv waren Aston Villa, Birmingham City, die Bolton Wanderers, FC Burnley, Everton, Fulham, Hull, Portsmouth, Stoke City und die Tottenham Hotspur. Alles Teams, die nicht bereit und fähig sind, die ganz großen Summen auf den Tisch zu legen. Deshalb sind die heute getätigten Transfers in aller Linie auch eine Ergänzung des bestehenden Kaders, eine Vergrößerung der Alternativen. Es scheint, dass viele Teams mit ihrer derzeitigen Mannschaft ziemlich zufrieden sind. Oder – zweite Vermutung – einfach schlicht kein Geld ausgeben wollen. Keiner der Big Four ist heute noch einmal tätig geworden. Beim FC Liverpool hofft man schon, dass Alberto Aquilani schneller als geplant fit wird, Manchester United hat gar nicht erst versucht, noch einmal bei Ribery anzufragen, Chelsea scheint aufgrund des guten Saisonstarts sich sehr selbstsicher zu sein, Arsenal wollte zwar immer, aber nur wenn die Rahmenbedingungen passten. Und sie passten nicht – für Arsenal war es zu teuer. Einmal hat sich an diesem Tag gezeigt, dass die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise auch die Premier League erreicht haben. Man scheint förmlich Angst zu haben viel Geld auszugeben.

Dennoch waren einige Transfers auch bitter nötig und teilweise dem eher schlechten Saisonstart einiger Teams geschuldet. Der FC Everton hat sich die Dienste von Johnny Heitinga von Atletico Madrid gesichert. Der Niederländer kostet sechs Millionen Pfund Ablöse, bekommt einen 5-Jahres-Vertrag und soll vor allem die löchrige Abwehr der Toffees und hier insbesondere den abgewanderten Juleon Lescott ersetzen. Guter Transfer aus Sicht des FC Everton. Für die Bolton Wanderers, die vor allem in den ersten Spielen alles getroffen haben, nur das Tor nicht, soll Ivan Klasnic jetzt auf Torejagd gehen. Der ehemalige Bremer wird für den Rest der Saison vom FC Nantes. Harry Redknapp hat erneut das Wiedersehen mit einem ehemaligen Spieler realisiert. Niko Krancjar kommt vom FC Portsmouth an die White Hart Lane, Ablösesumme soll bei zwei Millionen Pfund liegen. Redknapp hatte Krancjar bereits an die Südküste Englands geholt. Krancjar wird bereits übernächstes Wochenende in der Startelf stehen und soll den verletzen Luka Modric ersetzen.

Stoke City hat noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Nach Robert Huth, Dean Whitehead, Tuncay und Diego Arismendi kam heute vom Ligakonkurrenten FC Sunderland Danny Collins, walisischer Nationalspieler, zu den Potters. Da wird dann schon deutlich, dass man als ehemaliger Aufsteiger in der 2. Premier League Saison etwas mehr Geld zur Verfügung hat. Auch Aston Villa war nach dem eher mäßigen Saisonstart noch einmal aktiv. Von West Ham United kommt Verteidiger James Collins für eine Ablöse von rund fünf Millionen Pfund, der Wechsel von Richard Dunne von Manchester City soll wohl stattfinden, ist aber immer noch nicht offiziell bestätigt. Der FC Burnley, exezellent in die Saison gestarteter Aufsteiger, hat sich David Nugent, den Chancentod vom Wochenende, vom FC Portsmouth für ein Ausleihegeschäft für sechs Monate geholt.

Das war es dann auch schon an den ganz wichtigen Meldungen. Das hatten sich die Sportjournalisten bei der BBC, dem Guardian und Sky Sports News ganz anders vorgestellt.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Vorsicht Rutschgefahr: Die DEL startet in die neue Saison

Dienstag, 1. September 2009 16:25

Wenn die Temperaturen draußen noch hochsommerlich sind, startet in Deutschlands Sporthallen schon wieder die kalte Jahreszeit. Am Donnerstag eröffnet mit der Partie Nürnberg Ice Tigers gegen die Adler Mannheim die neue Saison in der Deutschen Eishockey Liga. Bis April heißt es dann Kämpfen um den Einzug in die Playoffs, durch die Finalserie zum Meisterschaftstitel.

Auch wenn von der Jahreszeit wohl noch die wenigsten an Wintersport denken, es wird zumindest auch diese Saison wieder schwierig werden auch im Dezember, Januar und Februar die breite Masse für Eishockey zu begeistern. Die DEL kann zwar den Status Quo erhalten, aber es wird erstaunlich wenig unternommen, sich auf dem deutschen Sportmarkt besser in Szene zu setzen. Gerade jetzt wo die Basketball-Bundesliga vor einer unsicheren TV-Zukunft steht, ist die Chance groß, endlich die Entwicklung der Handball-Bundesliga einzugehen und sich unter den beliebten Sportarten in Deutschland noch besser zu platzieren. Doch wenig passiert. Die wenigsten wissen wohl überhaupt, dass am Donnerstag die neue Saison beginnen wird. Mit Ausnahme vielleicht die Eishockeyhochburgen Köln, Mannheim und Berlin. Die DEL war, ist und bleibt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, zumindest finanziell. Sportlich haben Düsseldorf und Hannover in der vergangenen Saison gezeigt, dass man auch mit wenig Geld und weniger Zuschauern bis ins Halbfinale und Finale vordringen kann.

Status Quo erhalten. Und das vor der Eishockey-WM im eigenen Lande. Das fängt beim TV-Vertrag schon an. Die kommenden drei Spielzeiten gibt es exklusiv nur im Pay-TV bei Sky zu sehen. Man zeigt ungefähr 65 Spiele pro Saison, ab dem Halbfinale werden alle Spiele gezeigt. Ab Januar wird die Anzahl der Übertragungen verstärkt, bis dahin wird auf Sparflamme gekocht. Etwa die Hälfte der von Sky gezeigten Spiele sollen in HD auf Sky Sport HD laufen. 65 Livespiele in einer Saison, die acht Monate andauert, kann immer noch nicht als sehr befriedigend angesehen werden. Zudem gibt es weiterhin keinerlei Magazine oder Zusammenfassungen anderer Spiele. Im Free-TV findet die DEL praktisch nicht statt, mit Ausnahme von zwei Minuten Zusammenfassung bei den regionalen Programmen, aber auch nur, wenn sich das zeitlich machen lässt. Wie sollen neue Fans fürs Eishockey geworben werden, wenn die DEL fast unter Ausschluss der Fernsehöffentlichkeit spielt? Was ist so schwierig daran, ein wöchentliches Magazin über die DEL bei Eurosport oder dem DSF laufen zu lassen? Wenn Sky da ihre Exklusivität flöten gehen sieht, kann man ja zu Not auch Werbung für Sky als übertragender Sender machen. Dann gibt es da noch DEL.tv, wo man Höhepunkte aller Spiele auf der Seite der DEL anschauen kann. Ein Produkt, das die wenigsten kennen und welches bisher überhaupt nicht an den Fan und Zuschauer gebracht werden konnte. Ich spiele Zuschauerzahl und TV-Präsenz nicht aus. Ich glaube, dass wenn mehr Leute die DEL live oder zusammengefasst im Fernsehen sehen können, irgendwann auch einmal die Begeisterung steigt und kommen wird ein Spiel live im Stadion anzuschauen. Aber so wie die Situation jetzt ist, bringt sie weder für den TV-Konsumenten noch für die Vereine, die auf Zuschauer angewiesen sind, nachhaltige Vorteile.

Und zur Freude aller Fans gibt es auch diese Saison wieder Veränderungen beim Spielplan und dem Modus der Liga. 15 Teams in der Liga, und man kehrt wieder zur Doppelrunde zurück. Jedes Team spielt gegen jedes Team also vier Mal, und nicht wie in der vergangenen Saison gegen eine Mannschaft lediglich drei Mal, und gegen andere Teams vier Mal. Die Playoffs werden massiv verkürzt, wegen der WM und der Olympischen Spiele. Im Viertelfinale werden maximal drei Spiele gespielt, im Halbfinale und Finale gibt es Best of Five. Insbesondere das Viertelfinale, in welchem letzte Saison eine Serie teilweise noch über sieben Spiele gegangen ist, ist entschlackt worden. Ansonsten hat sich nicht allzu viel verändert. Über Absteiger brauchen wir gar nicht spekulieren, weil ehe nicht klar ist, ob überhaupt der Meister aus der zweiten Liga fähig ist aufzusteigen. Bietigheim war es diese Saison nicht, Duisburg ging freiwillig von Bord.

Und auch finanziell scheint die Liga immer weiter auseinander zu driften. Auf der einen Seite die finanzstarken Klubs wie Mannheim, Berlin und Köln, die sich auch über den Zuschauerzuspruch nicht beklagen können, und auf der anderen Seite Mannschaften wie die Nürnberg Ice Tigers und die Hannover Scorpions, die beide kurz vor der Pleite und dem Einstellen des Spielbetriebes standen. Nürnberg musste im November 2008 Zahlungsunfähigkeit anmelden, im April konnte ein neuer Investor gefunden werden. Ein Schmuckhersteller. In Hannover war in diesem Sommer die Situation etwas komplizierter. Der Betreiber und Besitzer der Tui Arena in Hannover, Günter Papenburg, konnte die Kosten für die Unterhaltung der Arena nicht mehr alleine schultern. Konzerte in der Arena blieben aus, nur die Scorpions nutzen die Halle auf dem ehemaligen Expo-Gelände. Günter Papenburg setzte der Stadt Hannover die Pistole auf die Brust und verlangte einen Zuschuss der Stadt bzw. Region Hannover für die Unterhaltung der Tui-Arena. Die Stadt hat sich aber partout geweigert auch nur einen Cent hinzuzuschießen. Die Existenz der Scorpions war in Gefahr. Letzlich konnte man sich auf eine Lösung einigen, bei der die Hannover Scorpions richtig tief in die saure Zitrone beißen mussten. Man bleibt zwar weiterhin ein Verein in der DEL, die Spieler mussten aber erhebliche Gehaltsausfälle hinnehmen. Das Besondere daran war aber, dass sich alle Spieler dazu bereit erklärt haben und bis auf Topscorer Eric Schneider alle in Hannover geblieben sind. Schneider bekam ein deutlich besseres Angebot von den Frankfurt Lions. Und alle sind geblieben wegen ihrer Liebe zu Hannover und dem Verein. Chris Herperger hatte zum Beispiel mehrere sehr viel bessere Angebote als das in Hannover. Für eine weitere Saison ist der Spielbetrieb wohl gesichert. Was danach kommt, weiß keiner. Dass die Scorpions noch einmal eine so brilliante Saison spielen, ist unwahrscheinlich. Eine Qualifikation für die Playoffs sollte aber auf alle Fälle drin sein, zumal das Team nahezu komplett geblieben und sehr gut eingespielt ist. Youri Ziffzer soll neuer Stammtorwart werden und damit in die Fußstapfen von Dimitri Pätzold und Alexander Jung treten, die beide den Verein verlassen haben. Das stand aber schon länger fest und hatte nichts mit den geringeren Gehältern zu tun. Und das Karriereende vom ehemaligen Kapitän Dan Lambert dürfte man sicherlich irgendwie kompensieren.

Ansonsten ist sportlich mit eher wenigen Überraschungen zu rechnen. 13 der 15 Trainer der DEL-Klubs glauben, dass die Eisbären Berlin ihren Titel verteidigen werden. Das ist ungefähr so kreativ, wenn Fußballtrainer vor der Bundesligasaison meinen, dass Bayern München Deutscher Meister wird. Aber es ist so eindeutig im Eishockey. Es gibt wohl keine Mannschaft, die Abgänge von der Qualität eines Deron Quint, Rene Kramer, Marc Beaufait und Nathan Robinson adäquat ersetzen. Berlin kann das, unter anderem mit Derrick Walser von der Carrolina Huricanes aus der NHL. Richtig aufgerüstet haben auch die Adler Mannheim. Es ist also durchaus realistisch zu sagen, dass Mannheim und Berlin das DEL-Finale spielen werden.

Wollen wir wenigstens hoffen, dass es ein paar Überraschungen gibt, weil sich so viel bei der DEL nicht getan hat. Und das in einer Saison, die mit zwei großen Highlights – Olympia und der WM im eigenen Land – aufwartet. Manchmal ist es auch ein Rückschritt den Status Quo nur zu erhalten. Gibt es wirklich gar keine Veränderung? Doch, natürlich, die DEL-Seite hat einen kompletten Relaunch bekommen. Ist es denn die Möglichkeit.

Thema: Sport, TV und Radio | Kommentare (3) | Autor: medispolis