Premier League 2009/2010 #14, FC Arsenal – FC Chelsea

Um den Derby-Sonntag in der Premier League perfekt zu machen, steht jetzt London im Mittelpunkt. Der Westen der englischen Hauptstadt ist im Nordosten zu Gast. Absolutes Spitzenspiel am Sonntagnachmittag, der Tabellenerste trifft auf den Tabellenvierten. Mit einem Sieg könnten die Gunners bis auf fünf Punkte an Chelsea ranrücken und hätten noch ein Spiel in der Hinterhand. Oder schaffen die Blues eine weitere überzeugende Untermauerung ihrer Titelambitionen?

Premier League 2009/2010 #14, FC Everton – FC Liverpool

[16h25] Geht dann gleich weiter hier mit Live-Blogging zu Arsenal gegen Chelsea. Das ganze dann in einem neuen Eintrag.

[16h23] Endstand FC Everton – FC Liverpool 0:2

Everton hat über weite Strecken das Spiel gemacht, Liverpool die Tore erzielt und die Schlussminuten dominiert. Kein überzeugender Sieg der Reds, viel Glück dabei, aber immerhin drei Punkte. Liverpool rückt damit auf Platz Fünf. Everton bleibt in der Nähe der Abstiegsplätze. Wenn sie aber so spielen wie heute, dann muss David Moyes nicht angst und bange werden. Das war mit Ausnahme der beiden defensiven Fehlern eine gute Mannschaftsleistung.

[16h19] Drei Minuten Nachspielzeit

[16h17] Wenige Minuten noch an der Mersey zu spielen. Liverpool spielt den Schuh jetzt herunter, Everton hat sich aufgegeben und macht praktisch keine Versuche mehr nach vorne zu spielen. Braucht man ein Spiegelbild der bisherigen Saison des FC Everton, dann war es schlicht dieses Spiel. Viele Verletzte, vom Pech verfolgt, aber trotzdem gut gekämpft und teilweise auch gut gespielt. Und was kommt am Ende dabei heraus? Nothing.

[16h15] Wechsel FC Everton: Lucas Neill für Joseph Yobo

[16h09] 0:2, Dirk Kuyt, 80. Minute

So bitter kann auch nur Fußball sein. Everton machte das Spiel, Liverpool erzielt mit der zweiten guten Szene in der zweiten Hälfte das 2:0. Langer Ball von Reina, Yobo haut über den Ball im Strafraum. Das gibt Gerrard die Chance zuruückzulegen auf Riera, dessen wuchtigen Flachschuss Howard noch abwehren kann. Allerdings in die Mitte direkt vor die Füße von Kuyt. Der Holländer muss nur noch einschieben.

Und Everton-Trainer David Moyes steht das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben.

[16h09] Noch 10 Minuten im Goodison Park. Flutlicht ist an, es dämmert langsam über Liverpool, der Regen peitscht ins Stadion herein. Keine tollen äußeren Bedingungen – und Liverpool dreht schon jetzt an der Uhr.

[16h07] Wechsel FC Liverpool: Albert Riera für Fabio Aurelio

[16h03] Wechsel FC Liverpool: Yossi Benayoun für David Ngog

Und Benitez rührt den Beton an. Das werden ja tolle 15 Minuten noch. Everton immer noch nicht am Verzweifeln, sondern spielen weiter nach vorne. Liverpool muss noch 15 Minuten durchhalten, macht selbst kaum noch was nach vorne.

[16h00] Unfassbar! Unfassbar! Pepe Reina mit Riesenreflex. Freistoß reingechipt von Heitinga, Kopfball Cahill, Reina blitzschnell unten, Reina kann den Ball verständlicherweise nicht festhalten, Fellaini mit der Chance den Nachschuss zu verwerten, doch er schießt den spanischen Torwart an. Einmal großartig reagiert von Reina, beim zweiten Schuss das nötige Glück des Tüchtigen.

[15h55] Wechsel FC Everton: Louis Saha für Jo

Spiel ist wieder temporeicher geworden, weil Liverpool mal zwischenzeitlich ein, zwei Schippen draufgelegt hat. Spiel bleibt zumindest spannend, denn solange die Reds hier nicht das 2:0 machen, bleibt Everton in der Partie.

[15h47] Distanzschuss von Pienaar, Reina lässt den Ball fallen, er trudelt durch seine Beine durch. Bleibt dann aber vor der Linie – wohl auch dem sehr nassen Rasen geschuldet – liegen. Die Reds strapazieren weiterhin ihr Glück.

[15h43] Wenn hier Liverpool hier ohne Gegentor bleibt, dann haben sie für den Rest des Jahres ihr Glück aufgebraucht. Als wenn Everton im Strafraum der Reds Artenschutz genießt und bloß nicht angefasst werden darf. Everton übernimmt die Kontrolle in diesem Spiel, bleibt aber zu hektisch im letzten Pass. Und das rettet Liverpool bisher hier noch.

[15h39] Ngog verliert in der Hälfte des FC Everton den Ball, und dann sind die Toffees nach drei Ballkontakten vorne. Über den starken Pienaar kommt der Steilpass in die Spitze, doch Pepe Reina ist hellwach und ist gerade so vor Jo am Ball. Aber fein gespielt von den Gastgebern. Liverpool nach vorne weiterhin mit Fehlern en masse, und auch in der Defensive steht man weiterhin nicht nah genug am Gegenspieler.

[15h34] Beginn 2. Halbzeit

Keine Wechsel auf beiden Seiten. Also auch der vorübergehend angeschlagen wirkende Pienaar kann weiterspielen. Wetter hat sich auch nicht geändert, es regnet weiter.

[15h18] Halbzeit FC Everton – FC Liverpool 0:1

Everton hat sogar zweimal ins Tor getroffen, stand aber beide Male im Abseits. Das klappt immerhin beim FC Liverpool. Ansonsten war das eine schwache erste Hälfte der Reds, vor allem in der Defensive zeigte man viele Scwächen. Es lag am FC Everton, das die Reds dafür nicht bestraft wurden. Die Gastgeber mit zu viel Hektik vor dem Tor. Liverpool hatte zwei gute Gelegenheiten in dieser Partie, und ein Tor aus einer Chance, die gar keine war. Trotz der Führung kann Benitez die Leistung überhaupt nicht gefallen, Moyes dürfte zumindest mit dem Einsatz und der Leidenschaft seines Teams zufrieden sein.

[15h12] Noch fünf Minuten bis zur Halbzeit, die Angriffe von Everton sind jetzt nicht mehr ganz so zwigend und zielstrebig wie Mitte der ersten Hälfte. Liverpool kann das Spiel wieder in die gegnerische Hälfte verlagern. Flanke von Johnson, Kopfball Insua, super Reflex von Howard, der das 0:2 verhindert. Liverpool hat wenige Chancen, aber wenn sie mal eine haben, wird es brandgefährlich.

[15h01] Everton gefällt mir richtig gut in den letzten 10-15 Minuten, setzen Liverpool ganz gut unter Druck und spielen das auch richtig schön aus. Was halt fehlt, ist ein vernünftiger Torabschluss. Oder böse formuliert: Everton nimmt die vorweihnachtlichen Geschenke der Reds nicht an.

[14h56] Im dritten Derby des Tages gewinnt Birmingham City bei den Wolverhampton Wanderers mit 1:0. Setzt sich damit im Mittelfeld der Tabelle fest, die Wolves bleiben Vorletzter.

[14h55] Das, was Liverpool in der Verteidigung anbietet, ist ja fast schon vogelfrei. Das muss den Defensivfanatiker Benitez eigentlich auf 180 treiben. Da wird nicht richtig geklärt, da stimmt die Zuordnung nicht, und bei hohen Bällen ist man schlicht in einer anderen Welt. Deshalb nächste Chance für Everton, Bilyaletdinov mit Seitfallzieher, Reina kann nur abklatschen, Johnson klärt zur Ecke. Agger in der Innenverteidigung spielt unterirdisch. Skrtel ist auf der Bank – und so einen Brecher scheint Liverpool dringend zu brauchen.

[14h49] Und das MUSS der Ausgleich für Everton sein. Einwurf für die Toffees, Jo und Fellaini verlängern den Ball in die Mitte, Carragher ist aber unfreiwillig als letzter am Ball. Und am langen Pfosten ist Bilyaletdinov völlig frei, bekommt den Ball aber im Tor nicht unter. Alle Zeit der Welt, ist aber zu überhastet und schießt knapp daneben. Zum wiederholten Male Liverpool bei hohen Bällen im Strafraum unsicher wirkend.

[14h47] War eigentlich ein ausgeglichenes Spiel mit hohem Tempo, aber auch noch vielen Unzulänglichkeiten. Everton war einmal ein wenig gefährlich vor dem Tor der Reds, war aber selbst überrascht, dass sie so viel Platz bekommen haben und damit nichts anfangen konnten. Mit der Führung im Rücken wird Liverpool sicherer, Everton muss sich erstmal langsam aus der Schockstarre entfernen.

[14h42] 0:1, Javier Mascherano, 12. Minute

Erste gute Chance, wenn das überhaupt eine war, und die Reds gehen in Führung. Mascherano bekommt auf Zuspiel ca. 25 bis 30 Meter vor dem Tor den Ball, zieht direkt ab, Yobo hält den Fuß noch in den Schuss und fälscht somit unhaltbar für Tim Howard ab. Bisschen überraschend die Führung für die Gäste.

[14h37] Haben Jo und Fellaini eigentlich den gleichen Friseur? Muss man zweimal hinschauen, wer gerade am Ball ist. Aber der Fellaini hat doch noch eine etwas umfangereichere Haarpracht.

[14h34] Tim Cahill nach knapp zwei Minuten mit erstem härteren Foul im Mittelfeld an Mascherano. In Deutschland hätte es dafür gelb gegeben, in der Premier League ein kleines klärendes Gespräch mit dem Schiedsrichter. Schon in den ersten Augenblicken ein temporeiches und intensives Spiel.

[14h32] Beginn 1. Halbzeit

Everton mit Anstoß von rechts nach links in den ersten 45 Minuten, Liverpool ganz in rot.

[14h28] Referee der Partie ist Alan Wiley. Er wird einen ruhigen Nachmittag haben. Sir Alex Ferguson ist nicht in seiner Nähe.

[14h26] Diese Einspielfilme der Premier League vor Derbys und direkten Duellen der Big Four ist mit das beste, was ich im Sportfernsehen kenne. Großartige Zusammenstellungen.

[14h24] Die Aufstellungen im Goodison Park

Everton: Howard – Hibbert, Yobo, Distin, Baines – Pienaar, Heitinga – Fellaini, Bilyaletdinov, Cahill – Jo

Liverpool: Reina – Johnson, Carragher, Agger, Insua – Mascherano, Lucas – Kuyt, Gerrard, Aurelio – Ngog

Rafael Benitez überrascht mich immer wieder. Kein Benayoun, Riera oder Aquilani, sondern Fabio Aurelio auf links. Beide Teams nur mit einer Spitze, Jo bei Everton und Ngog bei Liverpool. Gerrard ist wieder fit bei den Reds, bei Everton sitzt Saha ebenso erstaunlich nur auf der Bank. Keine Zeichen weiterhin von Fernando Torres. Er steht nicht im Kader der Reds.

[14h18] Es ist auch das Spiel zweier angeschlagener Trainer. Moyes gegen Benitez, beide stehen unter Druck, weil die Leistungen in der Liga – auch im Vergleich zum Vorjahr – meilenweit von den eigenen Erwartungen entfernt sind. Beide Teams müssen wiederum häufig auf verletzte Spieler verzichten, sodass selten eine eingespielte Mannschaft auflaufen konnte. Vom Papier her sind beide Trainer trotzdem völlig unumstritten in ihren Vereinen, aber beide können mit den derzeitigen Leistungen zufrieden sein – und sind es ja auch nicht. Aber den Schlüssel zum Erfolg hat man in Liverpool immer noch nicht gefunden.

[14h13] Sind die Probleme auf dem Platz nicht schon groß genug derzeit für den FC Everton, wurde dem Verein am Donnerstag zum dritten Mal untersagt, ein neues Stadion bauen zu lassen. Gerade die kommunalen Vertreter würden die Vitalität durch den Bau eines neuen großen Stadions gefährdet sehen. Das offizielle Klub-Statement versucht zwar noch einmal alle Vorteile eines Neubaus aufzuzählen, doch Experten gehen davon aus, dass es das jetzt vorerst war mit den Gedankenspielen. Liverpool hat übrigens abgelehnt sich ein Stadion mit dem Lokalrivalen zu teilen.

[14h05] Einen schönen ersten Advent zusammen. Erstes Derby an diesem Sonntagnachmittag, das sich der deutsche TV-Zuschauer zu Gemüte führen darf, und zwar in Liverpool. Everton empfängt die Reds und versucht zu beweisen, dass sie doch nicht “so weit wie noch nie von der Form des Stadtrivalen entfernt” sind (Everton-Trainer David Moyes). Und das ist in Anbetracht der aktuellen Formkrise des FC Liverpool eine ziemlich ernüchternde Beschreibung der Toffees. Liverpool könnte mit einem Sieg immerhin auf Platz 5 vorrücken und die Punktverluste von Man City, den Spurs und Villa ausnutzen.

Premier League 2009/2010 #14 – Auferstehung der Hammers

Im Vorfeld des Derby-Sonntags morgen in Liverpool und London (werde versuchen beide Spiele live mit zu bloggen), standen heute Nachmittag sechs Spiele in der Premier League auf dem Programm.

Und es war die lang ersehnte und von vielen Fans schon nicht mehr für möglich gehaltene Auferstehung der Hammers. West Ham United, das Team vom italienischen Trainer Gianfranco Zola, besiegte den FC Burnley mit 5:3. Es war erst der dritte Saisonsieg, der zweite Erfolg im heimischen Stadion. Letzte Saison gehörte man noch zu einer der heimstärksten Mannschaften. Man führte bereits mit 5:0 durch von Collison, Stanislas, Carlton Cole, Franco und Jimenez. Und wie das dann nur mal so ist, wenn man komfortabel führt und das Spiel über 60 Minuten dominiert hat, schleicht sich dann der Schlendrian ein. Auch das Gewinnen muss man wieder erlernen. Fletcher schnürte einen Doppelpack und sorgte noch einmal für ein wenig Ergebniskosmetik, Eagles verkürzte noch auf 3:5. Das wird Zola überhaupt nicht gefallen haben. Eine Auferstehung also für 60 Minuten. Trotz der Aufholjagd nimmt Burnley wieder nichts Zählbares auswärts mit und damit bleiben die Clarets weiter auswärtsschwach, noch keinen Sieg in dieser Saison auf fremden Platz. Für West Ham vielleicht genau der richtige Gegner zur richtigen Zeit. Nächste Aufgabe für West Ham ist das Heimspiel am kommenden Samstag gegen Manchester United.

Ich hatte in einem der letzten Einträge zur Premier League Manchester United ein wenig kritisiert und gesagt, dass mich die Mannschaft überhaupt noch nicht überzeugt hat. Das muss ich zumindest für die letzten beiden Ligaspiele ein wenig revidieren. Dem Heimsieg gegen Everton folgte heute ein souveräner 4:1-Sieg beim Schlusslicht FC Portsmouth. Wayne Rooney erzielte alle drei Treffer für die Red Devils. Damit rückt man bis zu zwei Punkte ran an den FC Chelsea, die morgen aber wieder davon ziehen können. Portsmouth, die vor allem in der ersten Hälfte leidenschaftlich gekämpft und auch streckenweise guten Fußball gespielt haben, konnte zunächst noch ausgleichen. Mit einem 1:1 ging es in die Pause, nach dem Seitenwechsel reichten Man Utd dann ganz 10 starke Minuten um diese Partie nach Hause zu fahren. Ryan Giggs erhöhte dann kurz vor Schluss mit seinem 100. Tor für Man Utd, am Vorabend seines 36. Geburtstages. Da war Portsmouth gedanklich einfach nicht auf der Höhe, kein guter Start also für den neuen Trainer Avram Grant. Aber insbesondere die ersten 25 Minuten gaben viele gute Zeichen und auch ein wenig Hoffnung. Für erste bleibt man Tabellenletzter.

Und das liegt auch daran, dass die Tabellenkinder punkten konnten an diesem verregneten Samstagnachmittag auf der Insel. Wigan Athletic besiegte den FC Sunderland mit 1:0, Torschütze Hugo Rodallega. Damit konnten sich die Latics angemessen rehabilitieren für das schwache Auftreten letzte Woche bei den Tottenham Hotspur. Die Bolton Wanderers holten einen verdienten, aber hart erkämpften Punkt durch das 1:1 beim FC Fulham. Torschütze für die Gäste war der ehemalige Bremer Ivan Klasnic. Die Wanderers kommen damit immerhin bis auf zwei Punkte an die Nichtabstiegsplätze heran. Fulham bleibt im Mittelfeld der Tabelle. Blackburn und Stoke festigten durch ein 0:0 ihre halbwegs sicheren Plätze im Mittelfeld. Ein Punkt, den beide sicherlich gerne mitnehmen, insbesondere die Potters, die sich ja stets auf ihre Heimstärke verlassen können.

Und sonst so? Ach ja, Manchester City hat natürlich auch gespielt. Und dreimal dürfen Sie, liebe Leser, raten wie. Natürlich Unentschieden! Das 1:1 gegen Hull City ist das siebte Remis in Folge. Und damit kommt man natürlich gar nicht vom Fleck. Und wenn du in die Top Four willst, musst du Spiele gegen Hull City im eigenen Stadion natürlich gewinnen. Wright-Philipps’ Führungstreffer war nicht ausreichend. Und was für eine erfolgreiche Woche für Hull City! Der Trainer stand schon kurz vor dem Rauswurf, die Fans hatten jeglichen Glauben an Besserung verloren. Und jetzt holen die Tigers aus den letzten vier Spielen acht Punkte und ist seit vier Spielen unbesiegt. Vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz und Platz 14 in der Tabelle. Wer hätte das vor drei Wochen gedacht?

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Für Mark Hughes bei Manchester City geht es derzeit aber überhaupt nicht vom Fleck. Könnte in den nächsten Wochen ein kleiner Krisenherd werden.

Vorbild Barack Obama

Um nicht gleich wieder in Jubelstürme auszubrechen, kurz ein Gedanken, den ich einfach mal loswerden musste. Man kann zum Hype und der Bewunderung für Barack Obama und die Person und den Charakter des US-Präsidenten gewiss unterschiedlicher Ansicht sein. Dennoch finde ich es wunderbar, wie Barack Obama trotz aller Schwierigkeiten – eine skeptische öffentliche Meinung, Widerstand auch in den eigenen politischen Reihen und bei vielen instrumentalisierten Medien – weiter um seine Gesundheitsreform kämpft. Erst das wochenlange Werben im Kongress, Reisen durchs Land um mit den Bürgern über die Reform zu sprechen, Auftritt in den großen und beliebten Talkshows, dann die Zustimmung des Repräsentantenhauses und nun kann der Entwurf dank der Zustimmung vom Wochenende im Senat beraten werden.

Und das immerhin 10 Monate nach seinem Amtsantritt. Natürlich mögen jetzt viele einwenden, dass das ein langer, zäher Prozess ist und Obamas Reform erheblich abgeschwächt wird, vielleicht sogar noch scheitern kann. Aber es ist ein vorbildhaftes Verhalten für seine politischen Positionen einzustehen und diese auch gegen Widerstände zu verteidigen. Und zur Not eben einen Kompromiss finden. Wie in einer Demokratie üblich und häufig auch notwendig. Und das ist im politischen System und der Medienmacht gewiss sehr viel schwieriger als bei uns.

Dafür bewundere ich Barack Obama. Ein Vorbild, nicht nur in dieser Hinsicht.

Premier League 2009/2010 #13, FC Liverpool – Manchester City 2:2

Das Samstagmittagsspiel am 13. Spieltag in der Premier League war eine ganz wichtige Begegnung für beide Teams. Sowohl der FC Liverpool als auch Manchester City sind wohl die beiden Teams, die am weitesten von den eigenen Erwartungen und den Hoffnungen der Fans entfernt sind.  Schaut man mal auf die letzten Ergebnisse beider Teams kann einem ein wenig Angst und Bange werden. Liverpool 2:2 gegen Birmingham, 1:3 in Fulham, 0:1 in Sunderland oder 0:2 beim FC Chelsea. Manchester City mit zuletzt fünf Remis, gegen Teams wie Burnley, Fulham, Birmingham oder Wigan. Das ist soweit von den Erwartungen und Worten des Trainers entfernt, dass ein Ausflug in die Wüste fast schon mal wieder nötig wäre für Mark Hughes.

Und wenn schon nicht die Ergebnisse stimmen, macht man sich vereinintern noch ein paar Streitigkeiten mehr. Liverpool Trainer Rafael Benitez hat mal schnell kundgetan, dass er Liverpool sofort verlassen werde, sollten sich die Besitzer Hicks und Gillett entscheiden, Fernando Torres zu verkaufen. Dass überhaupt eine solche Überlegung von Benitez jetzt wieder angezettelt wird, zeigt entweder wie klamm die Kassen an der Anfield Road sind oder wie verzweifelt der Spanier um Einfluss bei den Transferaktivitäten ringt. Dabei sollte doch eigentlich geklärt sein, dass Benitez volle Kontrolle über die Transferaktivitäten hat. Und bei Mark Hughes sind es immer noch die größenwahnsinnigen Worte über das Brechen der Phalanx der Top Four – um dann mit schlechten Spielen und ungenügenden Ergebnissen sich jedes Mal ein Eigentor zu schießen.

Liverpool holte nur ein Sieg in den letzten neun Spielen wettbewerbsübergreifend. Und nächste Woche beginnt dann auch The Great Escape in der Champions League. Das sind ganz entscheidene Tage für Liverpool und Benitez. Wie so oft in den letzten Monaten. Es könnte ein Spiel sein, das zeigt, welches Team diese Saison reif ist für die Top Four und welches nicht. Und beide Mannschaften haben den Anspruch dies zu sein.

Liverpool begann mit der erwarteten Aufstellung. Kapitän Steven Gerrard konnte von Beginn an auflaufen, dafür hat es Rechtsverteidiger Glen Johnson nicht rechtzeitig geschafft fit zu werden. Riera, Benayoun und Neuzugang Alberto Aquilani waren alle auf der Bank, entsprechend durfte Ngog wieder stürmen, flankiert von Babel auf links und Kuyt auf rechts. Gerrard sollte mit Tempo aus dem Mittelfeld in die Spitze stoßen. Bei den Gästen aus Manchester waren Tevez und Roque Santa Cruz auf der Bank, Robinho glänzte derweil nur durch Anwesenheit mit feiner Vereinskrawatte auf den Tribünen der Anfield Road. City im klassischen 4-4-2, mit Bellamy und Adebayor als Spitzen. Ireland im linken Mittelfeld, Wright-Philipps kam über rechts. Gareth Barry ist rechtzeitig startbereit geworden und übernahm den defensiven Part im Mittelfeld neben dem Ex-Hamburger Nigel De Jong.

Zur Mittagszeit war bereits das Flutlicht an. Stürmisches und regnerisches Wetter an der Anfield Road, auch wenn Liverpool nicht direkt von den Unwetterfronten im Nordwesten Englands getroffen wurde. Aber zur Mittagszeit war bereits das Flutlicht an. Wobei das zur eigentlichen Lage bei den Reds sicherlich gut gepasst hätte. Trotz aller Widrigkeiten eine exzellten Stimmung in Liverpool, wie sollte es auch anders sein. Liverpool ging mit dem Gefühl eines Sieges gegen City’s Stadtrivalen in diese Partie, hatte Anstoß in der ersten Hälfte und spielte ganz in rot von links nach rechts, City wie immer in hellblau.

Liverpool war versucht gleich von Beginn an die Anspannung abzulegen, Gerrard versuchte sofort die Leitung seines Teams zu übernehmen, man ging agressiv in die Zweikämpfe. Und die Reds bereits nach fünf Minuten mit der riesen Chance zum 1:0. Nach einem zweifelhaften Foul von Barry an Kuyt bringt Gerrard mit viel Schnitt einen Freistoß vors Tor, Skrtel mit dem Kopfball und Given hält sensationell. Bei der Hereingabe stoßen in der Mitte Agger und Toure mit den  Köpfen zusammen. Agger hat Blut im Gesicht, wirkt leicht mitgenommen und wird länger behandelt. Für ihn ging es nicht weiter, ganz im Gegenteil, er muss mit der Trage vom Platz getragen werden. Weitere schlechte Nachrichten für Rafael Benitez. Es ist die Seuche momentan in Liverpool. Kyrgiakos kam nach 10 Minuten für den verletzen Dänen in die Partie. Liverpool spielte einige Minuten nur zu zehnt, in der Phase hatte City die erste Chance. Kopfball von Barry in die Mitte, Reina ist rechtzeitig draußen und kann den Ball noch ablenken, sodass Adebayor nicht einköpfen kann. Und fast der nächste Schock für Liverpool nach knapp einer Viertelstunde. De Jong geht mit gestreckten Beinen in Babel rein, der Niederländer wird komplett abgeräumt und bekommt noch nicht mal einen Freistoß zu gesprochen. Referee Phil Dowd steht zwei Meter daneben. Babel konnte erstmal weitermachen. Für ein paar Minuten. Benayoun kam für Babel.

Durch die ganzen Unterbrechungen und Verletzungspausen war der Rhythmus aus diesem Spiel völlig raus, der Anfangsdruck von Liverpool in den ersten Minuten völlig dahin. Gefährliche Torchancen stellten einen Seltenheitswert dar, außer in der 28. Minute, als Gerrard einen Abpraller der City-Abwehr knapp über das Tor schoss. Es blieben Einzelaktionen, City war dran in der 36. Minute. Ireland lässt für Wright-Philipps durch, der schießt aber am Tor vorbei. Liverpool optisch ein wenig überlegen, aber große Highlights bot das Spiel bis dahin nicht. Als Bonus für die leicht genervten Fans gab es sechs Minuten Nachspielzeit in der ersten Hälfte. Aber es blieb dabei: Viel Stückwerk, wenig Durchschlagskraft. Bis jetzt konnte kein Team wirklich Werbung für eine Position unter den Top Four machen. Aber weiß, wie Liverpool in dieses Spiel gekommen wäre, wenn man nicht nach 18 Minuten schon zwei Mal wechseln musste. 0:0 zur Halbzeit. Ernüchternd.

Kolo Toure, der in den ersten 45 Minuten einige fürchterliche Aussetzer hatte, blieb in der Kabine. Nedum Onuoha, 23 Jahre alt, in Nigeria geboren und in England aufgewachsen, ersetzte ihn. Zumindest für die Spannung in der zweiten Hälfte war zumindest vom Ergebnis gesorgt. Ein Remis würde beiden Teams überhaupt nicht helfen. Die Frage war aber eben auch, wie bereit Liverpool war großes Risiko zu gehen und nicht möglicherweise in Rückstand zu geraten. In der 50. Minute dann vielleicht der Erlöser für den FC Liverpool. Freistoß von links durch Gerrard, in der Mitte Martin Skrtel schneller als Adebayor am Ball und drückte zum 1:0 über die Linie. Keine Chance für Shag Given, der irischen Nummer Eins im Tor bei Man City. Die Reds wirkten mit der Führung im Rücken sicherer, man stand defensiv sicher, verpasste es aber nach vorne genauer und konsequenter zu spielen. City blieb wie fast schon die gesamte erste Halbzeit im ersten Drittel der zweiten Hälfte harmlos. Eigentlich wäre es die Phase gewesen zu zeigen, wie ein Spitzenteam mit Rückstand umgehen kann. Und wäre City dieses Spitzenteam, dann hätten sie die uneingespielte Mannschaft aus Liverpool in der ersten Halbzeit schon viel mehr beschäftigt. Mark Hughes reagierte auf die lethargische Leistung seines Teams und brachte in der 61. Minute Carlos Tevez für Gareth Barry. Als Liverpool ein paar Minuten lang den Fuß vom Pedal nahm und sich nur noch hinten reinstellte, hatte Manchester City Platz zum Kombinieren. Viel kam dabei aber nicht herum. Dann musste es ein Standard sein, in der 70. Minute kam Emmanuel Adebayor völlig frei zum Kopfball nach einer Ecke von Bellamy. City mit dem verdienten 1:1, und god only knows, warum Liverpool ab der 60. Minute plötzlich komplett den Spielbetrieb einstellte.

Und plötzlich drehte dieses Spiel innerhalb von einer Minute völlig auf und ließ die eher langweiligen 75 Minuten vergessen. Erst schoss Stephen Ireland in der 76. Minute das 2:1, doch statt Sicherheit und Kontrolle bei den Citizens stellte man sich dilettantisch in der Abwehr an. Und Liverpool kam 74 Sekunden später wieder ins Spiel zurück. Yossi Benayoun erzielte das 2:2 unter freundlicher Mithilfe vom eingewechselten Nedum Onuhoa. Und plötzlich war es ein offenes Spiel, das sich alle Zuschauer erhofft hatten. Fabio Aurelio kam für Yossi Benayoun, ein Wechsel, den sicherlich viele Liverpool-Fans wieder hinterfragen werden. Die Schlussphase blieb spannend, aber nicht gerade hochklassig. Insbesondere bei Steven Gerrard merkte man den Kräfteverschleiß. Ein Fernando Torres wäre jetzt hilfreich gewesen. Vier Minuten Nachspielzeit waren angezeigt.

Am Ende blieb es trotz Dauerdrucks von Liverpool beim 2:2, ein Remis, das beiden Teams überhaupt nicht hilft. City mit dem sechsten Remis in Folge. Man tritt auf der Stelle. Chelsea könnte mit einem Sieg gegen Wolverhampton jetzt auf 12 Punkte gegenüber Liverpool wegziehen. Und auch wenn es in der zweiten Halbzeit mal ein paar spektakuläre Minuten gab – insbesondere das 2:1 und 2:2 – so waren diese 90 Minuten samt 10 Minuten Nachspielzeit von wenig Klasse geprägt. Liverpool hatte viel Pech, City nicht die Klasse es zu nutzen. Beide Teams mit keinem erstklassigen Bewerbungsschreiben auf einen Platz unter den Top Four. Der Zug scheint langsam endgültig abzufahren. Braucht es eine Spiegelung der Gemütslage und der Realität beider Mannschaften, dann kann man diese 90 Minuten als Gradmesser nehmen. Durchschnittlich. Mehr nicht. Herr Hughes, übernehmen Sie!

Premier League 2009/2010 Preview #13 – Under Pressure

Wir schreiben den 13. Spieltag in der Premier League Saison 2009/2010. Und auch wenn damit gerade einmal ein Drittel der Saison bisher absolviert ist und die Ansetzungen vom Wochenende nicht unbedingt auf den ersten Blick das große Drama und die klanghaften Überschriften bieten, so ist es doch definitiv ein Spieltag, der für einige Teams extrem richtungsweisend sein kann.

FC Liverpool – Manchester City

Live auf Sky Sport 1, Samstag 13:40 Uhr, Kommentar: Oliver Faßnacht

Und der Spieltag eröffnet mit einem Spiel, in dem oben genannter Satz auf beide Teams zutrifft. Liverpool und Manchester City sind die beiden Mannschaften, die derzeit wo am weitesten von ihren Erwartungen entfernt sind. Das Duell Siebter gegen Sechster ist bezogen auf den Abstand zum Tabellenführer Chelsea fast schon ein Mittelfeldduell. City zuletzt mit fünf Remis in Folge, Liverpool schaffte gegen Birmingham ebenfalls nur ein Unentschieden. Eigentlich müssen beide Teams hier gewinnen, entsprechend ungemütlich kann es für den Verlierer werden. Liverpool mit den Rückkehrern Gerrard, Johnson und Agger, dafür muss Torres weiter verzichten. Liverpool könnte dann in einem 4-3-3 spielen mit Kuyt, Ngog und Benayoun als Stürmer. Das Startdebüt von Alberto Aquilani kommt wohl doch noch zu früh. Auch bei City gibt es ein paar Fragezeichen. Barry und Bellamy kehren nach Verletzung wieder zurück, Einsatz ist wahrscheinlich. Am Samstagmittag kann Mark Hughes dann endlich mal zeigen, ob er großen Worten in Bezug auf die Sprengung der Big Four auch Taten lassen folgen kann.

FC Sunderland – FC Arsenal

Für mich ist das die attraktivste Begegnung am Wochenende. Und für Arsenal seit langer Zeit mal wieder eine echte Bewährungsprobe. Sollten die Gunners trotz der Verletztenmisere bei den heimstarken Black Cats gewinnen können, setze ich sie endgültig auf meine Liste der Titelfavoriten. Um mit den Worten von Arsene Wenger zu sprechen: Es sei eine weitere Chance für seine junge Mannschaft sich zu beweisen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Arsenal mit zuletzt fünf Siegen in sechs Spielen. Auch wenn man insbesondere gegen Wolverhampton nicht immer sehr sattelhaft war, war Arsenal in den letzten Wochen mehr als überzeugend. Jetzt steckt man in der schwierigen Situation mit zahlreichen Verletzten. Van Persie fällt mehrere Wochen aus, Rosicky, Walcott sind noch nicht wieder fit, Kieran Gibbs kehrt dafür schneller zurück als zunächst befürchtet. Arsenal damit mit einer Spitze in persona Eduardo, flankiert im offensiven Mittelfeld von Arshavin und Eboue, Fabregas und Aaron Ramsey übernehmen die eher defensiven Aufgaben.

Hull City – West Ham United

Richtungsweisendes Spiel also für den FC Arsenal, genau so wie für einen weiteren Klub aus der englischen Hauptstadt. Die Hammers könnten mit einem Remis Hull City in der Tabelle überholen und die Abstiegsplätze verlassen. Auch die Tigers sind wahrlich nicht auf Rosen gebettet, neben den sportlichen Schwierigkeiten kamen zuletzt eben auch interne Aufregungen. Der Chairman des Klubs hat gewechselt, Adam Pearson hat jetzt das Zepter in die Hand. Mal sehen, ob das 2:1 gegen Stoke von vor zwei Wochen befreiend für Hull City wirken kann. Und ganz plötzlich ist ein möglicher Rausschmiss von Phil Brown auch kein Thema mehr. “Phil ist sich der schwierigen Situation bewusst, natürlich ist das nicht bequem für jemanden, der so unter Druck steht. Aber ich glaube, er arbeitet sehr gut unter Druck. Er hat gut geantwortet auf die Schwierigkeiten der letzten Tage.”

FC Chelsea – Wolverhampton Wanderers

Live auf Sky Sport 1, Samstag 15:55 Uhr, Kommentar: Sven Schröter

Fast schon würde ich sagen, dass auch für Sky die nächsten Wochen richtungsweisen sein könnten. Sind sie wohl auch, und mal wieder ein Karmapunkt weniger nach München von meiner Seite. Da zeigt man am Samstagnachmittag die von der Ansetzung nur völlig mittelmäßige Partie. Man kann auf den Tabellenführer gerne auch mal verzichten. Der erste gegen den neuntzehnten der Tabelle. Auch wenn Frank Lampard bis zu sechs Wochen ausfallen wird. In der Form, in der Chelsea derzeit steckt, dürfte Wolverhampton nur eine kleine Hürde sein um die Tabellenführung zu verteidigen.

FC Burnley – Aston Villa

So richtig schlau wird man aus Aston Villa diese Saison auch noch nicht. Nach einem Dritte steht der fünfte Platz mit 21 Punkten zu Buche. Das sind Zahlen, die Man City und Liverpool gerne hätten, trotzdem ist auch Villa extrem unkonstant in dieser Saison. Zuletzt gab es aus drei Spielen nur vier Punkte, gegen Gegner wie West Ham und Everton. Das 5:1 gegen Bolton war ein Schritt in die richtige Richtung, den es jetzt zu bestätigen gilt. Nachdem Burnley jetzt auswärts gezeigt hat, dass mit ihnen zu rechnen ist, wird das kein leichter Gang, zumal Burnley eines der heimstärksten Teams der Liga ist. An vierter Stelle nur hinter Chelsea, Arsenal und Man Utd.

Birmingham City – FC Fulham

Es gibt ja so Spiele, aus denen Teams im Tabellenkeller unglaublich viel Selbstbewusstsein ziehen. Birminghams 2:2 beim FC Liverpool könnte so eine Begegnung sein, zumal der Ausgleichstreffer für die Reds einer klaren Schwalbe von Ngog folgte. Aber jetzt geht es ans Vergolden des Punktgewinnes – und das geht nur mit einem Sieg gegen Fulham. Die Cottagers derweil könnten mit jedem ergatterten Punkt sich im Mittelfeld der Tabelle festsetzen und entspanntere Weihnachten haben als in den vergangenen Jahren.

Manchester United – FC Everton

Live auf Sky Sport 1, Samstag 18:25 Uhr, Kommentar: Andreas Renner

Sagen wir es mal so: Ich warte ja immer noch einmal auf einen völlig überzeugenden Sieg der Red Devils, ein Spiel, wo mich das Team einmal komplett aus dem Sessel reißt und ich das Spiel noch nachhaltig in Erinnerung behalte. Aber diese Saison bisher Fehlanzeige. Die Ergebnisse seit Oktober: 2:2, 2:1, 0:2, 2:0, 0:1. Zwar durchaus erfolgreich, aber schön und überzeugend ist das nicht. Fast schon Ergebnisfußball à la Jose Mourinho. Nächste Bühne für meine innere Befriedigung in Bezug auf die Spielweise von Manchester United gibt es am Samstagabend gegen Everton. Vidic wird bei den Red Devils zurückkehren, dafür muss Rio Ferdinand weiter pausieren. Everton – im grauen Niemandsland der Tabelle – darf noch ein Fragezeichen hinter den Einsatz von Louis Saha machen.

Tottenham Hotspur – Wigan Athletic

Mit einem Sieg gegen Wigan könnten sich die Spurs in der Spitzengruppe der Premier League festsetzen, Wigan braucht jeden Punkt um nicht zu nah an die Abstiegsplätze zu rutschen. Tottenham wieder mit dem Dreier-Sturm Defoe, Keane und Crouch. Luka Modric wird übrigens im Dezember wieder fit sein. Massiver Zugewinn für die Spurs.

Bolton Wanderers – Blackburn Rovers

Live auf Sky Sport 1, Sonntag 14:25 Uhr, Kommentar: Markus Gaupp

Und um einen Premier League Spieltag perfekt zu machen, darf natürlich auch ein Derby nicht fehlen, diesmal wieder eins von etwas höherer Bilanz, verbindert doch die Fangruppen der Wanderers und Rovers schon seit Jahren eine nicht ganz unbedeutende Rivalität. Eine gute halbe Stunde mit dem Auto nach Süden geht es auf der A666 für die Fans der Rovers am Sonntagmittag. Die Polizei hat rund um das Lancashire-Derby schon mal wieder die Alarmpläne rausgeholt. Beide Teams diese Saison mit riesigen Schwächen in der Defensive. Das wird also garantiert nicht 0:0 ausgehen. Bei den Wanderers gab es keine guten Nachrichten unter der Woche, Tamir Cohen kurierte seine alte Verletzung nicht komplett aus und steht jetzt schon wieder nicht zur Verfügung. Johan Elmander könnte deshalb neben Kevin Davies stürmen. Mit einem Sieg würde Bolton den Rivalen in der Tabelle überholen. Unter ganz besonderer Beobachtung steht das Spiel sicherlich auch bei Portsmouth-Keeper David James. Der hatte im September zu Protokoll gegeben: “Diese Saison würde ich es hassen Bolton gegen Blackburn mir anzuschauen, das würde eines der hässlichsten Spiele im Fußball für eine sehr lange Zeit geben.”

Stoke City – FC Portsmouth

Live auf Sky Sport 1, Sonntag 16:55 Uhr, Kommentar: Toni Tomic

Ganz schwierige Aufgabe auch für den FC Portsmouth, den Tabellenletzten der Premier League. An einem wohl verregneten und stürmischen Herbsttag bei den heimstarken Potters antreten ist wahrlich keine einfache Angelegenheit. Aber so ganz allmählich erklimmt Pompey die Leiter, die aus dem Abstiegskeller führt. Wenn auch sehr langsam und Rückfälle nicht ausgeschlossen, wie zuletzt beim 3:1 in Blackburn. Insbesondere die Auswärtsleistungen ließen bisher komplett zu wünschen übrig.

Wenn Studenten europaweit Credit-Points sammeln sollen

90 Credit-Points während des Studiums in Siegen, 30 Kreditpunkte während des Auslandssemesters in Sarragossa, Anrechnung von 10 Credit-Points für das Praktikum in London und vielleicht noch einmal 10 Credit-Points im Wahlpflichtbereich durch Sprachkurse, optional dann noch am besten vor Ort in Frankreich. Kann man sich dann sicherlich auch irgendwie anrechnen lassen.

So oder so haben sich die Macher des Bologna-Prozesses den europäischen Studienraum vorgestellt, europaweit lernen und studieren. Eine Illusion, für viele protestierende Studenten in diesen Tagen und Wochen eine kleine Utopie. Man kann sich über viele Dinge im deutschen Bildungssystem aufregen, vor allem in der Universitäts- und Hochschullandschaft. Zu volle Seminare, überfüllte Hörsäle und vielleicht auch Studiengebühren. Aus meiner Sicht ist der größte Fehler, den die deutsche Bildungspolitik bei der Umsetzung von Bologna gemacht hat, die gefühlte Begrenzung des Bachelor-Studiums auf sechs Semester und des Master-Studiums auf vier Semester. Denn vom eigentlichen Beschluss der Kultusministerkonferenz heißt es, dass ein Bachelor-Studium mindestens sechs Semester dauern muss, und höchstens acht Halbjahre. Vielleicht hätte man das viel besser kommunizieren sollen und acht Semester zum Regelfall und nicht zur Ausnahme machen sollen. Gleichzeitig würde ich mir eine flexiblere Regelung bei den Masterstudiengängen wünschen.

Und da hat man zumindest einen Fehler oder einen Irrtum begangen, der so schnell nicht wieder verändert werden kann. Mittlerweile ist der Konkurrenzdruck unter den Universitäten so immens groß, dass ich keine Möglichkeit sehe, dass eine Universität sich traut den Bachelor auf acht Semester auszuweiten. Sollte das zum Beispiel die Uni Düsseldorf tun, würden sich etliche Studenten für Duisburg, Bochum oder Dortmund entscheiden, wenn man dort noch in sechs Semestern zum ersten Studienabschluss kommt. Die überfüllten Lehrpläne in den Bachelor- und Masterstudiengängen sind aus meiner Sicht das Hauptproblem. Man kann nicht mehr nach links oder rechts schauen, sein Wissen vertiefen, Praktika in den Semesterferien absolvieren oder für ein Semester ins Ausland gehen ohne gleich ein siebtes Semester anhängen zu müssen. Geschweige denn während des Studiums zu arbeiten, was nicht zu unterschätzen ist, einmal von der persönlichen Entwicklung, aber auch von finanzieller Seite.

Ich bin ein Freund von Studiengebühren, solange sie überwiegend direkt in die Qualität der Lehre fließen und die Universitäten in einem transparenten Prozess genau darlegen, für welche Posten die Gebühren verwendet werden. Gleichwohl sehe ich aber auch die Tatsache, dass sich viele Studenten aus eher sozial schwachen Familien die 700 Euro inklusive Verwaltungsgebühren nicht leisten können. Ein flexiblerer Lehrplan ausgedehnt auf acht Semestern würde die Gelegenheit während des Studiums Geld zu verdienen wesentlich erhöhen. Damit sind dann vielleicht auch die Studiengebühren eher zu händeln.

Viele sprechen ja schon davon, dass sich in Deutschland eine neue Protestkultur entwickelt hat. Soweit würde ich noch gar nicht gehen. Aber ich finde es großartig, dass in Politik, Medien und Gesellschaft als Folge der Proteste über die Sorgen und Belange der Studentinnen und Studenten diskutiert werden. Erfolg hat das leider nur, wenn sich die Politik zu grundlegenden Veränderungen bekennt und diese dann auch zur Umsetzung vorschreibt. Ansonsten – so bitter es klingen mag – war die ganze Aktion viel Lärm und nichts.

Noch einmal zurück zum europäischen Bildungsraum. Von der Idee eigentlich ein wunderbares System, in Europa zu studieren, Praktika und Jobs zu absolvieren und sich das alles im Heimatland anrechen zu lassen. Nur scheitert gerade in Deutschland die Verwirklichung dieser Idee vor allem an der Umsetzung von Bologna. Ich wäre zum Beispiel sehr gerne in meinem Masterstudiengang hier in Düsseldorf für ein Semester nach Reading oder Nottingham gegangen (um zu studieren, nicht um täglich BBC und Sky Sports News zu schauen!), aber ich bekomme ein Auslandssemster einfach aufgrund von Pflichtveranstaltungen nicht in die Regelstudienzeit, zumal es auf der Insel auch noch Trimester gibt und sich das fürchterlich mit unseren Semestern überschneidet. Hat sich was von einheitlichem europäischen Bildungsraum! Und nur um auf die Insel für ein Semester zu gehen gleich das Studium um ein ganzes Jahr zu verlängern, sehe ich dann auch nicht ein.

Über viele Kleinigkeiten wird sich dieser Tage unter den Studierenden beschwert, was vernünftig und auch richtig ist. Doch werden die vielfältigen Probleme des Studiums dadurch gelöst, wenn der Bafög-Satz steigt oder ein, zwei Lehrende mehr eingestellt werden? Vielleicht ein wenig. Aber der Gedanke des Studiums sich selbstständig zu bilden, sein Wissen zu vertiefen und dies möglichst auch noch aus unterschiedlichen Perspektiven wird dadurch nicht verbessert. Und das dann alles mit privaten Aktiväten, Praktika und Nebenjobs zu verbinden bleibt weiterhin für viele scheinbar eine Mamutaufgabe. Von daher muss die Entschlackung der Lehrpläne und ein flexibleres Studieren mit der Ausweitung der Regelstudienzeit des Bachelor auf acht Semester dringend umgesetzt werden. Das wird sicherlich nicht einfach, aber es löst nebenbei hoffentlich gleich noch einige Problembereiche mit. Und nur weil der Bafög-Satz um ein paar Euro steigt und es mehr Stipendien gibt, ändert sich für den Großteil und die Rahmenbedingungen des Studierens doch eher wenig. Der große Wurf ist das bisher nicht. Europäischer Bildungsraum sollte auch heißen auf die Nachbarländer zu schauen, sich auszutauschen und zu prüfen, was man insgesamt besser und anders machen muss aufgrund bestimmter nationaler Erfahrungen. Doch momentan scheint jede Nation ihre Bildungssuppe noch selbst zu kochen. Viel Spaß beim Auslöffeln.

Plug In Baby: Muse in der Lanxess-Arena

Gestern Abend gegen 21:30 Uhr hatte ich mal kurz den Gedanken daran verschwendet, wie lange die Kölner Lanxess-Arena diesen unglaublich bombastischen Sound von Muse noch aushalten wird und ob es nicht bald einfach Zeit ist, dass sich die Arena mal meldet und sagt: “So, Schluss jetzt. Ihr zerstört mit eurer lauten, dynamischen und von eleganten Riffs nur so durchsetzten Musik meine Grundmauern. Dafür bin ich nicht gemacht.” Hätte mich nicht gewundert, denn was Muse gestern Abend in Köln abgeliefert haben, war ein Feuerwerk an Musik, Optik und Bühnenshow, das es im Rockgeschäft nur selten zu bewundern gibt.

Vor über fünf Jahren habe ich zum ersten Mal Muse gehört, damals im Frankreich-Urlaub, als ich Musik mit einem netten Mädchen getauscht habe. Jeder hat mal so erzählt, was er gerne hört und dann haben wir mit Hilfe von MP3-Playern einige Stücke, die der andere noch nicht hatte ausgetauscht. Von einem Lied war ich beim ersten Mal gleich begeistert: Plug in Baby von Muse. Kannte ich damals überhaupt nicht. Sie sagte, es wären Muse. Als ich wieder zuhause in Deutschland war, gleich mal nachgeschaut, wer das ist und seitdem immer mehr von Muse begeistert gewesen. Spätestens als ich vor einem Jahr Bilder von der Eröffnung des neuen Wembley-Stadions sah, wo Muse das erste Konzert gaben, stand dann schnell der Entschluss fest, Muse auch einmal live zu sehen. Da passte der Termin in diesem November in Köln wie die Faust aufs Auge. Auch wenn Muse in der deutschen Radiolandschaft immer noch nicht ihren Platz eingenommen haben, den sie eigentlich verdient haben – was einerseits vielleicht auch ganz gut ist, weil sie so nicht völlig zerspielt werden, andererseits wäre es aber nicht schlecht, so eine großartige Band auch einem größeren Publikum einmal näher zu bringen. Wie dem auch sei, gestern Abend also Muse in der Lanxess Arena.

Darf ich kurz einen Einschub machen: Ich finde die Lanxess-Arena immer noch die tollste Stätte Konzerte untem Dach zu absolvieren. Und vom Service – Getränke wie Essen – hebt sich die Gastronomie auch positiv von anderen Spielstätten ab, was man allerdings auch ein wenig am Preis merkt. Positiv noch anzumerken: Die Getränkehalter an jedem Platz. Finde ich eine großartige Investition. Also: Lanxess Arena setzte zumindest schon einmal vom Umfeld mehr als positive Maßstäbe.

Und dann ging es los: Die drei großen LED-Türme auf der Bühne, die während des ganzen Konzerts immer wieder flexibel hoch- und runtergefahren wurden und tolle Videos zeigten, ließen die Hüllen fallen. Mit den beiden Tracks vom neuen Album, Urprising und Resistance hatten man die Arena gleich auf seiner Seite. Zwei neue Songs gleich zu Beginn, dann blieb im Folgenden viel Zeit für die älteren Stücke. Und die wurden auch gespielt, in guter Kombination zwischen ruhigeren Abschnitten und den mächtigen Gitarren und der Wucht des Schlagzeuges. Nach Undisclosed Desires im letzten Drittel des Konzerts folgte dann aus meiner Sicht der vorerst schönste Teil. Nach Starlight folgten dann Plug In Baby und Time Is Running Out, meine zwei Lieblingslieder von Muse. Und dann hielt es zumindest in unserem Block auch keinen mehr auf den Sitzen. Irgendwann verabschiedeten sich dann die Drei von der Bühne mit einem simplen Winken, die Arena stand und applaudierte – und Muse kamen mit drei Zugaben zurück. Mit dem ersten Teil der Exogenesis Symphony, von denen ich gerne alle drei Stücke gehört hätte. Und zum Schluss ließ man es dann noch einmal richtig krachen: Stockholm Syndrome und Knights of Cydonia. Spätestens jetzt hätte es mich nicht gewundert, wenn das Dach der Arena weggeflogen wäre.

Nach 100 Minuten war das Konzert vorbei. Ein kurzer Dank an das sehr gute Publikum und ein “See You next year” und dann waren Muse verschwunden. Wenn man dieser Band überhaupt etwas vorwerfen kann, dann die eher geringe Interaktion mit dem Publikum. Aber das ist ein Bonus, den derzeit sowieso nur wenige Bands richtig gut erfüllen. Und ich brauche das auch nicht unbedingt. Genauso fand ich die Länge der Show auch absolut angemessen. Lieber 100 Minuten richtig gut, als 20 Minuten noch dranhängen – und bei der Zugabe geht die Luft aus. Und die Stimme von Sänger Matt Bellamy ist ja auch nicht ewig belastbar. Bei der Intensität frage ich mich sowieso, wie die Stimme eine ganze Tour durchhalten soll.

Die Band aus dem Südwesten Englands hat in ihrer Bühnenperformance, von Sound und Optik sicherlich Maßstäbe gesetzt. Das war schon ein großartiges Spektakel und spätestens seit gestern Abend weiß ich, dass Muse zu Recht als eine der besten Live-Bands dieser Zeit gelten. Es war für alles gesorgt: Laser und zum Schluss sogar ein kleines Feuwerwerk. Und trotz des großen Erfolgs und der vielen Auszeichnungen wirken Muse stets geerdet. Denn sie hätten ja auch die ganze Zeit auf ihren großen Türmen spielen können. Muse lassen dann doch lieber perfekt gespielte Songs für sich sprechen. Plug in Baby, es war großartig.

Wer sich einmal überzeugen möchte, der schaue bitte hier.

Auftrag für uns alle nachzudenken und zu reflektieren

Heute Vormittag wurde in der AWD-Arena in Hannover in einer bewegenden Trauerfeier Robert Enke gedacht. Es war eine Zeremonie, die in ihren emotionalen Momenten, die in ihrer andächtigen Stille und ihren mahnenden Worte dem großartigen Sportler und fantastischen Menschen absolut gerecht wurde. Ich habe mich Donnerstag entschlossen, kurzfristig über das Wochenende nach Hannover zu fahren, um wenigstens ein bisschen an der Trauer und der Anteilnahme in Hannover teilzunehmen, habe eine Kerze für Enke vor dem Stadion angezündet und mich trotz langer Wartezeit in eines der Kondolenzbücher eingetragen. Ich habe selten ein so bedrückende Stimmung und Atmosphäre in Hannover mitbekommen. Als ich Freitagmittag am Hauptbahnhof angekommen war und mit der U-Bahn zum Aegidientorplatz gefahren bin, schossen viele Menschen Tränen in die Augen, als sie im Fahrgastfernsehen die Meldung über die bewegende Todesanzeige von Enkes Frau Teresa gelesen haben.

Die Ausmaße der Trauer, nicht nur in Hannover, sondern ja auch bundesweit und in der gesamten Fußballwelt, haben mich tief beeindruckt. Und natürlich war Hannover als Heimatstadt von Enke das Zentrum der Trauer und Anteilnahme. Als ich mit Komilitonen in Düsseldorf über den Tod von Enke gesprochen habe, konnten das viele gar nicht so richtig verstehen, warum es diese überwältigende Teilnahme am Trauermarsch, beim Gedenkgottesdienst in der Marktkirche oder eben heute bei der Trauerfeier im Stadion gegeben hat. Ohne es natürlich empirisch belegen zu können, ist Robert Enke den meisten Hannoveranern irgendwie schon einmal persönlich begegnet, sei es beim Fußballspiel im Stadion, in der Innenstadt, in der S-Bahn nach Hannover oder Neustadt, beim Training der Mannschaft oder auf einer der zahlreichen Veranstaltungen, die nur bedingt etwas mit Leistungssport zu tun hatten. Und jeder, der Enke schon einmal begegnet war – und dann vielleicht auch noch das Vergnügen hatte mit ihm ein paar Worte zu wechseln, erkannte sehr schnell, was für einem sympathischen Menschen man gegenüberstand. Das ist zumindest mein Eindruck.

Nicht nur auf den Fußball bezogen, war Hannover Enke für vieles dankbar und Enke gab diese Dankbarkeit mit tollen Leistungen auf dem Platz und im gesellschaftlichen Leben zurück. Enke hätte längst dank seiner tollen Leistungen Hannover verlassen können, aber nein, er blieb Hannover, seiner Heimat und seinen Fans immer treu. Überliefert sind viele Geschichten vom Menschen Robert Enke. Eine habe ich gestern Nachmittag beim NDR aufgeschnappt. Nach einem Training waren mal wieder mehrere Kinder nach Autogrammen von Enke hinterher. Dabei fiel ein Kind aus der Rolle, macht laut auf sich aufmerksam, dass es dringend und sofort ein Autogramm haben wollte. Enke ignorierte den Schreihals und gab zuerst den anderen Kids seine Unterschrift. Als dann zuletzt das unfreundliche Kind dran war und auch noch ein “Na endlich, das wurde aber auch Zeit” davorschickte, gab Enke natürlich bereitwillig das Autogramm, gleichzeitig aber darauf hinzuweisen: “Wenn du freundlich ‘Guten Tag Herr Enke, ich hätte gerne ein Autogramm’ gesagt hättest, wärest du der erste gewesen.”

Die Trauerfeier aus Hannover wurde heute von etlichen TV-Sendern übertragen, unter anderem die ARD, der NDR und unsere Nachrichtensender n-v und N24. Über Twitter kamen dann die ersten Hinweise, ob das nicht alles zu viel sei. Zum Beispiel das Internetportal der WAZ-Gruppe, der Westen, ließ darüber diskutieren. Komischerweise waren das genau die, welche am Dienstagabend ihre Online-Berichterstattung mit langen Klickstrecken ergänzten und aufbereiteten. Darauf hätte ich gerne verzichten können, aber dass man Menschen, die aus bestimmten Gründen nicht ins Stadion gehen konnten, die Möglichkeit gibt, eine große Trauerfeier trotzdem live  verfolgen zu können, fand ich absolut angemessen. Und dass dann neben den öffentlich-rechtlichen Sendern auch die privaten TV-Stationen übertragen, ist schlicht auch ein wenig unserem Rundfunksystem geschuldet. Wenn sich n-tv und N24 von ihrer Übertragung vielleicht eine höhere Quote versprechen und deswegen auf Live-Bilder setzen, dann ist das zwar bedauerlich, aber für mich irgendwie auch nachvollziehbar. Viel mehr müssen sich n-tv und N24 fragen, wieso sie jetzt noch so einen Hype um den Tod von Robert Enke machen und es die Tage davor nur selten geschafft haben, sachlich angemessen und vor allem aktuell zu berichten. Dass jetzt die Trauerfeier im Fernsehen gezeigt wird, ist absolut richtig, vielmehr sollten sich die Medien hinterfragen, ob es notwendig ist, mit Kränen in der hannoverschen Innenstadt vor der Markthalle zu stehen, um den Trauermarsch zu filmen, ob man in den Online-Medien Klickstrecken en Masse anbieten musste und ob es sinnvoll ist, immer weiter zu senden, obwohl es eigentlich gar nichts mehr zu senden gibt. Dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn Leute wie Peter Neururer oder Christoph Daum ihren Senf dazugeben. Und das finde ich eigentlich das Bedauerliche.

Dass umfassend und ausführlich auf vielen Kanälen über den Freitod von Robert Enke berichtet wurde, ist doch selbstverständlich. Und Medienkritik mag zwar immer ganz passend und anspruchsvoll klingen, aber zu einer Berichterstattung der Medien gehören immer zwei Seiten. Die Medien und wie als Rezipienten. Wir wollten doch auch alle mit neuen Informationen, Gründen und Hintergründen überschüttet werden. Wer hat denn nicht seit Mittwoch jeden Morgen auf die Titel-Schlagzeile der BILD geschaut, wer hat sich nicht die Pressekonferenz von Teresa Enke bei Youtube oder in irgendeiner Mediathek noch einmal angeschaut, wer hat sich nicht im Internet auch die Klickstrecken angeschaut, obwohl fast alle gegen die Art und Weise der Aufbereitung protestiert haben, und wer wird sich morgen ausnahmsweise mal den SPIEGEL holen, weil Robert Enke auf dem Titelbild ist? Das werden schon viele Menschen sein. Man kann den Medien in diesem Land vieles vorwerfen – und ich mache das ja auch manchmal gerne – aber die Medien haben im Fall des Freitodes von Robert Enke doch hauptsächlich nur auf unseren Informationsdurst reagiert. Über die Art und Weise, wie einige Medien berichtet haben, lässt sich immer aufregen. Das sollte aber unabhängig vom Todesfall Enke die Regel sein. Es gibt auch positive Beispiele. Zum Beispiel hat mich die sehr sachliche, emotionale und informative Berichterstattung der HAZ beeindruckt. Vielleicht sollten sich viele Zeitungen daran mal ein Beispiel nehmen.

Der Tod von Robert Enke macht mich auch heute noch unendlich traurig. Er hat eben auch gezeigt, wie Menschen, Medien und Gesellschaft in einer solchen Extremsituation reagieren. Das war nicht immer vorbildhaft, keine Frage. Und vielleicht denken einige Medien im Speziellen vielleich auch einmal darüber nach, genauso wie wir Konsumenten, ob es nämich sinnvoll ist, stets immer der Sensation, dem Extrem, dem Besonderen und Reißerischen den Vorzug vor einer etwas seriöseren Berichterstattung zu geben.

Eigentlich verbietet es sich, erinnernde Worte an Robert Enke mit einer leichten Kritik an den Medien und unserem Verhalten als Rezipienten der medialen Berichterstattung zu vereinen. Ich habe das aber ganz bewusst gemacht, eben, weil ein Großteil der Bevölkerung und der Medien es in diesen Tagen nicht geschafft haben oder schaffen wollten. Durch den Tod von Robert Enke wird sich im Leistungssport und Profifußball hoffentlich einiges verändern. Die Worte vom DFB-Präsidenten Zwanziger machen mehr als nur Mut und Zuversicht. Aber gleichzeitig sollten wir Medienkonsumenten und die Medien vielleicht auch einmal ihr Verhalten und ihre Berichterstattung der letzten Tage positiv wie negativ reflektieren.

Dass wir aus bestimmten Medien keine anderen Medien machen können, steht außer Frage. Aber wir als Konsumenten haben die Entscheidung, welcher Art und Weise von Berichterstattung wir besser finden. Nämlich durch unseren Kauf der Zeitungen oder dem Einschalten eines bestimmten Fernsehsenders.

Zurückhaltend, sachlich, wohl überlegt, nie im Mittelpunkt stehen zu wollen – das waren einige der großen Charaktereigenschaften von Robert Enke. Es wäre schön, wenn wir als Gesellschaft, Medien und Öffentlichkeit diese Werte und Verhaltensweisen ein bisschen mehr in unsere Köpfe und unser Handeln einbringen könnten. Theo Zwanziger hat mit seiner beeindruckenden Rede die richtigen Worte heute gefunden. Es wäre schön, wenn alle Medien morgen in ihrer Zeitung, auf ihren Internetseiten oder im TV-Programm diese Worte einfach mal eins zu eins abdrucken, veröffentlichen oder senden. Ohne Klickstrecke.