Freitag, 9. Oktober 2009 18:12
Für die politisch interessierten Twitterer unter uns ist es derzeit richtig angenehm wieder häufiger bei Twitter vorbeizuschauen. Der Wahlkampf ist vorbei und somit auch ganz viele Twitter-Aktivitäten der Parteien und Politiker, oder weniger streng formuliert, haben sie deutlich nachgelassen. Ich finde das einerseits großartig, weil viele Politiker es meiner Meinung nach eben nicht verstanden haben, Twitter richtig im Wahlkampf einzusetzen. Nämlich als zusätzlichen Kommunikationskanal, um auf Themen im Wahlkampf oder Veranstaltungen hinzuweisen. Und nicht als Ablageplatz für eine Aneinanderreihung von politischen Botschaften und Fakten, die teilweise noch nicht einmal in Zusammenhang standen. Und der Twitter-Account der SPD war die meiste Zeit des Wahlkampfs sowieso ein besserer RSS-Feed. Da ist – zumindest was Twitter im Wahlkampf angeht – für die Zeit bis 2013 und den Bundestagswahlkampf in vier Jahren noch reichlich Spielraum nach oben.Ich wiederhole es hier noch einmal gerne: Ein gut geführtes Weblog eines Politikers mit Stories aus dem Wahlkampf, ergänzt durch Bild- und Videomaterial, ist mir hundertmal lieber als das Vollmüllen bei Twitter.
Überhaupt wird interessant zu sehen sein, wie umfangreich und intensiv Politiker und Parteien ihre Online-Aktivitäten in den nächsten Jahren bis zur Bundestagswahl 2013 abhalten werden. Von vielen wurde im Superwahljahr 2009 versprochen, dass online immer wichtiger wird. Aber nicht nur zu Zeiten des Wahlkampfs, sondern auch während des politischen Tagesgeschäfts. Die nächsten Monate werden zeigen, ob solche Pläne auch konsequent umgesetzt werden. Insbesondere die SPD könnte durch eine breit angelegte Online-Strategie in der Opposition vielleicht wieder ein paar enttäuschte Jung- und Erstwähler von der Piratenpartei zurückgewinnen. Einzig allein der Glaube fehlt mir momentan. Auf der Startseite der Partei laufen ein paar Nachrichten über den Ticker, mehr aber auch nicht. Die Kampagnenplattform Wahlkampf09 der Sozialdemokraten wurde seit dem Wahlabend am 27. September 2009 nur einmal aktualisiert. Für einen scheinbar letzten Blogbeitrag vom ehemaligen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, in dem er versucht zu schildern, warum die SPD in den nächsten vier Jahren gebraucht wird. Kurzer Einschub: Das Blog von Steinmeier fand ich schon eines der Highlights des Online-Wahlkampfes, und das meine ich wirklich ernst. Die Idee Steinmeier bloggen zu lassen fand ich großartig. Natürlich war das von der Aufmachung und Aufbereitung noch nicht optimal, aber man hat sich getraut mal etwas Neues zu versuchen, was positiv anzumerken ist. Jetzt steht als letzter Satz unter dem Eintrag ein to be continued. Das ist dann ungefähr so verbindlich wie das Ansagen von Höchsttemperaturen in der Wettervorhersage. Ich hätte mir da ein viel deutlicheres Zeichen gewünscht, nach dem Motto: Auch als Fraktionsvorsitzender werde ich über meine Arbeit und Erfahrungen im politischen Alltag bloggen. Ab nächster Woche geht es an anderer Stelle weiter. Fürs Erste wurde die Chance verpasst.
Ähnlich bei der CDU. Auch hier sind fast alle Aktivitäten auf Sparflamme gestellt worden. Das Team Deutschland bloggt zwar hin und wieder noch einmal über die Koalitionsverhandlungen, allerdings klingen die Texte wie abgeschriebene Pressemitteilungen. Und dass die Seite der Bundeskanzlerin überhaupt meinen Ansprüchen genügt, liegt nur darin, dass ich sie sowieso nie aufrufe – außer heute kurz um dann schnell wieder festzustellen, dass diese Seite auch in der Versenkung verschwinden kann. Die braucht niemand. Man könnte die Möglichkeiten des Web 2.0 so wunderbar nutzen, um über die Entwicklungen und die Arbeit bei den Koalitionsverhandlungen zu berichten. Oder die SPD könnte ihre personelle und inhaltliche Erneuerung darstellen. Oder man lässt es eben sein. Momentan sieht für mich alles danach aus, dass weder CDU noch SPD es schaffen werden ihre Online-Aktivitäten dauerhaft aufrecht zu erhalten. Zu wünschen wäre es, zumal die nächsten vier Jahre auch eine wunderbare Testphase sein könnten für den “Online-Wahlkampf” zur Bundestagswahl 2013. Wenn er denn stattfindet.